Jardin des Tuileries.

Von Reisende.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

August von Kotzebue.

[1798 - 1799]

Der Garten der Tuilerien ist sehr reizend und freundlich. Unter den Fenstern des ersten Konsuls ist die Luft durch lange Rabatten von Reseda mit süßem Duft geschwängert. Auf zwei schönen Bassins schwimmen majestätische Schwäne. Unzählige Statüen, zum Theil von großem Werthe, locken de Kunstliebhaber aus einer Allee in die andere. -- Wenn das Wetter nur einigermaßen erträglich ist, so findet man zu jeder Stunde, besonders aber um Mittag, eine wogende Menge von Spaziergängern. Alte Weiber vermiethen Stühle und Zeitungen. Fröhliche Kindergruppen spielen in der Sonne. Wer Erquickung sucht, darf nur die Terasse des Feuillant besteigen, wo ein trefflicher Restaurateur, seinen Hunger zu stillen und seinen Gaumen zu kitzeln, bereit ist. Die ehemalige Reitbahn, in welcher ich einst Mirabeau donnern hörte, ist weggerissen, und durch eine neue Straße wird der Platz von dieser Seite noch sehr verschönert werden. -- Ein rüstiger Spaziergänger, dem der große Garten dennoch nicht groß genug seyn sollte, kann, zwischen den herrlichen Pferdegruppen hinaus wandeln, sich sogleich in die angränzenden elisäischen Felder begeben.


Von Reisende..[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

F. J. L. Meyer.

[1801]

Paris.

Lasst uns eine wohlthätige Ansicht wählen, die uns hier nahe ist; den herrlichen Garten der Tuillerien, seine schönen Blumengründe, blühenden Citronengänge, den duftenden Lindenwald, und die allenthalben aufgestellten Kunstwerke von Marmor und Bronze. Mir ist so wohl in diesem Garten; nach meiner Stimmung und Willkühr kann ich hier mit Vielen seine Schönheit geniessen, oder allein seyn in dem weiten Raum. Mich nimmt die Menge unter sich auf, die hier besonders in den schönen Abendstunden wandelt, ich seze mich zu den Leuten, in der Seiten-Allee neben den Orangebäumen, oder ich entferne mich von der grossen Welt in die Tiefe des Lindenwaldes oder nach der Seineterrasse. -- Wir sind im Erndtemonat (Messidor) und hier ist es immer noch Floreal. Der Blumengrund, mit seinen Beeten zwischen lichtem grünen Gitterwerk wird sorgsam mit Blumen unterhalten; wo eine welkt wird die durch frische ersezt. Die Beete und Steige sind von dürren Blättern rein gehalten, die Graspläze gekämmt, bewässert. In diesem Garten erwartet keine erkünstelte Buschpartien, englische Irrgänge und was der Spielereien der neuen Gartenkunst mehr sind. Einfache Würde, Hoheit, Pracht, ist sein Karackter. Es ist der Garten der Regierungspallastes, und die Regierung zeigt sich hier wirklich republikanisch, indem sie das Volk ihn mitgeniessen lässt, und ihn für das Volk schmükt. Den zweiten Konsul Cambacerés, der sich gern und fleissig sehen lässt, trift man hier oft mit seinen Adjutanten unter der Menge. -- Eine Tulpenflur blühet jezt an beiden Eingängen des Waldes in zwei mit vielem Geschmak neu angelegten Amphitheatern: hier stehen Apollino, der junge Faun und vier Wettläufer, von Marmor. -- Viele Statuen und Gruppen von Marmor und Bronze sind zu denen, welche immer hier standen, hinzu gekommen, noch täglich werden sie vermehrt, und die alten besser gestellt. Es ist eine ununterbrochene Arbeit den Garten zu verschönern, den Genuss zu vervielfältigen. Die runden Plätze in dem Wäldchen, sind für Ballspieler und für Kindertänze unbesezt gelassen, und sind jezt, wie vordem die elyseischen Felder, der Tummelplaz der Fröhlichkeit. Reihetänze und spielende Gruppen, Jagen, und Gewimmel von Kindern wechseln hier den ganzen Tag. Sobald der Regen aufhört, -- und es regnet jezt alle Tage, -- sind sie, wie aus der Erde gewachsen wieder da, und tanzen, toben, jagen, auf dem hartgewalzten Boden. Oft mische ich mich unter die jubelnden Haufen, dulde ihre Neckereien gern, werfe ihnen den an mich abprellenden Ballon mit einem bravo! zurük, gewöhne sie an mich -- schwärme in der Erinnerung an die Blüthezeit des Lebens und an . . . . . . . Ihr wisst es.

