General Moore's Todt.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
General Moore erhielt in der Schlacht bei Corunna am 16ten Jan. die tödtliche Wunde, als er gerade die Garde zum Angriff commandirte. Die Kanonenkugel ging erst ungefähr 20 Yards von ihm in die Erde, sprang wieder auf und ging ihm durch die Schulter. er stürzte vom Pferd, stand wieder auf und wollte wieder aufs Pferd steigen, als er bemerkte, daß ihm der Arm abgeschossen war. Man führte ihn alsdann auf einen Wagen fort. Die Chirurgen wunderten sich, daß er nicht gleich gestorben sey, da ihm die Kugel die ganze Seite zerschmettert hatte. --Oberst Graham, der dem General Moore zur Seite war, erhielt Sand und Steine durch eben die Kugel an den Kopf, verlor bald darauf sein Pferd und bestieg hernach das Pferd des Generals Moore.

Gedachter General ist in seiner Uniform und ohne Sarg, seinem Willen gemäß in einem Grabe beerdigt worden, welches die Offiziere seines Staabs in der Citadelle von Corunna gegraben hatten. Er hatte keinen Wunsch zu erkennen gegeben, daß sein Leichnam nach England gebracht werden möchte. Der Leichnam des Generals Anstruther ward zugleich zu Corunna beigesetzt.

Die Mutter des Generals Moore war auf die Nachricht von seinem Tode untröstlich und wollte längere Zeit weder Speise noch Trank zu sich nehmen. Dem Andenken ihres heldenmüthigen Sohnes soll nun zu London ein Monument in der St. Pauls Kirche errichtet werden.


Sir John Moore.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]
Moore, (Sir John), englischer Generallieutenant, wurde im Jahre 1808 nach Spanien gesandt, um das Kommando des englischen Reserve-Korps zur Hülfe der Spanier zu übernehmen. In der Schlacht bey Corunna, am 16. Jänner 1809 durch eine aufgesprungene Kanonenkugel tödlich verwundet, als er eben die Garde zum Angriff kommandirte, wurde er in der Citadelle von Corunna, seinem Willen gemäß, ohne Sarg in seiner Uniform begraben. Zu London wird in der Paulskirche ein Monument errichtet.


John Moore's, Brittischen Generallieutenants, Waffenthaten auf der Pyrenäischen Halbinsel.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[3]
General Moore -- schon längere Zeit hindurch als einer der vorzüglichsten Officiere in der Brittischen Armee bekannt, von Abercromby, der in Aegypten als Held seine Laufbahn beschloß, sein Schwert genannt, von Pitt bey militärischen Expeditionen als entscheidender Rathgeber betrachtet, von Fox bey Englands kritischer Lage zurückgehalten den Oberbefehl in den Hindustan'schen Besitzungen anzunehmen, behielt auch unter den nachgefolgten Ministern jenes Zutrauen, das er durch Kraft und Uebung des Geistes eben so vollkommen verdiente, als er durch die Eigenschaften seines Gemüthes und durch eine idealisch schöne körperliche Gestalt hervorragte.

Ausgezeichnet durch die Erstürmung des Forts Convention und der Aussenwerke von Calvi in Corsica, in Irland durch die Schlacht von Wexford, in Holland und in Aegypten durch mehrere Unternehmungen wurde er mit 10,000 Mann nach Schweden beordert, um dessen letzten Beherrscher aus dem Hause Wasa im Kampfe gegen Rußland zu unterstützen. Da das Englische Ministerium nicht befohlen hatte, daß diese kleine Hilfsmacht in den Reihen der Schwedischen Truppen dienen sollte, sie selbst aber ganz unzulänglich war, um eine abgesonderte militärische Unternehmung durchzusetzen; so entzweyte sich Moore mit König Gustav IV. Adolph, der auf Thätigkeit von Seite der ihm gesendeten Britten bestand, entzog sich dem vom Könige über ihn verhängten Verhafte und führte die noch auf den Schiffen befindliche Armee nach England zurück. --

Noch fehlt es an Materialen, welche über die bis dahin zurückgelegte Laufbahne Moore's einen näheren Aufschluß gäben. Allein nach dem Tode dieses vorzüglichen Generals machte sein Bruder über seine späteren Verhältnisse sehr wichtige Aufschlüsse bekannt, welche unter dem Titel erschienen: Darstellung des Feldzugs der Brittischen Armee in Spanien, befehligt von Seiner Excellenz dem Generallieutenant Sir John Moore K. B. etc. belegt mit offiziellen Papieren und Originalbriefen (von Esquire James Moore) -- Seine Erzählung diene uns zum Leitfaden bey der Darstellung der wichtigsten Expedition dieses Feldherrn und seines traurigen aber rühmlichen Endes.

Schon war Harry Burrard ernennt, Verstärkungen den zur Unterstützung der Portugiesischen und Spanischen Insurgenten abgeordneten Truppen unter Dalrymple und Arthur Wellesley (Wellington, Graf von Talavera) zuzuführen. Moore, der sowohl im mittelländischen Meere als in Schweden in der Eigenschaft eines Oberbefehlshabers gedient hatte, vergaß -- durchdrungen von dem Alleinwunsche seinem Vaterlande nützlich zu werden, jeder Individualbeziehung; er unterordnete sich dem Sir Burrard, und erst nachdem Wellesley selbst, Dalrymple aufgefordert zur Verantwortung nach England zurückgieng, trat der Zeitpunct ein, in welchem Moore in einem seinen früheren Dienstleistungen entsprechenden Range im Feld zu dienen sich entschloß.

