Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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1ste Corps.[]

[Die Eintheilung und Stärke des Kaiserlich Russischen Kriegsheeres im Monat Juny 1812.] [1]
Das 1ste Corps oder später die detaschirte Armee 20,000 M.
des General-Lieutenants Grafen Wittgenstein,
Haupt quartier in Szawell
die 5te Inf.-Div. , Chef der G. M. Berg d. 1ste,
die 14te -- -- Chef der G. M. Safonow,
die 25ste -- -- Chef der G. M. Gamen,
die Kavallerie des G. M. Kulluew.


Die specielle Eintheilung des Russischen Kriegsheeres.[]


Das 1ste Corps oder die später selbstständig detaschirte Armee des G. Lt. Graf Wittgenstein, Haupt-Quartier in Willkomir. [2]

Biblioteka Narodowa w Warszawie.

Chef des Generalstabes der G. M. d'Auwray.
General-Quartiermeister der Obrist Baron Diebitsch.
Chef der Artillerie der G. M. Fürst Jaschwill.
Chef der Ingenieur G. M. Graf Siewers.
Dujour-General der G. M. Graf Igelströhm.


1. Die 5te Infanterie-Division, Chef der General-Major Berg der 1ste.
G. M. Fürst Sibirsky.
1) das Permsche, Obrist Mesenzow.
2) Das Mohilewsche, G. M. Fürst Sibirsky.
G. M. Kasatschkowsky.
3) Das Sewskische, G. Lt. Tutschkow der 1ste (abwesend), Obrist Lukow,
4) das Kalugasche, G. M. Kasatschkowsky, Major Sawinitschin.
Obrist Weastof.
5) das 23ste Jäger-Regiment, Obrist Frolow, Major Braschnikow,
6) das 24ste Jäger-Reg., Obrist Wlastow, Obristlieut. Somow.


2. Die 14te Infanterie-Division, Chef der General-Maj. Safonow.
Obrist Helfreich.
1) das Tinginskische, Obrist Lälin,
2) das Esthländsche, Obrist Helfreich.
Obrist Harppe.
3) das Tulasche, Obrist Patton,
4) das Nowaginskische, Obrist Harppe.
Obrist Roth.
5) das 25ste Jäger-Reg., Obrist Denissiew, Major Wetoschkin,
6) das 26ste Jäger-Reg., Obrist Roth.


3. Die 25ste Infanterie-Division, Chef der General-Maj. Gamen. *)
Obrist Peiker.
1) das 1ste San-Reg., Obrist Popow, Obristlieut. Rachette,
2) das 2te San-Reg., Obrist Peiker, Obrist Marin,
3) das Warrnesche-Reg. Obrist Naumow.
Obrist Weidemeier.
4) das 31ste Jäger-Reg., Obrist Weidemeier, Major Rasnizin,
5) das 47ste Jäger-Reg., Obrist Ekeln (abwesend).


Von der 1sten Kavallerie-Division, General-Major Kullnew.
G. M. Balk.
1) das Grodnosche Husaren-Reg., G. M. Kullnew, Obrist Rüdinger,
2) das Rigasche Dragoner-Reg., Herzog Alex. Würtemberg, G. M. Balk,
3) das Jamburgsche Dragoner-Reg., Obrist Falk.


Es siegte in den Gefechten bei Polozk.

Geblieben sind:

1) der G. M. Kullnew,
2) der Obrist Denissief,
3) der Obrist Frolow.

Blessirt:

1) der G. M. Berg der 1ste,
2) der G. M. Gamen,
3) der G. M. Balk,
4) der G. M. Fürst Sibirsky,
5) die Obristen Roth, Rüdinger,
6) von der später herangerückten Miliz von Petersburg, G. M. Mordwinow,
7) Obrist und Senateur Bibikof.
*) Diese Division rückte erst später aus St. Petersburg gegen Polozk heran, das 3te San-Reg. war in Petersburg geblieben.


Nachrichten über die Kriegsoperationen.[]


Der Kommandeur des ersten abgesonderten Korps, Generallieutenant Graf Wittgenstein, berichtet in einem Rapport vom 21sten July Folgendes: [3]

Zufolge Allerhöchsten Befehls ist das mir anvertraute Korps bestimmt, abgesondert zu agiren. In Folge dessen verblieb ich am Ufer der Düna auf dem Vorwerke Pokajewze, um den gegen mir über auf der andern Seite befindlichen Feind zu beobachten, und sandte meine Kavallerie, indem ich zur Nachtzeit Brücken schlagen ließ, viele Male auf Unternehmungen aus, welche auch im Laufe von 8 Tagen einen Brigadegeneral, de St. Genies, 9 Officiere, und bis 1000 Mann Gemeine gefangen genommen, und vier feindliche Kavallerieregimenter, das 7te und 11te französische reitende Jägerregiment, das 8te Uhlanen- und das 10te Jägerregiment, beyde polnische, fast gänzlich aufgerieben hat. Endlich, am 17ten dieses Julius, erhielt ich von meinen Detaschements die Nachricht von Disna, daß der Marschall Oudinot, Herzog von Reggio, nachdem er dort mit seinem Korps die Düna passirt habe, auf Sebesh gehe; von Dünaburg benachrichtigte man mich, daß Macdonald in Jakobstadt über den Fluß gegangen sey und seine Richtung auf Luzon genommen habe; und nach der Anzeige eines gefangenen französischen Officiers vom Generalstabe waren die beyden Korps bestimmt, mich von der Pskowischen Straße abzuschneiden.

In dieser Lage entschloß ich mich, auf den nächsten Feind, auf der Straße von Sebesh in dem Kirchdorfe Klästiza, los zu gehen und ihn anzugreifen. Ich näherte mich dieserwegen am 18ten dem erwähnten Kirchdorfe Klästiza, und entdeckte noch 5 Werst vor dem Dorfe Jakubow das Oudinotsche Korps, welches mir bereits aus Klästiza entgegen kam. Ich griff es entschlossen an, und nach einer der hartnäckigsten und blutigsten Schlachten, die drey Tage ohne Aufhören von früh Morgens bis in die Nacht dauerte, erfochten wir endlich, Dank sey es dem allgütigen Gott und gepriesen die siegreichen russischen Truppen, über den hinterlistigen und starken Feind unsers Vaterlandes den Sieg; das Korps des Marschalls Oudinot, welches aus drey der besten französischen Infanteriedivisionen bestand, ist vollkommen geschlagen, in die größte Verwirrung gebracht, hat sich in Unordnung retirirt, und sich nur vermittelst der waldigen Stellen und durch das Uebersetzen über die kleinen Flüßchen gerettet, deren Brücken es in Brand steckte und vernichtete, indem es uns eben dadurch fast bey jedem Schritte Hindernisse entgegen setzte und die Schnelligkeit, mit welcher dasselbe von uns verfolgt wurde, aufhielt. -- Die Divisionskommandeurs le Grand und Verdier sind beyde verwundet. Ich werde dasselbe bis zur Düna nach Polotzk verfolgen. Diese dreytägige Schlacht hat das russische Kriegsheer mit neuen Lorbeern gekrönt, und das mit anvertraute Korps hat durch seinen Muth und seine Tapferkeit unglaubliche Thaten gethan, die ich hinlänglich zu beschreiben nicht im Stande bin. Alles, was ihm entgegen gestellt wurde, Batterien und starke Kolonnen, hat es, ohne auf die heftigste und hartnäckigste Gegenwehr des Feindes zu achten, mit dem Bajonnet und durch die Wirkung der Artillerie geworfen und vernichtet; alle Dörfer und Felder, durch die wir gekommen sind, waren mit rothen Körpern bedeckt. Gefangen genommen haben wir bis 3000 Mann, worunter 25 Officiere; ferner haben wir genommen 2 Stück Geschütz, mehrere Pulverkasten; und sowohl das Kron- als das Privatgepäck, worunter sich auch die Generalsequipagen befinden, ist fast ganz in die Hände der Sieger gefallen. -- Sobald ich ihn werde über die Düna gejagt haben, bin ich entschlossen, indem ich ihn auf jener Seite lasse, mich gegen das Korps des Marschalls Macdonald zu wenden, es anzugreifen, und, wie ich hoffe, mit der Hülfe Gottes und mit dem durch diesen Erfolg unserer Truppen belebten Geist, ebenfalls etwas auszurichten; auch werde ich mich bemühen, die mit bestimmte Operationslinie von dem Feinde zu reinigen; und geschieht dies, so müssen die feindlichen Truppen sich von Riga zurückziehen. -- Unserer Seits ist der Verlust auch nicht gering, besonders da wir den tapfern Generalmajor Kulnew verloren haben, dem gestern eine Kanonenkugel beyde Beine fortriß, wovon er auf der Stelle starb; auch ich selbst bin in der Backe nahe am Schlaf von einer Kugel verwundet worden, aber die Wunde ist gar nicht gefährlich.

* * *

Bericht des Generallieutenants Grafen Wittgenstein, an Seine Majestät, den Kaiser, aus Oswek, vom 31sten July. [4]

Durch meine Vorposten wurde ich unterrichtet, daß der Feind von Polotsk aus sich alle Mühe gab, sie aufzuheben, und durch Deserteure und Gefangene, daß die große französische Armee durch Bayern und Würtemberger verstärkt würde. Zu gleicher Zeit erhielt ich vom Kriegsminister Nachricht von Vereinigung der beyden (russischen) Armeen, und zugleich Befehl, offensiv zu verfahren und sobald wie möglich den Feind in der Flanke anzugreifen. Dem zufolge detaschirte ich den Major Bedraguit und trug ihm auf, die Bewegungen der Armee Macdonalds zu beobachten und mich davon zu unterrichten. Ich brach sogleich gegen das Korps Oudinot auf, welches ich am 29sten, Abends, 4 Werst (ein halbe Meile) von Kochanowa fand. Nachdem ich auf der Stelle die nöthigen Anstalten getroffen, griff ich ihn gestern mit Gottes Beystand kräftig an. Nach einem achtstündigen Gefecht wurde der Feind in die Flucht getrieben und von den braven Truppen Ewr, Majestät bis zur einbrechenden Nacht verfolgt.

