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Biographien.Bearbeiten


(1809) Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1809.

(1811) Neue historische und geographische Gemählde oder Charakteristiken merkwürdiger Personen und Darstellungen wichtiger Begebenheiten unserer Zeit; nebst Schilderungen der durch die neuesten Schicksale ausgezeichneten, neu entdeckten oder näher untersuchten Länder und Völker. Bearbeitet von J. B. Schütz. Wien, 1811. Im Verlage bey Anton Doll.

(1811) Cabinet von biographischen Gemälden der merkwürdigsten Personen aus der neuesten Zeitgeschichte. Gesammelt und herausgegeben von Karl Stein. Berlin 1811.


Biographische Skizze des in der Schlacht von Eßlingen tödtlich verwundeten Französischen Marschalls Lannes, Herzogs von Montebello.Bearbeiten

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Lannes.

Die Schlacht von Eßlingen oder Aspern beraubte Frankreich eines seiner ausgezeichnetsten Generale und den Kaiser Napoleon eines unerschrockenen, ihm ganz ergebenen Waffengefährten. Der Marschall Lannes, Herzog von Montebello, ward in den zahlreichen Schlachten, in denen er kämpfte, zwölfmal verwundet. Das dreizehntemal kostete ihm das Leben. Er starb am 31sten Mai zu Wien an den Wunden, die er am 22sten bei der Vertheidigung des Dorfes Eßlingen erhalten hatte, und Napoleon betrauert seinen Verlust, den, wie das 14te Bülletin sich ausdruckt, alle Franzosen tief empfinden werden.

Lannes, der nur ein Alter von 37 Jahren erreichte, war aus dem südlichen Frankreich; die Stadt Lectoure, im Departement du Gers ist sein Geburtsort. Für die Wissenschaft bestimmt, wollte er wie Moreau und Joubert die Laufbahn des juridischen Studiums betreten, als der Revolutionskrieg ausbrach, und das von mehrern Seiten angegriffene Vaterlande seine Söhne zu seinem Schutze rief Unter ihnen erhob sich Lannes jung und feurig; mit dem Bataillon du Gers ging er den Phalangen entgegen, die von den Gebürgen herabstiegen, und sich östlich von den Pyrenäen ausbreiteten. Er ging als Sergeant-Major zur Armee, stieg aber durch seine Thaten bis zum Brigade-Chef.

Ungeachtet seiner Erfolge bei der östlichen Pyrenäen Armee traf ihn eine Reform, und er schien für immer zur Ruhe verurtheilt zu seyn. Allein der Held Italiens forderte die Tapfern auf Lannes eilte als Freiwilliger zu ihm. Der General Bonel, der den Muth dieses jungen Officiers kannte, stellte ihn dem Obergeneral Bonaparte vor, der ihn bald lieb gewann und seine Talente schätzte. Er stellte ihn als Brigade-Chef bei dem General Bonel, seinem Cammeraden und Freunde an, und Lannes rechtfertigte die Meinung, welche er der Italienischen Armee und ihrem Feldherrn von sich einflößte. In der Schlacht von Millesimo, in welcher der General Bonel fiel, zeichnete er sich so aus, daß er zum Brigade-Chef des 29sten Regiments, welcher seinen Anführer einbüßte, ernannt wurde. In der Schlacht von Bassano eroberte er zwei Fahnen, und bei Dego, wo er als General-Adjudant auftrat, sammelte er mit Kaltblütigkeit die Colonnen wieder, die einen Augenblick gewichen waren. Dann ging er an der Spitze eines Grenadier Bataillons, welches einen Theil der Avantgarde ausmachte, zuerst über den Po, und trieb ein in dem Dorfe Fombio verschanztes Oesterreichisches Corps bis an die Adda. Mit mehrern Generalen führte er die Französischen Colonnen in den Kampf bei Lodi, indem er vieles zum Siege beitrug.

Ein Aufstand der Bewohner von Pavia hemmte die Fortschritte der Französischen Waffen; Lannes war einer der Offiziere, denen Bonaparte deren Unterwerfung auftrug. Er zerstreute mit der Avantgarde einen Haufen von 800 Menschen, verbrannte ein Dorf, und bald war Pavia mit Sturm genommen. Einige Tage nach der Wiederherstellung der Ruhe wurde Lannes zum Brigade-General ernannt. Mittlerweile ward Mantua belagert. Die Vorstadt St. Georg war noch in den Händen der Oesterreichischen Garnison. Mit 600 Grenadieren von der Division Dallemagne nahm er sie ein, und bemächtigte sich mit dem Bayonnett des Brückenkopfs von Mantua. Lannes war im Gefecht bei Gormeolo verwundet worden, er ward es abermals in dem Kampfe, der vor Arcole geliefert wurde. An seiner Wunde leidend, lag er am andern Tage zu Bett. Aber er erfährt, daß die Gefahr groß, die Schlacht furchtbar, daß Bonaparte sich selbst an die Spitze der Colonne stellt. Sogleich stürzt er sich aus dem Bett, wirft sich aufs Pferd, und sprengt mitten in den Regen von Kugeln und Kartätschen; hier trift ihn beim Brückenkopf von Arcole ein Schuß, der ihn ohne Bewußtseyn hinstreckt.

Als seine Wunden geheilt waren, marschirte er mit seiner Brigade gegen Rom, wo ihn der Papst Pius VI. nach geschlossenem Frieden mit Auszeichnung ausnahm. Hierauf übertrug das Directorium dem General Lannes, der inzwischen zum Divisions-General erhoben wurde, das Commando über die vier Departements, Drome, Isere, Ardeche und Gard. Dem erhaltenen Befehle gemäß, begab er sich auf dem Weg nach Toulouse, als sein Wagen zwischen Palud und Pierre-Latte von acht Räubern angehalten wurde, die ihm mit angelegtem Gewehr seinen Geldbeutel abforderten. Derjenige, der nie vor den Feinden gezittert hatte, wird auch vor feigen Bösewichtern nicht. Er war von drei Offizieren begleitet. Sie ergreifen ihre Gewehre, feuern auf die Räuber, machen sie zu Gefangene und überliefern sie der Gendarmerie.

Lannes war einer der Generale, die Napoleon nach dem Nil folgten, und er leistete zu Maltha, bei der Landung zu Alexandrien und in den verschiedenen Gefechten mit den Mammelucken, die dem Einzug in Cairo vorangehen mußten, sehr nützliche Dienste. Auch befand er sich bei der Expedition nach Syrien, wo er sich vor St. Jean d'Acre auszeichnete, und nachmals den Rückzug der Franzosen nach Aegypten durch seine Wachsamkeit und die bei der Avantgarde getroffenen Dispositionen deckte. In der Schlacht von Abukir bildete seine Division den rechten Flügel. Das Corps Türken, gegen welches sie über einen Sandberg vordrang, ergriff im panischen Schrecken die Flucht, und fand größtentheils in dem Meer seinen Tod. Als darauf Abukir angegriffen wurde, stellte sich der General Lannes an die Spitze des 23sten leichten und des 69sten Linien-Infanterie-Regiments, ergriff den Augenblick, wo die Türken unvorsichtigerweise aus ihren Verschanzungen hervorgegangen waren, und erstürmte die Redoute. Abukir war in der Gewalt der Franzosen. Der General Lannes wurde bei diesem Angriff an einem Bein verwundet. Er hatte Aegypten verlassen, und war im Herbst 1799 zu Paris. Seine Wunden nöthigten ihn noch auf Krücken zu gehen. Am 9ten und 10ten November, dem merkwürdigen Moment des Sturzes der Direktoren, kommandirte er in den Tuilerien.

