Irland.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Irland, Ireland, bey den Einwohnern Erin, eine von den zwey großen britannischen Inseln, welche von Großbritannien durch das Irländische Meer abgesondert wird. Der Flächeninnhalt der ganzen Insel beträgt etwas mehr als 1700 ge. Quadratmeilen. Sie hat auf der Nord- und Südseite mittelmäsige Berge, aber nirgends ein bedeutendes zusammenhängendes Gebirg. Die mittlern Gegenden sind durchaus ebenes Land, haben viele Seen und Sümpfe, auch Sandstriche, vorzüglich in den westlichen Theilen oder der Provinz Connaught. Nur Ein Fluß, der Shannon, ist von Bedeutung. Die vielen Seen bringen häufigen Nebel hervor; das umfließende Meer macht sie aber für die Gesundheit unschädlich und zugleich das Klima viel milder, als man bey der nördlichen Lage der Insel erwarten sollte. Nie ist die Hitze, aber auch nie die Kälte drückend. Diese Temperatur der Luft und die vielen Gewässer begünstigen den Graswuchs und dadurch die Viehzucht, welche zu jeder Zeit den wichtigsten Nahrungszweig für die Einwohner gab. Vorzüglich liefert die Cultur des Rindviehes und der Schweine, nebst der guten Wolle von den zahlreichen Schafheerden, die meisten Artikel zur Ausfuhr; auch Bienen nähren sich in großer Menge von den Kräutern der Haiden und Wiesen. Flachs und Hanf wird von vorzüglicher Güte gezogen; er giebt den Stof zu den vielen Leinwandbereitungen, den einzigen Manufakturen von Belang, welche die Insel besizt. Getreid wurde ehemals wenig, jezt aber, bey wachsender Volksmenge und Thätigkeit in hinreichender Menge für das Bedürfniß des Landes gebaut. Die Wälder reichen nicht hin, um die Einwohner mit dem nöthigen Holz zu versehen, und die Schätze von Torf und Steinkohlen sind noch nicht hinlänglich benüzt, um fremde Einfuhr entbehrlich zu machen. An Mineralien ist die Insel arm, doch liefert sie Bley und etwas Eisen, auch Salt. Die vielen Buchten der zakichten Insel haben Ueberfluß an Fischen. Die ganze Insel wird von alten Zeiten her in die vier Hauptprovinzen Leinster, Ulster, Connaught und Munster getheilt; und diese enthalten 31 Grafschaften und 260 Baronien. In geistlicher Hinsicht enthält sie 4 Erzbißthümer und 19 Bißthümer.

Es finden sich von alten Zeiten her in der Insel dreyerley Stämme von Einwohner: Spanier, in Kerry und in einem Theil von Limerik und Cork; Schottländer, im nördlichen Theil, welche noch die hochschottische Sprache reden, und Abkömmlinge der Angeln, in einem Distrikte bey Dublin, (wo auch die angelsächsische Sprache ohne Vermischung mit der irischen, gesprochen wird.) Der übrige Theil der Irländer, bestehet aus vermischten Geschlechten. Die Nahrung des gemeinen Mannes bestehet in Kartoffeln und Milch, und seine Kleidung und Wohnung ist meistens höchst elend. Bey allem ihrem Elende sind sie doch weit munterer, als die Engländer, und Liebhaber von Gesellschaft und Lustbarkeit. Besonders groß ist ihre Neigung zum Tanzen; daher es überall herumreisende Tanzmeister giebt, denen die Bewohner der armseligsten Hütten vierteljährig 6 Penies bezahlen, um ihren Familien Unterricht zu geben.

