Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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J. B. Debelloy.[]

[1]
Debelloy (J. B.), gebohren zu Morangles, Diöcese Beauvais, den 8ten Oktober 1709. Im Januar 1752 wurde ihm das Bisthum Glandèves verliehen, von da erhielt er 1755 das von Marseille, welches er zur Epoche der Revolution bekleidete. Als ein Mann vom sanfter Charakter und wenig gewohnt an die politischen Erschütterungen, sah er sich veranlaßt, Frankreich zu verlassen, so bald er gewahrte, daß es ein Theater der Proskription zu werden anfieng. Nach dem 18ten Brümaire kehrte er in sein Vaterland zurück, erhielt, Trotz seines hohen Alters, 1802 das Erzbisthum von Paris und ward Senator. 1804 wurde ihm der Kardinalshut und 1805 der Titel eines Großoffiziers der Ehrenlegion verleihen. Im Jahre 1808 starb er.


Zeitungsnachrichten.[]

[1808]

[2]

Frankreich.

Man liest gegenwärtig folgendes über den verstorbenen Kardinal Erzbischof von Paris, Belloy. Er wurde geboren den 8. Okt. 1709 zu Morangle, einem seiner Familie zugehörigen Landgute, im Kirchspiel Beauvais. Von Jugend auf zum geistlichen Stande bestimmt, erhielt er, nach Vollendung der gewöhnlichen Studien, die Stelle eines Kanonikus an der Kirche oben genannter Stadt. Hierauf wurde er als Bischof nach Glandeve, und bald nachher in gleicher Eigenschaft nach Marseille berufen. Hier folgte er auf Belsunce, der sich durch Menschenliebe, Muth und Aufopferung, während der grossen Pest zu Marseille 1720 auszeichnete. Er trat vollkommen in dies Fußstapfen seines Vorgängers. Gezwungen, zur Zeit der Revolution von seinem bischöflichen Stuhle herabzusteigen, begab er sich nach Chambly. Er genoß hier die, seinem Alter und guten Eigenschaften zukommende Ehrfurcht und Ruhe zu einer Zeit, wo letztere auf immer aus Frankreich entflohen zu seyn schien. Da, nach hergestellter öffentlichen Sicherheit die Regierung sich entschloß, den bisher unterdrückten Gottesdienst wieder herzustellen, so fiel ihr Auge zuerst auf Belloy, diesen auf den erzbischöflichen Stuhl in der Hauptstadt Frankreich zu erheben. In ihm wurden zugleich ein beynahe hundertjähriges thatenvolles Alter, wahre Herzensgüte, bewunderungswürdige Einfalt der Sitten, und seltnes Billigkeitsgefühl befördert. Tugenden, welche diesen ausserordentlichen Mann bis in sein hohes Alter, je bis zu seinem letzten Lebenshauch begleiteten. Als Gegenstand der allgemeinen Liebe und Verehrung empfieng er überall die rührendsten Beweise hievon; und als friedliebender Mann hielt er es für die heiligste Pflicht seines Standes, Eintracht, auch mit bedeutenden Selbstaufopferungen, zu erhalten. Er war ein Muster ächtchristlicher Liebe und ein Vater der Armen, die bey ihm reichliche Hilfe fanden. Kaum war sein Tod bekannt, als ein grosse Anzahl Unglücklicher seinen Pallast umgab, und auf mancherley Art die Gefühle ihres Verlustes ausdrückte. Nie wird das Andenken dieses fast hundertjährigen allgemein geschätzten Greisen, (er hatte das 98. Jahr bereits zurückgelegt,) ganz erlöschen, und immer wird sein Name gesegnet bleiben. Sein Tod setzte die Kirche in die herzlichste Betrübniß, und eine grosse Zahl Unglücklicher in hilflosen Zustand.


Quellen.[]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. Wiener-Zeitung. Nro. 52. Mittwoch, den 29. Juny 1808.
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