Wir haben 3 Officiere und 250 Gemeine zu Gefangnen gemacht. Der Verlust des Feindes, sowohl an Todten als Blessirten, ist beträchtlich, besonders haben seine Kürassiere sehr gelitten, da sie sich äusserst anstrengten, sich unserer Batterie zu bemächtigen. Ich ließ sie durch die Husaren von Grodno, die sich bey dieser Gelegenheit besonders auszeichneten, verfolgen. Wir haben 400 Todte und Verwundete, und bedauern besonders den Verlust des braven Obersten Denessen, Chef des 25sten Jägerregiments, der durch eine Kanonenkugel getödtet wurde.

Meine Absicht ist, den Feind bis an die Düna zu verfolgen.

* * *

Der General-Lieutenant Graf Wittgenstein berichtet Sr. Kaiserl. Majestät aus dem Flecken Beloje, unweit Polozk, unterm 7. August, Folgendes: [5]

"Ich hatte das Glück, Ew. Kaiserlichen Majestät unterm 31. July aus dem Flecken Oswey zu berichten, daß nach der zweyten von mir am 29. hinter dem Flecken Kochanow dem Marschall Oudinot beygebrachten Niederlage, derselbe sich schleunigst retirirt und jeden Tag mit meiner Avantgarde geringe Affairen gehabt, daß er aber darauf neue Verstärkung erhalten und sich ganz nahe vor Polozk gesetzt habe. Ich war daher genöthigt, mich am 5. August mit ihm in eine Affaire einzulassen, um ihn in die Verschanzungen zurück zu treiben. Diese Affaire dauerte 14 Stunden, wobey die Feinde einen sehr großen Verlust erlitten haben, und nach ihren Verschanzungen zurück gegangen sind. Von unserer Seite beträgt der Verlust an Todten und Verwundeten gegen 2000 Mann. -- Während der ganzen Retirade des Feindes und in dieser Schlacht selbst, sind über 2000 Mann gefangen genommen. -- Ich blieb mit meinem Corps vor Polozk und war im Begriff eine Bewegung zu machen, um das Corps des Marschalls Macdonald zu beobachten; als der Marschall Oudinot [xxx] , außer seiner ersten Verstärkung durch Baiern unter dem General Wrede [xx], noch eine zweyte Division gleicher Truppen, unter Commando des Generals De Roy erhielt, und mich am 6., Nachmittags um 4 Uhr, mit 5 Divisionen Infanterie an allen Puncten angriff, indem er zugleich mit seinem sämmtlichen Geschütz das stärkste Kanonenfeuer begann."

"Diese Schlacht war von beyden Seiten die heftigste, blutigste und hartnäckigste. Die tapfern Truppen Ew. Kaiserlichen Majestät schlugen den obgleich drey Mahl stärkern Feind an allen Orten mit ihrer gewöhnlichen Unerschrockenheit und Hartnäckigkeit, warfen mehrere Mahle seine Batterien und Colonnen zurück, vertrieben ihn bis zur Stadt und fochten selbst in deren Gassen. Die tiefste Dunkelheit der Nacht zwang uns diesen heftigen und wüthenden Kampf zu beendigen, nach welchem der Feind sich zu seinen Verschanzungen zurück zog, ich hingegen, meiner früheren Disposition gemäß, unter Zurücklassung meiner Avantgarde, mich mit meinem Corps längst dem Sebeschschen Wege, nach dem Flecken Beloje begab. In dieser Schlacht war der Verlust von beyden Seiten an Todten und Verwundeten bedeutender; gefangen sind 2 feindliche Oberst-Lieutenants, 15 Oberofficiers, gegen 500 Gemeine, und genommen 2 Kanonen, deren das zusammengesetzte Cürassier-Regiment bereits 15 genommen hatte, sie jedoch nicht alle wegführen konnte, weil es dazu an Pferden mangelte, und mehrere Graben unser Terrain coupirten. Der Feind hat sicher an Todten und Verwundeten drey Mahl so viel als wir verloren, indem derselbe sich mit Infanterie-Colonnen auf unsere Batterien warf, und jedes Mahl den größten Theil seiner Leute todt auf dem Platze zurück ließ. An diesem Tage gelang es dem erwähnten zusammengesetzten Cürassier-Regimente, zwey ganze Colonnen zu vernichten; und dieses Regiment hat während der ganzen Affaire aller Orten ausgezeichnete Tapferkeit bewiesen. Unserer Seits ist der Verlust auch nicht gering. Die Generalmajors Berg und Hammer haben Contusionen bekommen. Der Generalmajor Kasatschkowsky ist durch eine Flintenkugel, und der Oberst Frolow durch eine Kartätschenkugel verwundet. Nach dieser Affaire blieb der Feind aufs neue in größter Verwirrung. Am 5. wurde der Marschall Oudinot selbst an der Schulter verwundet, und den 6. commandirte bereits an seiner Stelle der erste Befehlshaber des Baierschen Corps, der Französische General Gouvion St. Cyr; und hoffentlich kann er nichts wichtiges unternehmen. Jetzt werde ich den Pleskauschen Weg von allen Seiten observiren und die Fortschritte der großen Armee abwarten."

* * *

Bericht des Generallieutenants, Graf Wittgenstein, von dem Gute Sokolischtscha vom 11ten August. [6]

Vom 7ten August habe ich Ewr. Kaiserl. Majestät allerunterthänigst Bericht erstattet über das äusserst heftige und ausserordentlich blutige Treffen, das am 6ten bey der Stadt Polotzk statt gehabt, und in welchem der Feind ungleich mehr, als in allen seinen vorigen Gefechten, verloren hat, und durch welches er aufs Neue in große Unordnung gebracht wurde, wornach er mich auch wirklich drey Tage in Ruhe ließ. Aber am gestrigen Tage, Nachmittags um 4 Uhr, entschloß er sich, meine Avantgarde, die sich jenseits der Dorfschaft Beloi befand, mit einer ganzen Division Bayern zu attakiren; er marschirte daher, nachdem er die Avantposten geworfen hatte, zum Angriff an. Der die Avantgarde kommandirende Oberst Wlastow zog sich auf Beloi zurück, nahm seine Position, und empfing ihn darauf mit seinem Geschütz und seinen Scharfschützen. Anfangs war der Kampf hartnäckig, aber endlich ward der Feind geworfen, und der Oberst Wlastow besetzte mit unserer Avantgarde die nämlichen Orte, wo er vorher gewesen war, nachdem er 3 Officiere und 155 Gemeine zu Gefangenen gemacht hatte, nach deren Aussage der Befehlshaber ihrer Division, der General Deroy, in dem Treffen am 6ten bey Polotzk in der Seite von einer Kugel, die durch und durch gegangen ist, schwer verwundet worden, und an dessen Stelle am gestrigen Tage der General Cybein, der hier ebenfalls verwundet, so wie ein Oberst getödtet ist, kommandirt hat. Ich verbleibe wieder mit dem Korps und der Avantgarde an dem nämlichen Orte wie zuvor.

Der Major vom Isumschen Husarenregiment, Bedräga, berichtet vom 2ten August, daß, als er am 30sten des verwichenen Monats 80 Mann Husaren von des Eskadron seines Namens, und 30 Mann von der des Majors Tschurßow, desgleichen 20 Mann Kosaken mit einem Urädnik genommen, und des Morgens um 4 Uhr von dem Gute Nider über das Gut Dubna auf Dünaburg marschirt sey, er links nach Wyschky hin habe Schüsse fallen hören; er veränderte dieserwegen seinen Entschluß, und begegnete, nachdem er einige Werst weiter marschirt war, einer Eskadron preussischer schwarzer Husaren, die er gänzlich aufrieb; über 50 Mann blieben auf dem Platze, und zu Gefangenen machte er den Eskadronkommandeur, Rittmeister Mayer, einen Lieutenant, der mit einer Pike in der Seite schwer verwundet worden ist, 6 Unterofficiere, worunter ein Trompeter, und 48 Gemeine. Der Major Bedräga hat vom Anfange dieses Krieges an mit seinem zusammengezogenen Regiment schon mehrere dergleichen ausgezeichnete Thaten gethan, und im Laufe der ganzen Zeit bis 700 Mann und mehrere Officiere gefangen genommen.

Nach der Affäre, die meine Avantgarde am 10ten dieses Augusts mit dem Feinde gehabt hat, und über welche ich Ewr. Kaiserl. Majestät allerunterthänigst vom 11ten dieses berichtet habe, stehe ich mit dem mir anvertrauten Korps heute, den 16ten August, vor der Dorfschaft Siwoschna, und meine Avantgarde in Beloi. Der Feind hat mich bis jetzt in Ruhe gelassen; seine Avantposten stehen den meinigen gegen über; er macht bey Polotzk herum Verschanzungen, befestigt sich, und schickt täglich Parteyen aus, um zu rekognosciren und zu plündern, die aber fast stets zu 60 und zu 80 Mann mit ihren Officieren uns in die Hände fallen.

