Von Bastille bis Waterloo. Wiki
Advertisement

Philipp, Graf von Stadion.[]

[1]
Stadion (Graf Philipp von), Ritter des goldnen Vließes, Großkreuz des Stephansordens xc., war früher ausserordentlicher Gesandter des Wiener Hofes in Berlin, verließ im Januar 1803 diese Residenz und begab sich in derselben Eigenschaft zum russischen Kaiser. Er erhielt das Geschäft aller Unterhandlungen, welche die dritte Koalition gegen Frankreich herbeyführten, und unterzeichnete den Beytrittsvertrag seines Hofes zur Allianz Englands und Rußlands. Nachdem er dem Kaiser Alexander auf seiner Reise zur Armee in Deutschland gefolgt war, wählte ihn sein Hof zu einem der Bevollmächtigten, die mit Friedensvorschlägen an den Kaiser Napoleon abgeschickt wurden. Nach dem Preßburger Frieden ward er zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten in Wien ernannt, welche Stelle er bis zum Wiener Frieden behielt. Jetzt lebt er in Böhmen. -- Sein Bruder, Graf Friedrich, Domherr xc. war früher beym Rastadter Congreß, später österreichischer Gesandter am Münchner Hofe, beym Ausbruche des Kriegs 1809 Armeeintendant, und lebt nun in Böhmen.


Joh. Philipp Carl Joseph, Reichsgraf von Stadion.[]

[2]
Stadion (Joh. Philipp Carl Joseph Reichsgraf von), Kaiserl. Oesterreichischer Staats- und Conferenzminister, Ritter des goldnen Vließes, Großkreuz des Stephansordens xc. wurde den 18. Jun. 1763 geboren.

Er war k. k. Gesandter zu Stockholm von 1790 - 91, zu London bis 1793, und seit 1801 zu Berlin; 1803 aber ging er als Ambassadeur nach Petersburg. Er leitete alle Unterhandlungen, welche die dritte Coalition gegen Frankreich herbeiführten und unterzeichnete den Beitrittsvertrag seines Hofes zur Allianz Englands und Rußlands. Nachdem er dem Kaiser Alexander auf seiner Reise zur Armee in Deutschland gefolgt war, wählte ihn sein Hof zu einem der Bevollmächtigten, die mit Friedensvorschlägen an Napoleon abgeschickt wurden. Nach dem preßburger Frieden trat er an die Spitze des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten, und faßte den Plan zur Befreiung Deutschlands. Begeistert für diese hohe Idee, wie für alles Große, Fruchtbare und Menschenfreundliche, und bei der höchsten sinnlichen Reizbarkeit jeder Aufopferung fähig, sobald der Gegenstand sie erfodert, dabei innig und liebevoll gegen seine Untergebenen, wußte er der umgebenden Welt gleichsam den Stempel seines Geistes aufzuprägen und zuerst 1809 den Kriegen gegen Frankreich die nationale, ja europaïsche Richtung zu geben, ohne welche der Sieg nie gelungen seyn würde. Als aber auch die von ihm im Stillen vorbereiteten Mittel sich unzureichend bewiesen, wußte er selbst in diesem Unglück die Ehre und Größe Oesterreichs zu erhalten. So treffliche Eigenschaften und große Verdienste sichern ihm die Stelle unter den ersten Staatsmännern unsern Zeit. Gegenwärtig ist er Finanzminister.


Quellen.[]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
Advertisement