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Von Reisende.Bearbeiten

F. J. L. Meyer.

[1801]

Paris.

Der Tempel des Mars, vordem die berühmte Kirche der Invaliden, war jezt in vollem Glanz des Sieges, des mit Strömen Bluts errungenen Sieges. Unter der Kuppel vor dem hohen Dom, vordem die Stelle des Hochaltars, steht jezt auf einer Estrade die bekannte schöne Statue des ruhenden Kriegsgottes von Bronz. Um ihn her sind Trophäen der Siege in Egypten und bei Marengo, Tafeln mit den Namen belohnter Krieger, Schilder mit den Namen der Armeen und ihren Thaten. Ueber dem Gesimse rings an dem Gewölbe hin, steken die in diesem Kriege eroberten Fahnen, und unter dem Dom in dreifachen Reihen über einander; von allen Formen, Farben und Zeichen. Achthundert und zwei und zwanzig solcher Trophäen sind in diesem Tempel. Die ganze Zahl der von jeher eroberten Fahnen, Standarten und Flaggen in Paris, wovon der gröste Theil noch aufbewahrt, oder zu Dekorationen in den Häusern der Regierung angewandt ist, beträgt, nach der Angabe des Aufsehers dieses Tempels dreitausend und fünfhundert Stük. -- Mit diesem Apparat des Kriegsgottes, stehen die Insignien der katholischen Religion als Reste der vormaligen Kirche im sonderbaren Kontrast. Es sind Vorstellungen der himmlischen Seligkeit, Gruppen musicirender Engel und wunderthätiger Heiligen, an den Platfonds des Doms und der Kapellen, marmorne Heiligenbilder u. dgl. An der breiten Seitenwand des herrlichen Doms ist das Grabmal des grossen Turenne's, aus der Saint Kirche von St. Denis, errichtet. Es imponirt, so gross, so allein, wie es da steht. Die Innschriften sind davon genommen: bloss der Name des Helden steht an der schwarzen Marmorplatte des Sockels, hinter welchem die Reste des Körpers ruhen. Sie wurden in dem Kirchensturm von St. Denis gerettet, und einige Jahre in der Skelettsammlung des naturhistorischen Museums aufbewahrt *). In der grossen Niche gegenüber ist das Goblins-Gemälde des Uebergangs über den Rhein im J. 1672 unter Türenne's Heerführung aufgestellt, und an den Seitenwänden des Tempels sind Schlachtengemälde und Darstellungen aus der neuesten französischen Geschichte, unter andern der Heldentod des edlen Desilles zu Nancy im Anfang des Bürgerkriegs. --

*) Fragmente II. 64.


Le Mémorial de Sainte-Hélène.Bearbeiten

Vorzüglich waren Napoleon die vergoldeten Glockenthürme von Moskau in die Augen gefallen und dies veranlaßte ihn, nach seiner Rückkehr den Dom der Invaliden vergolden zu lassen. Bd. 8. S. 44.

Auch hierbei ist ein Irrthum. Nach dem unglücklichen Feldzuge von Moskau dachte Napoleon an nichts, als an die Vereinigung aller seiner Streitkräfte. Die Vergoldung des Doms der Invaliden war schon zwei Jahre früher auf seinen Befehl erfolgt. Die goldnen Minarets von Kairo hatten ihm so sehr gefallen. Diese Erinnerungen an Egypten und nicht an Moskau verschafften dem schönsten Denkmale Ludwig des Vierzehnten von Neuem jenen Schmuck, den die Zeit mit ihren Stürmen und Wolkennebeln ihm geraubt hatte. Man will versichern, daß in Folge der jetzt angewandten Procedur die gegenwärtige Vergoldung keiner Veränderung unterworfen seyn werde.

Schon aus den Tagen des Ministeriums von Lucian Bonaparte giebt es eine Note des Kriegsministers Berthier an den Minister des Innern, worinnen gesagt wird, daß der erste Konsul die Absicht habe, die Hauptstadt zu verschönern und unter andern zu diesem Zwecke bezeichneten Arbeiten auch der Plan vorkomme, den Dom der Invaliden neu vergolden zu lassen.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Nachtrag zu Las Cases Tagebuche über Napoleon's Leben oder kritische Bemerkungen und noch nicht bekannt gemachte Anekdoten zur nothwendigen Ergänzung und Berichtigung jenes Werkes. Dresden 1824, in der Arnoldischen Buchhandlung.

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