* * *

Der Generallieutenant, Graf Wittgenstein, hat, von dem Gute Sokolischtscha vom 16ten August, Sr. Kaiserlichen Majestät über den am 18ten, 19ten und 20sten July erfochtenen Sieg über den Feind folgenden umständlichen Bericht vorgelegt. [7]

Nach erhaltener Nachricht, daß die Vortruppen des Marschalls Oudinot über den Drissafluß gegangen waren und auf der Straße nach Sebesh anrückten, schloß ich, daß dieser General die Absicht habe, mich von Sebesh abzuschneiden, und daß zu gleicher Zeit das Korps von Macdonald, nach erhaltener Nachricht von dem Anrücken Oudinots, sich Luzyn nähern, oder auch gerade auf Ostrow marschiren könne. Ich entschloß mich daher, diese Absichten durch schnelles Anrücken gegen Oudinots Korps während seines Marsches auf Sebesh zu vereiteln. Ich befahl allen mir anvertrauten Truppen, sich in einem Marsche nach dem Dorfe Katerinowo, 15 Werst von Klästizy, zu versammeln, mit Ausnahme des Detaschements der Generalmajors Gamen, dem ich vorschrieb, den Theil vom Macdonaldschen Korps, der sich in den Gegenden von Kreuzburg befand, zu beschäftigen, und jeden Schritt auf der über Reshiza nach Luzyn führenden Straße zu vertheidigen.

Am 18ten des Morgens, da sich alle Truppen zu Katerinowo versammelt hatten, befahl ich sogleich dem Generalmajor Kulnew, auf Klästizy zu marschiren, und, wenn dies Kirchdorf von dem Feinde besetzt sey, dasselbe unverzüglich zu nehmen. Die Vortruppen der Avantgarde begegneten bereits in der Gegend von dem Gute Jakubowo einem nicht großen feindlichen Kavalleriedetaschement, welches sie sogleich zurück warfen; nach Ankunft der feindlichen Infanterie aber waren unsere Husaren genöthigt, das Gut Jakubowo zu verlassen.

Da ich diese Nachricht erhielt, schrieb ich dem Generalmajor Kulnew vor, den Feind unverzüglich zu attakiren und ihn über den Fluß Nischtscha zurück zu treiben. Selbst marschirte ich mit dem 23sten und 24sten Jägerregiment, um ihn zu unterstützen, und dem Generalmajor Berg befahl ich, auf derselben Straße seinen Marsch fortzusetzen, um nöthigenfalls diese Truppen zu unterstützen. Der Generalmajor Kulnew, der den Feind zwischen dem Dorfe Olchowo und dem Gute Jakubowo im Walde entdeckte, attakirte ihn mit den Scharfschützen vom 25sten und 26sten Jägerregiment, die, nach einer hartnäckigen Gegenwehr, den Feind zwangen, sich nach Jakubowo zu retiriren, wo er, obgleich er sich bey diesem Gute mit frischen Truppen verstärkte, sich vergebens bemühte, auf der rechten Flanke wieder in den Wald zu dringen. Er wurde vollkommen geworfen durch die glückliche Wirkung des Geschützes der reitenden Kompagnie No. 1., und durch das tapfere 26ste Jägerregiment. Eben so mißlang dem Feinde auch sein Andringen gegen unsere rechte Flanke, wo die waldigen Stellen Anfangs das Anrücken desselben begünstigten; aber bald zwang das 25ste Jägerregiment, welches sich mit Unerschrockenheit auf die feindlichen Scharfschützen und auf die Kolonnen warf, von welchen diese unterstütz wurden, den Feind zum schleunigen Rückzug. Der Feind, um unsere Bewegungen besser bemerken zu können, steckte das Dorf Jakubowo in Brand, indem er mit der größten Schnelligkeit seine bey dem Gute Jakubowo befindlichen Batterien spielen ließ, und begann mit frischen Kolonnen wieder gegen die linke Flanke anzudringen; allein das zur Unterstüzzung des 25sten Jägerregiments herbeygekommene 23ste und 24ste Jägerregiment zwangen ihn bald zum Rückzuge. Das Treffen dauerte auf beyden Flanken mit der größten Hartnäckigkeit, und bey Untergang der Sonne wagte es der Feind noch einmal, sich der Batterie des Obersten Staden zu nähern; da er aber mit einem heftigen und gut dirigirten Feuer empfangen wurde, so verbarg er sich, nach Ankunft der 5ten Infanteriedivision, bald wieder in den Wald. Die eintretende Nacht machte dem Treffen ein Ende. Da ich aus dem Andringen des Feindes ersah, und von allen Gefangenen erfuhr, daß sich derselbe bey Jakubowo in sehr überlegener Macht befand, und daß er auf den folgenden Tag neue Verstärkungen erwarte, so schrieb ich dem Generalmajor Kachowskji vor, mit den zusammengezogenen und den Reservegrenadierbataillons der zweyten Linie unverzüglich zur Unterstützung vorzurücken, und nach ihm die übrige Infanterie und Kavallerie der dritten Reserve des Generalmajors Sasonow, und befahl, zu noch besserm Empfang, auf der rechten Flanke die Batteriekompagnie No. 5., und 2 Stück von der leichten Kompagnie No. 9., auf der linken Flanke aber die leichte Kompagnie No. 27. aufzustellen. Um die Anzahl und die Absicht des sich im Walde verborgenen Feindes zu erfahren, den Uebergang über den Nischtschafluß zu forciren, und uns den geradesten Weg nach Sebesh zu eröffnen, entschloß ich mich, den Feind mit Tagesanbruch zu attakiren. Um 3 Uhr attakirte der Oberst Frolow mit dem 23sten Jägerregiment das Gut Jakubowo, und nahm es in Besitz; allein der Feind, der mit großer Macht und mit einer zahlreichen Artillerie auf dies Regiment anrückte, zwang es zum Rückzuge; zu derselben Zeit attakirte der Oberst Wlastow mit dem 24sten Jägerregiment den Feind im Walde auf der rechten Flanke. Der Feind, nachdem er seine ganze auf dem rechten Ufer des Nischtschaflusses befindliche Macht zusammen gezogen hatte, eröffnete von seinen Batterien auf den Anhöhen hinter dem Gute Jakubowo ein heftiges Feuer, und begann aufs Neue auf beyde Flanken vorzudringen, sich bemühend, die linke zu umgehen; die glückliche Wirkung der Batterien der Oberstlieutenants Murusa und Baikow hielten den vordringenden Feind auf; allein, nachdem er sich mit frischen Truppen verstärkt hatte, rückte er zum zweytenmal gegen unsere Batterien an. Da ich dieses sah, so befahl ich dem Generalmajor Berg, mit einer Division und dem 26sten Jägerregiment dem Feinde entgegen zu gehen. Der Generalmajor Kosatschkowskji mit dem Sewskischen und dem Kalugaschen Regiment marschirte gerade auf den anrückenden Feind, der Generalmajor, Fürst Sibirskji mit dem Permschen und Mohilewschen Regiment umgingen die rechte Flanke desselben, und das 23ste, 24ste und 25ste Jägerregiment warfen sich in den Wald. Unser dem Feinde so unerwarteter Anmarsch versetzte denselben in Bestürzung. Die schnelle Bewegung der tapfern 5ten Division, angeführt von ihrem unerschrockenen Kommandeur, und aufgemuntert durch das Beyspiel aller Befehlshaber, der tapfere Angriff der Jägerregimenter, und dazu noch die heftige Wirkung unsrer von dem ausgezeichneten Befehlshaber derselben geschickt dirigirten Artillerie, entschieden das Loos des Treffens in einem Augenblick; der Feind, der alle Vortheile, die ihm das Terrain darboten, verließ, floh in größter Eile nach den sandigen Anhöhen des rechten Nischtschaufers, hinter welchen er sich verbarg, und hinter denselben frische Truppen vorführte, um seine Retirade möglichst zu decken. Die vortheilhaften Situationen für den Feind erlaubten ihm, aufs Neue seine Macht zu sammeln, und er erkühnte sich sogar, mit frischen Kolonnen anzurücken; aber da er von der Batterie des Oberstlieutenants Baikow gut empfangen wurde, so nahm er bald die Flucht. Nun befahl ich unsern Truppen, verstärkt mit einem Theile von der 2ten Linie, von allen Punkten gegen die sandigen Anhöhen anzurücken, welche, ungeachtet des hartnäckigen Widerstandes des Feindes über den Fluß verjagt wurden.

Der linke Nischtschaufer, wo die feindlichen Batterien durch die Gebäude der Dorfschaft Klästizy gedeckt waren, behaupteten die feindlichen Scharfschützen, und verhinderten unsern Uebergang über den Fluß.

Da ich aber dies bereits schon vorher vorausgesehen hatte, und ich die tapfern Truppen nach aller Möglichkeit schonen wollte, so befahl ich bey Zeiten den Generalmajors Balk und Kulnew, die Kavallerie auf der linken Flanke gegen den Nischtschafluß etwas oberwärts Klästizy aufzustellen, und dem Ingenieurbefehlshaber, Obersten, Grafen Sievers, da sich hier keine Stellen zum Durchwaten befanden, zum Bau einer Brücke zu schreiten. Als der Feind dies sah, und eine Attake auf seine rechte Flanke befürchtete, so fing er an, sich aus seiner vortheilhaften Position zurück zu ziehen, unsere Jäger aber, unterstützt von dem heftigen Feuer der Batterien der Oberstlieutenants Murusa und Baikow, stürmten mit dem Bajonnet in die Dorfschaft Klästizy. Umsonst steckte der Feind die sich an diesem Orte befindende Brücke in Brand; unsere tapfern Scharfschützen liefen durch die Flammen der brennenden Brücke, die Pawlowschen Grenadiere vor sich habend, und nahmen den Flecken.

Um diesen Flecken zu behaupten, befahl ich sogleich der ganzen Infanterie, vorwärts zu marschiren, und dem Jamburgschen Dragonerregiment und 2 Stück Geschütz von der leichten Kompagnie des Oberstlieutenants Baikow, dich bey der Dorfschaft durch den Fluß Nischtscha zu setzen, welches sie auch, obgleich mit großer Mühe, glücklich vollzogen. Die Infanterie marschirte durch das in Brand gesteckte Dorf und über die brennende Brücke. Der Feind, der seine Retirade von Zeit zu Zeit mit einigen Kanonenschüssen aus dem von der Kavallerie gedeckten Geschütz deckte, setzte seit dieser Zeit seine Retirade auf der Straße nach Polotzk fort, indem er die Gefangenen und einen großen Theil seiner Bagage zurückließ.