Der erste Consul schickte den General Lannes darauf mit sehr ausgedehnten Vollmachten nach Toulouse. Er brachte den Frieden in diese von Parteien bewegte Stadt. Nach seiner Rückkehr erhielt er den ehrenvollen Auftrag, die 32 Fahnen zu überreichen, die von der Armee vom Orient genommen waren, und sie in dem Tempel der Invaliden niederzulegen. Im nächsten Frühjahre wurde er zum Befehlshaber und Inspector der Garde der Consuln ernannt.

Als Commandant der Avantgarde des Heers, welches Napoleon gegen Oesterreich errichtete, errang der General Lannes schnelle erfolge. Er nahm mit stürmender Hand die Citadelle von Ivrea, führte auf dem Wege nach Turin seine Division unter Kartätschenfeuer über den Strom Chiusella, rückte in Pavia ein, wo er einen großen Artilleriepark erbeutete, und ging, nachdem er seine Gegner durch eine auf mehrern Punkten des Po-Ufers angeordnete Kanonade irregeleitet hatte, bei dem Dorfe Belgioso über den Po, worauf er die berühmte Position Stradella einnahm, welche ihm die Oesterreicher vergebens zu entreissen suchten.

In der Schlacht von Marengo erfüllte der General Lannes zugleich die Pflichten des Anführers und des Soldaten. Er war an der Spitze der Grenadiere der Consulargarde und hatte mit der Division Watrin einen großen Theil der Oesterreichischen Heersmacht zu bekämpfen. Als die Division Boudet gegen die dritte Linie derselben anrückte, unterstützte der General Lannes diese Bewegung mit allen seinen Kräften, und trug dadurch zur Niederlage der Oesterreicher vieles bei. Der jetzige Fürst von Neufchatel, Alexander Berthier, sagte in seinem Bericht: "Der General Lannes hat in der Schlacht von Marengo die Ruhe eines alten Generals gezeigt." Auch erhielt er von der Regierung einen besondern Beweis ihrer Anerkennung der Bravour und Intelligenz, die er an diesem Tage entwickelt hatte. Die Consuln decretirten ihm einen Säbel, worauf von Marengo, in Person von dem ersten Consul kommandirt. Von der Regierung der Republik dem General Lannes gegeben.

Nach wiederhergestelltem Frieden wurde Lannes von Paris als Französischer Ambassadeur nach Lissabon geschickt. Doch blieb er nicht sehr lange am Portugiesischen Hofe. Sein Beruf war die kriegerische Laufbahn, auf welche ihn der im Jahr 1805 wieder ausgebrochene Krieg Frankreichs gegen Oesterreich und Rußland wieder versezte. Schon während seiner Mission in Portugall war der Divisionsgeneral Lannes vom Kaiser der Franzosen zum Marschall des Reichs, Großkreuz und Chef der neunten Kohorte der Ehrenlegion ernannt worden.

In der Schlacht von Austerlitz am 2ten December 1805 gab Napoleon dem Marschall Lannes den Oberbefehl über seinen linken Flügel. Er marschirte Regimenterweise in Abtheilungen, wie zum Exerciren auf, und alle seine Angriffe waren siegreich. Der Französisch-Preußische Krieg eröffnete dem Marschall Lannes im Herbst 1806 ein neues Feld rühmlicher Thätigkeit. Er war es, der vereinigt mit dem Marschall Augereau am 10ten October bei Saalfeld die Avantgarde des linken Preußischen Flügels unter dem Prinzen Louis Ferdinand von Preußen aufrieb, und dadurch den ersten Grund zu dem Mißglücke der Preußischen Waffen legte. Nachher hatte er am 14ten October in der Schlacht bei Jena mit seinem Armee-Corps das Centrum des Französischen Heers inne. Hier war es, wo der schnell entschiedene Kampf anfing. Der Marschall Lannes rückte echelonsweise an, um das Dorf Hollstedt zu behaupten, wo mehrere Bataillons mit den Preußischen Truppen zum Handgemeng gekommen waren. Ein Haubitz-Granate streifte ihn an der Brust, ohne ihm Schaden zu thun.

Bei der Wiedereinführung des Erbadels in Frankreich war der Marschall Lannes einer der ersten, denen die Herzogliche Würde zu Theil wurde. Napoleon kreirte ihn zum Herzog von Montebello. Auch dieser Name erlangte bald eine Celebrität in der Kriegsgeschichte. Der Herzog von Montebello bekämpfte und überwand durch unterirdische Waffen das sich mit Verzweiflung vertheidigende Saragossa, und nöthigte die über die Hälfte geschmolzene Garnison, nur noch 17000 Mann stark, auf den Ruinen der unterminirten Stadt am 21sten Februar 1809 das Gewehr zu strecken.

Aus Spanien folgte der Herzog von Montebello dem Kaiser Napoleon nach Deutschland. Er war ihm in dem fünftägigen blutigen Kampfe zur Seite, womit der Oesterreichisch-Französische Krieg eröffnet wurde, bezeichnete am 23sten April bei dem Sturm von Regensburg den Ort des Uebergangs, und ließ die Leiter von seinen Adjudanten herbeitragen. Bei Eßlingen war das Ziel seines so thatenreichen Lebens. Der Kaiser hatte am 21sten Mai dem Herzoge von Montebello die Vertheidigung dieses auf dem linken Donauufer liegenden Dorfs aufgetragen. Auch machte dieser an der Spitze seines Corps mehrere Angriffe. Als er aber am zweiten Tage dieser beispiellos mörderischen Schlacht, am 22sten Mai, dem erhaltenen Befehle gemäß, die Position von Eßlingen behauptete, um den Rückzug der Französischen Armee zu decken, riß ihm eine Oesterreichische Kanonenkugel einen Schenkel weg. Er wurde zum Kaiser getragen, dem er selbst seinen nahen Tod verkündigte, und dann nach Wien gebracht, wo die Kunst vergebens alle Hülfsmittel zu seiner Rettung aufbot, und Napoleon ihm die zärtlichste Theilnahme bewies. Als der Herzog von Montebello am 31sten Mai gestorben war, befahl der Kaiser, daß der Körper seines Waffengefährten einbalsamirt und zur feierlichen Bestattung nach Frankreich gebracht würde. In Bordeaux ward für ihn am 16ten Jun. ein Seelenamt gehalten. Auf dem Katafalk las man die Namen Eßlingen, Saragossa, Marengo, Abukir, Mantua, Lodi, Arcole und Bassano, nebst der Inschrift: "Er starb auf dem Felde der Ehre. Für die Nachwelt lebt er. Den Manen des Herzogs von Montebello."


Lannes, Herzog von Montebello, Marschall.Bearbeiten

[2]
Der französische Roland -- denn so benannten die Krieger seines Vaterlandes den Generalen Lannes -- ist nicht bloß durch den Glanz seiner Thaten merkwürdig geworden, er verdient auch als Muster denjenigen vorgehalten zu werden, welche an militärischen Verdiensten zu gewinnen glauben, wenn sie, von den feineren Gefühlen los sich sagend, nur Hochmuth und Rauheit äussern; jenen, die durch Trotz in Miene und Gebärde den friedlichen Bürger zu erschrecken suchen, zu dessen Schutze sie doch bestellt sind. Dieser Heerführer wußte nämlich im Geräusche der Schlachten die Blume der edelsten Humanität zu bewahren. Zu dem Enthusiasmus für das Vaterland gesellte er eine achtungsvolle Anerkennung der Pflichten gegen die Menschheit im Ganzen. Nicht minder rühmlich als seine Thaten, war die kindliche Zärtlichkeit, welche er sein ganzes Laben hindurch bewies, -- und die innige Freundschaft, deren Bund er mit dem Tode besiegelte, gehörte zu einer der schönsten Blumen in der Biographie Napoleons selbst.