Am 6. Oktober 1808 übernahm General Moore zufolge einer an diesem Tage erhaltenen Depesche das Commando über die Brittischen Truppen, welche nunmehr im nördlichen Spanien agiren sollten. Mangel an Lebensmitteln in den verschiedenen Gegenden, und Schwierigkeiten der Wege für den Transport der Artillerie bestimmte den General zu der Anordnung, daß die Truppen in 6 Abtheilungen und auf eben so vielen besonderen Wegen den Marsch nach Spanien unternehmen, zu Salamanca aber sich vereinen sollten. --

Hatte man in England vorausgesetzt, daß die Spanier allein die Franzosen auf ihrem Lande entfernen, und mit Hilfe Brittischer Truppen denn vollends ihre Fahnen auf den Mauern Französischer Städte aufpflanzen würden; so betrat denn auch General Moore den Spanischen Boden nicht anders als unter den vortheilhaftesten Voraussetzungen. Allein jetzt, wo er Gelegenheit hatte, mit eigenem Blicke zu schauen, erkannte er bald, daß man nur einem Fantome gehuldigt habe. Mit einer Leichtigkeit, die nur bey großer Gediegenheit des Characters möglich ist, trennte er sich bey dieser Ueberzeugung von Ideen, die er bereits lieb gewonnen hatte, und statt den eitlen Wahn zu nähern, die neue Französische Dynastie in grosse Verlegenheit setzen zu können, beschränkte er sich auf dem Wunsch, auf diesem Kampfplatze in den Augen seines Vaterlandes, und in jenen von ganz Europa wenigstens tadellos erscheinen zu können. Denn statt jenes unermeßlichen Enthusiasmus, welchen Brittische Emissäre in ganz Europa den Spaniern zumassen, war dazumal meistens Lauheit der allgemeine Character ihrer Nationalstimmung, eine natürliche Folge der Schlaffheit und der Spaltung der Junta, die aus 32 Gliedern bestand, deren jedes gleiche Vollmacht hatte. Daß gegen Englands Voraussetzung die Spanier nicht schon früher die damals in ihrem Lande befindlichen Franzosen vertilgt hatten, ehe sie Verstärkung erhielten, war nach der Erklärung der Generale Castanjos und Blake deßhalb nicht geschehen, weil die Spanischen Armeen geringzählig und haltungslos waren.

Ueberhaupt behandelten die Spanier bey dem Einmarsche der Engländer diese nicht sowohl als Verbündete, sondern vielmehr als Leute, durch die man sich bereichern müsse. Dieß war denn ein Umstand, der zu den vorigen Thatsachen gezählt, in dem Englischen Generale wenigen Hoffnungen Raum ließ.

Daher geschah es, daß General Moore in einem Schreiben, welches er aus Salamanca an Lord Bentink erließ, geradezu erklärte, daß die Agenten, deren sich die Brittische Regierung in Spanien bediente, dieselbe mit ihren vortheilhaften Schilderungen betrogen haben. Daß die Brittische Armee den Hauptwiderstand gegen die Franzosen leisten könnte, erklärte er für schlechterdings unthunlich, und wenn auch ihre Stärke auf das Vierfache gebracht würde; nur in einem vermehrten Nachdruck der Spanischen Regierung und in der Erweckung eines hohen Enthusiasmus in der Spanischen Nation glaubte er die Möglichkeit eines günstigen Erfolges voraussetzen zu können.

So precär Moores Hoffnungen schon damals waren, so verminderten sie sich bey Erhaltung mehrerer ungünstiger Nachrichten. Am 10. November 1808 wurde die Armee von Estramadura bey Gamonal durch Soult, Herzog von Dalmatien geschlagen, der gleich darauf Burgos erstürmte, und zwey Tage darauf wurden die Generale Blake und Romana durch Victor, Herzog von Belluno von den Höhen von Espinosa und Reymosa herab und in die Gebirge von Asturien hinein geworfen. Am 23. November aber erlitt Castanjos -- wie Moore es vorausgesehen hatte, bey Tudela durch den -- nachher bey Aspern tödtlich verwundeten -- Herzog von Montebello und durch jenen von Connegliano -- eine gänzliche Niederlage, und eben der Umstand, daß Moore diesen Unfall weissagte, scheint den General Castanjos von dem Verdachte einer Verrätherey zu retten, welchen die Junta wohl nur zur Verschleyerung ihrer fehlerhaften Maßregeln, oder um den Insurgenten nicht alles Selbstvertrauen zu nehmen, auf ihn gewälzt haben mag.

Mit höchstem Unmuth sah Moore in diesem Zeitpuncte, da die Franzosen bereits Valladolid besetzt hatten, seine Corps noch unverbunden, weil, wie er sich in einem Briefe an einem seiner Brüder ausdrückte, keine Spanische Armee eine solche Vereinigung begünstigte; eine Forderung, die indeß etwas auffallend ist, da man doch glauben sollte, daß seine Colonnen bey der Entfernung des Feindes von den zum Sammelplatze erforderlichen Gegenden diese Vereinigung selbst hätten bewirken können. Er beklagte, daß er weder von den Absichten der Spanischen Regierung, noch von jenen der Generale unterrichtet sey, und weissagte den Fall Madrids, weil Alles in Schlaffheit liege, und kein Mann von Thatkraft die Flamme des Volksenthusiasmus bey einem Auflodern zu benützen gewußt habe.

