Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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J. E. M. Portalis.[]


Portalis (J. E. M.),[1] geboren zu Beausset, Minister der kirchlichen Angelegenheiten, Großoffizier der Ehrenlegion xc.

Vor der Revolution war er Advokat gewesen, und ward im März 1795 Deputirter des Seinedepartements im Rathe der Alten; er zeigte sich darin stets der Direktorialparthey entgegen und legte einen Charakter voller Mäßigung und Edelsinn an Tag. Den 19. Juny 1796 wurde er zum Präsidenten desselben gewählt, und den 25. August widersetzte er sich dem Druck einer Rede von Creuzé-Latouche gegen die Priester. Den folgenden Tag entwarf er die Geschichte der Gesetze, welche über diese Klasse gegeben worden waren, beschwerte sich über die Eide, die man von ihnen verlangt hatte und noch mehr über die Strafen, welche gegen die erkannt worden waren, die diese Eide nicht hatten leisten wollen; er stellte die Zwangsmaßregeln, welche man in Rücksicht ihrer vorgeschlagen hatte, denen gleich, welche während der Schreckensregierung genommen worden waren. Er war einer der heftigsten Gegner des Gesetzes vom 9. Floreal 4 (28. Aprill 1796), welches den Abkömmlingen der Emigrirten die Theilung ihrer Güter mit der Nation auferlegte, und setzte mit einem seltenen Talent die Beweggründe auseinander, nach denen man ein Gesetz entwerfen müsse, welches unschuldige Greise bey ihren Lebzeiten ausplünderte, ein Gesetz, das mit einem der ersten von den Gesetzgebern getheilten Grundsätzen stritte, dem nemlich, daß Verbrechen nur an der Person des Verbrechens selbst zu ahnden seyen. Eben so griff er den 30. November 1796 das Gesetz vom 3. Brümaire an, in sofern es Bezug auf die Anverwandten der Emigrirten hatte. Den 25. July 1797 stimmte er gegen die Volksgesellschaften. Kurz darauf befand er sich auf der Deportationsliste vom 18. Fructidor, der er sich aber glücklicherweise entzog. Den 18. Brümaire rief man ihn nach Frankreich zurück; den 5. Aprill 1800 wurde er zum Kommissär der Regierung bey dem Rathe der Prisen ernannt und gegen Ende dieses Jahrs trat er in den Staatsrath, wo ihm im Oktober 1801 alle Angelegenheiten der Kirche übertragen wurden. Nach seiner Thronbesteigung berief ihn der Kaiser Napoleon zum Ministerium der kirchlichen Angelegenheiten. Den 1. Februar 1805 erhielt Portalis das rothe Band und wurde zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt. Zu Anfange des Jahrs 1807 starb er.

Sein Sohn hat einige Zeit die diplomatische Laufbahn verfolgt und wurde zuerst als Legationssekretär nach Berlin gesandt. 1804 ging er in der Eigenschaft eines bevollmächtigten Ministers von Frankreich nach Regensburg und kam im July 1805 nach Paris zurück, um das Generalsekretariat in dem Ministerium seines Vaters zu übernehmen. Jetzt ist er Generaldirektor des Buchhandels.


Quellen.[]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
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