Der französische Reichsmarschall Lannes, Herzog von Montebello, wurde in der Stadt Leictoure, im Departement von Gers des südlichen Frankreichs, im J. 1772 geboren. Als die Revolution ausgebrochen war, und die gefährdeten Throne der Nachbarstaaten von Frankreich demselben seine vorige Gestalt wieder zu geben versuchten, entriß sich der feurige Jüngling, schon auf dem Wege Rechtsgelehrter zu werden, seinen Studien, trat in das Bataillon du Gers, und marschirte als Sergeant-Major den Spaniern entgegen, die sich schon an der Ostseite der Pyrenäen herab senkten. Das Waffenglück, welches ihm hier zur Seite trat, hob ihn schnell empor, die Soldaten glaubten unter seiner Führung nicht zur Schlacht, sondern zum Triumphe selbst zu gehen: er wurde Brigade-Chef.

Bald schien die Reform seine Laufbahn zu begrenzen, doch stand er schon als Divisionsadjutant bey der Pariser Nationalgarde als Napoleon Bonaparte im J. 1795 die Tapferen des Landes zu sich nach Italien entbot. Sogleich eilte Lannes als blosser Freywilliger dahin, und im Hauptquartiere wurde er vom Generalen Banel freudig empfangen, und dem Obergeneralen Bonaparte vorgestellt, der ihn bereits während der Unruhen in Paris vor einer vortheilhaften Seite hatte kennen gelehrt. Dieß führte die Folge mit sich, daß Lannes ohne Anstand bey dem Banel'schen Corps als Brigadechef seine Anstellung erhielt.

Sein zweckmässiges Benehmen in dem Treffen bey Millesimo erwarb ihm die Stelle des Chefs der 29. Halbbrigade, der in diesem Gefechte gefallen war. Im Treffen bey Bassano eroberte er zwey Fahnen; in jenem bey Dego entschied er hauptsächlich den Sieg, da er als Generaladjutant einige schon gewichene Kolonnen wieder zur Fassung brachte, und mit ihnen den Oesterreicher in die Flanke fiel. -- An der Spitze eines Grenadierbataillons von der Avantgarde griff er bey dem Uebergange über den Po die in Fombio verschanzten Gegner an und vertrieb sie bis zur Adda.

In der Schlacht bey Lodi erwirkte er nebst Berthier und Massena den Uebergang über die dortige Brücke, indem er gleich eben diesen Generalen die hierzu bestimmte, durch das österreichische Kanonenfeuer aber beynahe muthlos gemachte, Kolonne durch seine Voraustritt neuerdings entflammte. -- Während die französische Armee nun weiter vordrang, erfuhr man, daß die Bewohner von Pavia sich ihrem Marsche entgegen setzen wollten. Dieß bewog den Obergeneral an Lannes den Auftrag ergeben zu lassen, daselbst die Ruhe herzustellen. Schon bey Binasco sah dieser 800 Menschen vor dem Dorfe versammelt, er griff sie an, jagte sie in die Flucht, verbrannte den Ort, und nahm bald darauf Pavia mit Sturm. Diese mehrfachen Auszeichnungen veranlaßten den Obergeneral, dem damahligen Direktorium den Vorschlag zu machen, den tapferen Anführer zum Brigadegeneral zu befördern, welches denn auch keineswegs verweigert wurde.

Während der Belagerung von Mantua warf er sich mit 600 Grenadieren von Allemagne auf die Vorstadt San Giorgio, und nahm sie nebst dem Brückenkopf hinweg. In dem Gefechte von Governolo verwundet, wohnte er auch jenem von Arcole bey, in welchem der Sieg lange unentschieden blieb. Eine neue Wunde war die Folge seiner bey dieser Gelegenheit bewiesenen Thätigkeit. Schon lag er leidend auf einem Bette, als er vernahm, daß das Gefecht für die Franzosen ungünstig und der Obergeneral deshalb selbst an die Spitze der Kolonnen getreten sey. Bey dieser Nachricht hielt ihn keine Gewalt zurück; er ließ sich zu seinem Pferde tragen, bestieg dasselbe, und stürzte sich in Mitte des Kugelregens bey dem furchtbaren Brückenkopf; allein ehe er noch das glänzende Vorhaben bewerkstellen konnte, streckte ihn ein Schuß bewußtlos zu Boden.

Weil der Papst sich an die verbündeten Mächten angeschlossen hatte, so erhielt Lannes nach seiner Genesung den Auftrag, gegen ihn zu marschiren; drang demnach mit der Division Victor gegen die Verschanzungen vor, welche 4000 von den wenig geübten Truppen des Kirchenstaates besetzt hatten. Sie mußten ihm dieselben überlassen, und da Papst Pius VII. bald darauf den Frieden begehrte, so wurde Lannes an denselben nach Rom als Gesandter geschickt, und von ihm auf die schmeichelhafteste Art empfangen.

Im J. 1796 unternahm er eine Reise nach Toulon, weil das Direktorium ihm aufgetragen hatte, das Kommando über die Departements la Drome, l'Isere, l'Ardeche und le Gard zu übernehmen. Auf diese Reise geschah es, daß sein Wagen zwischen la Polud und Pierre-latte von acht Räubern angefallen wurde; doch drey Offiziere, die ihn begleiteten, feuerten auf die Räuber, nahmen sie gefangen und lieferten sie der Gensd'armerie aus.

Bey dem Abgange der Expedition nach Aegypten (1798) begleitete Lannes den Obergeneralen dahin. Besonders bey Eroberung von Jaffa und der Belagerung von St. Jean d'Acre, wo er abermahls verwundet wurde, zeichnete er sich aus, und sicherte die Armee auf ihrem Rückmarsche durch kluge Führung der Arrieregarde. In der Schlacht bey Abukir bildete er den rechten Flügel und warf einen grossen Theil der bestürzten Türken ins Meer. Die Eroberung des Schlosses gelang ihm, durch Benutzung des Umstandes, daß die Türken aus ihren Verschanzungen heraus gingen. Wie bereitwillig Lannes auch bey diesem Anlasse seine Leben Preis gab, bewies der Umstand, daß er neuerdings eine Wunde, und zwar eine gefährliche, in das Bein erhielt. Noch vor diesen Ereignissen war er zum Divisionsgeneralen befördert worden.

Indeß war Napoleon Bonaparte von seinen, das Direktorium müden, Freunden nach Frankreich zurückberufen worden, um durch seine Energie und durch seinen Nahmen eine andere republikanische Verfassung zu begründen. Lannes war unter den Personen, die ihm aus Aegypten nach Frankreich folgen dürften; ein Beweis, wie hoch der Obergeneral den Beystand dieses mutherfüllten Feldherren hatte schätzen gelernt.

Am 9. und 10. May, dem merkwürdigen Zeitpunkte des Sturzes des Direktoriums, kommandirte Divisionsgeneral Lannes in den Tuillerieen; es wurde ihm der Saal des Rathes der Alten anvertrauet. Weil aber von einer grossen Parthey im südlichen Frankreich einige Unternehmungen gegen die neue Regierung zu besorgen waren; so ernannte ihn der erste Konsul zum Kommandanten der 9. und 10. Militärdivision. "Irret nicht, Bürger," rief er in einer Proklamation den Einwohnern von Toulouse zu, "der 9te November (18. Brumaire) ist nicht das Werk einer Parthey, das Wohl des Vaterlandes ist sein Zweck, und wehe dem, der künftig noch es stöhren wird, um seine Privatrache zu befriedigen! Bald war auch die Ruhe hergestellt.