Ich übergab dem Generalmajor Kulnew zwey Dragonerregimenter, das Grodnosche Husarenregiment, das 1ste zusammen gezogene Grenadierbataillon der 14ten Division und alle Scharfschützen, mit dem Befehl, dem Feinde nach aller Möglichkeit Schaden zuzufügen. Das Permsche und das Sewskische Infanterieregiment verfolgten ebenfalls den Feind bis zum Kruge 6 Werst vorwärts Klästizy, wo sie dem Feinde einen großen Theil seiner Bagage abschlugen; aber wegen der Ermüdung der Truppen, die den Tag zuvor schon einen forcirten Marsch gemacht hatten, um den Feind zu empfangen, war der Generalmajor Kulnew, nachdem er eine Menge Feinde gefangen genommen hatte, genöthigt, bey dem Dorfe Golowschtschina, 10 Werst von Klästizy, Halt zu machen; der Feind aber, den Abend und die Nacht benutzend, zog sich mit der größten Eilfertigkeit 4 Werst hinter Siwotnä zurück, wo er seine 3te Division, die aus den Schweizer- und andern fremden Regimentern zusammen gesetzt ist, an sich zog. Nach der Ankunft des Generalmajors Sasonow mit vier Infanterieregimentern der 14ten Division, fertigte ich denselben zur Verstärkung des Generalmajors Kulnew ab, und nachdem ich die tapfern Soldaten der Jägerregimenter der 5ten Division und der zusammen gezogenen Grenadierbataillons versammelt hatte, hielt ich es für nöthig, sie nach ihrem gemachten forcirten Marsch und ihren Anstrengungen auf dem Felde der von ihnen eingelegten Ehre ausruhen zu lassen, um den kommenden Morgen ihrer starken Avantgarde zu folgen und sie nöthigen Falls zu unterstützen. Der Generalmajor Kulnew ging über den Drissafluß, 5 Werst hinter der Poststation Siwoschno, nicht weit von dem Dorfe Maskolinka. Seine Vorderkavallerie wurde von der feindlichen empfangen und genöthigt, sich zurück zu ziehen. Der tapfere Generalmajor Kulnew, welcher Glaubte, daß der Feind einzig deswegen Widerstand leiste, um Zeit zu gewinnen und seine schweren Lasten fortzuschaffen, ließ die reitende Artillerie vorrücken, und da er sah, daß der Feind seine schwere Artillerie ihm gegenüber aufstellte, so forderte er von dem Generalmajor Sasonow 6 Stück Batteriegeschütz von der Kompagnie No. 27. unter der Bedeckung des Tulaschen Infanterieregiments, welchem auch sogleich die übrige Infanterie der 14ten Division folgte. Der Feind eröffnete von allen Batterien ein heftiges Feuer, und fing in demselben Augenblick an, mit der sämmtlichen Infanterie und einer starken Kavallerie auf die Stirn unsrer Kolonne vorzudringen, die genöthigt war, sich einstweilen über den Drissafluß zurück zu ziehen. Der unerschrockene Generalmajor Kulnew bemühte sich, mit dem Grodnoschen Husarenregiment und mit der übrigen Artillerie nach aller Möglichkeit den Feind aufzuhalten, der, im Vertrauen auf seine anfänglichen Fortschritte, mit seinem ganzen Korps auf unsre Avantgarde eindrang, um dieselbe zu vernichten, und sodann mit größerm Vortheile unsre übrigen Truppen zu attakiren. Da ich um diese Zeit Nachricht hiervon erhielt, so marschirte ich sogleich mit der ersten und zweyten Linie des Korps der Bataille dem Feinde entgegen; und da ich auf dem Marsche erfuhr, daß die Avantgarde den Feind am Drissaflusse nicht aufhalten könne, daß der tapfere Generalmajor Kulnew von einer Kanonenkugel getödtet sey, und daß, ungeachtet des Widerstandes des Grodnoschen Husarenregiment, unsrer Batterieartillerie und der Scharfschützen der 14ten Division, der Feind immer näher komme, so fertigte ich die Generalmajors, Fürsten Jaschwil und Helfreich ab, um den Feind aufzuhalten; selbst aber wählte ich eine Position bey dem Kirchdorfe Golowschtschina, mit der rechten Flanke nach Nischtscha, und mit der linken nach dem erwähnten Kirchdorfe hin, und entschloß mich, in derselben den Feind zu erwarten. Der Generalmajor, Fürst Jaschwil, hielt durch sein persönliches Beyspiel und durch seine unermüdete Thätigkeit den Feind bald in seinem Verfolgen auf, ich aber stellte alle meine Regimenter in Schlachtordnung, und befahl dem Fürsten Jaschwil, bey Annäherung einer grössern feindlichen Macht, sich aus seiner Position zurück zu ziehen, um den Feind auf die unsrige zu bringen. Anfangs rückte der Feind, zu seiner noch grössern Niederlage, mit der größten Eilfertigkeit vor; der Scharfschützen der linken Flanke gelang es sogar, das Gut Golowschtschina zu besetzen; aber bald wurden sie von den Scharfschützen des Permschen Infanterieregiments vertrieben, so wie auch die gegenüber den Batterien unsrer linken Flanke näher gekommenen feindlichen Scharfschützen von den Scharfschützen des 24sten Jägerregiments und des Sewskischen Infanterieregiments vertrieben wurden. Der Feind poussirte sodann seine Infanteriekolonnen und seine Artillerie auf der großen Straße vor, und rückte zwischen derselben und dem Nischtschaflusse gegen unsere rechte Flanke an; allein die glückliche Wirkung unsers Geschützes, besonders der reitenden Kompagnie No. 1., der Batteriekompagnie No. 14., und der leichten Kompagnie No. 27., hielten ihn bald in seinem Andringen auf. Da ich dieses sah, so befahl ich dem ganzen Korps, auf den Feind anzurücken, nachdem ich die ganze erste Linie und insonderheit die rechte Flanke dem Generalmajor Berg, und die linke dem Generalmajor Kosatschkowskji anvertraut hatte. Schon in den ersten Augenblicken unsers Anrückens war der Sieg nicht mehr zweifelhaft. Die ausgezeichnete Wirkung unsrer Artillerie, aufgemuntert von dem persönlichen Beyspiel des Generalmajors, Fürsten Jaschwil, und von dem schnellen und kühnen Angriff der Jäger- und der tapfern Regimenter der 5ten Division, warfen die feindlichen Kolonnen gänzlich über den Haufen; vergeblich bemühte sich der Feind, den Wald gegenüber der linken Flanke zu behaupten. Der Generalmajor Kosatschkowskji umging die rechte Flanke des Feindes mit dem 24sten Jägerregiment und dem Sewskischen Infanterieregiment, und der Generalmajor Kachowskji, der mit den Reserve-Grenadierbataillonen der zweyten Linie gerade gegen das Centrum vordrang, verjagte den im Walde befindlichen Feind, und schnitt einen Theil desselben ab; eine feindliche Kolonne, die sich durchschlagen wollte, wurde mit dem Bajonnet von einem Bataillon des Grenadierregiments Graf Araktschejew und von einer Eskadron des Leibgarde-Dragonerregiments und des Rigaschen Dragonerregiments attakirt, theils aufgerieben, und die Uebrigen gezwungen, die Waffen zu strecken. Während dem zwang unsere rechte Flanke den Feind zum schleunigsten Rückzuge, obgleich er an allen vortheilhaften Stellen sich bemühte, uns durch seine Artillerie aufzuhalten, um nach Möglichkeit die Verwundeten zu retten; aber überall ward er in demselben Augenblick durch die Wirkung unsers Geschützes und durch das schnelle Andringen der Scharfschützen und der in exemplarischer Ordnung mit Trommelschlag marschirenden Bataillonskolonnen der 5ten Division geworfen. Da 24ste und 26ste Jägerregiment, unter dem Kommando des Generalmajors Kosatschkowskji, umgingen inzwischen die rechte feindliche Flanke, und zwangen ihn zur schleunigsten Retirade; vor dem Gute Sokoliza gab sich der Feind, indem er die sich durchkreuzende Situation benutzte, Mühe, dem Andringen unsrer Truppen sich aufs Neue entgegen zu setzen; aber auch hier wurde er bald von dem Mohilewschen Infanterieregiment und einem Bataillon vom Sewskischen Infanterieregiment, unter dem Kommando des Generalmajors, Fürsten Sibirskji, und von dem 24sten Jägerregiment geworfen, welches über die Straße hinüber marschirt war, und schon anfing, ihm in die linke Flanke zu operiren, während das 25ste Jägerregiment durch den Nischtschafluß watete und diese Flanke des Feindes, der sich eben so vergeblich bemühte, jenseits des Flusses bey dem Gute Sokoliza festen Fuß zu fassen, mehr und mehr umging. Die Wirkung der Batteriekompagnien No. 9. und 14., und das tapfere Anrücken der Infanterie der 5ten Division, zwangen den Feind, sich zum Drissaflusses zurück zu ziehen. Die Generalmajors, Fürst Jaschwil und Kosatschkowskji, verfolgten ihn bis zu diesem Flusse, hinter welchem er sich verbarg, indem er die Brücken und die Dorfschaft Siwoschnä in Brand steckte. Er wurde von einem starken Feuer der reitenden Kompagnie No. 3 und von den leichten Truppen bis zur Dorfschaft Beloje, 7 Werst von Siwoschnä, verfolgt, und nur die eintretende Nacht und die Ermüdung unserer Truppen nach einer dreytägigen Schlacht ließen es nicht zu, ihn weiter zu verfolgen. Der Feind ging in der Nacht über die Düna, und ließ nur einen kleinen Theil in dem Brückenkopfe bey Polotzk zur Deckung seiner Retirade zurück. In dieser blutigen Schlacht, in welcher die siegreichen Truppen Ewr. Kaiserl. Majestät sich durch neue Heldenthaten ausgezeichnet haben, hat der Feind, nach der einstimmigen Aussage aller Gefangenen, bis 10,000 Mann an Getödteten und Verwundeten, und über 3000 an Gefangenen verloren. Unserer Seits ist der Verlust auch nicht gering: Stabs- und Oberofficiere sind 18 getödtet und 62 verwundet; Gemeine sind 1295 getödtet, und 2250 verwundet.