Den Ehelosen will ich, statt dieses geistigen Genusses, den materiellern bei Very, jezigem Matador der Pariser Restaurateure, in seinem reizenden Pavillon im Tuilleriengarten bestens empfohlen haben, und ihren Dank damit verdienen. Mit Marmor, Spiegeln, Mahagonyholz, Silber, köstlichen Geräthen aller Art, sind die mit Geschmak dekorirten Speisesäle und Kabinete besezt, und -- war mehr ist, -- Very hat eine auserlesene Küche! Der Wein ist vortreflich, die Eiserfrischungen unverbesserlich, bei der schnellsten Aufwartung und grösten Reinlichkeit. Damit nichts fehle, hat der Pavillon die Aussicht unmittelbar in den blühenden von Menschen wimmelden Garten. Und das Alles, im Verhältniss für mässige Preise. Ich frage, war empfehlender sey? und mag es nur gestehen, auch für mich ist dieses Very's Refektorium ein Magnet. Man findet hier immer Bekannte, interessante Freunde aller Nationen, Landesleute. Selbst die Gesandten und Deputirten verschmähen dieses öffentliches Spielhaus nicht, das alle Sinne befriedigt, und eine der schönsten Weiber von Paris, wie eine junonische Gestalt, zur Wirthin hat.

Auf meinen Nachmittagsgängen im Garten, unterhalten und belustigen mich in diesen Tagen die artistischen Dissertationen, welche in den Volksgruppen über ein Paar neuaufgestellte Statuen gehalten werden. Man debattirt hier die Zeichnung, Stellung, den Ausdruk, und in der That manchmal mit natürlichem und richtigem Gefühl des Schönen. So stritten gestern zwei gemeine Handwerker in ihrem Plattfranzösisch, über das Für und Wider, der Lage des Arms eines der Brüder Kastor und Pollux, die erst neulich bei den Blumenbeeten hingestellt sind. Unverkennbar ist dies ein Beweis der Wirkung öffentlicher Aufstellungen guter Kunstwerke auf die Bildung des Kunstsinnes des Volks. Dieser Bildungstrieb der Pariser, geht bis ins Burleske. Vor den Budenfenstern der Friseure sieht man ganz gut gerathene Kopien griechischer Büsten, von Pappe, als Perükenstöke; und die Benennungen: à la Cleopatre, à la Niobé, à l' Ariadne, à la Faustine sind in den Winkeln dieser Künstler und Alterthumsforscher zu Hause.

Eine der schönsten Partien dieses köstlichen Gartens, ist die Terrasse an der Seite der Seine, welche vom Schloss ab, längs hin bis zu dem Ausgang nach dem Eintrachtplaz fortlauft, und mit Bronz- und Marmornachbildungen von antiken Statuen besezt ist. Links, die Aufsicht, auf das Quaygewirre zu Wasser und zu Lande, rechts, auf den herrlichen Garten. Am Ende, wo die Terrasse sich gegen das grosse Bassin hinschwenkt, steht Rousseau, ein halb verwitterter Gipsausguss, nach Houdon's Statue in einer buschichten freundlichen Eke, einsam an diesem lebendigen Ort: ein Gehege von Blumen, blühenden Stauden und Pappeln um ihn her, ein Gemüsegärtchen hinter ihm. -- Die Musen und ihr Musaget, stehen auf der Schwingung dieser Höhe gegen das Ausgangsthor nach dem Eintrachtsplaz. Nichts gleicht dieser Aussicht an Grösse, Umfang, und Mannigfaltigkeit der Gegenstände. Rechts der grosse Wasserspiegel, der Wald, die breiten Alleen des Gartens mit ihren Menschenmassen und Gruppen, der Regierungspallast im Hintergrunde. Gegen über die Terrasse mit den Statuen, Pallästen, Pappeln dazwischen. Vor sich das grosse bewegliche Gemälde der Tausende, welche durch die Gitterthor aus- und einströmen. Links endlich der schöne Plaz der Eintracht. Hier im Hintergrunde der Wald, die elyseischen Felder. -- Entstellt ist dieser Plaz jezt durch das unförmliche, hässliche hölzerne Modell der National-Säule *). . .


Quellen und Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erinnerungen aus Paris im Jahre 1804. von August von Kotzebue. Berlin 1804 bei Heinrich Fröhlich.
  • Briefe aus der Hauptstadt und dem Innern Frankreichs, von F. J. L. Meyer Dr. Domherrn in Hamburg. . . Tübingen in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1802.
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