Bey seiner Rückkunft nach Paris erhielt er den ehrenvollen Auftrag, die von der Armee des Orients eroberten 32 Fahnen der Nation zu überreichen, welche sodann im Tempel der Invaliden aufbewahrt wurden. Im folgenden Frühling erfolgte seine Ernennung zum Kommandanten und Inspektor der Konsulargarde, ein Posten, der ihm nur aus einem überaus hohen Zutrauen des ersten Konsuls konnte verliehen werden.

Als die Konsuln beschlossen hatten, durch eine gewaltsame Anstrengung das eben damahls glänzende Kriegsglück der Oesterreicher zu hemmen, und zu solchem Zwecke eine sehr grosse Reservearmee auf die Beine gebracht wurde, erlangte Lannes das Kommando über die Avantgarde derselben. Bey Chatillon unweit Aosta, traf er auf Feinde, nahm das Dorf und bald auch das Fort Yvrea, nebst der gleichnahmigen Stadt. An den Ufern der Chiusella, auf dem Wege nach Turin unternahm er einen ihm streitig gemachten Uebergang. Das Centrum mußte die Brücke bezwingen, und zwey Bataillons, indem sie durch den Fluß wateten, die Unternehmung erleichtern, welche bey solch' einem ungestümen Angriffe auch gelang. Um aber Pavia noch früher als seine Gegner zu erreichen, führte er diese durch einen auf mehreren Punkten des Po angeordneten Angriff irre, ging bey Belgioso über den Fluß, nahm die Stellung von Stradella ein, um die Gegner ihrer Verbindungsmittel zu berauben. Dieß sollte General Ott verhindern, der in Eilmärschen herbey kam, allein von Lannes früher zum Gefechte genöthigt wurde, als seine Truppen sich von ihrer Ermüdung erhohlen konnten. Dieses bey Montebello gelieferte Treffen bot dem französischen Heerführer den Nahmen an, welchen er in der Folge als Herzog führte.

In dem Treffen von Marengo, welches die Franzosen bloß durch Desaix Heldentod und Kellermanns rasche Herbeykunft gewannen, unterstützte er an der Spitze der Grenadiere von der Konsulargarde die Division Boudet, welche auf das Dorf Marengo den letzten Angriff zu machen hatte. Bey dieser Gelegenheit erfüllte er die Doppelpflicht des Anführers und des Soldaten. General Berthier rühmte ihm in dem Officialberichte nach, daß er in dieser Schlacht die ruhige Geistesgegenwart eines alten Generals gezeigt habe, und die Konsuln ehrten sein Benehmen durch Ueb rsendung eines Säbels, worauf die Worte eingegraben waren:

Schlacht bey Marengo, befehligt (geliefert) von dem ersten Konsul. -- Ertheilt von der Regierung der Republik dem General Lannes.

Nach eingetretenem Frieden wurde Lannes als Großbothschafter an den portugiesischen Hof gesendet. Während seines Aufenthaltes bey demselben wurde er von Napoleon, der mittlerweile Kaiser von Frankreich geworden war, zum Marschall des Reiches, dann zum Großadler der Ehrenlegion und zum Chef ihrer 9. Cohorte ernannt.

Im Kriege von 1805 befehligte er einen Theil der gegen Ulm vordringenden französischen Armee, und in der wichtigen Schlacht von Austerlitz hatte er den größten Theil der Gefahren auf sich zu nehmen.

Der Krieg gegen Preussen und Rußland verschaffte ihm vom Spätjahre 1806 an, neue Gelegenheiten zu ungemeiner Auszeichnung. Prinz Ludwig von Preussen, der die Avantgarde, welche er kommandirte, ohne Gefecht zurückführen sich nicht verstehen wollte, verlor gegen ihn und den Marschall Augereau, Herzog von Castiglione, die Schlacht und das Leben. In der grossen Schlacht von Jena nahm er eine sehr vortheilhafte Stellung auf einer Anhöhe; seine Division bildete das Centrum, und hätte den ersten Angriff zwischen Lüzerode und Kloswiz auf die Sachsen zu machen, die zwey Stunden lang sich widersetzten. Beynahe hätte er schon hier auf dem bette der Ehre den Tod gefunden, denn eine Haubitzgranate streifte ihn an der Brust; allein die Göttinn des Ruhmes bewahrte für ihn noch ein glänzenderes Ende auf.

Bald gelangte man an den Punkt, welchen die russischen Kolonnen glaubten behaupten zu können, nachdem sie sich wegen des unerwartet schnellen Mißgeschicks der preussischen Bellona zurückgezogen hatten. Am 26. Dezember fiel er mit ermüdeten Truppen, die er aber durch seine eigene Begeisterung zum Kampfe zu entflammen wußte, die Russen bey Pultusk an, und diese Unternehmung bewirkte so viel, daß der Kaiser schon am anderen Morgen sein Hauptquartier dahin verlegen konnte. Für dießmahl kam er mit einer leichten Wunde davon. Ausgezeichnet in der Schlacht von Eylau befehligte er in jener von Friedland das französische Centrum, welches die Russen vergebens zu durchbrechen suchten.

Nach dem Frieden von Tilsit, welcher einer eigentlichen Entscheidungsschlacht zwischen Frankreich und Rußland vorbeugte, war er einer der ersten, welche von Napoleon mit der Herzogswürde betheilt wurden. Bald umschlang den neuen Nahmen eines Herzogs von Montebello ein eben so reicher Lorberkranz als er dem Nahmen Lannes zu Theil geworden war.

Bald nachdem er den Auftrag erfüllt hatte, den Kaiser Alexander an der Weichsel zu bewillkommnen und ihn zu der berühmten Conferenz in Erfurt zu begleiten, mußte er nach Spanien abgehen. Hier schlug er in der Schlacht von Tudela die spanischen Insurrektionsgenerale Castanhjos und Palafox, dann unternahm er die (in diesen Blättern bereits geschilderte) Belagerung von Saragossa, das er zur Schonung seiner Soldaten durch den unterirdischen Krieg bezwang.

Bey dem Ausbruche des letzten Riesenkampfes zwischen den beyden wichtigsten und in der Kunst des Krieges vorragendsten Mächten Europa's, war Lannes dem Kaiser Napoleon bey Eröffnung des Krieges beständig zur Seite. Bey dem Sturm auf Regensburg bezeichnete er die Stelle, wo es am leichtesten war, auf Leitern in den Graben zu gelangen und sodann durch eine der Mauer beygebrachte Bresche der Stadt sich zu bemächtigen. Seine eigenen Adjutanten mußten die Leitern herbey tragen, und er selbst drang mit den Truppen in die Stadt.

In der großen Schlacht von Aspern und Eßling, die an Furchtbarkeit alle früher gelieferten übertroffen hatte, verdankte die französische Armee die Thunlichkeit ihres Rückzuges hauptsächlich der äussersten Hartnäckigkeit, mit welcher der Herzog den Ort Eßling vertheidigte. Allenthalben stand das Dorf in Flammen; von vier Seiten stürmten die Oesterreicher mit großem Nachdruck heran, schon wichen bald auf diesen bald auf jenem Punkte die Franzosen, aber mit Blitzesschnelle erschien überall, um den Muth und die Kräfte der Seinigen wieder zu beleben. So geschah es, daß das schwere Geschütz, ein grosser Theil der Kranken und hierauf die Armee selbst über die bey Eßling angebrachte Brücke gelangen konnte; allein diesen höchst wichtigen Erfolg erkaufte Lannes durch ein Opfer, das ihm selbst nicht so hoch erschien, als seinem Vaterlande -- durch sein Leben. es zerschmetterte ihm eine Kanonenkugel den linken Schenkel. Auf einer Tragebahre wurde er zum Kaiser Napoleon gebracht, der seine Thränen nicht unterdrückte, und zu den Umstehenden sagte: "Ein so empfindlicher Schlag für mein Herz allein kann mich bewegen, an diesem Tage mich der sorge um mein Heer zu entschlagen." Jetzt erhohlte sich Lannes aus einer tiefen Ohnmacht. Matt richtete er sich auf, umarmte den Kaiser und sagte mit leiser Stimme: In einer Stunde werden Sie denjenigen verloren haben, der mit der Ueberzeugung stirbt, als Ihr treuester Freund gehandelt zu haben! -- Ich habe mich für Sie geopfert; denn ich wußte, daß ich in meinen sicheren Tod gehen würde."