Ich wage es, das Verzeichniß aller Herren Generale, Stabs- und Oberofficiere, die sich besonders in dieser Affäre ausgezeichnet haben, und durch deren Bemühung und Anstrengung dieser vollkommene Sieg über den Feind erfochten worden, hierbey vorzustellen.

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Bericht des Generallieutenant, Grafen Wittgenstein, an Se. Kaiserl. Majestät, von dem Gute Sokolischtscha, vom 22sten August 1812. [8]

Nach meinem allerunterthänigsten Bericht vom 16ten August ist mit dem Feinde nichts vorgefallen; er befindet sich in den nämlichen Verschanzungen bey Polotzk, und leidet schrecklichen Hunger, an welchem bey ihm eine Menge Leute sterben; täglich desertiren ihm zu funfzig Mann.

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Der Generallieutenant, Graf Wittgenstein, hat Sr. Kaiserl. Majestät, vom 30sten August von dem Gute Sokolischtscha, den umständlichen Bericht über den am 5ten und 6ten August bey Polotzk über den Feind erfochtenen Sieg eingesandt. [9]

Nach der Schlacht bey Swolna, am 1sten August, fing der Feind an, sich nach Polotzk zurück zu ziehen, wo die vortheilhafte Lage, die alten Befestigung des erhöhten Theils der Stadt, und besonders der Umstand, daß das ganze 6te Korps, unter dem Kommando des Generals Gouvion St. Cyr, das aus den zwey bayerschen Divisionen der Generale Deroy und Grafen Wrede besteht, zu ihm gestoßen war, es ihm erlaubten, bey dieser so überlegenen Anz hl seiner Truppen, unsere Annäherung zu erwarten. Nachdem ich nach meiner Genesung das Kommando über das mit anvertraute Korps wieder persönlich übernommen hatte, verfolgte ich, vom 1sten August an, den Feind mit zwey Avantgarden, mit der ersten auf der Straße von Wolynzy auf Gamselewo, unter dem Kommando des Generalmajors Helfreich, und mit der zweyten, unter dem Kommando des Obersten Wlastow, über Siwotina und Arteikowitschi auf der Newelschen Straße. Die feindlichen Truppen zogen sich ununterbrochen auf Polotzk zurück, wobey, mit Ausnahme der kleinen Avantgardegefechte unweit dem Kirchdorfe Smoljanowo und unweit Belaja am 3ten, und bey Gamselewo und Ropna am 4ten, nichts vorfiel. In der Nacht vom 4ten auf den 5ten forcirten der Generalmajor Helfreich und der Oberst Wlastow das sich vor dem großen Platze, der die Stadt Polotzk auf beyden Ufern des Polotaflusses umgiebt, befindende Defilée.

Der Generalmajor Helfreich, unterstürzt von der Infanteriebrigade des Generalmajors, Fürsten Sibirskji, nahm von einer vortheilhaften Anhöhe bey dem Ausgange des Defilées und von dem Gute Prismeniza Besitz, der Oberst Wlastow besetzt mit dem ihm anvertrauten Detaschement den Wald am Ufer des Polotaflusses vor dem Kruge Barowka. Da ich die für den Feind vortheilhafte Lage auf den Anhöhen des linken Polotaufers sah, vermittelst welcher er seine ganze Fronte mit daselbst aufgestellten Batterien deckte, und für seine linke Flanke die Stadt Polotzk in einer vortheilhaften Lage zum Stützpunkt hatte, so entschloß ich mich, ihn nicht zu attakiren, sondern bloß eine Demonstration weiter unten über die Düna, und weiter oben über die Polota zu machen. Um unserer linken Flanke eine bessere Stellung zu geben, schrieb ich dem Fürsten Jaschwil vor, das Kommando über die beyden Avantgarden zu übernehmen, und dem Obersten Wlastow zu befehlen, denjenigen Theil von dem Vorwerke Spas zu besetzen, der sich auf unserer Seite unweit einem bey diesem Vorwerke vorbeifließenden Bache befand. Die Scharfschützen des 24sten Jägerregiments und des Permschen Infanterieregiments attakiren mit großer Tapferkeit das Gut Spas, welches von bayerschen Truppen vertheidigt wurde, die, obgleich sie unaufhörlich von dem linken Ufer der Polota mit frischen Truppen verstärkt wurden, dennoch gezwungen waren, den Theil von dem Vorwerke, den sie besetzt hatten, zu verlassen. Die glückliche Wirkung des Geschützes der reitenden Kompagnie No. 3. und der reitenden Kompagnie No. 1., in Gemeinschaft mit der abermaligen tapfern Attake der zusammengezogenen Grenadierbataillons der 5ten Division, des 24sten Jägerregiments und der 2ten Bataillons vom Permschen und Mohilewschen Regiment, zwangen den Feind zum Rückzuge; aber da der Feind bey dem Feuer der bayerschen Batterien von den Anhöhen des linken Polotaufers neue Verstärkung bekam, so hielt er sich mit Hartnäckigkeit in einigen Gebäuden des Vorwerks. Zu eben derselben Zeit stellte der Feind eine Batterie auf seiner linken Flanke unter Polotzk auf, um unserer Kavallerie, und besonders unserer reitenden Artillerie, zu schaden; allein die Batteriekompagnie des Oberstlieutenants Murusi machte ein so mörderisches Feuer auf sie, daß der Feind zweymal genöthigt war, das Geschütz augenblicklich wieder wegzuführen. Eben so glücklich war auch die Wirkung dieser Batterie gegen die Infanteriekolonnen, von denen der Feind unaufhörlich seine Scharfschützen gegen unser Centrum und unsere linke Flanke verstärkte; jeder Schuß that ihnen großen Schaden und brachte die feindlichen Kolonnen in Verwirrung.

Da ich inzwischen sah, daß der Feind, indem er einen Theil des Gutes Spas behauptete, auch sein Centrum verstärkte, so ließ ich den übrigen Theil der ersten und zweyten Linie sich unverzüglich dorthin in Marsch setzen. Das Gefecht zwischen den Scharfschützen dauerte mit der größten Hartnäckigkeit fort; allein der ausserordentliche Verlust des Feindes, der, nach der eigenen Aussage der Gefangenen, den unsrigen mehr als zweyfach übertrifft, beweiset, daß die russischen Scharfschützen auch sogar in einer unvortheilhaften Lage des Orts einen an Zahl überlegenen Feind besiegen können. Der Kommandeur der feindlichen Korps, Marschall Oudinot, ist in diesem heftigen Flintenfeuer selbst mit einer Kugel in der Schulter verwundet worden.

Als der Feind die Unmöglichkeit sah, das Gut Spas gegen die verstärkte linke Flanke zu behaupten, so steckte er, obgleich unsere tapfern Scharfschützen, unterstützt von der ganzen 5ten Division, unter dem Kommando des Generalmajors Berg, von den Scharfschützen des Obersten Wlastow, und von unserer Artillerie, unter der Anführung des Generalmajors, Fürsten Jaschwil, mit der größten Tapferkeit gegen die rechte feindliche Flanke vordrangen, und ihn zum schleunigen Rückzug über den Polotafluß zwangen, dasselbe in Brand. Unsere Scharfschützen, hiermit noch nicht zufrieden, warfen sich sogar auf die andere Seite des kleinen Baches, der bey dem Vorwerk Spas vorbey fließt. Der Feind schickte, um seine rechte Flanke zu behaupten, neue Infanteriekolonnen aus der Stadt zu ihrer Verstärkung. Die Batteriekompagnie des Oberstlieutenants Murusi und die reitende Kompagnie No. 1. brachten diesen Kolonnen durch ihr heftiges und gut dirigirtes Feuer eine große Niederlage bey; aber die feindlichen Scharfschützen kamen unter dem Schutz der Gebäude auf unser Centrum näher heran. Ich befahl daher dem Generalmajor Helfreich, zu noch mehrerer Deckung des reitenden Geschützes, ein Bataillon zu detaschiren, und der Generalmajor Sasonow befahl dem Generalmajor Hamen, mit dem Tulaschen und Esthländischen Infanterieregiment, und mit den Depotbataillons des 11ten, 18ten und 36sten Jägerregiments, die 6 Stück Geschütz der Batteriekompagnie No. 27., die sich im Centro befanden, um dasselbe damit zu verstärken, zu decken. Die feindlichen Scharfschützen drangen, ungeachtet dieser Verstärkung unsers Centrums, und ungeachtet des großen Verlustes, der ihnen von den Kartätschenschüssen der reitenden Kompagnie No. 1. und der Batteriekompagnie No. 27. zugefügt wurde, unterstützt von frischen Truppen von den aus der Stadt herankommenden Infanteriekolonnen, mit der grossten Schnelligkeit auf unsere Linie ein; allein unsere Scharfschützen warfen sich auf sie mit dem Bajonnet, jagten sie zurück, und verfolgten sie bis zur Vorstadt. -- Das Treffen dauerte an dieser Stelle mit der größten Hartnäckigkeit fort, und der Feind, indem er neue Verstärkungen erhielt, näherte sich einigemal unsern Scharfschützen bis dich zu unsern Batterien, wurde aber jedesmal von unsern Truppen, unter dem Kommando des tapfern Generalmajors Hamen, den ich noch mit dem Tenginskischen Infanterieregiment verstärkte, geworfen. Endlich verdrängten unsere Scharfschützen den Feind gänzlich aus den Gebüschen, welche sich auf der äussersten Spitze unserer Linie befanden, und die Nacht machte dem Treffen ein Ende. Wir verblieben auf dem von mir bestimmten Platze, nachdem wir von dem am rechten Ufer des Teiches und des Baches liegenden Theil des Vorwerks Spas Besitz genommen hatten. Unsere rechte Flanke, bestehend aus dem 23sten Jägerregiment und 6 Stück G~schütz der Batteriekompagnie No. 28., verblieb während der ganzen Dauer des Treffens fast ganz unthätig; denn da der Feind auf dem rechten Ufer der Düna bey dem Gute Ekinamia 15 Stück Geschütz unter der Bedeckung einer großen Anzahl von Infanterie und Kavallerie aufgestellt hatte, und ich glaubte, daß auch eine geringe Anzahl unserer Truppen die feindliche Macht hinlänglich abziehen könnte, so befahl ich, an dieser Stelle unthätig zu bleiben, um aber dem Feinde eine sehr starke Diversion zu machen, befahl ich dem Befehlshaber der Ingenieurs, Obersten Grafen Sievers, mit 2 Bataillons Infanterie und mit den Pionierkompagnien, 4 Werst unterhalb Polotzk eine Brücke über die Düna zu schlagen, um dadurch den Feind mit einem Uebergang über dieselbe zu bedrohen, und die erwähnten Bataillons zur Deckung der bereits am Abend fertig gewordenen Brücke gegen die sich derselben nähernde feindliche Infanterie nachzulassen. In der Nacht vom 5ten auf den 6ten befahl ich dem Grafen Sievers, noch eine andere Brücke über den Polotafluß 4 Werst oberhalb Polotzk zu schlagen, um dadurch zu gleicher Zeit den Feind mit einem Angriff auf seine rechte Flanke zu bedrohen; übrigens entschloß ich mich, in der vorigen Stellung zu verbleiben.

