Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Joseph Acton.[]

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Acton (Joseph) königl. neapolitan. Staatsminister, Sohn eines Arztes aus Irland, der mit Glück die Arzneikunst in Besançon übte, wo Joseph am 1 Okt. 1737 geb. war. Nach einer sorgfältigen Erziehung nahm er Dienste bei der kön. Marine, verließ aber bald, wegen erlittener Zurücksetzungen, Frankreich auf immer, u, seitdem war ein unversöhnlicher Haß gegen dasselbe die Triebfeder seiner meisten Handlungen. Er durchstreifte einen Theil von Italien u. blieb endl. in Toskana, wo er von dem Großherzog Leopold das Kommando einer Fregatte erhielt. Als Karl III, König von Spanien, gegen die Barbarei eine Expedition unternahm, kommandirte Acton die mit den Spaniern vereinigten toskanischen Schiffe, und es gelang ihm, 3 bis 4000 Spanier zu retten, die ohne seine Hülfe verloren gewesen wären. Dieß machte sein Glück; denn der König von Neapel nahm ihn nun in seine Dienste u. schenkte ihm seine ganze Gunst, noch mehr aber gewann er das Wohlwollen der Königinn. Er wurde Minister des Seewesens, u. wußte durch seine Verwaltung manche Ersparnisse für den Aufwand des Hofes zu machen. Bald wurde er Kriegsminister, u. um sich die Gunst der Königinn noch mehr zu sichern, räumte er ihr vielen Antheil an Staatsangelegenheiten ein, verband sich genau mit dem engl. Minister Hamilton, u. ließ Frankreich seinen Unwillen immer stärker fühlen, besonders seitdem er als Premierminister die Zügel der Regierung gänzlich in seinen Händen hatte. Als 1792 Neapel durch ein franz. Eskader bedroht wurde, sah er sich zur Annahme der vorgeschlagenen Bedingungen genöthigt, aber er rächte sich so viel er nur konnte, u. brachte es unter andern dahin, das 1793 der franz. Gesandte am türkischen Hofe nicht angenommen wurde. Unter dem Vorwande eines Einverständnisses mit Frankreich ließ er seine Feinde verweisen, einkerkern u. tödten. Nur zum Schein nahm er im Mai 1795 seine Entlassung, denn er war die Haupttriebfeder des Krieges gegen Frankreich, u. begleitete den König selbst auf dem Feldzuge, der durch Macks Niederlage so berühmt wurde. Als er 1803 auf den Antrag einer franz. Gesandtschaft zum letztenmal seine Entlassung erhielt, gieng er nach Sizilien, u. 1808 soll er gestorben seyn. Mit einem seinen, raffinirenden Verstande verband er ein böses ränkevolles Herz, ließ sich blindlings von seinen Leidenschaften u. Vorurtheilen leiten, u. war das Spiel seiner Untergebenen. Er häufte große Geldsummen, kaufte in England Güter an, kannte aber so wenig Ruhe, daß er jede Nacht in einem andern Gemache schlief, welches er durch ihm allein bekannte Mittel verwahrte.

S. Konversations-Lexikon 1 Bd. 16. Gallettis Weltgesch. 22 Bd 3 ff. Geh. Gesch. des Hofes zu St. Cloud. 1 Bd 202.


Joseph Acton.[]