Am 9. Tage, den 31. May 1809, nach dieser schrecklichen Verwundung starb der blühende Held zu Wien, am Brande, welcher den Erfolg aller Bemühungen der Aerzte vereitelte. Der Kaiser ließ ihn einbalsamiren, und zur feyerlichen Beerdigung nach Frankreich bringen. Indeß wurde schon zu Bordeaux für ihn ein Seelenamt gehalten, wobey man auf dem Katafalk die Nahmen: Eßling, Saragossa, Marengo, Abukir, Mantua, Lodi, Arcole und Bassano las, nebst der Umschrift: Er starb auf dem Bette der Ehre. Für die Nachwelt lebt er. Den Manen des Herzogs von Montebello.

Die seltenen militärischen Verdienste vereinte der frühe verblichene Held mit allen jenen Eigenschaften, welche den Werth, die Würde und das Glück des Menschen an sich begründen. Daß er dem Donner der Schlachten so oft entgegen eilte und seine Bahne so häufig mit Sieg und Vernichtung bezeichnete, geschahe keineswegs aus dem geheimen Antrieb einer inneren Verwilderung, sondern vielmehr aus der wichtigen Erkenntniß: daß es Pflicht sey, die Sphäre seines Daseyns nicht egoistisch zu verengen, sondern dasselbe nach dem vollen Umfange seiner Kräfte einem grossen Ganzen, dem Vaterlande, zu weihen. Denn eben dieser Krieger, der in drey Welttheilen die Schlachtfelder mit Todten besäen half, war in seinem Privatleben der sanfteste der Menschen, er weihete sich mit liebender Innigkeit, all' jenen Genüssen, welche eine veredelte Menschheit und die schöne Natur nur dem seiner Fühlenden gewähren kann. Für diese letztere hegte Lannes eine enthusiastische Vorliebe. Auf seinem Landgute zu Maisons verlebte Lannes die beschränkte Zahl der ihm gegönnten Ruhetage im Kreise seiner Familie und einiger ausgewählten Freunde. Selbst die kleinsten Geschäfte der Landwirthschaft hielt er seine Aufmerksamkeit nicht unwerth. Aus einer Wildniß schaffte er sein Gut in einen der gefälligsten Landsitze um, und eine unwirthbare Ebene erhob er zu einem reitzenden Parke. Doch auf diesem der Zurückgezogenheit geweiheten Wohnsitze des stillen Glückes war dem Herzog der blosse Anblick eines Fremden nicht sehr willkommen, und er fand sich dadurch gewissermassen in Verlegenheit gesetzt. Die lauten Zeichen des Beyfalls und der Verehrung, welche seinen Thaten gebührten, fielen ihm noch weit lästiger. Dieß zeigte sich insonderheit bey jener Gelegenheit, als er wegen einer in der Schlacht bey Jena erhaltenen Wunde in das Bad von St. Sauveur reisete, und seine Vaterstadt Leictoure passiren mußte. Die Bewohner, freudetrunken über die Höhe und den Ruhm, welche einer ihrer Mitbürger erreicht hatte, brannten vor Verlangen, ihm ausgezeichnete Beweise ihrer Empfindung zu geben. Auf der vorletzten Poststation, zu Astafort, fand demnach der Herzog eine Ehrenwache, die schon seit acht Tagen auf ihn harrte, und einen prächtigen Triumphbogen mit den schmeichelhaftesten Inschriften. Da überdieß auf der weiteren Fahrt immer neue Ehrenpforten erschienen; so faßte er den Entschluß, auf der letzten Station länger zu verweilen, um in seiner Vaterstadt Nachts unbemerkt anlangen zu können. Doch seine Bescheidenheit wurde getäuscht, denn man eilte sein Vorhaben in der Stadt bekannt zu machen. Als er nun Nachts daselbst ankam, so fand er die ganze Stadt glänzend erleuchtet, die Ehrenwachen unter den Waffen und den Magistrat in feyerlichem Kostum ihn erwartend, der ihn sogleich beym Aussteigen auf dem Wagen bewillkommnete.

Sein Freund und Gefährte auf dieser Reise, Guillard, erinnert, daß der Herzog bey diesem Empfange ausserordentlich bewegt war. Es erschien sein alter, ehrwürdiger Vater; er schloß ihn in seine Arme, und es mischten sich die Thränen, welche das Entzücken Beyden entlockte.

Lannes war wirklich der zärtlichste Sohn. Eine unselige Zeitung lieferte seiner Mutter die falsche Nachricht, daß er in Aegypten auf eine schreckliche Weise seinen Tod gefunden habe, und die liebende Mutter vermochte nicht, diese Nachricht zu überleben. Dieses Ende durch solch' einen Umstand veranlaßt, verursachte dem Marschall den herbsten Schmerz. Wenn er von der theueren Geberinn seines Daseyns sprach, traten ihm oft Thränen in die Augen, und bis zur letzten Stunde verschwand seine Entrüstung über die Ursache ihres Todes nicht. "Wenn ich an meine Mutter denke," sagte er bey vielfachen Gelegenheiten, "so ist mit all' mein Glück gleichgiltig; sie kann ja nicht mehr Zeuge davon seyn: ach, sie wäre all zu glücklich gewesen!"

Ein so zartfühlendes Gemüth konnte sich den Leiden der Menschen nicht unzugänglich machen. Seine Wohlthätigkeit überströmte Viele, insonderheit seine Kriegsgefährten, und aus Eignem bestritt er sehr viele Soldatenkinder den Unterhalt, für welche er doch -- war freylich gegen seinen Charakter war -- eine Gnade sich hätte erbitten können.

Seine Offenheit, seine Freymüthigkeit hätte der alte Ritterzeit Ehre gemacht; hierüber war nur eine Stimme. Bey einer wichtigen Gelegenheit äusserte er in Gegenwart des Kaisers und der Häupter der Armee eine ganz abweichende Meinung, und behauptete dieselbe mit der ihm eig'nen männlichen Festigkeit. Dieß Benehmen nöthigte dem Kaiser die Worte ab: "Marschall, das macht Sie mir liebenswerth!" Die Gattinn dieses eben so heldenmüthigen als gefühlvollen Kriegers besaß ohne Zweifel seine ausschliessende Neigung. Sie belohnte aber auch diese Treue mit unbegrenzter Hingebung, und schwerlich wird man auf eine eheliche Verbindung treffen, welche diese an Innigkeit übertroffen hätte. Fünf Kinder von schönen Hoffnungen erhöheten das Glück dieser Ehe, mögen Sie sich würdig machen des Nahmens, den sie tragen, und des Ruhmes, welchen dieser auf sie vererbte.