Nachdem falsche Nachrichten, zum Theil durch eine einzelne Französische Streifparthey veranlaßt, die Engländer sowohl als die Spanier getäuscht und eine Verzögerung der genommenen Maaßregeln bewirkt hatten, faßte Moore, die seitherigen Schicksale der Spanier erwägend, den Entschluß, die Armee aus Galizien und Leon an die Ufer des Tajo zu versetzen. Durch diese Vorkehrung ergab sich der grosse Vortheil, daß seine Macht um 10,000 Mann vermehrt werden konnte, die in Portugal zurückgeblieben waren. Er glaubte, daß die Positionen gleich jetzt nach dem Süden verlegt, und Cadix nebst Gibraltar zu Hauptstützpuncten gemacht werden müßten. Doch das allgemeine Gemurmel mehrerer seiner Generale und der Officiere vom Staabe, dann die Bitten der Centraljunta, unter Beschönigung des wirklichen Bestandes der Dinge, wozu noch die dringenden Forderungen des Brittischen Gesandten Frere kamen, bewogen ihn von seinem anfangs gefaßten Entschlusse, die Verantwortlichkeit für solche Unternehmungen auf sich allein zu nehmen abzugehen, und die Madrider, welchen der heranrückende Kaiser Napoleon bereits ihr Loos beschieden hatte, im letzten Augenblicke nicht ganz zu verlassen. Um für die bedrohte Hauptstadt doch einige Hilfe vorzubereiten, trat er mit dem Marquis la Romana, der in Leon seine 22,300 Mann reorganisirte, in einen Briefwechsel, welcher die baldige Vereinigung beyder Corps zum Zweck hatte, der jedoch um Vieles später erreicht wurde.

Doch nach des Oberstlieutenant Symes Bericht, den in diesen Geschäften an Romana gesendet worden, konnte Moore von der Mitwirkung dieses Obergenerals nur wenig Tröstliches sich versprechen. Bewegung, Waffen und Handhabung derselben, war nach dem Rapporte des Oberstlieutenants gleich schlecht bey diesen Truppen, deren Officiere ihrem Posten noch weniger gewachsen waren, als die Mannschaft. Aus einem Drittheil ihrer Gewehre konnte man gar nicht abfeuern, und das Corps besaß nur eine Artilleriebrigade, deren Kanonen von Maulthieren gezogen wurden. Diese Truppen zeigten wenig Disciplin, und hatten sie bis dahin vor dem Feind gemeiniglich keinen zahlreichen Verlust erlitten, so war dieses bloß daher gekommen, weil sie bey dem ersten unregelmässigen Feuer der Französischen leichten Truppen die Flucht ergriffen. Solche Streiter, deren Hochmuth und Ruhmredigkeit selbst ihre Feldflüchtigkeit in ein vortheilhaftes Licht zu setzen suchte, konnten indeß nach Syme's Bericht an Moore'n, durch wiederholtes Ausreissen und Wiederversammeln sich dereinst zu Soldaten bilden, für den gegenwärtigen Augenblick aber könne man auf sie keineswegs eine Hoffnung gründen.

Um nun den Englischen Oberfeldherrn zu einem kräftigen Beystand zu bewegen, schickte die oberste Junta die Generale Escalante und Burno zu ihm, allein in diesen Männern sah er, wie er sich in einem Schreiben an Herrn Frere ausdrückte, zwey nervenschwache alte Weiber, die gar nicht wußten, was ihre Forderung enthielte. Indeß vertheidigte sich Madrid in der Hoffnung Brittischen Succurses gegen die Berennung der Franzosen. Allein die positive Weigerung der Generals Moore und die geschöpfte Ueberzeugung, daß Kaiser Napoleon selbst die Erstürmung der Stadt leiten wolle, wären allein schon hinreichend gewesen, die Uebergabe derselben zu veranlassen, obgleich Moore überdieß den Generalen Thomas Morla, der die Capitulation der Stadt mit auf sich nahm, der Verrätherey beschuldigte.

Indeß bot die Junta Alles auf, den Brittischen General in Thätigkeit zu versetzen; sie verheimlichte ihm zu diesem Ende die Uebergabe Madrids und zwar unter der 4 Tage darauf gemachten Vorspiegelung, Madrid habe sich bloß einen Waffenstillstand erwirkt. Sie gab ihm überdieß die bestimmte Zusicherung der thätigsten Unterstützung, und setzte die Zahl der in Spanien versammelten Franzosen, so viel möglich, herab. Diese, bis zum 12. December -- also 8 Tage nach dem gänzlichen Verluste Madrids -- fortgesetzten Täuschungen bewogen Mooren zu dem Entschluß, die Communicationen zwischen Madrid und Frankreich zu bedrohen, und im Vertrauen auf eine Demonstration aus dem Süden sich an irgend eine der Französischen Truppenabtheilungen zu wagen. Im letzten Drittheil Decembers hatte er die Vereinigung aller Englischen Truppen bewirkt, die nun 25,400 Mann stark waren.

Auf die Voraussetzung, General Moore werde die Gelegenheit nicht unbenützt lassen, bey einiger Wahrscheinlichkeit des Erfolges irgend einen Kampf zu unternehmen, baute Napoleon den Plan, die Brittische Armee in das Innere zu locken und durch Umgehung ihr die Rückkehr zu den Schiffen unmöglich zu machen. Zu diesem Ende verhielt er sich mit der Hauptmacht bey Madrid ganz ruhig, ließ aber den Marschall Soult, Herzog von Dalmatien mit ungefähr 18,000 Mann in einer Entfernung von 100 Stunden gegen Norden hin bey Sahagun sich aufstellen. Dieser General hatte den Befehl, wenn er hart gedrängt würde, sich nach Burgos zurückzuziehen, wo er mit dem Corps Junot's des Herzogs von Abrantes sich vereinigen konnte.