Der Morgen am 6ten verstrich ohne alle feindliche Operationen, ausser dem Geplänkel bey der neu erbauten Brücke, welches aber bald ohne beträchtlichen Verlust von beyden Seiten aufhörte. -- Der Feind hatte in der Nacht und auch am Morgen den größten Theil seiner Truppen nach dem Ufer der Düna und in die Stadt entfernt. Inzwischen entschloß sich der französische General Gouvion St. Cyr, Kommandeur des 6ten, aus bayerschen Truppen zusammengesetzten Korps, nachdem er das Kommando von dem verwundeten Marschall Oudinot übernommen hatte, aus Polotzk auszurücken und uns zu attakiren. Indem er nach Möglichkeit eine beträchtliche Anzahl Geschütz hinter den Anhöhen gegenüber unserm Centro aufführte, ließ er in Geschwindigkeit noch eine Batterieverstärkung von reitendem Geschütz, das er ganz auf seiner rechten Flanke auf dem linken Polotaufer zurück gelassen hatte, herbey führen, und eröffnete um 5 Uhr Nachmittags eine heftige Kanonade gegen mein Centrum, und besonders gegen das Korpsquartier, das sich auf dem Gute Prismeniza befand. Ungeachtet des feindlichen Artilleriefeuers und es unerwarteten Anmarsch der Scharfschützen und Infanteriekolonnen des Feindes, zogen sich unsere 5te Division und die Depotbataillons der Regimenter in Kolonnen zusammen, und gingen, unter dem Schutz eines heftigen Kanonenfeuers der leichten Kompagnie No. 9., und der Batteriekompagnien No. 5. und No. 28., dem anrückenden Feinde entgegen, und zwangen ihn aufs Neue zum Rückzuge; hierbey ward der Generalmajor Kosatschkowskji mit einer Kugel in das Bein verwundet. Inzwischen eröffnete der Feind ebenfalls das Feuer seiner Batterien gegen unsere rechte Flanke, welche aber bald die 6 Stück Geschütz des Oberstlieutenants Murusi und die reitende Kompagnie No. 1. zum Schweigen brachte; mit eben solchem Erfolg wirkte auch der Oberstlieutenant Möwes mit 6 Stück Geschütz der ihm anvertrauten Kompagnie gegen die Artillerie und die Kolonnen des zwischen dem Centro und der rechten Flanke anrückenden Feindes, und hielt ihn, da er baldigst mit der Batteriekompagnie No. 14. verstärkt wurde, in seinem Andringen auf. Zu gleicher Zeit dauerte auch auf der linken Flanke das Feuer ununterbrochen fort. Die Infanterie der 5ten Division und ein Theil der Infanterie des Obersten Wlastow, tapfer unterstützt von drey Eskadronen des Grodnoschen Husarenregiments, warfen den Feind und trieben ihn über den Polotafluß zurück, worauf derselbe wieder neue Verstärkungen erhielt. Die Infanterie des Detaschements des Obersten Wlastow, verstärkt mit dem zusammen gezogenen Grenadierbataillon der 14ten Division, besetzte das Ende des Waldes, und die 5te Division nahm Position bey dem Gute Prismeniza. In dieser Stellung ward das Treffen sehr heiß; das ganze Feld zwischen Prismeniza und Spas war von feindlichen Leichnamen bedeckt. Dreymal versuchte der Feind, das Gut Prismeniza zu nehmen und dadurch unser Centrum zu durchbrechen, ward aber bey diesem Gute aufs Neue von unsrer Infanterie attakirt. Der Generalmajor Hamen warf sich nun mit dem Tulaschen und dem Esthländischen Regiment, mit einem Bataillon vom Nawaginskischen und vom 11ten Jägerregiment, unterstützt von einem Bataillon vom Tenginskischen Regiment, auf die gegen das Centrum anrückenden feindlichen Kolonnen; er trieb sie zurück und rieb sie mit dem Bajonnet auf. Zu gleicher Zeit sprengte der Oberst vom Leibgarderegiment zu Pferde, Protaßow, mit den Gardeeskadronen des zusammen gezogenen Kürassierregiment auf drey feindliche Kolonnen an, die sich bemühten, die linke Flanke des Generalmajors Hamen zu umgehen; eine Eskadron der Garde zu Pferde warf zwey Kolonnen und rieb sie vollkommen auf, und die dritte Kolonne erfuhr das nämliche Schicksal von einer Eskadron des Chevalier-Garderegiments. Der Generalmajor Hamen, welcher die von ihm besetzte Stelle mit Hartnäckigkeit vertheidigte, bekam zwey Kontusionen, und der Feind, welcher sich mit seinen letzten Kolonnen verstärkte, rückte nun wieder gegen ihn an, worauf der Generalmajor Sasonow den Obersten Harpe mit einem Bataillon vom Nawaginskischen Infanterieregiment zur Unterstützung abschickte. Dieser tapfere Stabsofficier griff die feindlichen Kolonnen sogleich mit dem Bajonnet an, und trieb sie in die Flucht; zu gleicher Zeit zeigte sich auch die feindliche Kavallerie, welche die Artillerie gegen unsere rechte Flanke deckte. Der Generalmajor Balk, welcher in diesem Treffen die Kavallerie kommandirte, befahl daher dem zusammen gezogenen Kürassierregiment, rechts zu nehmen und den Feind zu attakiren; eine Eskadron vom Chevalier-Garderegiment sprengte auf eine Kolonne reitender Jäger, warf sie, und verfolgte sie bis zur Stadt; zwey Eskadronen Leibkürassiers von dem Regimente Ewr. Kaiserl. Majestät und Ihrer Kaiserl. Majestät, und die Eskadron des Rittmeisters Dätkow vom Grodnoschen Husarenregiment, warfen sich auf die übrigen feindliche Kavallerie und auf dessen Batterie, und nachdem sie die erste geworfen, nahmen die Kürassiere 15 Stück französisches Batteriegeschütz. Hiermit noch nicht zufrieden, verfolgte diese tapfere Kavallerie den Feind bis zu den Vorstädten, wo unser Major Sameiko auch die feindlichen Kürassiere warf, die zur Unterstützung ihrer kommenden Truppen aus der Stadt ansprengten. Die Verwirrung bey denselben war ausserordentlich; die Truppen, die Artillerie und der Troß warfen sich in Unordnung auf die Brücken, woselbst ein Theil des letztern ertrank; allein die herbey geeilte bayersche Infanterie, und besonders die vortheilhafte Lage von Polotzk, erlaubten es unsrer tapfern Kavallerie nicht, weitere Vortheile davon zu ziehen.

Auf unsrer linken Flanke versuchte zu Anfange des Treffens der Feind, 4 und 7 Werst oberhalb Polotzk über den Polotafluß zu setzen und diese unsere Flanke zu umgehen. Der die Reserve kommandirende Generalmajor Kachowskoi, welchem noch vor dem Treffen befohlen war, Position bey Ropna vor der Ankunft der übrigen Truppen zu nehmen, beorderte, sobald er diese Nachricht erhielt, das Depotbataillon vom Pawlowschen Grenadierregiment, die Eskadron Grodnoscher Husaren zu unterstützen, welche 7 Werst oberhalb Polotzk die Stelle, die durchwatet werden konnte, deckte. Der Feind, welcher unsere 4 Werst oberhalb Polotzk zur Deckung der Brücke über die Polota postirte Grenadierkompagnie mit 4 Bataillons Infanterie und mit einer Kolonne Kürassiere attakirte, und inzwischen die erwähnte Husareneskadron mit einer Kavallerieattake beschäftigte, bemühte sich, dieselbe abzuschneiden; aber die tapfern Grenadiere des Pawlowschen Regiments drangen auf die in ihrem Rücken sich befindenden Kolonnen ein, warfen sie, und nahmen, nachdem sie den größten Theil derselben auf dem Platze niedergemacht hatten, 6 Officiere und ungefähr 100 Gemeine gefangen, mit denen sie zu dem Detaschement des Obersten Wlastow zurück kehrten, welcher fortfuhr, den Feind in seinem Vordringen am Ende des Waldes aufzuhalten; mit eben solcher Unerschrockenheit verfuhr auch die Eskadron vom Grodnoschen Husarenregiment, welche, nachdem sie die überlegene feindliche Kavallerie, von welcher sie in der Fronte angegriffen wurde, geworfen hatte, die feindliche Infanterie, die ihr in Rücken gekommen war, angriff, sich durch dieselbe durchhieb, und sich mit dem Detaschement des Obersten Wlastow vereinigte. Eben so mißlang auch dem Feinde sein Versuch gegen das 23ste Jägerregiment, welches die Spitze von meiner rechten Flanke ausmachte und die Straße nach Disna deckte. Anfangs erhielt der Feind, da er mit Infanterie und einem reitenden Jägerregiment auf dasselbe vordrang, einige Vortheile; aber das Feuer der herbey gekommenen reitenden Artilleriekompagnie No. 1. that seinen Fortschritten Einhalt. Der Oberstlieutenant Silin vom Grodnoschen Husarenregiment sprengte mit 3 Eskadronen auf die französische Kavallerie an, warf sie, und rieb den größten Theil derselben auf.