Der Marschall (Lannes), Herzog von Montebello.Bearbeiten

[3]
Zu den Helden, deren Dienste und Thaten Frankreich nie vergessen kann und wird, gehört auch dieser tapfere Mann, der in den mittäglichen Gegenden von Frankreich geboren wurde, und der seine militärische Laufbahn unter dem zweyten Bataillon von Gers anfing, welches der Republik mehrere berühmte Vertheidiger gegeben hat, wie z. B. den General Banel, Lagrange und andere.


Die Stadt Lectoure, im Departement von Gers, ist sein Vaterland. Er war noch sehr jung, als die Kriegsdrommete vom Gipfel der Pyrenäen bis an die Ufer des Rheins, und von den Küsten des Meeres bis zu den Gletschern der Alpen wiederhalte und die Söhne der Freyheit zum Kampfe rief. Lannes glühte vor Liebe zum Vaterlande, und bald kämpfte er gegen die zahlreichen Cohorten, welche, von den Gebirgen herabsteigend, sich in den östlichen Gegenden der Pyrenäen verbreiteten.

Lannes ging als Sergeant-Major zur Armee ab, allein seine Talente und sein Muth, machten ihn bald bemerkt, und er erhielt nach und nach in kurzer Zeit alle Grade, bis zu dem eines Brigadechefs, und zeichnete sich nicht wenig aus durch sein Glück bey der östlichen Pyrenäen-Armee.

Durch Aubry abgelöst, schien er zu einer fortdauernden Ruhe verdammt zu seyn; allein der Held Italiens berief jetzt die Tapfern des Landes zu sich, und Lannes eilte sogleich als Freywilliger unter seine Fahnen. General Banel empfing den jungen Officier mit Achtung und Freunde, und stellte ihn Bonaparte vor. Dieser wußte die Talente und Eigenschaften des jungen Mannes recht wohl zu schätzen, und setzte ihn gleich als Brigadechef wieder zum Corps des Generals Banel, seines Waffengefährten und Freundes.

Der Feldzug wurde eröffnet, und Lannes zeichnete sich in mehreren Gefechten, vornemlich in dem bey Millesimo, aus, wo er seines guten Benehmens halber zum Chef der neun und zwanzigsten Halbbrigade ernannt wurde, deren Anführer im Treffen getödtet worden war.

In den Treffen bey Bassano eroberte er zwey Fahnen. Es kamen sechstausend Feinde von Sassello, überrumpelten die Franzosen, welche von dem gestrigen Gefechte ermüdet waren, und sich auf die Höhen von Dego zurückgezogen hatten. Sie bemächtigten sich die ersten Positionen. Der Obergeneral aber versammelte sogleich die französischen Bataillone, ließ den Feind angreifen, der, trotz seines Widerstandes, endlich weichen mußte, und sechshundert Todte und Verwundete auf dem Platze ließ, ohne die Gefangenen zu rechnen. In diesem Gefechte wurde der Brigade-General Causse getödtet, nachdem er eine ausgezeichnete Tapferkeit bewiesen hatte.

Lannes, welcher zum General-Adjutanten ernannt worden war, machte sich in dem Gefechte von Dego bemerkt durch den Muth und die Fassung, womit er die einen Augenblick zurückgetriebenen französischen Colonnen wieder zum stehen und fechten brachte.

Bey dem Uebergange über den Po war er einer der Ersten an der Spitze eines Bataillons Grenadiere, welches zur Avantgarde gehörte. Sieben bis achttausend Mann feindlicher Truppen hatten sich im Dorfe Fombio verschanzt, und wurde durch zweytausend Mann Cavallerie und zwanzig Kanonen gedeckt. Lannes griff mit eben so viel Kühnheit als Einsicht an, trieb die Feinde in die Flucht, tödtete dreyhundert Mann, machte einhundert und funfzig Gefangene, nahm dreyhundert Pferde und viele Bagage, und verfolgte die Gegner bis zur Adda.

In der Schlacht von Lodi focht Lannes in Gesellschaft der bravesten französischen Generale an der Spitze der Colonne, und trug manches zu dem lange unentschiedenen Siege bey.

Die italiänische Armee hatte endlich alle Hindernisse überwunden und drang, trotz aller Mühe der Oesterreicher, trotz aller von England gegen Frankreich aufgeregten Feinde, siegreich vorwärts. Die Einwohner von Pavia wollten, bewaffnet, sich dem Marsche der Franzosen widersetzen. Lannes wurde von Bonaparte abgesandt, die Aufrührer zum Unterwürfigkeit zu bringen. Er mußte schnell und kühn handeln; als er nach Binasco kam, bemerkte er eine Versammlung von achthundert Menschen vor dem Dorfe, er griff sie sogleich an, trieb sie in die Flucht, verbrannte das Dorf, und nahm bald darauf Pavia im Sturme, bestrafte die Rebellen und stellte die Ruhe her, wofür er zum Brigade-General emporstieg.

Als die Belagerung von Mantua den Anfang genommen, und die Franzosen die Besatzung enge eingeschlossen hatten, warf er sich mit sechshundert Grenadiere von der Division Dallemagne auf die Vorstadt Saint-Georges, nahm sie mit dem Bajonnett ein, und bemächtigte sich des Brückenkopfes von Mantua.

Daß er in den Gefechten von Governolo und Arcole sehr thätig war, bewiesen die Wunden, welche er in beyden erhielt. Am Tage nach dem letzten Gefechte lag er leidend an seinen Wunden auf dem Bette, aber da er vernahm, daß die Gefahr groß, das Gefecht furchtbar und Bonaparte selbst an der Spitze der Colonnen sey, da erhob er sich sogleich von seinen Lager, warf sich auf das Pferd, und stürzte sich mitten in den Kugelregen. Hier erhielt er an der Brücke von Arcole einen Hieb, der ihn bewußtlos zu Boden streckte.

Kaum von seinen wunden geheilt, so brach er mit seiner Brigade auf, um gegen Rom vorzurücken, da der dortige Hof sich den Verbündeten gegen Frankreich beygestellt hatte. Er rückte mit der Division Victor vor, nahm die von viertausend römischen Soldaten vertheidigten Verschanzungen hinweg, und drang im Imola ein. Am folgenden Tage kamen die Franzosen nach Faenza und Forli. Als darauf der Pabst Friede machte, ging Lannes als Gesandter nach Rom, wo er von Pius VI. sehr ehrenvoll empfangen wurde.

Im Jahr 1196 erhielt General Lannes den Auftrag vom Directorium, das Commando über die vier Departementer, la Drome, l'Isere, l'Ardeche und le Gard zu übernehmen. Er gehorchte den Befehlen der Regierung und reiste nach Toulon; da wurde sein Wagen zwischen la Palud und Pierre-Latte von Acht Räubern angefallen, welche ihn zu Boden warfen und die Börse von ihm forderten. Der, welcher nie vor dem Feinde gebebt hatte, bebte auch hier vor den Räubern nicht. Es begleiteten ihn drey Officiere Sie ergriffen sogleich ihre Flinten, feuerten auf die Räuber, nahmen sie gefangen, und lieferten sie der Gensd'armerie aus.

Lannes befand sich auch unter der Zahl jener Tapfern, welche Bonaparte nach Aegypten begleiteten. Er machte sich dem französischen Heere nützlich auf Maltha, bey der Landung zu Alexandrien und in den verschiedenen Gefechten, welche man gegen die Mamelucken zu bestehen hatte, ehe man in Cairo einziehen konnte. Ein Theil seiner Division wurde zur Verfolgung des Ibrahim-Bey beordert.

Er befand sich bey der syrischen Expedition, zeichnete sich bey der Belagerung von St. Jean d'Acre aus, und beschützte die Rückkehr der Franzosen aus Aegypten durch seine Wachsamkeit und seine treffliche Anstalten bey der Avantgarde.