Beynah hätte nun die Verheimlichung der wirklichen Lage der Dinge durch die Junta und ihre geringe Aufmerksamkeit auf Napoleons Bewegungen den General Moore ins Verderben geführt. Denn schon hatte der thatenlustige Britte Soult's vorderste Posten zurückgedrängt, als General Romana ihn benachrichtigte, daß die Französische Armee damals 70,000 Mann stark am 20. von Madrid aufgebrochen sey, um ihn in den Rücken zu nehmen. Nicht weiter dachte Moore mehr darauf das Soult'sche Corps zu bedrängen, sondern er ließ seine Truppen aufbrechen, um sich durch Galizien an das Meer zu ziehen. Nur 5 Tage hätten die Franzosen benöthigt, um in seinem Rücken zu erscheinen, und ohne die eingetretene üble Witterung, ohne Abwerfung mehrerer Brücken würde die vereinte Französische Macht ihn überflügelt und zum Stehen gebracht haben: es kam also nun ganz darauf an, durch den Aufwand grosser Geschicklichkeit und Energie sich der so nahen Gefahr zu entreissen. Er mußte zunächst darauf bedacht seyn, den Fluß Eslar zu passiren. Ueber denselben führten 3 Brücken, deren eine bey Mansillo den Truppen la Romana's überlassen werden mußte. Dieß geschah aus dem Grunde, weil Romana Moore's Antrag, Galizien den Britten frey zu lassen, und sich nach Asturien zurückzuziehen, nicht annahm. Den Uebergang bey Castro Gonzalo verbarg Moore dadurch, daß er zu Sahagun leichte Truppen zurückließ und starke Cavallerie-Patrouillen, auf die Französischen Vorposten vorzudringen beorderte; auf dem zweyten Wege, bey Valenca, wurde der Uebergang eben so glücklich bewerkstellt, und er ließ eine Brücke in die Luft sprengen, welches die Verfolgung der nacheilenden Franzosen verzögerte. Weil der kürzeste Weg nach Vigo, über Orense unfahrbar war, so wurde jener über Astorga eingeschlagen. Schon am 29. December folgte der Herzog von Dalmatien den Britten auf dem Fusse, und am folgenden Tage zersprengte er Romana's Truppen, -- weil dieser die Brücke von Mansilla nicht zerstört hatte, -- während Moore zu Benavent beträchtliche Magazine verlor. Bey dem zuletzt genannten Orte ließ Moore nach erfolgtem Uebergang über den Fluß die Brücke sprengen. Die Französischen Chasseurs von der Garde setzten nun über den Fluß, jedoch der fortwährend verstärkte Brittische Nachtrab zwang die Jäger wieder über den Fluß zurückzugehen. Allein noch in der Furth wurde der Oberst Lefebre-Desnouettes gefangen genommen und darauf dem Englischen Oberbefehlshaber vorgestellt. Mit ziemender Gerechtigkeit erkannte er die That dieses Obersten, welcher so eben kräftig bewiesen hatte, wie sehr er es verdiene, in einer der wichtigsten Abtheilungen der Truppen eines mächtigen Monarchen einen höheren Befehl zu führen. Zum Beweise seiner Achtung machte er dem Obersten Desnouettes sogleich ein Geschenk mit einem Hindustan'schen Säbel.

Auf dem weiteren Rückzuge sendete er auf die Strasse nach Vigo ein Detaschement, vermuthlich aus dem Grunde, um nicht bloß auf die Strasse von Corunna beschränkt zu seyn, welche durch irgend eine schnell gelungene Flankenbewegung des Feindes vielleicht hätte können für ihn verloren gehen. Zu diesem Ende detaschirte er den Generalen Craufurd mit 3,000 Mann auf die Strasse von Orense, wo er eine starke Stellung hinter dem Minho beziehen konnte.

Indem die Französischen Gardechasseurs in obenerwähnten Gefechte zurückgedrückt und auch Astorga gesichert wurde, gelang es Mooren, früher als der Herzog von Dalmatien die Stadt zu erreichen. Am 31. December Nachts trafen die Britten in Camberos ein, und, obgleich die Franzosen schon ihre Cavallerie-Pikete erreicht hatten, so war dennoch die Gefahr des Einschliessens für die Englische Armee beseitigt. Kaiser Napoleon ohnehin durch die Verhältnisse im Osten abgefordert, entfernte sich deßhalb gleich jetzt, und überließ es dreyen seiner Marschälle, den Rückzug der Britten zu beschleunigen und ihnen weiteren Abbruch zu thun. Die Witterung war für die militärischen Bewegungen äusserst erschwerend. Hatten die Engländer den Nachtheil für sich, den Zug des Geschützes und der Bagage zu decken, so konnten sie dagegen durch verschiedene Aufstellungen in dem bergigen Terrän und durch Zerstörung der Brücken die Unternehmungen der Franzosen wesentlich erschweren, und man kann in der That nicht ohne Erstaunen bemerken, daß die Franzosen, obgleich sie über Flüsse und Abgründe neue Brücken erbauen mußten, dennoch den Britten dich an der Ferse zu folgen vermochten. Der Regen war heftig, es mußte der Soldat im Kothe waden, selten fand man ein Obdach, noch seltener Brennmaterial; den Britten rißen die Spanischen Führer der Proviantwägen aus, sobald Französische Reiterey erschien, weßhalb man oft zur Zerstörung dieser Vorräthe selbst genöthigt war. Dazu kam, daß die Spanier, statt die Franzosen in ihrem Vorrücken zu beirren, nicht eine Flinte gegen sie abfeuerten, wohl aber den Engländern ihre Häuser versperrten, und ihnen alle Nahrungs- und Marschbedürfnisse vorenthielten. Dieß Betragen erregte Ausbrüche von Wuth unter den Englischen Soldaten, welche überdieß nach dem Geständniß Moore's in jeder Hinsicht so regellos wurden, daß er es für nöthig hielt, sie in England neu zu organisiren, ehe er sie wieder auf einen Kampfplatz brachte. In dem Städtchen Bembydre war die Unordnung so groß, daß Moore sich genöthigt sah, einen Theil der betrunkenen Soldaten seinem Schicksale zu überlassen.