Nachdem auf solche Art der Feind von unsrer rechten Flanke bis ganz zu den Mauern von Polotzk vertrieben war, und unsere linke Flanke mit dem verstärkten Detaschement des Obersten Wlastow eine vortheilhafte Position am Ende des Waldes genommen hatte, nahm ich inzwischen mit den Truppen der Reserve und mit Abtheilungen von der 1sten und 2ten Linie Position bey dem Dorfe Ropna, um, nach Zurücklassung der Avantgarde daselbst in den Defileen vor Polotzk, mit den übrigen Truppen eine vortheilhafte Position auf der Straße von Sebesh nach Polotzk zu nehmen. Der Avantgarde des Obersten Wlastow befahl ich, die Straße von Polotzk über Porowka gerade nach Belaja zu decken, und die Avantgarde des Generalmajors Helfreich verblieb in den Defiléen von Polotzk nach Ropna, zwey Werst von dieser Stadt.

Hiermit endigte sich diese heiße und hartnäckige Schlacht, in welcher der Feind, der aus 130 Stück Geschütz fast auf einem Punkt sein Feuer unterhielt, hoffte, unsere Truppen zu schlagen und sich an dem ersten Korps für die über ihn erfochtenen vielfältigen Siege zu rächen; allein die muthige Thätigkeit und die exemplarische Tapferkeit aller unserer Befehlshaber, so auch der Untergebenen, vereitelten diese seine Absicht, so auch der Untergebenen, vereitelten diese seine Absicht und bedeckten die siegreichen Truppen Ewr. Kaiserl. Majestät mit neuem Ruhm.

Der Verlust in diesem zweytägigen Treffen ist von unserer Seite nicht gering. Die Generalmajors Berg, Kosatschkowskji und Hamen sind verwundet; ersterer, welcher eine leichte Kontusion erhalten hat, befindet sich bereits wieder beym Korps; die Stabs- und Oberofficiere sind 22 getödtet und 98 verwundet, und von den Gemeinen sind 1492 Mann getödtet und 2743 verwundet. Allein der Verlust des Feindes übertrifft den unsrigen bey weitem. Der größte Theil der Generale ist, nach der einstimmigen Aussage der gefangnen Officiere, verwundet, und unter denselben ist auch der Marschall Oudinot, welcher am ersten Tage kommandirte, in der Schulter, und der gegenwärtiger Befehlshaber der feindlichen Armee, Gouvion Saint Cyr, in der Hand verwundet worden; der Befehlshaber der ersten bayerschen Division, Deroy, hat eine tödtliche Schußwunde in dem Leib erhalten, ein Brigadegeneral ist mit seiner Konvoy von einer Eskadron vom Garderegiment zu Pferde niedergehauen, und eine bayersche Division hat an Getödteten und Verwundeten an den beyden Tagen 117 Stabs- und Oberofficiere, und über 5000 Gemeine verloren. Der Verlust der Ueberreste von der 1sten und 2ten französischen Division, besonders der zahlreichen französischen Kavallerie, muß, nach der glücklichen Wirkung unsrer Artillerie und nach den mörderischen Attaken der Kavallerie zu urtheilen, nicht nur dem Verluste der Bayern gleich kommen, sondern denselben noch übertreffen.

Auf dem Schlachtfelde haben wir 15 Stück Batteriegeschütz genommen, von welchen wir aber, wegen Mangel an Pferden, und aus Ursache der zerschossenen Lafetten und des schweren Kalibers dieses Geschützes, nur zwey mitgenommen haben, welche nach Pskow abgefertigt sind. Während der Verfolgung des Feindes von Swolna, und in diesen beyden Schlachten, sind 15 Oberofficiere und 3201 Gemeine gefangen genommen. Feindliche Fahnen sind deswegen nicht erobert worden, weil sich dieselben während eines Treffens bey den feindlichen Truppen nicht mehr befinden.

Ueber die Generale, Stabs- und Oferofficiere, die sich in diesem Treffen ausgezeichnet und zu dem erfochtenen Siege mit beygetragen haben, habe ich das Glück, Ewr. Kaiserl. Majestät das namentliche Verzeichniß, mit Beschreibung ihrer Thaten, vorzulegen.

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Der Generallieutenant, Graf Wittgenstein, berichtet Sr. Kaiserl. Majestät, vom 1sten September, von dem Gute Sokolischtscha, Folgendes: [10]

Bey dem mir anvertrauten Korps steht Alles gut; ich befinde mich mit den Truppen auf derselben Stelle, und der Feind verhält sich ruhig, unternimmt nichts, leidet großen Hunger und hat sehr viele Kranke; Deserteurs und Fourageurs werden täglich eingebracht. Was Macdonald betrifft, so hat derselbe gegen 10,000 Mann Preussen und Polen in der Gegend von Riga, und 2 Regimenter von den nämlichen Truppen bey Dünaburg zurück gelassen, und ist mit allen übrigen auf Oeseros marschirt; wohin er aber eigentlich seine Richtung genommen? darüber ist bis jetzt noch nichts Zuverlässiges bekannt. Allein es steht zu glauben, daß er sich in Marsch gesetzt hat, um sich mit den Sachsen wider die Armee des Generals Tormassow zu vereinigen.

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Der Generallieutenant, Graf Wittgenstein, berichtet Sr. Kaiserl. Majestät, vom 13ten September, aus dem Lager bey dem Gute Sokolischtscha, Folgendes: [11]

Die Truppen des mir anvertrauten Korps beunruhigen den Feind unaufhörlich. Ich schicke Kavallerie nach verschiedenen Orten und sogar ihm in Rücken zu Expeditionen aus, die alle glücklich ausgefallen sind; aber von allen diesen ist die letzte Expedition, die ich aussandte, um die Kreise Gorodezk und Polotzk von den Marodeurs zu reinigen, und die Proviantmagazine zu vernichten, welche der Feind anlegt, sehr wichtig und für uns nützlich gewesen. Diese bestand, unter dem Kommando des Kosakenobersten Rodionow 2., aus 200 Kosaken von seinem Regiment, und aus dem Detaschement des verabschiedeten Artillerieoberstlieutenants Nepeizyn von 3 Eskadronen Dragoner vom Jamburgschen, Rigaschen und Ingermanlandschen Regiment. Nach Vollbringung derselben berichtet der Oberst Rodionow, daß der Oberstlieutenant Nepeizyn mit seinem Detaschement, nachdem er die aus Newell kommende Straße gereinigt, am 7ten in Belochwostow zu ihm gestoßen sey, und sie beyde beschlossen hätten, gegen den Feind in den Dorfschaften Kosjany, Shelzy, Swino, und an allen Orten zu wirken, wo der Feind nur Proviant in Vorrath angeschafft habe. Den 8ten gingen sie mit den beyden Detaschements über Shelzy, in der Absicht, allen feindlichen Parteyen und Patrouillen die von denselben neu angelegte Straße abzuschneiden. Unterwegs bey Shelzy stießen sie auf eine feindliche Partey von 80 Mann reitender Jäger vom 23sten und 23sten Regiment, unter dem Kommando zweyer Officiere, die nach Swino gingen, um den von den Kriegskommissärs angeschafften Proviant zu empfangen. Diese kleine Partey ward, auf Befehl des Obersten Rodionow, von unsern Kosaken augenblicklich attakirt, die über 40 Mann niedermachten, und 21 Gemeine und den Lieutenant Menvieul, der sich tapfer vertheidigt und verzweifelt gefochten hatte, und im Angesicht des ganzen Detaschements von dem tapfern und unerschrockenen Essaul Popow entwaffnet wurde, gefangen nahmen.

Hiernach schickte der Oberst Rodionow sogleich eine große Streifpartey nach Swino, um die dortigen Feinde und den Proviant zu nehmen, welches auch der Sotnik Studenikin mit Genauigkeit ausführte, indem er, nach seiner Anknnft daselbst, drey Kriegskommissärs und einige Gemeine aufhob, und gegen 2000 Kul Mehl vorfand, die er, da er keine Wagen hatte, um sie fortzuschaffen, sämmtlich auseinander streute und ins Wasser warf, so daß dem Feinde nicht das Geringste davon blieb. In Erwartung dieses war der Oberst Rodionow bey Shelzy verblieben, von wo er nun um Mitternacht auf Kosjany ging, indem er wußte, daß sich daselbst keine geringe Anzahl leichter Kavallerie befand. Die Schwierigkeit auf dem Wege war groß wegen der Unzugänglichkeit über Bäche, Moräste und durch den Wald, in welchem an mehrern Orten die Wege verhauet waren; aber alle diese Hindernisse konnten die russischen Krieger nicht aufhalten. Durch den unbeschränkten Eifer aller sich dabey befundenen, und durch die Gewandtheit des Lieutenants vom Quartiermeisterwesen, Parenßow, wurden alle Schwierigkeiten überwunden. Bey dem Dorfe Gorowatno wurden sie aus einem Hinterhalte von einem feindlichen Kommando von 300 Mann bey einem Officier und einem Kriegskommissär mit Flintenschüssen empfangen. Dies Kommando, die Dunkelheit benutzend, ließ uns das Dorf nicht passiren, welches für uns unumgänglich nöthig war; das Feuer desselben war unschädlich, und unsere Detaschements umringten das Dorf, stürzten in dasselbe, warfen sich auf den Feind, und machten Mehrere nieder; die Uebrigen steckten den bey ihnen befindlichen Vorrath selbst in Brand, und verbargen sich in den Wald. Hier haben wir 33 Mann, einen Lieutenant und einen Kriegskommissär gefangen genommen.

