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Die Italiänische Republik.Bearbeiten


[1] Sie wurde im Jahr 1797 von Bonaparte unter dem Namen der Cisalpinischen errichtet, hierauf zwar im Jahr 1799 durch die österreichische und rußische Armee vernichtet, allein nach der Schlacht von Marengo am 14 Junius 1800 sogleich durch ihren ersten Schöpfer wieder hergestellt, und die Friedensschlusse von Lüneville und Amiens sicherten ihren Bestand. Sie besteht aus dem bisherigen österreichischen Mailand und Mantua, dem Herzogthum Modena, den Fürstenthümern Massa und Carrara, ferner aus den bisherigen venetianischen Provinzen Cremasco, Bergamasco, Bressano und einem Theil von Veronese (welcher sich bis an die Etsch erstreckt), aus den 3 Legationen des Kirchenstaates Bologna, Ferrara und Romagna, nebst denen der Bündner Republik bisher gehörigen Unterthanen Worms, Veltlin und Cleven.

Gränzen: gegen O. das Herz. Venedig u. das adriatische M., g. N. Helvetien und Tyrol, g. W. Frankreich, g. S. die Staaten des Königs von Etrurien, Lucca und der Kirchenstaat.

Größe: 580 Quadratmeilen, mit 3,800,000 Einwohner.

Boden: größtentheils eben und ausserordentlich fruchtbar, nur gegen Norden gebirgig und rauh, gegen den Po hin sehr niedrig und mit Sümpfen angefüllt. Der Sommer ist hier heiß, aber der Winter dennoch gewöhnlich kälter, als man sich ihn in Italien denkt. Die Nordwinde, welche dann gewöhnlich wehen, machen die Luft beständig schneidend, es erfrieren nicht selten Feigen- Maulbeer- u. a. zarte Bäume, und oft bleibt der Schnee vom neuen Jahre an einen Monat u. drüber eine halbe Elle hoch liegen. Viele Flüße, worunter der Po, der Tesino, die Adda u. der Oglio vorzüglich zu bemerken sind, und schiffbare Kanäle; Seen sind, der Lago Maggiore oder der Locarner, Lago d'Iseo, di Como u. ein Theil des Gardasees.

Produkte: sehr viel Getreide, sonderlich Reiß, Flachs, Hanf, Wein, Baumöl und sonst eine Menge treflicher Südfrüchte; vortreflicher Wiesenwachs und starke Viehzucht; beträchtlicher Seidenbau; viel Eisen und Kupfer; schöner Alabaster, Marmor, Salz und Torf; Erze fehlen fast ganz.

Manufakturen in seidenen Zeugen, Hals- und Schnupftüchern, Flören und Strümpfen, halbseidenen Zeugen, unächte Tressenfabr., Broderien, Leinenwebereyen, Metall- und Fayencefabr., Seidenfilatorien xc.

Handlung mit roher und gezwirnter Seide, Seidefabrikaten, Reis, Käsen, Südfrüchten, u. mehrern andern Landesprodukten.

Die römisch-katholische Religion ist für des Staats erklärt, doch wird dabey jeder Privatgottesdienst gestattet.

Staatsverfassung. Nach der Constitution vom 25 Januar 1802 wird der ganze Staat repräsentirt durch 700 Personen, vertheilt in 3 sogenannte Wahlcollegien, nämlich 1) der Güterbesitzer (possidenti) von 300; 2) der Gelehrten und Künstler (dotti) von 200; und 3) der Kaufleute und Fabrikanten (commercianti) von 200 Personen, die sich, wenigstens alle 2 Jahre, doch nur auf Einladung der Regierung versammeln, und blos die Wahllisten von den zu Staatsämtern fähigen Personen entwerfen. Einem Colleg. der Censoren von 21 Personen ist die wirkliche Ernennung zu den Aemtern aus jenen Wahllisten vorbehalten. Die Regierung besteht aus einem, auf 10 Jahre ernannten Präsidenten (wirklich in der Person des ersten Konsuls der französ. Republik), der im Besitze der vollziehenden Gewalt, und keiner Verantwortlichkeit unterworfen ist, aus einem Vicepräsidenten u. einer Staatsconsulta von 8 Mitgliedern. Ein Gesetzgebungsrath von 10 Personen berathschlagt über die ihm vom Präsidenten vorgeschlagenen Gesetze, und ein eigentlicher gesetzgebender Körper von 75 Mitgliedern bestätigt oder verwirft dieselben. Die Finanzen werden durch einen Rath von 5 Mitgliedern verwaltet.