Ireland hatte ursprünglich mit Schottland einerley Völkerstamm zu Bewohnern, und daher erhält sich die Erste Sprache noch in einigen Gegenden des Landes. Zu diesen gesellten sich Keltische Völker von Britannien aus, und in der Folge Angelsächsische und Dänische Seeräuber, welche sich in mehrern Küstenstrichen festsezten. Jeder Volkshaufe hatte seinen eigenen Anführer, und diese lebten gegenseitig in immerwährenden kleinen Kriegen. Einer derselben, der Fürst von Leinster, wurde durch den Fürsten von Connaught in der Mitte des 12ten Jahrhunderts vertrieben, wendete sich im Hilfe an König Heinrich II, und gab dadurch den Engländern Veranlassung zur leichten Eroberung der ganzen Insel, welche bisher noch nie einem Ausländer gehorcht hatte, auch wohl zu keiner Zeit unter einem gemeinschaftlichen Oberhaupte vereinigt gewesen war. Das Schicksal der rohen Einwohner ward durch die Eroberung gemildert, weil die kleinen innern Fehden nun seltener und das Land ruhig wurde. Uebrigens kümmerte man sich wenig um Ireland. Aber in den Kriegen der weißen und rothen Rose waren die Englischen Vorsteher Irlands erklärt für die Parthey des Hauses York, mußten durch Heinrich VII mit den Waffen bezwungen werden, und bereiteten dadurch den Einwohnern der Insel den ersten harten Druck. Kaum hatte sich dieser durch das Zusammenschmelzen der Partheyen gemildert, so schärfte ihn Religionswuth auf das Neue. England war nach mehrern stürmischen Umwandlungen entschieden zur protestantischen Kirche übergetreten. Ireland hingegen, wo das Volk keine andern Lehrer als seine Kenntnißleeren, und für ihr eignes Interesse fürchtenden Mönche und Geistlichen hatte, blieb fest an dem Glauben der Väter, und wurde dadurch ein Gegenstand des Argwohns für den herrschenden Theil der Engländer, welche in ihrem eignen Lande der unterdrückten Katholiken viele hatten, und von Ireland aus den ersten Stoß zu einer neuen Umwandlung fürchteten. Die große Niedermezlung der Protestanten in Irland, 1641, und die aus den nemlichen Grundsätzen des Glaubenshasses fließende Anhänglichkeit der Iren an Jakob II, vergrößerte die Furcht; und diese Furcht diktirte nach gänzlicher Besiegung derselben die harten, seit dem Jahre 1691 gegen alle Katholiken in Ireland genommenen Maasregeln.

Sie waren unfähig, Ländereyen zu kaufen; (daher die Protestanten nun bey weiten den größten Theil des Landes besitzen;) und damit die wenigen liegenden Güter, so Katholiken gehörten, immer mehr zerstückelt würden, so erbten sie die Kinder in gleichen Theilen; und wenn ein Kind zur protestantischen Religion übertrat, so erbte es alle Güter. Wenn ein Katholik ein Pferd besaß, das über 5 Pfund Sterling werth war, so war er desselben, zum Besten des Angebers, verlustig. Priester, welche Messe lesen, sollten aus dem Lande verwiesen, und wenn sie sich wieder betreten ließen, gehenkt werden. Diese Schärfe hat nun zwar längst nachgelassen; aber noch immer bleibt der einheimische Protestant und der angesiedelte Engländer der begünstigte, und der Katholik der gedrückte Theil.

Nicht allein in Ansehung der Religion, sondern auch im Handel wurde Irland von England gedrückt, und nicht anders, als eine Provinz behandelt, ob es gleich von alten Zeiten her sein Parlament, und dieses sein Ober- und sein Unterhaus hatte. Zur Zeit K. Heinrichs VII von England, bald nach den Unruhen, die der Betrüger Lambert Simnell verursacht hatte, ward des Königs zweyter Prinz, noch minderjährig, zum Vicekönig in Irland ernennet, und ihm Eduard Poyning, als Minister, zugegeben. Unter dieser Administration ward 1495 eine Verordnung (Poynings-Law, Poynings-Gesetz genannt) gemacht, zufolge welcher das Irländische Parlement sich nicht versammeln durfte, bevor der Vicekönig (der Lord-Lieutenant heißt,) und der königl. Rath, (dessen Glieder der König nach Gefallen ein- und absezt,) dem Könige die Ursachen der Versammlung angezeigt, und eine königl. Erlaubniß unter dem großen Siegel erhalten hatten. Ferner mußten auch, nach diesem Poynings-Gesetz, alle in Irland vorgeschlagenen Anordnungen, so ferne sie das Staatswesen betrafen, in England gutgeheissen werden, wenn sie zu Stande kommen sollten. Wenn also eine Bill in dem Irländischen Ober- oder Unterhause sollte vorgelegt werden, so ward der Inhalt derselben zuerst in dem königl. geheimen Rathe zu Dublin untersucht, und alles, wovon man muthmassen konnte, daß es der Regierung mißfallen möchte, ward gleich in der Geburt erstickt. Der von dem geheimen Rath in Irland vorläufig untersuchte Inhalt einer Bill kam hierauf nach London, und ward von dem dortigen geheimen Rath des Königs untersucht. Wurde er gemißbilliget, so war weiter die Rede nicht mehr davon. Wurde er genehmigt, so konnte das Irländische Parlement darüber votiren und einen Schluß fassen. Dieser Schluß ward zu London abermal geprüft, nach Gutbefinden verändert, und unter dem großen Siegel zurückgesendet; und er mußte genau so befolgt werden, wie er lautete. Dieses Verhältniß dauerte bis 1782, da endlich das Großbritannische Parlement Irland von der bisherigen Einschränkung freysprach, und die sich darauf beziehenden Acten aufhob. Das Irländische Parlement erhielt dadurch die nemlichen Freyheiten, welche das Englische hat. Die Macht der Staatsverfassung lag seit dieser Zeit beynahe ausschließend in den Händen der reichen Gutsbesitzer, welche die meisten Stimmen im Parlamente fast immer für sich zu gewinnen wußte und dem größern Theile nach Engländer und durchgängig Protestanten waren.

