Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Franz, Baron von Thugut.[]

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Thugut (Franz Baron von), Großkreuz des königl. Stephansordens, Staatsminister des deutschen Kaisers, war zuerst österreichischer Gesandter zu Warschau, sodann in Konstantinopel. Im März 1793 wurde er Oberdirektor der auswärtigen Angelegenheiten, und 1796 erster Staatsminister. Als ein unermüdeter Arbeiter, der bey einer fast gänzlichen Zurückgezogenheit von andern Menschen das Vertrauen seines Souverains genoß, übte er, während des Revolutionskriegs den größten Einfluß auf die Politik des Wiener Hofs aus. Seit dem Lüneviller Frieden hat er sich nach Preßburg zurück gezogen, und beschäftigt sich mit der orientalischen Literatur. Im Jahre 1809 hatte er eine Unterredung mit dem Kaiser Napoleon.


Franz, Freiherr von Thugut.[]

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Thugut (Franz, Freiherr von), österreichischer Minister der auswärtigen Angelegenheiten, geboren zu Linz, im Lande ob der Enns, am 30sten März 1739, Sohn eines armen Schiffmeisters, trat 1752 mit Bernard von Jenisch in die orientalische Akademie, die der berühmte Jesuit, Pater Franz, Begleiter des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, Grafen Uhlefeldt, nach Constantinopel zur definitiven Berichtigung des belgrader Friedens neu gegründet hatte.

1754 kam Thugut als Sprachknabe nach Constantinopel, 1757 wurde er dort Dolmetsch, und besorgte trotz seiner frühen Jugend viele wichtige Geschäfte im Verlaufe des siebenjährigen Krieges.

1769, kaum 30jährig, Geschäftsträger bei der hohen Pforte; 1770 Resident, 1771 wirklicher Internuncius und bevollmächtigter Minister, auch k. k. Hofrath in der äußerst wichtigen Epoche des damaligen Krieges zwischen Rußland und den Türken, und der mehr zunehmenden Gährung in Polen. 1772 wurde er als österreichischer Botschafter zum Friedenscongreß zwischen Rußland und der Pforte bestimmt, welcher aber nicht zu Stande kam.

1774 erhob ihn die große Theresia in den Freiherrnstand wegen seiner vielseitigen und großen Verdienste während dieses Krieges, 1775 erwarb seine Gewandtheit Oesterreich die Bukowina, und dadurch die in militärischer und administrativer Hinsicht so äußerst wichtige Verbindung zwischen Siebenbürgen und dem von Polen neu erworbnen Galizien. Thugut erhielt dafür das Commandeurkreuz des königlich ungerischen Stephansordens.

Das Jahr 1777 verbrachte er auf diplomatischen Reisen durch Italien und durch Frankreich, wo er an die beiden Königinnen, Antonie und Caroline in Paris und Neapel, wichtige Aufträge hatte.

Am 20sten December 1777 erlosch die in Bayern regierende chur- oder wilhelminische Linie mit dem Churfürsten Maximilian Joseph III., und Oesterreichs Ansprüche brachten jenen Erbfolgekrieg hervor, in welchem, trotz der Nachgiebigkeit Carl Theodors, Friedrich der Große, König von Preußen, zum letztenmale auf den Kriegsschauplatz trat. Die Verschiedenheit der Meinungen der großen Theresia, welche um jeden Preis Frieden, und ihres Sohns Joseph, welcher Krieg wollte, und den Augenblick vorhanden glaubte, Preußens Dictatur in den großen Geschäften und den Ruhm seines königlichen Nebenbuhlers zu verringern, ist bekannt. Thugut wurde von der Kaiserin, anfangs sogar ohne Josephs Vorwissen, abgesendet, um Friedrichen friedfertige Gesinnungen zu bezeugen. In der Folge führte er die Conferenzen von Braunau.

1780 wurde Thugut österreichischer Gesandter in Warschau, 1787 in Neapel, 1788 beim Ausbruche des Türkenkriegs, wo man seiner tiefen Kenntniß aller Verhältnissen der Pforte, Polens und Rußlands so viel zutrauen mochte, bevollmächtigter Hofcommissär zu Verwaltung der Moldau und Wallachei, bei der Armee des Prinzen von Sachsen-Coburg und Suwarows, 1790 nach den Friedenspräliminarien von Reichenbach bevollmächtigter Minister zu den Friedensunterhandlungen zu Szistow mit der Pforte. Allein er kam in der Folge davon ab, und der Freiherr Peter von Herbert blieb alleiniger Friedensgesandter, bis späterhin der Graf Franz Esterhazy hinzutrat.

1790 und 1791 machte Thugut eine höchst interessante Reise nach Paris mitten in den wüthenden Crater der Revolution, und leitete die Unterhandlungen der Königin mit verschiednen Parteihäuptern, namentlich mit dem Grafen Mirabeau.

