FANDOM


IX.

Der General-Lieutenant Graf Wittgenstein berichtet Sr. Kaiserl. Majestät aus dem Flecken Beloje, unweit Polozk, unterm 7. August, Folgendes: [1]

"Ich hatte das Glück, Ew. Kaiserlichen Majestät unterm 31. July aus dem Flecken Oswey zu berichten, daß nach der zweyten von mir am 29. hinter dem Flecken Kochanow dem Marschall Oudinot beygebrachten Niederlage, derselbe sich schleunigst retirirt und jeden Tag mit meiner Avantgarde geringe Affairen gehabt, daß er aber darauf neue Verstärkung erhalten und sich ganz nahe vor Polozk gesetzt habe. Ich war daher genöthigt, mich am 5. August mit ihm in eine Affaire einzulassen, um ihn in die Verschanzungen zurück zu treiben. Diese Affaire dauerte 14 Stunden, wobey die Feinde einen sehr großen Verlust erlitten haben, und nach ihren Verschanzungen zurück gegangen sind. Von unserer Seite beträgt der Verlust an Todten und Verwundeten gegen 2000 Mann. -- Während der ganzen Retirade des Feindes und in dieser Schlacht selbst, sind über 2000 Mann gefangen genommen. -- Ich blieb mit meinem Corps vor Polozk und war im Begriff eine Bewegung zu machen, um das Corps des Marschalls Macdonald zu beobachten; als der Marschall Oudinot [xxx] , außer seiner ersten Verstärkung durch Baiern unter dem General Wrede [xx], noch eine zweyte Division gleicher Truppen, unter Commando des Generals De Roy erhielt, und mich am 6., Nachmittags um 4 Uhr, mit 5 Divisionen Infanterie an allen Puncten angriff, indem er zugleich mit seinem sämmtlichen Geschütz das stärkste Kanonenfeuer begann."

"Diese Schlacht war von beyden Seiten die heftigste, blutigste und hartnäckigste. Die tapfern Truppen Ew. Kaiserlichen Majestät schlugen den obgleich drey Mahl stärkern Feind an allen Orten mit ihrer gewöhnlichen Unerschrockenheit und Hartnäckigkeit, warfen mehrere Mahle seine Batterien und Colonnen zurück, vertrieben ihn bis zur Stadt und fochten selbst in deren Gassen. Die tiefste Dunkelheit der Nacht zwang uns diesen heftigen und wüthenden Kampf zu beendigen, nach welchem der Feind sich zu seinen Verschanzungen zurück zog, ich hingegen, meiner früheren Disposition gemäß, unter Zurücklassung meiner Avantgarde, mich mit meinem Corps längst dem Sebeschschen Wege, nach dem Flecken Beloje begab. In dieser Schlacht war der Verlust von beyden Seiten an Todten und Verwundeten bedeutender; gefangen sind 2 feindliche Oberst-Lieutenants, 15 Oberofficiers, gegen 500 Gemeine, und genommen 2 Kanonen, deren das zusammengesetzte Cürassier-Regiment bereits 15 genommen hatte, sie jedoch nicht alle wegführen konnte, weil es dazu an Pferden mangelte, und mehrere Graben unser Terrain coupirten. Der Feind hat sicher an Todten und Verwundeten drey Mahl so viel als wir verloren, indem derselbe sich mit Infanterie-Colonnen auf unsere Batterien warf, und jedes Mahl den größten Theil seiner Leute todt auf dem Platze zurück ließ. An diesem Tage gelang es dem erwähnten zusammengesetzten Cürassier-Regimente, zwey ganze Colonnen zu vernichten; und dieses Regiment hat während der ganzen Affaire aller Orten ausgezeichnete Tapferkeit bewiesen. Unserer Seits ist der Verlust auch nicht gering. Die Generalmajors Berg und Hammer haben Contusionen bekommen. Der Generalmajor Kasatschkowsky ist durch eine Flintenkugel, und der Oberst Frolow durch eine Kartätschenkugel verwundet. Nach dieser Affaire blieb der Feind aufs neue in größter Verwirrung. Am 5. wurde der Marschall Oudinot selbst an der Schulter verwundet, und den 6. commandirte bereits an seiner Stelle der erste Befehlshaber des Baierschen Corps, der Französische General Gouvion St. Cyr; und hoffentlich kann er nichts wichtiges unternehmen. Jetzt werde ich den Pleskauschen Weg von allen Seiten observiren und die Fortschritte der großen Armee abwarten."

[>>>]


Quellen.Bearbeiten

  1. Actenstücke und Materialien zu der Geschichte des großen Kampfes um die Freyheit Europa's in den Jahren 1812 und 1813. Germanien, bey Peter Hammer. 1813.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.