Schon etwas früher war den Irländern auch die freye Ausfuhr ihrer Produkte und Manufakturen und unmittelbare Handlung nach den Englischen Kolonien nach mehrern unruhigen Auftritten erlaubt worden; denn vorher durften ihre Waaren nur blos nach England verführt werden, und waren hohen Auflagen unterworfen. Dem ungeachtet dauerten die Gährungen noch immer fort, nicht nur bey den Katholiken, welche im J. 1793 die mehrsten Vorrechte der Protestanten von der Krone zu erhalten wußten, nur daß sie wegen des Testeides nicht in das Parlement und zu den 30 vordersten Staatsbedienungen kommen konnten; sondern auch bey vielen Protestanten, welche mit jenen vereint, Irland durch Französische Beyhilfe ganz von England unabhängig zu machen suchten. Der Druck, unter welchem bey allen Bewilligungen noch immer der kathol. Einwohner litt, die bigotte Geistlichkeit der Katholiken, welche diese Uebel dem rohen Haufen größer schilderte, und das Volk gegen alles, was Protestanten heißt, aufregte, und das Beyspiel der Französ. Revolution, bewürkten endlich eine neue Verschwörung, welche äusserst gefährlich hätte werden können, wenn die Französische Unterstützung bedeutender gewesen und frühzeitiger gekommen wäre. Sie brach im J. 1798, im Monat May aus, wurde aber durch die Englischen Truppen, und die Unterstützung der Englischgesinnten Einwohner (Loyalisten) endlich mit vielem Blutvergiesen unterdrückt, auch das Französische Hilfskorps von 1100 Mann gefangen. Der Krieg war von beyden Seiten mit vielen Grausamkeiten geführt worden; nach der Unterdrückung der Unruhen wurden aber mäsigere Maasregeln ergriffen; und man glaubte endlich zur völligen Beruhigung Irlands, und zur Vorbeugung gegen künftige ähnlich Fälle kein besseres Mittel als die Vereinigung Irelands mit Großbritannien unter einerley Parlament finden zu können, welche auch im J. 1800 von dem Ministerium durchgesezt wurde. Am 1sten Jenner 1801 geschah die feyerliche Vereinigung. Die Irländer schickten nun zu dem Großbritannischen Oberhaus 4 geistliche und 28 weltliche Lords, und zu dem Unterhaus 100 Mitglieder. Zu den Staatsabgaben bezahlten sie 2/17 des Ganzen. An der bisherigen Englischen Staatsschuld nimmt Irland keinen Antheil; es hat aber für seine eigene zu sorgen, welche im J. 1803. 43,019,325 Pf. Sterling betrug; doch auch hievon sind 21,224,585 Pf. auf England fundirt. Künftige Schulden treffen die vereinigten Reiche gemeinschaftlich. Ireland zahlt in Zukunft keine andere Zölle xc. als die der Bewohner Englands ebenfalls tragen muß. Statt des ehemaligen Vicekönigs steht nun ein Lord-Generalstatthalter an der Spitze der Staatsverwaltung und Justitz in Ireland. Uebrigens bleiben ad interim die ehemaligen Gesetze und Verordnungen in ihrer Wirksamkeit.