1792 erhielt Thugut das Großkreuz des Stephanordens, und wurde als Armeeminister zu dem Heere des Prinzen Coburg bestimmt, welches die verlornen Niederlande wiedererobern sollte. Aber ihm war Höheres beschieden.

Im April 1793 trat der bisherige Staatsvicekanzler Graf Philipp Cobenzl, und der Staatsreferendar Baron Spielmann aus den Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten. Thugut wurde nun unter dem Fürsten Kaunitz Generaldirector der Staatskanzlei. Im Juni 1794 starb der unvergeßliche Fürst, und Thugut folgte ihm als wirklicher Minister der auswärtigen Geschäfte.

Eben dieses Jahr bezeichnete der zweite Verlust der Niederlande, 1795 die Separatfrieden zu Basel von Spanien und Preussen, die Spaltung des nördlichen und südlichen Deutschlands, Unfälle in Deutschland und Italien, bis in ersterem die Siege Clerfaye's und Wurmsers der deutschen und österreichischen Sache wieder eine vortheilhafte Wendung gaben.

Wenn der Freiherr von Thugut mit seinem scharfen Blick, eisernem Willen, seiner undurchdringlichen eiskalten Verschwiegenheit den Charakter der französischen Revolution, wie außer Burke wohl schwerlich irgend ein andrer europäischer Staatsmann mit schroffem Abscheu und glühendem Haß aufgefaßt hatte, so durchschaute er auch mit eben denselben Gesinnungen den Universalerben der Revolution Bonaparte, welcher 1796, während in Deutschland der Erzherzog Carl jenen Rückzug durch eine Reihe der glänzendsten Siege wieder wett machte, ganz Italien vom Aetna bis zu den tyroler Alpen durch übermächtigen Krieg oder ungetreuen Frieden dem Schrecken des französischen Namens unterwarf, endlich das feste Bollwerk Mantua bezwang, nachdem vier Armeen vergeblich den Entsatz versucht, und ins Herz von Steiermark drang.

Im April 1797 kamen die Friedenspräliminarien von Leoben zu Stande, im October der Frieden von Campo Formio. Um das geänderte nun friedliche und freundliche System gegen die alles verschlingende Republik anzudeuten, trat der Freiherr von Thugut aus dem Ministerium, und wurde bevollmächtigter Minister der neu erworbnen italienischen und Küstenprovinzen.

Der bisherige Botschafter in Rußland, Graf Ludwig Cobenzl, übernahm auf kurze Zeit das Portefeuille der auswärtigen Geschäfte, aber Thugut trat gar bald wieder zur Leitung derselben zurück, als Cobenzl erst zum Frieden von Campo Formio, dann wieder nach Rußland ging, um die zweite Coalition gegen die unerträglichen Gewaltstreiche des Directoriums zusammenzubringen.

Im April 1798 geschah der Aufstand zu Wien gegen den französischen Botschafter Bernadotte wegen der dreifarbigen Fahne; am 1sten August Nelsons Sieg bei Abukir.

Rußland, Oesterreich, England, die Pforte, das deutsche Reich, die Fürsten Italiens hatte Thugut wider Frankreich bewaffnet. Der Feldzug der Oesterreicher von 1799 war einer der glorreichsten, deren die Geschichte gedenkt. Aber in der Schweiz lag der Wendepunkt des Kriegsglücks und der Einigkeit der alliirten. Die Russen verließen den Kriegsschauplatz, mit des Erzherzogs Abgang schien das Glück von den kaiserlichen Waffen in Deutschland zu weichen, Bonaparte's Rückkunft aus Aegypten, sein Marsch über die Alpen mit der Reservearmee, die Schlacht bei Marengo, gaben auch in Italien der Sache eine andre Gestalt. Die Schlacht bei Hohenlinden (3ten December 1800) erzwang, was die nicht ratificirten Friedenspräliminarien des Grafen Saint Julien und die Waffenstillstände von Parsdorf und Altöttingen nicht vermocht hatten, Separatunterhandlungen ohne England, und den Frieden von Lüneville.

Im December 1800 trat Thugut ganz aus dem Ministerium, und lebte zeither, vom Kaiser Franz mit Gütern in Ungern beschenkt, in philosophischer Ruhe, theils in Presburg, theils in Wien, den großen Rückerinnerungen der Vergangenheit, den Wissenschaften, vorzüglich aber der orientalischen Literatur.


Zeitungsnachrichten.[]


Briefe. Frankfurt.

Frankfurt am Mayn, den 12 April 1796. [3]

Die vielen Conferenzen, die der Preußische Gesandte, Marquis von Lucchesini, mit dem Baron von Thugut in Wien gehalten hat, haben gewiß nicht die Polnischen Grenz-Angelegenheiten allein, welche überhaupt nichtmehr von großer Wichtigkeit sind, sondern die allgemeinen Friedens-Sachen betroffen.


Quellen.[]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1819.
  3. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1796.
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