Von Bastille bis Waterloo. Wiki
Advertisement

Jena.[]

[1]
Jena, eine sachsen-weimarische Stadt in Thüringen, am Einflusse der Leuthra in die Saale, in einem romantischen Thale gelegen, mit etwa 6000 Einwohnern, und einem Schlosse, worauf nach Herzog Wilhelms von Weimar Tode (1662), dessen vier Söhne das Land unter sich theilten, bis 1690 eine eigne, von Bernhard II. gestiftete, aber schon in dessen Sohne, Johann Wilhelm, erloschene Seitenlinie residirte, nach deren Aussterben Weimar und Eisenach den jenaischen Landesantheil unter sich theilten. Berühmt ist Jena wegen seiner Universität, welche viele der berühmtesten Gelehrten Deutschlands unter ihren Lehrern und Zöglingen zählt, und wegen der damit zusammenhängenden gelehrten und wissenschaftlichen Anstalten. Sie ist ein Eigenthum sämmtlicher ernestinischen Häuser, bis auf Hildburghausen, das sich seines Antheils begeben hat; Weimar besitzt die Hälfte, Gotha ein Viertel, Meiningen 3/16 und Coburg 1/16. Gestiftet wurde sie, nachdem die ernestinische Linie Wittenberg verloren hatte, von Johann Friedrich im Jahr 1548, und eingeweiht nach dessen Tode 1558. Die Zahl der Studierenden belief sich in früheren Zeiten wohl auf einige 1000; vor dem Jahr 1806 betrug sie noch 600, verminderte sich gleich darauf sehr, ist aber jetzt wieder im Zunehmen. Sehr beträchtlich ist die Universitätsbibliothek, welche die budersche und in neuerer Zeit durch die büttnersche Sammlung ansehnlich vermehrt worden. Ferner nennen wir das Hebammeninstitut, die trefflichen klinischen Anstalten, das anatomische Theater, die Sammlung mathematischer und physikalischer Instrumente und Modelle, das Museum und das Mineraliencabinet, welches letztere hauptsächlich aus der walchschen, und ehemals zu Weimar befindlichen herzogl. Sammlung besteht, und zu fernerem Anwachs Fonds besitzt. Noch sind in Jena zwei Spruchcollegia, eine Juristenfacultät und ein Schöppenstuhl; eine Superintendentur und eine lateinische Schule, auch mehrere gelehrte Gesellschaften, nämlich eine lateinische, eine deutsche und eine mineralogische, so wie seit 1816 ein Oberappellationsgericht für die sämmtlichen herzoglich sächsischen und fürstl. reussischen Lande. Der in der Nähe gelegene Fuchsthurm ist der Ueberrest des alten Schlosses Kirchberg auf dem Landgrafenberge, welche bisher auch der Napoleonsberg genannt wurde.


Zeitungsnachrichten.[]

[1807]

Polizey. [2]

Jena im Febr. Wie in andern Städten und Dörfern, so hatte auch hier das die Phantasie ergreifende Spiel des Krieges die Nachahmungssucht der Kinder gereitzt, und unser Napoleonsberg, der durch den hier gehaltenen Bivouak des großen Kaisers Napoleon diesen Namen erhielt, wurde vor einigen Wochen ein Tummelplatz kleiner Krieger. Unbärtige Knaben hatten in der rauhesten Witterung ein Lager auf diesem Berge aufgeschlagen, fingen an zu bivouaquiren und verschanzten sich gegen die von Weningen-Jena herüber kommenden kleinen Feinde. Es wurde sogar auf erwachsene Leute, die diesem Unfug Einhalt thun wollten, geschossen. Noch zur rechten Zeit hat die immer thätige Obrigkeit allhier die nöthige Untersuchung angestellt, und diesen kleinen Kriegsmännern das Handwerk gelegt.


Quellen.[]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. National-Zeitung der Deutschen. 16tes Stück, den 16ten April 1807.


Literatur.[]

  • Kurze Beschreibung von Jena für Reisende und Studirende, zu angenehmer und nützlicher Unterhaltung, während ihres Aufenthalts daselbst. Eisenach 1793 bey Johann Georg Ernst Wittekindt.
  • Neueste Beschreibung der Herzoglich Sächsischen Residenz- und Universitäts-Stadt Jena, oder historische, topographische, politische und akademische Nachrichten und Merkwürdigkeiten derselben. Von Johann Adolph Leopold Faselius. Jena, 1805, bey Joh. Gottfr. Prager und Comp.


Umgebung von Jena.[]


Advertisement