Lord Lauderdale.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Lauderdale (Lord) Mitglied des Hauses der Pairs im englischen Parlament, einer der Bewunderer der französischen Revolution. Man sah ihn nacheinander den Allianztraktat mit Preußen, die Bill zur einstweiligen Aufhebung des Habeas corpus-Acte, und alle Maaßregeln, welche auf die Fortsetzung des Kriegs gegen Frankreich Bezug hatten, angreifen. Im Juny 1797 setzte er sich in London als Nadelhändler, um zum Sheriff gewählt werden zu können, konnte aber nur sehr wenig Stimmen für sich vereinigen. Man hat allgemein seine Absichten nicht für so rein als die d r übrigen Mitglieder der Opposition gehalten. Im August 1806 ging er als Friedensunterhändler nach Paris ab, kam aber auch im folgenden Monate unverrichteter Sache wieder zurück.


Lord Lauderdale..[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]
Lauderdale, Lord, einer der berühmtesten englischen Staatsmänner der neuern Zeit, gegenwärtig in der Opposition, und vorzüglicher Schriftsteller über Gegenstände der Nationalökonomie und der Finanzwissenschaft. Er ist 1752 geboren. Nach Beendigung seiner Reisen trat er ins Parlament, schloß sich zunächst an Fox an, unterstützte dessen berühmte India Bill, und war bei dem hastingschen Prozesse im Jahre 1787 sehr thätig. - Von dem kurzen foxischen Ministerium im Jahre 1806 war er Mitglied und er ging als Friedensunterhändler nach Paris. Der Ausbruch des preußischen Kriegs hob alle Unterhandlungen auf, und Lauderdale kam ohne Erfolg zurück. An den Ministerien seit Fox Tode hat er keinen Theil gehabt, und er ist seit diesem Zeitpunkte immer den Oppositionsparteien zugethan gewesen. Von seinen Schriften ist die bekannteste: an Inquiry into the nature and origin of public wealth, 1804, und auch ins Deutsche übersetzt worden.


Einzelne historische Züge und Anekdoten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1806]

[3]

Der Staatssecretair Fox bewohnt jetzt den prächtigen Pallast des Herzogs von Bedford, in welchem er sehr häufig den Prinzen von Wales und die Glieder des jetzigen Ministeriums prächtig bewirthet. Die Ostindische-Compagnie, welche von jeher nicht mit Fox harmonirte, wollte auch anfangs schlechterdings nicht seinen Freund, den bekannten Lord Lauderdale, anstatt des interimistisch angestellten Sir George Barlow, den sie protegirte will, als Generalgouverneur in Ostindien annehmen. Lord Lauderdale war bekanntlich immer ein heftiger Gegner von Pitt, auch ist er Verfasser einer merkwürdigen Schrift über den Reichthum der Nationen. Der Nachfolger des prunkenden Marquis Wellesley sollte allerdings ein gewissenhafter Staatswirth seyn.

- - - - - - - - -

Fox hat der Ostindischen Compagnie nachgeben müssen. Anstatt seines Freundes Lord Lauderdale ist Lord Minto, bisheriger Präsident des Ostindischen Departements, General-Gouverneur von Ostindien geworden. Zu einiger Entschädigung hat der jetzt als Brittischer Friedensunterhändler in Paris befindliche Graf von Lauderdale die vom Herzog Gordon bekleidete Stelle eines Großsiegelbewahrers von Schottland erhalten, welche 3000 Pf. St. jährlich einträgt.


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1806]

[4]

Großbrittanien.

Lord Lauderdale ist zum Nachfolger des Herzogs von Goeden als Großsiegelbewahrer von Schottland mit einem Gehalt von 3000 Pf. Sterling ernannt worden.

[5]
Frankreich.

Ein Pariser Journal will wissen, Lord Lauderdale habe sich auf seiner Rückreise nach England gerade in Boulogne befunden, als die Englische Escadre in der Nacht vom 8. bis 9. Oct. einen neuen Versuch machte, die Flottille im Hafen durch Feuerwerksmaschinen anzuzünden. Der Marschall Brune, der an der Küste commandirt, habe hierauf geglaubt, die Abreise des Lords untersagen zu müssen, bis er vom Kaiser, an welchen er deshalb einen Courier abfertigte, Entscheidung eingeholt habe. Obiger Versuch soll übrigens zwar mit heftigem Getöse und Erschütterungen begleitet gewesen seyn, doch ausser den Dächern von 2 Häusern nicht beschädiget, auch keinem Menschen das Leben gekostet haben.

[6]
Großbrittanien.

Am 17. Oct. kam Lord Lauderdale mit seinem Gefolge von Paris wieder in London an. Er begab sich nach dem auswärtigen Departement, wo mehrere Cabinetsminister versammelt waren. Die Gesundheit des Lords hat sehr gelitten. Er sieht blaß und schmächtig aus, und hat sich den 18. noch Holland House begeben. In der ersten Nacht nach seiner Abreise von Paris schlief er zu Chantilly, in der zweyten zu Abbeville. Allenthalben auf seinem Wege in Frankreich bezeugte ihm das Volk sein Bedauern über das Abbrechen der Friedensunterhandlungen. Als er am 11. Abends zu Boulogne angekommen war, begab er sich zu dem Admiral Lacrosse, um sich mit diesem wegen seiner Einschiffung am folgenden Tage zu besprechen. Lacrosse empfieng ihn sehr höflich, und ertheilte ihm eine zahlreiche Wache, da das Volk zu Boulogne über das Bombardement erbittert war. Als er zum Hafen gieng, waren auf dem Wege, den er passirte, zu beyden Seiten Truppen aufgestellt. Adm. Lacrosse hatte für ihm und sein Erfolge die besten Böte aussuchen lassen, die ihn zu der Fregatte Clyde brachten. Der Staatsbothe Roß, der zuletzt an Lord Lauderdale gesandt worden, wurde zu Boulogne einige Zeit angehalten; ein ähnliches Anhalten erfuhr auch der Staatsbothe Scott, der von Paris im voraus nach Boulogne abgesandt war.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  3. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1806.
  4. Wiener Zeitung. Nro. 60. Sonnabend, den 26. Julius 1806.
  5. Wiener Zeitung Nro 89. Mittewoche, den 5. November 1806.
  6. Wiener Zeitung Nro 90. Sonnabend, den 8. November 1806.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.