Am 3. Jänner drang Französische Kavallerie in Cacabelos ein, welche Stadt die Britten noch inne hatten. Umsonst befahl Moore einem Kavallerieregimente die Brücke über den Fluß zu passiren, welcher die Stadt durchschnitt, denn Französische Chasseurs setzten mit Reiterey über das Wasser, und nöthigten das Regiment zum Rückzuge. Weil Moore überdieß erfuhr, daß der größte Theil der Französischen Armee herankomme, so machte er einen Nachtmarsch nach Herreras.

Um nicht seine Truppen auf dem fortgesetzten Rückzuge ganz aufreiben zu lassen, beschloß Moore in der Ebene von Lugo eine Schlacht zu liefern. Allein ein betrunkener Dragoner, dem man eine Depesche anvertraut hatte, war Ursache, daß General Fraser, statt in Lugo Halt zu machen, nach Vigo vorrückte, und über den angestrengten Marsch viele Leute verlor. Ohne dieses Korps konnte sich Moore in keine Schlacht einlassen, er wählte demnach Corunna zum Rückzugspunkt, und ersuchte den Admiral Hood die Transportschiffe dahin zu senden.

Am 5. Jänner 1809 hatte die Reserve kaum Rogales verlassen, als die Franzosen einrückten, weil die Brücke nicht hatte abgebrochen werden können. Unter fortwährendem Scharmüziren gieng der Rückzug vor sich, zu dessen Beschleunigung 2 Geldwagen, die von erschöpften Stieren gezogen wurden, ausgeleert, und die Geldfässer mit 25,000 Pfund Sterling in einen Abgrund geworfen werden mußten. Dieß Geld wurde in der Folge von Spanischen Bauern gefunden.

Es kam darauf an hinter Constantino sich über einen Hügel hinabzuziehen. Um dieß ohne grossen Verlust zu bewirken, ließ der Englische Obergeneral den Abhang durch Artillerie bedecken. Die Franzosen nahmen diese Veranstaltung wahr, aber, nachdem Moore die Artillerie wieder weggezogen hatte, so stürzten sie sich den Hügel hinab, und es kam zu einem partiellen Gefechte, welchem erst die Nacht und mit ihr der weitere Rückzug der Britten ein Ende machte.

Das Terrän von Lugo bot eine Stellung an, in der man sich mit Vortheil schlagen konnte. Die Franzosen richteten ihren Angriff vorzüglich auf den linken Flügel, wohin denn auch Moore sich begab. Zufällig sah er sich an der Spitze des 51. Regiments, in dem er als Fähndrich gedient hatte. Er forderte dasselbe mit belebtem Tone zu standhaftem Heldenmuthe auf; doch fand sich dießmal keine Gelegenheit solchen zu beweisen; denn die Franzosen stellten die Angriffe ein, und Moore schloß daraus, der Herzog von Dalmatien habe seine Stellung blos recognosciren wollen, um am folgenden Tage ihn ernsthoft anzugreifen. Deßhalb stand am 8. Morgens die Englische Armee in Schlachtordnung. Moore durchritt die Reihen und bemerkte mit Vergnügen, daß die Abtheilungen, welche noch nicht im Treffen waren, die übrigen um diese Ehre beneideten. Allein der Herzog von Dalmatien regte sich nicht auf den furchtbaren Höhen, die er einnahm. Wollte er den Angriff so lange verschieben, bis die jeden Augenblick ankommenden Verstärkungen ihm die Vernichtung der Englischen Armee verbürgten, oder detaschirte er Truppen auf Seitenwegen, um sie von der Küste abzuschneiden: genug Moore beschloß Nachts um so mehr sich zurückzuziehen, da die Armee in einer so nahrungslosen Gegend schlechterdings nicht zwey Tage hätte ausdauern können. Zu diesem Ende verbarg er seinen Abmarsch durch Zurücklassung der Wachfeuer. Daß der Herzog von Dalmatien deßhalb den Abzug der Britten spät erst entdeckte, war für diese eine glückliche Ereigniß; denn auch unverfolgt geriethen sie bey dem anhaltenden Regen und Schneegestöber, bey der schlechten Beschaffenheit der Wege und dem Mangel an Quartieren in Unordnung, und auf diesem Marsche, der sich sehr verzögerte, fielen häufige Opfer der Mühseligkeit.

Bey Bitanzos wurde Rasttag gehalten; am 11. brach man nach Corrunna auf, nachdem die Vernichtung der Brücke jenseits Bitanzos zum Verdrusse der Franzosen bewirkt war.

Moore eilte mit dem Hauptcorps voraus, um die Positionen, welche Corunna anbot, zu besichtigen, und ließ den Generalen Paget mit der Reserve langsamer nachrücken. Dieser zerstörte bey el Borgo die Brücke über den Mero, allein eine den Fluß höher hinauf vorhandene entgieng demselben Geschicke, indem der hier die Aufsicht führende Ingenieurofficier durch Explosion einer Miene sein Leben verlor. Die Gefahr wurde jetzt dringender; denn widrige Winde hinderten die Ankunft der bestellten Transportschiffe, und die Stellung bey [[La Coruña|Corunna hatte nichts Vortheilhaftes. Aus diesen Gründen und da selbst, wenn die Fahrzeuge ankämen, die Einschiffung der Truppen im Angesicht der Franzosen sehr schwierig seyn würde, suchte man den General zu bewegen, mit dem Herzog von Dalmatien in Unterhandlungen zu treten, um nur ungestört die Armee einschiffen zu können.