Den 21sten Floreal VII. (11ten May 1799) wurde er zum Divisions-General ernannt.

Die Türken waren mit einer mächtigen Armee zu Abukir gelandet. Bonaparte verließ Cairo, um sich ihren Unternehmungen entgegen zu stellen. Der General Lannes erhielt Befehl, in der Nacht sich auf dem Nil einzuschiffen und nach Rahmanié zu begeben. Er gehorchte den Befehlen seines Generals, wohnte dem Treffen bey, welches im Angesichte von Abukir geliefert wurde, und unterstützte die Operationen, welche das Fort gleiches Namens nachmals den Franzosen in die Hände lieferte. In der Schlacht bey Abuker bildete seine Division den rechten Flügel. Sobald die Anstalten zum Angriffe gemacht worden waren, erhielt diese Division Befehl, sich auf das Sandgebirge zur Linken der ersten Linie des Feindes zu begeben, wo er zweytausend Mann und sechs Kanonen hatte. Da das Corps, auf welches die Division Lannes losging, den rechten Flügel der ersten Linie zurückweichen sah, und die Reiterey erblickte, welche seine Stellung umging, so überließ es sich einem panischen Schrecken, ergriff die Flucht und stürzte sich in das Meer. Von sechstausend Mann entkam nicht ein einziger, und fast alle ertranken.

Abukir wurde angegriffen. General Lannes beunruhigte es. Endlich fiel es den Franzosen in die Hände, und Lannes wurde bey diesem Angriffe am Beine verwundet. Er hatte Aegypten verlassen, und war im Monat Brumaire 1798 in Paris. Seine Wunden nöthigten ihn, noch an Krücken zu gehen. Den 18ten Brumaire commandirte er in den Tuilerien.

Den 23sten reiste er von Paris ab, indem er mit einer sehr ausgedehnten Vollmacht zum Commandanten ernannt worden war. Er kam nach Toulouse, und stellte in dieser, durch Factionen und innere Zwistigkeiten beunruhigten Stadt, Ordnung und Ruhe wieder her.

Bey seiner Rückkunft nach Paris wurde ihm der Auftrag ertheilt, die von der Armee des Orients eroberten zwey und dreyßig Fahnen zu überreichen, welche sodann in dem Tempel der Invaliden aufbewahrt wurden.

Den 15ten April des Jahres 1798 wurde General Lannes durch eine Beschluß der Regierung zum Commandanten und Inspecteur der Consular-Garde ernannt.

Er war auch unter der Zahl derjenigen, welche zu Anführern eines Theils der Soldaten erwählt wurden, welche die Reserve-Armee ausmachten, die durch ihren Muth weit furchtbarer als durch ihre Anzahl, sich noch die schönsten Lorbeeren brechen sollte. Er befand sich zu Lausanne, und übernahm das Commando der Avantgarde, über welche Bonaparte Musterung gehalten hatte.

Er setzte sich in Marsch, und begegnete dem Feinde bey Chatillon, unweit Aosta. Das Dorf wurde mit dem Bajonnett genommen, und er kam denselben Tag auf die Höhen, welche an das Schloß von Bard stoßen. Dann erstieg er die Citadelle von Yvrea, nahm die Stadt gleiches Namens, eroberte zehn Kanonen, verfolgte den Feind, der gegen Turin floh und ihm vierhundert Gefangene überließ. Darauf bedeckte sich seine Division an den Ufern der Chiusela, auf dem Wege nach Turin, mit Ruhm. Das Centrum stürzte sich auf die Brücke, zwey Bataillone warfen sich in den Fluß, mitten unter einem Hagel von Kugeln. Der feind konnte diesem Ungestüme nicht widerstehen, zwey seiner Linien wurden überwältigt, und er fand sein Heil nur in der Flucht.

Lannes ging mit seiner Division über die Dorea Baltea, und drang nach Crescentino und Vercelli vor. Von hier ging er nach Pavia, wo er dem Feinde zuvorkam; er drang in die Stadt ein, und bemächtigte sich einer zahlreichen Artillerie, achthundert Flinten, und außerordentlich vieler Munition.

Vier Tage später fing er auf mehreren Punkten des Po-Ufers eine Kanonade an, um die Macht des Feindes dahin zu ziehen. Unter dessen ging er bey dem Dorfe Belgioso über den Fluß, um die berühmte Stellung von Stradella zu erobern. Die einzige Gemeinschaft des Feindes war nun abgeschnitten, allein die österreich'schen General kannten die Wichtigkeit dieser Stellung, und griffen den General Lannes wieder mit der größten Lebhaftigkeit an. Die acht und zwanzigste Halbbrigade widerstand ihnen, brachte sie in Verwirrung, machte viele Gefangene, und nöthigte den Feind, sich auf Placentia zurückzuziehen.

In dem Treffen bey Casteggio stieß der Vortrab seiner Division auf den Feind bey St. Giulietta und trieb ihn zurück bis nach Savetta. Hier entbrannte ein äußerst blutiges Gefecht, die Oesterreicher wurden geschlagen und bis Voghera verfolgt.

In der Schlacht bey Marengo erfüllte General Lannes die Pflichten des Capitains und des Soldaten. Er stand an der Spitze der Grenadiere der Consular-Garde, und trug so viel zu dem glänzenden Siege dieses Tages bey, daß ihm die Consuln der Republik einen Ehrensäbel zuerkannten, auf dem die Worte zu lesen waren: Schlacht bey Marengo, befehligt in Person von dem ersten Consul. Ertheilt von der Regierung der Republik dem General Lannes.

Bey seiner Rückkehr nach Paris wurde er zum Großbothschafter der französischen Republik bey dem portugiesischen Hofe ernannt.

Nachdem Napoleon den Kaiserthron bestiegen, wurde Lannes zum Marschall des Reiches ernannt.

Er half im Jahre 1805 die für Oesterreich so unglücklichen Ereignisse in der Nähe von Ulm vorbereiten und bewirken, und nahm dann mit seinem Corps die wichtige Festung Braunau am Inn ein.

In der Austerlitzer Schlacht commandirte er den thatenreichen linken Flügel.

Vor der Schlacht von Jena veranlaßte er das Mißglück der preußischen Waffen, indem er am 10ten October 1806 die Avantgarde des preußischen linken Flügels aufreiben half: hierauf nahm er eine sehr vortheilhafte Stellung auf einer Anhöhe bey Jena, bildete dann in der Schlacht selbst das Centrum und hatte den ersten Angriff zwischen Lützerode und Closowitz gegen die Sachsen, welche sich erst nach einer zweystündigen tapfern Gegenwehr verdrängen ließen.

Lannes war es, der bey Thorn über die Weichsel ging und die Stadt in Besitz nahm; dann ging er nach Warschau, kam am 26sten December Pultusk gegenüber an, griff die Russen an, warf mit großer Anstrengung den Feind, wobey er von einer Flintenkugel leicht verwundet wurde, und wollte dennoch, obgleich er seit zehn Tagen krank war, sein Armeecorps nicht verlassen.

In den Treffen bey Deppen und dem Gefechte bey Heilsberg zeichnete Lannes sich aus; in der Schlacht von Friedland kam er mit seinem Corps zuerst ins Gefecht, und hatte das Centrum der Armee: die Russen versuchten mit aller Anstrengung diesen Mittelpunkt zu durchbrechen, aber sie waren nirgends im Stand zu reussiren, und hohlten sich den Tod in den Bajonnetten der Franzosen.