Nachher verfolgten die Unsrigen ihren Weg nach Kosjany, und kamen den 9ten, eine Stunde vor Tagesanbruch, daselbst an. Den Feind, welcher sich auf seine uns weit überlegene Macht und auf seine vortheilhafte Position verließ, schickte sich an, unsere Detaschements zurück zu werfen; die Pikets desselben, die im Walde standen, und die nicht umgangen werden konnte, hatten von der Ankunft unserer Truppen Nachricht gegeben. Obgleich, wegen ihrer Vorsicht, die Attake gefährlich war, so entschlossen wir uns doch dazu, und beeorderten den Essaul Popow, als einen der gewandtesten Officiere, daß er, nach seiner Annäherung mit dem Detaschement, dem Feinde den Weg nach Polotzk abschneiden sollte. Ein anderer Theil der Kosaken, unter dem Kommando des tapfern und entschlossenen Sotniks Studenikin, sollte sich eilends auf die Feldwachen werfen, sich durch dieselben durchschlagen, und den nach Witepsk führenden Weg besetzen. Dem Lieutenant vom Quartiermeisterwesen, Parenßow, wurde aufgetragen, mit einem Detaschement Kosaken die Brücke über den Obolafluß zu besetzen, um dem Feinde die Retirade nach Gorodka abzuschneiden, und diejenigen nicht zur Verstärkung zuzulassen, welche in der Dorfschaft jenseits des Flusses standen. Der Artillerieoberstlieutenant Nepeizyn, welcher 3 Eskadronen Dragoner und einige Kosaken zur Reserve nachließ, mit 2 Eskadronen und den übrigen Kosaken sich im Sturm auf den Feind um Centro, als den stärksten Theil seiner Position, werfen. Dieses vollzog er mit exemplarischer Tapferkeit; er führte die Eskadronen an, hieb selbst ein in die Fronte des Feindes, und brachte 6 Eskadronen in Unordnung und warf sie. Auch der Major Butkewitsch vom Jamburgschen Dragonerregiment hat sich bey dieser Gelegenheit sehr ausgezeichnet.

Obgleich, da der Tag noch nicht völlig angebrochen war, die Disposition des Obersten Rodionow nicht ganz genau ausgeführt werden konnte, so konnte doch der Tapferkeit der Russen nichts widerstehen. Die feindliche Fronte, die ganz aus bloßen Franzosen zusammen gesetzt war, hielt unsern Angriff nicht aus, gerieth in Unordnung, und floh in der größten Eilfertigkeit nach allen Seiten; aber zu ihrem Verderben waren bereits alle Wege von unsern Truppen besetzt, und so war der zahlreiche Haufen des Feindes gezwungen, sich nach Polotzk hin einen Ausweg zu suchen, aber auch hier ward er von unserer ganzen Macht, die ihn im Centro attakirt hatte, so wie auch von denen, die ihm die Polotzkische und Witepskische Straße abgeschnitten hatten, fast 7 Werst mit Blitzes Schnelle verfolgt.

Auf dieser Distanz und auf dem Schlachtfelde hat der Feind, nach der Aussage der Gefangenen, an Getödteten 8 Officiere und über 400 Gemeine verloren. Dies erweiset sich auch dadurch, weil die ganze Straße mit feindlichen Leichen und tödtlich Verwundeten bedeckt war. Das dritte leichte Regiment der zweyten Kavalleriedivision desselben wurde vollkommen aufgerieben, und auch die andern Kavalleriedetaschements, die sich bey demselben befanden, haben großen Verlust erlitten. Ueberdies sind in allen diesen Gefechten gefangen genommen, der Oberstlieutenant Tinel vom dritten leichten Kavallerieregiment, 2 Kapitäns, 2 Lieutenants, 4 Kriegskommissärs und 184 Gemeine.

Dazu haben wir noch erbeutet: gegen 300 Pferde, von denen 100 zu Dragonerpferden abgegeben sind, über tausend gebackene Brote, die dem Feinde zugehörten, ungefähr 40 Fässer Branntwein, gegen 5000 Tschetwert Mehl und Hafer, und 100 Stück Hornvieh, welches Alles, mit Ausnahme des Viehes, da wir keine Wagen hatten, theils verbrannt, theils von mir ins Wasser geworfen ist.

Der Verlust auf unserer Seite ist sehr gering: 9 Kosaken sind getödtet, und 35 Mann Kosaken und Dragoner verwundet, von denen mehrere leichte Blessuren erhalten haben, weil der Feind vor Schrecken und Uebereilung nicht kräftig wirken konnte, und er, da er gleich geworfen wurde, in der Flucht seine Rettung suchen mußte, ohne an Vertheidigung denken zu können.

In diesem Gefechte muß ich den weisen Verfügungen, der Tapferkeit und der Entschlossenheit des Obersten Rodionow 2., der diese Expedition dirigirt hat, und des verabschiedeten Artillerieoberstlieutenants Nepeizyn, der ihm in allen thätig beygestanden, Gerechtigkeit wiederfahren lassen, und ich habe das Glück, wegen Belohnung derselben, sie der Allergnädigsten Aufmerksamkeit Ewr. Kaiserl. Majestät zu empfehlen. Dieser letztere Beamte verdient dieselbe um so mehr, weil er, als Verabschiedeter, einzig aus Eifer, und ungeachtet dessen, daß ihm ein Fuß fehlt, bis jetzt mit ausgezeichnetem Ruhme dient.

Aus der hier im Original beyfolgenden nicht großen, den gefangenen Kriegskommissärs abgenommenen Karte, auf welcher die Theile angemerkt und abgezeichnet sind, in welchen Dorfschaften jede Division für sich fouragiren und Magazine errichten soll, werden Ew. Kaiserl. Majestät ersehen, daß die zweyte Division und die leichte Kavallerie, nachdem der Oberst Rodionow jene ihre Vorräthe vernichtet hat, ganz ohne Lebensmittel verblieben sind. Für die bayerschen Divisionen wird das Korn auf der andern Seite der Düna zusammen gebracht.

Die am 4ten dieses Monats auf jene Seite der Düna abgefertigte, aus 20 Kosaken, unter dem Kommando des Essauls von demselben Rodionowschen Kosakenregiment, Gnutow, bestehende Partey, verdient ebenfalls Aufmerksamkeit. Dieser Essaul war in den Rücken des Feindes geschickt, um Kenntniß von den Bewegungen desselben zu erhalten; und hinter allen feindlichen Truppen auf der großen Polotzkischen Straße kam er zu ihnen herab, 17 Werst von Glubokowa, wo er einen Major und einen Kapitän, beyde Schweizer, gefangen nahm.

* * *

Der Generallieutenant, Graf Wittgenstein, berichtet Sr. Kaiserl. Majestät, vom 2ten Oktober, von dem Gute Sokolischtscha, Folgendes: [12]

Der Oberstlieutenant vom Isumschen Husarenregiment, Bedräga, wurde mit dem von ihm kommandirten zusammengezogenen Husarenregiment auf die andere Seite der Düna geschickt, um die Bewegungen des Korps des Generallieutenants, Grafen Steinheil, zu decken. Dieser Oberstlieutenant berichtet vom verwichenen 28sten September, daß er, nachdem er am 24sten schwimmend über den Fluß gesetzt, ein Bataillon feindlicher Infanterie geschlagen und bis 200 Mann auf dem Platze niedergemacht hat; gefangen genommen wurden 3 Oberofficiere, 5 Unterofficiere, 6 Korporale, 2 Trommelschläger, 72 Gemeine, 2 preussische schwarze Husaren, zusammen 90 Mann. Unsrer Seits sind 7 Gemeine getödtet, und 18 verwundet. Bey diesem Gefecht ist leider der tapfere Lieutenant vom Isumschen Husarenregiment, Apseitow, schwer verwundet, den man, wegen der Unmöglichkeit, ihn schwimmend über den Fluß zu bringen, gezwungen gewesen ist, zurück zu lassen, und der folglich dort in die Hände der Feinde gefallen ist.


Quellen.[]

  1. Der Krieg in Deutschland und Frankreich in den Jahren 1813 und 1814. Von Carl v. Plotho. Berlin, bei Carl Friedrich Amelang 1817.
  2. Der Krieg in Deutschland und Frankreich in den Jahren 1813 und 1814. Von Carl v. Plotho. Berlin, bei Carl Friedrich Amelang 1817.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 299. Freytag, den 13. December 1812.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 233. Freytag, den 27. September/9. Oktober. 1812.
  5. Actenstücke und Materialien zu der Geschichte des großen Kampfes um die Freyheit Europa's in den Jahren 1812 und 1813. Germanien, bey Peter Hammer. 1813.
  6. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 302. Dienstag, den 17. December 1812.
  7. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 304. Donnerstag, den 19. December 1812.
  8. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 303. Mittewoch, den 18. December 1812.
  9. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 306. Sonnabend, den 21. December 1812.
  10. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 305. Freytag, den 20. December 1812.
  11. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 309. Mittewoch, den 25. December 1812.
  12. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 313. Montag, den 30. December 1812.
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