Doch Moore hoffte diesen Zweck auf eine ruhmvollere Art zu erreichen zu können. Am 12. nahmen die Franzosen in der Nähe Platz. Sir Moore aber bereitete die Anstalten zur Vertheidigung sowohl als zur Einschiffung vor, auch sah er weislich darauf, nicht sowohl die Einwohner von Corunna sondern seine Truppen in günstige Stimmung zu versetzen, indem er den letzteren, Alles, was von Erfrischungen in jener Stadt aufzubringen war, verabreichen ließ. Was die Vertheidigungsanstalten betraf, so mußte eine höhere Hügelreihe aufgegeben werden, weil die Franzosen, im Falle ihrer Besetzung an den Flanken, und besonders an der rechten, bequem nach Corunna hätten marschiren können. Moore begnügte sich denn mit der Besetzung einer niedrigeren Hügelreihe, um in dieser zwar nicht vortheilhaften Stellung die Französischen Vereitelungsversuche der Einschiffung hindann zu halten.

Auf Moore's Befehl machte denn General Hope den linken Flügel aus, dessen äusserstes Ende eine Anhöhe inne hatte. Bey dem Dorfe Elwina reihte sich an die vorige Baird's Division, das Centrum bildend, der rechte Flügel bestand aus Frasers Korps. Die ganze Stellung war halbzirkelförmig weit hinter dem linken Flügel aufgestellt.

Am 14. begannen die Franzosen am Wege nach el Burgo eine Kanonade, die sie jedoch -- nach dem Englischen Berichte -- einstellen mußten. An eben diesem Tage fand Moore auf einem Hügel ein Magazin von 4,000 Fässern Englischen Schießpulvers, welche hier unbenutzt lagen, während es der Spanischen Armee an diesem Artikel fehlte: von diesen Vorräthen ließ Moore so viel als möglich nach Corunna bringen, das Uebrige aber in die Luft sprengen, wodurch die ganze Stadt erschüttert wurde. Zu eben dieser Zeit erschienen die Transportschiffe zur allgemeinen Freude der Truppen, welche den Spanischen Boden zu verlassen wünschten.

Am 15. rückten die Franzosen an. Sie allarmirten den rechten Flügel mit leichten Truppen; doch zu einem ernstlichen Gefechte kam es nicht.

Am folgenden Tage schien Alles ruhig zu bleiben, und Moore wollte Nachts die Truppen einschiffen, welche nach Vigo segeln, daselbst aber gesondert und in den gehörigen Abtheilungen auf die Schiffe sollten gebracht werden. Zuvörderst sollten die Kranken, die Bagagen und Pferde eingeschifft werden; doch um 1 Uhr nach Mittag kam die Nachricht, daß die Französischen Truppen ins Gewehr treten. Schon waren die Vorposten im Kampf, und Moore sendete nach wenigen Minuten der Beobachtung beynah seinen ganzen Generalstaab mit Befehlen ab. Der rechte Flügel und die Reserve mußten weiter vorrücken. Die Franzosen begannen aus 11 Stücken von den Höhen herab eine Kanonade. Vier Französische Kolonnen brachen in der Ausdehnung der Stellung zum gleichzeitigen Angriffe auf, und Moore begab sich auf den rechten Flügel, weil dieser von 2 Kolonnen bedroht wurde. Damit dieser Flügel nicht umgangen werde, mußte die Reserve vorrücken. Während die Truppen gegen einander marschirten, bedrohten die Franzosen auch den linken Flügel, indem ihre Flanke über denselben hinausreichte, und überdieß ein besonderes Korps dieselbe zu umgehen versuchte. Diesem Unfalle zu begegnen refusirte das vierte Regiment, welches das äusserste der Stellung war, eine Flanke und bildete einen stumpfen Winkel. General Moore, dieß beobachtend, rief den Soldaten zu: Gerade das war es, was Ihr thun solltet!" Dann ritt er zum 50. Regiment; als es einen tapferen Angriff machte, rief er: "Bravo, Soldaten des 50. Regiments!" Während die Franzosen hier aus Elwina zurückgedrückt wurden, flog er zum 41., das er mit dem Zurufe: "Hochländer denkt an Aegypten!" begrüßte, dann ließ er ihre linke Flanke von einem Gardebataillon unterstützen. Aus Mangel an Munition wollte eine leichte Compagnie zurückgehen, aber Moore bewog sie zum ausharrenden Angriff.

Während der abgeschickte Offizier berichtete, daß das Gardebataillon in dem geforderten Anmarsche wäre, entstand ein heftiges Feuer, welches von den Franzosen unaufhörlich in derselben Richtung kam. Moore stand an einem gefährlichen Orte; eine Kanonenkugel traf seine linke Schulter. Auf den Boden geworfen richtete er sich empor, und blickte nach den Hochländern, die im heftigsten Kampfe begriffen waren. Man brachte Aerzte, und der General ließ sich in einer wollenen Decke hinwegtragen, noch unterweges aber den Generalen Hope ersuchen, das Kommando zu übernehmen.

Viele Soldaten wußten, daß Moore und Baird, der schon früher verwundet worden war, hinweggebracht worden seyen, doch machte dieß nicht ihre Kräfte erlahmen. General Paget erleichterte mit der Reserve den rechten Flügel; das Centrum behauptete sich mit Hilfe seiner vortheilhaft postirten Kanonen, der linke Flügel gewann ein Dorf wieder, als die Nacht den Kampf beendete, welche zur Einschiffung der Truppen benützt wurde.