Eintheilung in 13 Departemente, und zwar

1) Dep. Agogna, wo Novara, Hauptstadt. -- Vigevano, seidene Schnupftücherfabr. -- Arona, Festung am Lago Maggiore. Nicht weit von hier befinden sich die in diesem See liegenden, durch ihre reißenden Anlagen berühmten borromäischen Inseln: Isola Bella und Isola Madre.
2) Dep. Lario, wo Como, Hauptstadt am Comersee einträglicher Handel nach Deutschland und Helvetien.
3) Dep. Mailand, wo Mailand (ital. Milano), in einer Ebene zwischen den Flüssen Adda und Tessino gelegen, über 500 Jahre vor der christl. Zeitrechnung von den Galliern erbaut; Hauptst. der ganzen Republik und Sitz der Regierung; 130,000 E.; die prächtige und große Hauptkirche mit 4000 Statuen, und dem Leichnam des h. Borromäus, in einem unschätzbaren Sarge von Bergchrystall und Silber; das berühmte Gemälde v. Leonardo da Vinci, das Nachtmahl Christi vorstellend, im Kloster le Grazie; großes u. vortreflich eingerichtetes Hospital von 160,000 Gulden jährl. Einkünften, in welchem über 1500 Kranke ohne Unterschied der Religion und einige tausend Findlinge verpflegt werden; die ambrosianische Bibliothek; ein ausgezeichnet schönes Theater; Manufakturen von Sammet, Damast, Taffent, Strümpfen, Bändern u. a. seidene Waaren, vor Tressen, Zitz u. Cattun, wollenen Zeugen, Broderien, Bijouteriewaaren, Spiegeln, Chokolade, Fayence xc.; Gipsabdrücke von Antiken; schöne Chrystallarbeiten; beträchtliche Ausfuhr von Seide, Reiß u. a. Landesprodukten, so wie von den obgedachten Fabrikaten. Ansehnliche Wechselgeschäfte; starker Waarendurchzug. -- Das Landhaus des Marchese Simonetti, in der Nähe von Mailand, ist seines ausserordentlichen Echos halber merkwürdig, es wiederholt die menschliche Stimme 40- und den Knall einer Kanone 60mal. -- Pavia, berühmte Universität, von Carl dem Großen gestiftet, die von jeher in der Medicin und Physik sehr geschickter Männer besaß. -- Como, sehr alte Stadt mit Seidemanufakturen.
4) Dep. Serio, wo Bergamo, Hauptst. u. Festung; Seidefilatorien und Seidezeug- auch wollene Teppichmanuf.; berühmte Messe, wo besonders viel Seidehandel getrieben wird.
5) Dep. Mella, wo Brescia, Hauptst. mit 45,000 Einw.; Festung; gute Gewehrfabr., Kupfer- u. Eisenfabr.; vorzügliche Papierfabr.; Handlung mit Seide, Wachs, Wolle xc.
6) Dep. Ober-Po, wo Cremona, Hauptst.; der hiesige Thurm wird für den höchsten in Europa gehalten; ansehnliche Geigenfabriken. -- Lodi, Verfertigung des berühmten Parmesankäses. -- Pizzighethone, wichtige Fest.
7) Dep. Mincio, wo Mantua, Univers.; berühmte Hauptfestung in einem See gelegen, welchen der Fluß Mencio bildet.
8) Dep. Crostolo, wo Reggio, Hauptst. und Festung mit 20,000 Einw.; Maskenfabr. und prächtiger Palast.
9) Dep. Panaro, wo Modena, Hptst.; eine sehr schöne Stadt mit 100 Kirchen. -- Carrara, vortrefl. weiser Marmor. -- Canossa, (Kaiser Heinrich IV. büßte hier vor dem Pabste Gregor VII.)
10) Dep. Nieder-Po, mit Ferrara, Hauptstadt; Univers. und Zeichnungsschule.
11) Dep. Reno, wo Bologna, Hauptstadt; schöne Stadt von 80,000 E.; Fabrik. von gezwirnter Seide, seidenen Zeugen u. Strümpfen, vortrefl. Krepp- Flor- Gaze- und Seideblumen. Auch werden hier viele Confituren, Essenzen, Hirnwürste (Salami u. Nicordatelli), Seifenkugeln, sehr gutes Papier, Arbeiten von Nußbaumholz, Wachsfrüchte und Figuren, Waaren aus Bergkristall verfertigt, und damit, so wie mit Naturprodukten, starker Handel getrieben. Die Bologneserflaschen (welche von aussen den stärksten Stoß aushalten können, wenn aber nur ein ganz kleines Stückchen von Kieselstein oder Glas hineingeworfen wird, zerspringen), und der bononische Stein, der durch eine besondere Calcinirung die Eigenschaft bekommt, daß wenn er an's Tageslicht gebracht wird, er in wenig Minuten so viel Licht gleichsam in sich saugt, daß er dernach im Finstern 8 bis 15 Minuten lang als eine glühende Kohle leuchtet, -- sind berühmt.
12) Dep. Rubicone, wo Cosena, Hauptst. -- Ravenna, Seidemühlen. -- Faenza, wo gutes irdenes Geschirr in Menge verfertigt wird, und woher das unächte Porzellan den Namen Fayence erhalten hat.
13) Dep. Verona, welches die Stadt Verona mit ihrem ehemaligen Gebiete auf dem rechten Ufer der Etsch enthält, u. erst im J. 1803 zu einem besondern Depart. gemacht worden ist. -- Die Stadt Verona, wovon der auf dem linken Etschufer liegende kleinere Theil Oesterreich gehört, ist eine große, sehr alte Stadt mit etwa 15,000 Einw. und hat neuerlich besondere Handelsfreiheiten erhalten. Die Stadt treibt bedeutenden Handel mit roher und verarbeiteter Seide. Sie hat Seidezeugfabriken und Seidezwirnmühlen, Handschuhfabriken und gute Gerbereyen. Merkwürdiges römisches Amphitheater.


Quellen.Bearbeiten

  1. Handbuch der Erdbeschreibung von Europa insbesondere von Deutschland. Nach den neuesten Friedensschlüßen und dem bestätigten Hauptschluße der Reichsdeputation vom 25. Febr. 1803. Für den öffentlichen und Privatgebrauch. von Herrn F. C. Franz, Professor der Geschichte und Geographie am Churfürstlichen Gymnasium zu Stuttgart. Stuttgart, bey Joh. Friedr. Steinkopf, 1804.
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