Die Vortheile, welche Ireland aus dieser Vereinigung zufließen, sind aber mehr scheinbar als reel. Seine Abgeordneten zum Parlamente bestehen blos aus Protestanten und zum Theil aus Englischen Gutsbesitzern; ihre geringe Anzahl wird überall, wo das Interesse beyder Länder kollidirt, leicht überstimmt; die Handlung der Ireländer ist noch vielen Beschränkungen unterworfen, und liegt fast ausschließend in den Händen Englischer Kapitalisten; die katholische Religion, zu welcher sich ⅔ der Einwohner bekennen, steht noch immer unter mannigfaltigem Drucke, wenigstens kann kein Katholik auf ein wichtiges Amt Anspruch machen. Da nun der Irländer sich mit jedem Tage mehr zu fühlen anfängt, durch die Erweiterung der angelegten Fesseln seit 1779 einen großen Theil der ihm ehemals vorgeworfenen Indolenz verloren hat, seinen Acker fleißiger bebaut, und durch den wachsenden Wohlstand auch die Bevölkerung so sehr gewachsen ist, daß man im J. 1799 im Lande 3,993,000 Seelen zählte: so erträgt er das, obgleich nun viel leichtere Joch nicht mit Gleichgültigkeit, sondern erklärte sich gleich anfangs lebhaft gegen die Vereinigung, und erwartet mit unruhigen Bewegungen noch bis diese Stunde seinen, wenn auch nur scheinbaren Erlöser.

England, welches bisher mehr Aufwand für die Staatsverwaltung und die unentbehrlichen stehenden Truppen machen mußte, als ihm die Einkünfte von Ireland Vortheil brachten, fühlt diese unseelige Lage und verzweifelt an eine glücklichen Abänderung. Unumschränkte Bewilligung der freyen Handlung, fürchtet es, würde dieses ihm wenig geachtete und nicht geliebte Volk zum gefährlichen Nebenbuhler machen; und ganz gleiche, dem Katholicismus bewilligte Reichte streiten nicht nur gegen die Vorurtheile eines großen Theils der Engländer, und gegen die Besorgniß einer dadurch veranlaßten Umwandlung in der Englischen Verfassung selbst, sondern erregen auch die nicht ungegründete Furcht, daß der bigotte Ireländer, nicht zufrieden mit der ungehinderten Ausübung seiner Glaubenssätze, bald anfangen werde, der allein herrschende Theil seyn zu wollen; zu welcher Furcht freylich mehrere Schriften der Irländer, in dem Eifer für die allein seeligmachende Religion, nicht ungegründete Veranlassung gegeben haben.

Hat aber der Engländer nicht hinlänglich guten Willen, Ireland ganz in den Schoß seiner Familie aufzunehmen und mit demselben ein völlig ungetrenntes Interesse zu nähren; und glückt es ihm nicht, die künftigen Generation von Geistlichen nnd dadurch dem großen Haufen der Ireländer liberalere katholische Religionsgrundsätze einzuflößen: so behält es einen ewigen Dorn im Fuß, und darf statt des Besitzes von Irland weit lebhafter wünschen, daß kein Ireland in der Welt, wenigstens nicht in seiner Nähe seyn möchte.

Die Unzufriedenheit der Irländer mit der Englischen Regierung hat viele vom Adel und auch vom gemeinen Stande von je her bewogen, ihr Vaterland zu verlassen, und bey auswärtigen Mächten, besonders dem Hause Oesterreich, Frankreich und Spanien, Kriegsdienste zu nehmen. Eine beträchtliche Zahl der verdientesten Generals und Officiere unter den Armeen dieser Potentaten ist von irländischer Herkunft. Viele Irländer zogen auch, vor dem Ausbruch der Unruhen, in die Colonien von Nordamerika; und noch immer werden diese Auswanderungen fortgesezt.

In ältern Zeiten wurde Irland bisweilen Insula sacresancta genennet; weil keine giftige Thiere darinnen bleiben sollen, und weil die Nation an Gelehrten und Heiligen im Mittelalter fruchtbar war.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
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