Mittlerweile war Moore zu Corunna angekommen. Es ist ein schöner Zug im Benehmen des Generals Baird, daß er, als er von Moore's Verwundung hörte, die Wundärzte, die mit seinem zerschmetterten Arm beschäftigt waren, an ihn absendete. Aber mit edler Resignation und im Tode noch bedacht auf das gemeinsame Wohl, sagte Moore diesen Aerzten, sie möchten sich der Soldaten annähmen, da sie für ihn von keinem Nutzen seyn könnte. Als Oberst Anderson, sein 22jähriger Freund und Waffengefährte zu ihm kam, sagte er: "Sie wissen, Anderson, daß ich immer auf solche Weise zu sterben gewünscht habe." -- Ich hoffe, das Volk von England wird zufrieden seyn! -- Ich hoffe, mein Vaterland wird mir Gerechtigkeit widerfahren lassen." An Jeden, der in das Zimmer kam, richtete er die Frage, ob die Franzosen geschlagen seyen. Er erwähnte, daß er sein Testament aufgesetzt und seine Diener bedacht habe. Für den Major Colborne hat er eine Oberstlieutenantsstelle zu erwirken, weil er wisse, daß dieser Offizier sie verdient habe. Er verlangte dem Generalen Paget empfohlen zu werden, und fügte hinzu: "Ich meine, der General Paget ist ein tüchtiger Mann." -- An diese Worte reihten sich Aeusserungen, welche den eigenen Zustand des leidenden Helden betrafen. "Ich fühle mich so stark. -- Ich fürchte, das Sterben wird mir schwer werden. Es ist ein grosser Kummer (vermuthlich durch den Tod sich die Gelegenheit zum eigenen Ruhme und zur Wohlfahrt seiner Nation abgeschnitten zu wissen) -- "es ist ein grosser Schmerz! -- Empfehlen Sie Ihrer Schwester mein Andenken, sagte er zu seinem Adjudanten Precy. Dieser Gedanke einer innigen Zuneigung scheint sein vorletzter gewesen zu seyn, denn hierauf drückte er Andersonen die Hand und starb.

Dieser Heerführer, welcher an den Endpuncten seiner Existenz sich noch als vaterländischen Helden, als mild vorsorgenden, innigen Vater und Freund zeigte, hatte in früherer Zeit mehrmals den Wunsch geäussert, auf derselben Stelle begraben zu werden, auf welcher er in einer Schlacht fallen würde. Dieser Wunsch pünktlich zu erfüllen, hing aber von seinen Engländern nicht ab, denn zum Meister des Platzes, auf welchem er gefallen war, hatten die Franzosen sich gemacht. Man beschränkte sich denn darauf, den Erblaßten in der Citadelle von Corunna beyzusetzen. In militärischem Anzuge und mit weissen wollenen Decken umwickelt wurde er dann in ein von den Soldaten bereitetes Graf gelegt.

So fiel ein Held, der indeß nur durch die Freundschaft der Seinigen in das Grab den Gedanken mitnehmen konnte; er sey als Epaminondas gefallen. Daß die Verhältnisse weniger günstig waren, bewies sein vom Schlachtfeld entfernter Begräbnißort. Dennoch lieferte er durch seinen geschickten Rückzug den Annalen der Kriegskunst, so wie durch die ertrotzte Einschiffung, und durch die kluge und muthige Einwirkung auf den Gang der Schlacht, insonderheit zur Geschichte seines Vaterlandes einen glänzenden Beytrag.

Aber auch bey dem Glanze nur hat es hierinfalls sein Bewenden. Das Selbstvertrauen, den Muth der Britten zu nähren, mußte das letzte Treffen allerdings geeignet seyn, allein an sich selbst waren die Opfer, die es kostete, doch vergeblich gefallen, und der Mooren gegebene Rath, eine Kapitulation gegen freyen Abzug (nach dem Beyspiele des Herzogs von Abrantes) zu wählen, würde zahlreiche Menschenleben, und darunter jenes des vorzüglichen Anführers selbst gerettet haben. Für Moores Talente beruht indeß das schmeichelhafteste Zeugniß auf der Erklärung Kaiser Napoleons: dieser General sey in Spanien noch der einzige, der es verdiene, daß er selbst ihn bekämpfe.


Sir John Moore..[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[4]
Moore (Sir John), ein durch seine Thaten und seinen Tod in Spanien berühmt gewordenen englischen General, war geboren im J. 1760 zu Glasgow, wo sein Vater als Arzt und Gelehrter lebte.