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Acton, (Joseph), Premierminister des Königreichs Neapel, in Besançon den 1sten Oct. 1737 geboren, und der zweite Sohn von Eduard Acton, oder vielmehr Hacton, welchen Namen Joseph in Acton veränderte. Sein Vater, ein geborner Irländer und Baronet (ein Adliger in England zwischen Baron und Ritter) ließ sich 1735 in Besançon nieder und übte daselbst mit vielem Glück die Arzneikunst aus. Er gab seinem Sohne eine gute Erziehung, die dieser aber wenig benutzte. Da Acton erwachsen war, begab er sich zur königlichen Marine, erfuhr aber dabei so viele Unannehmlichkeiten und Zurücksetzungen, daß er nach einiger Zeit Frankreich verließ, nie darin wieder zurückkehrte, und ein unversöhnlicher Haß gegen dasselbe die Treibfeder seiner meisten Handlungen wurde. Er durchstreifte einen Theil von Italien und blieb endlich in Toscana, wo er von dem Erzherzog Leopold das Commando einer Fregatte erhielt. Als Carl III., König von Spanien, gegen die Barbarei (Tripolis, Tunis, Algier, Fetz und Marokko auf der Nordküste von Afrika) eine Expedition unternahm, commandirte Acton die mit den Spaniern vereinigten toscanischen Schiffe, und es gelang ihm, drei bis vier tausend Spanier zu retten, die ohne seine Hülfe verloren gewesen wären. Dies machte sein Glück; denn der König von Neapel trug ihm auf der Rath seines Ministers, des Marquis von Sambucca, seine Dienste an. Acton nahm sie an, und der Großherzog entließ ungern einen Mann, den er hochschätzte. In einem Briefe an den König rühmte der Großherzog Acton, aber er erklärte zugleich, daß man ihn genau bewachen müsse, weil er äußerst ränkevoll und gefährlich wäre. Schnell gewann er die Gunst des Königs und besonders der Königin. Er wurde Minister des Seewesens, und wußte durch seine Verwaltung manche Ersparnisse für den Aufwand des Hofes zu machen. Bald wurde er Kriegsminister, und um sich die Gunst der Königin noch mehr zu sichern, räumte er ihr vielen Antheil an den Staatsangelegenheiten ein, und verband sich genau mit dem englischen Minister Hamilton. Frankreich erhielt sonst Bauholz; aus dem Königreich Neapel, allein er brachte es dahin, daß die Ausfuhr unter dem Vorwande, daß man selbst für die Marine brauche, verboten wurde. Als Calabrien durch ein Erdbeben sehr gelitten hatte, ließ er eine mit Getraide beladene Fregatte nicht annehmen, welche die französische Regierung sandte, um die unglücklichen Einwohner zu unterstützen. Damals gab sich der König von Spanien Mühe, seinen Sohn dahin zu vermögen, Acton zu entfernen; allein, von der Königin unterstützt, blieb er. Acton soll selbst einen französischen Courier haben ermorden lassen, um sich seiner Papiere zu bemächtigen. Er wurde nun Premierminister, und jetzt kannten sein Stolz, Ehrgeiz und Rachsucht keine Gränzen mehr. Da im J. 1792 Neapel durch eine französische Escadre bedroht wurde, sah er sich genöthigt, die vorgeschlagenen Bedingungen anzunehmen; aber er rächte sich, wo er nur konnte, und brachte es 1793 dahin, daß der französische Gesandte am türkischen Hofe nicht angenommen wurde. Unter dem Vorwande eines Einverständnisses mit Frankreich, ließ er seine Feinde verweisen, einkerkern und tödten. Diese Grausamkeiten empörten Alles gegen ihn, und waren die vornehmste Ursach, daß die Franzosen so viele Freunde in Neapel fanden. Er nahm 1795 im Mai seine Entlassung, doch war sie nur scheinbar und er blieb in völliger Gnade, besonders bei der Königin, und durch diese brachte er es dahin, daß der König die Feindseligkeiten mit den Franzosen wieder anfing. Er selbst begleitete den König in diesem Feldzug, der durch Macks Niederlage so berühmt geworden ist. Dieser Mann, der den Staat regierte, ließ sich von seinen Untergebenen beherrschen, und von Vorurtheilen leiten. Von jedermann gehaßt, glaubte er sich nirgends sicher und hatte daher zwölf Schlafzimmer, die er, ohne daß es jemand wußte, wechselte, und durch nur ihm bekannte Mittel verwahrte. Er häufte auf alle Weise Geld zusammen, legte es an verschiedenen Orten nieder und kaufte in England Güter an. Als er im Jahre 1803, auf den Antrag einer französischen Gesandtschaft, zum letztenmale seine Entlassung erhielt, ging er nach Sicilien und 1808 kündigten die Zeitungen seinen Tod an.


Zeitungsnachrichten.[]

[1811]

Vom Mayn, vom 26sten December. [3]

Der vormalige sicilische Premierminister unter Ferdinand IV., Graf Akton, war nicht, wie allgemein geglaubt wird, in England, sondern zu Besançon geboren, sein Vater war ein englischer Arzt und praktisirte mit vielem Glück in Besançon.


Quellen.[]

  1. Neue Historisch-Biographisch-Literarisches Handwörterbuch von der Schöpfung der Welt bis zum Schlusse des Jahres 1810. Von Samuel Baur, Königl. Würtemb. Dekan und Pfarrer von Alpeck und Göttingen. Ulm, 1816. Im Verlage der Stettinischen Buchhandlung.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 4. Donnerstag, den 4. Januar 1812.
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