Dann lebte Lannes eine kurze Zeit in seinem Geburtsorte Lectoure in Frankreich; von hier rief ihn der Kaiser zum Dienste zurück. Vor der Zusammenkunft der beyden Kaiser zu Erfurt ging er dem Kaiser Alexander bis zur Weichsel entgegen, um denselben im Namen seines Monarchen zu bewillkommnen; und sodann übernahm er den Oberbefehl über ein, den Insurgenten in Spanien gegenüber stehendes, Armeecorps.

Bey der Wiedereinführung des Erbadels in Frankreich war er einer der ersten, dem die herzogliche Würde zu Theil wurde. Napoleon creirte ihm zum Herzoge von Montebello. Auch dieser Name erlangte bald eine Celebrität in der Kriegsgeschichte. Der Herzog von Montbello war es, der Saragossa, das sich mit Verzweiflung vertheidigte, zur Uebergabe nöthigte, der in dem, bisher noch unerhörten, unterirdischen Kampfe die Vertheidiger des festen Platzes überwand und sie zwang, am 21sten Februar 1809 auf den Ruinen der unterminirten Stadt das Gewehr zu strecken.

Aus Spanien folgte er dem Kaiser nach Deutschland, und war, in dem fünftägigen blutigen Kampfe, womit der österreichisch-französische Krieg eröffnet wurde, dem Feldherrn stets zur Seite. Er ließ verschiedene Manöver ausführen, und bezeichnete am 23sten April bey dem Sturme von Regensburg den Ort des Ueberganges; hier ließ er die Sturmleiter von seinen Adjutanten herbeytragen. Bey Eßlingen war das Ziel seines thatenreichen Lebens. Der Kaiser hatte ihm am 21sten May die Vertheidigung dieses Dorfes aufgetragen. Als er aber am zweyten Tage der Schlacht (22sten May), dem erhaltenen Befehle gemäß, die Position von Eßlingen behauptete, um den Rückzug der französischen Armee zu decken, riß ihm eine österreichische Kanonenkugel einen Schenkel weg. Er wurde zum Kaiser getragen, dem er selbst seinen nahen Tod verkündigte, und dann nach Wien gebracht, wo die Kunst vergebens alle Hülfsmittel zu seiner Rettung aufbot, und der Kaiser ihm die höchste Theilnahme bewies. Er starb hier am 31sten May. Napoleon befahl, daß der Körper seines Waffengefährten einbalsamirt und zur feyerlichen Bestattung nach Frankreich gebracht würde. in Bordeaux ward für ihn am 16ten Junius ein Seelenamt gehalten. Auf dem Katafalk las man die Namen Eßlingen, Saragossa, Marengo, Abukir, Mantua, Lodi, Arcole und Bassano, nebst der Inschrift: "Er starb auf dem Felde der Ehre. Für die Nachwelt lebt er! -- Den Manen des Herzogs von Montebello!"

Im Jahr 1808 hatte er vom Kaiser Domainen im Hannöverischen -- einen Theil der Aemter Willhelmsburg, Harburg und Winsen an der Luhe -- mit einer jährlichen Rente von 50,000 Franken als Dotation erhalten.

"Die französische Armee nannte ihn den Roland Frankreichs" -- sagt das Auguststück des politischen Journals 1809 -- "seit 16 Jahren war er Freund, Begleiter, Waffengefährte des großten der Helden. Er war Napoleon, was Sully Heinrich dem Vierten war." Von seinem Charakter wird gesagt: "Bescheiden wie Turenne und Catinat, schien sein Ruhm ihn verlegen zu machen."


Le Mémorial de Sainte-Hélène.Bearbeiten

[4] [5]
"Lannes war, als ich ihm zuerst die Hand reichte, ein erzunwissender Mensch (ignorantaccio). Seine Erziehung war äußerst vernachlässigt gewesen. Aber er besserte sich sehr und nach den großen Fortschritten zu urtheilen, die er machte, würde er ein General erster Klasse geworden seyn. Er hatte große Kriegserfahrung; er war in vier und funfzig regulären Schlachten und in drei hundert Treffen von verschiedener Art gewesen. Er war ein Mann von ungemeiner Tapferkeit; mitten im Feuer kalt, er hatte ein helles, durchdringendes Auge, das gleich die Gelegenheit benutzte, die sich darbot. Heftig und hastig in seinen Ausdrücken, oft selbst in meiner Gegenwart, war er mir feurig zugethan. In seinem heftigsten Zorne litt er nicht, daß jemand in seine Bemerkungen einstimmte. In einem solchen cholerischen Anfalle war es gefährlich mit ihm zu sprechen, da er in seiner Wuth zu mir zu kommen und zu sagen pflegte, man dürfte der und der Person nicht trauen. Als General stand er weit über Moreau und Soult."


An Lannes überwog der Muth anfänglich den Geist; aber der Geist sezte sich täglich in ihm mehr ins Gleichgewicht. Er hätte damals, als er fiel, eine hohe Entwicklung erreicht gehabt. "Ich bekam ihn als Zwerg, sagte der Kaiser; ich verlor ihn als einen Riesen."


Der Kaiser sprach auch von den lezten Augenblicken des Marschalls Lannes, dieses tapfern Herzogs von Montebello, den man mit vollem Recht den Roland der Armee nannte, und der, als er auf seinem Todtenbette vom Kaiser besucht wurde, seine Lage zu vergessen schien, um nur an denjenigen zu denken, den er über alles liebte.

Der Kaiser schäzte ihn in hohem Grade. "Lange Zeit, sagte er, sey er weiter nichts gewesen, als gut zum Einhauen; aber er sey eines der ersten Talente geworden."

Es warf einer von uns die Frage auf, wie er sich wohl in diesen lezten neueren Zeiten betragen haben würde. "Wir haben die Erfahrung gemacht, sagte der Kaiser, daß man auf Nichts schwören solle; doch glaube ich nicht, daß es möglich gewesen wäre, ihn gegen die Ehre und gegen die Pflicht handeln zu sehen. Außerdem ist zu vermuthen, daß er es nicht überlebt haben würde; bei seiner Tapferkeit würde er sich in den lezten Tagen dem Tode geweiht haben, oder wenigstens so sehr verwundet worden seyn, daß er sich alsdann entfernt, außerhalb des Mittelpunkts und des Eindrucks der Begebenheiten, befunden haben würde. Ueberdieß, wenn er bei der Hand gewesen wäre, so war er einer von den Männern, welche durch ihr eigenes Gewicht und ihren eigenen Einfluß den Dingen eine andere Gestalt geben."


Quellen.Bearbeiten

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1809.
  2. Neue historische und geographische Gemählde oder Charakteristiken merkwürdiger Personen und Darstellungen wichtiger Begebenheiten unserer Zeit; nebst Schilderungen der durch die neuesten Schicksale ausgezeichneten, neu entdeckten oder näher untersuchten Länder und Völker. Bearbeitet von J. B. Schütz. Wien, 1811. Im Verlage bey Anton Doll.
  3. Cabinet von biographischen Gemälden der merkwürdigsten Personen aus der neuesten Zeitgeschichte. Gesammelt und herausgegeben von Karl Stein. Berlin 1811.
  4. Napoleon in der Verbannung. Von Barry E. O'Maera, Esq. Dresden bei Paul Gottlob Hilscher. 1823.
  5. Denkwürdigkeiten von Sanct-Helena, oder Tagebuch, in welchem alles, was Napoleon in einem Zeitraume von achtzehn Monaten gesprochen und gethan hat, Tag für Tag aufgezeichnet ist. Von dem Grafen von Las Cases. Stuttgart und Tübingen in der J. G. Gotta'schen Buchhandlung. 1823.


Porträts.Bearbeiten

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