Nachdem er hier den ersten Unterricht genossen und mit seinem Vater den Jungen Herzog von Hamilton von 1773 bis 78 auf seinen Reisen begleitet hatte, trat er in das 15ten Infanterieregiment und ging alle Grade bis zum Generalmajor durch, wozu er 1789 ernannt wurde. Die erste Gelegenheit, sich auszuzeichnen, fand er als Oberlieutenant im mittelländischen Meere 1793. Nachdem er zu Toulon gedient hatte, wurde er von Lord Hood nebst dem Major Köhler zu einer geheimen Sendung nach Corsica gewählt, um wegen der Uebergabe der Insel an die Engländer mit Pasqual Paoli zu unterhandeln. In Folge dieser Unterhandlungen wurde ein englisches Corps unter General Dundas auf Corsika gelandet, wobei sich auch der Obristlieutenant Moore befand. Dieser eroberte nach großen Anstrengungen den befestigten Platz Fornelli, und nahm gleich darauf an der Erstürmung von Calvi den entscheidensten Antheil. Obgleich gefährlich am Kopfe verwundet, drang er an der Spitze seiner tapfern Grenadiere in der Platz und ward vom General Stuart, dem gültigsten Richter kriegerischen Muths, öffentlich umarmt. Die Unterwerfung der ganzen Insel war die Folge dieser glücklichen Unternehmungen; eine General-Consulata unter Paoli's Vorsitz decretirte ihre Vereinigung mit England. Der Obristlieutenant Moore wurde unmittelbar darauf zum Generaladjutanten ernannt; allein aus unbekannten Gründen zog er sich das Mißfallen des Vicekönigs, Sir Gilbert Elliots, nachmaligen Lords Minto, zu, der seine Zurückberufung bewirkte. Moore der 1795 zum Obersten in der Armee befördert worden, und zugleich Obristlieutenant im 51sten Regimente war, ging darauf mit der Expedition unter Earl of Eglintouna nach Westindien. Die Armee, die unter Abercromby's Befehl stand, kam in Jan. 1796 auf Barbados an, und begann sogleich die Operationen. Moore wurde zur Unterwerfung von St. Lucia abgeordnet, die er auch glücklich vollendete. Nach seiner Rückkehr nach Europa wurde er abermals unter dem tapfern Abercromby bei der Unternehmung auf Holland angestellt; Moore hatte bei dieser Expedition, die völlig mißlang, weniger Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Inzwischen eroberte Bonaparte Aegypten; England schickte unter Abercromby ein zahlreiches Heer zur Vertreibung der Franzosen aus diesem Lande ab. Moore, der kurz zuvor General-Major geworden war, befand sich bei demselben. Er erhielt zunächst den Auftrag, sich zum groß-Vezier nach Jaffa zu begeben, kehrte aber von dort mit der Ueberzeugung zurück, daß von dem türkischen Heere keine Mitwirkung zu erwarten sey. Der englische Feldherr beschloß demnach, allein zu handeln, und bewerkstelligte am 5ten März 1801 bei Abukir die Landung seiner Truppen. Moore commandirte die Reserve, und war kaum ans Land gestiegen, als er an der Spitze seiner Brigade mit gefälltem Bajonnet die auf einer Anhöhe vortheilhaft aufgestellten Franzosen angriff und nach Alexandria zurückwarf. Er empfing dafür den öffentlichen Dank des Oberbefehlshabers. In dem blutigen Gefecht am 21. März, in welchem Abercromby auf dem Schlachtfelde blieb, hatte Moore mit der Reserve den Hauptangriff zu bestehn, und wurde, wiewohl nicht gefährlich, verwundert. Er genas zeitig genug, um an der Belagerung von Cairo und den folgenden Ereignissen bis zur capitulation der französische Armee Theil zu nehmen, worauf ihn die Wahl traf, diese Armee bis an den Ort ihrer Ausschiffung zu begleiten. Nachdem er darauf einige Zeit in dem Schooß seiner Familie verlebt hatte, bekam er zu der Zeit, als die Franzosen mit einem Angriff auf England drohten, den Befehl über eine in Kent zusammengezogne Armee. Im J. 1805 erhielt er mit dem Range eines Generallieutenants den Oberbefehl auf Sicilien, wurde aber bald von dort zurückgerufen und nach Schweden geschickt, um dem jungen Könige zur Seite zu seyn. Die Begegnung, die ihm, der kurz vorher Ritter des Bathordens geworden war, hier wiederfuhr, seine Verhaftung und seine Flucht sind Gegenstände, die noch ein Dunkel verhüllt, dessen Aufklärung erst von der Folgezeit zu erwarten ist.

Wenige Tage nach seiner Rückkunft in England wurde Moore mit einem Truppencorps nach Portugal abgeschickt. Er war kaum ans Land gestiegen, als er sich zur Unterstützung der Spanier in Marsch setzte. Unter unzähligen Schwierigkeiten erreichte er Toro; den 21sten December 1808 stand er bei Sahague. Auf die Nachricht, daß Marschall Soult mit 16,000 Mann bei Saldana stehe, beschloß er, ungeachtet die Wege vom Regen fast unwegsam gemacht worden, einen Schlag auszuführen. Er gab den 23sten Abends den Truppen Befehl, in zwei Colonnen aufzubrechen. Aber zu derselben Zeit ging nicht nur die Nachricht von der Verstärkung des soultschen Corps, sondern auch von Romana die Meldung ein, daß ein französisches Corps von Madrid entweder auf Valladolid oder Salamanca marschire. Moore, der das gefährliche seine Lage vollkommen einsah, trat sogleich den Rückzug auf Corunna an, um sich dort einzuschiffen. Selten hat ein Heer mit so großen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, als die Engländer auf diesem Marsch. Mit dem Verlust das größten Theils ihrer Pferde und Bagage kamen sie endlich am 16ten Januar 1809 vor Corunna an, aber um die zum Einschiffen nöthige Zeit zu gewinnen, mußte der mit überlegner Macht ihnen auf der Ferse folgende Feind zurückgeschlagen werden. Moore stellte um Mittag seine Truppen in Schlachtordnung, und vereitelte durch seinen meisterhaften Anordnungen alle Versuche, welche die Franzosen abwechselnd, auf die Flügel und das Centrum richteten. Aber in dem Augenblick, wo er nach einer kurzen ermunternden Anrede an der Spitze des 42sten Regiments gegen den Feind vordrang, schmetterte ihn ein Kanonenkugel nieder. Er starb als Held mit der Beruhigung, gesiegt und das Heer vom Untergange gerettet zu haben.

Das dankbare Vaterland ehrte sein Andenken durch ein Denkmal in der Paulskirche. Ein anderes Denkmal errichtete ihm seine Vaterstadt Glasgow.


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1806]

[5]

Großbrittanien..

Am 13. Jun. . .

Am nämlichen Tage Nachmittags sind die Generals Sir John Moore, Fracier Scherbrook von Portsmouth nach Sicilien abgesegelt. Contre-Admiral Purvis geht auch mit der Fregatte Chiffonne dahin ab.



Lieut. Genl. Sir John Moore. K. B.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1809.
  2. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  3. Neue historische und geographische Gemählde oder Charakteristiken merkwürdiger Personen und Darstellungen wichtiger Begebenheiten unserer Zeit; nebst Schilderungen der durch die neuesten Schicksale ausgezeichneten, neu entdeckten oder näher untersuchten Länder und Völker. Bearbeitet von J. B. Schütz. Wien, 1811. Im Verlage bey Anton Doll.
  4. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  5. Wiener Zeitung. Nro. 54. Sonnabend, den 5. Julius 1806.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.