Philipp, Freyherr von Vukassovich.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Vukassovich, (Philipp Freyherr von) Feldmarschallieutenant, diente 1789 als Oberst eines Freykorps, an dessen Spitze er sich bey verschiedenen Gelegenheiten auszeichnete, gegen die Türken, ward als General 1796 und 97 in Italien angestellt, und zeigte daselbst eben so viele Thätigkeit als persönliche Tapferkeit. Nach dem er sich den 6. Aprill 1796 bey Melle, den 8. bey Voltri und den 15. bey Dego und Spigno hervorgethan hatte, warf er sich, auf Beaulieus Befehl, den 30 May, an dem Tage des Schlacht am Mincio, mit 5000 Mann in die Festung Mantua, übernahm die Vertheidigung dieses Platzes und lieferte unter dessen Mauern einige ziemlich lebhaften Gefechte, namentlich den 6, 16, 17, 18. und 29. July. Als sich endlich Wurmser am 15. September selbst in diese Festung einschloß, unterstützte Vukassovich seine Anstrengungen mit aller Lebhaftigkeit, bis sich endlich der alte General genöthigt sah, zu kapituliren. In den folgenden Feldzügen fuhr er fort, in derselben Gegend zu dienen. Den 30. October 1805 focht er in der Schlacht bey Caldiero mit. Auch im Feldzuge von 1809 kämpfte er mit; wurde aber in der Schlacht von Deutschwagram am 6. July tödlich verwundet und starb ein Monat darauf in Wien. Er war Ritter des Maria Theresienordens, des russischen Annenordens und Inhaber eines kaiserlichen Infanterieregiments.


Philipp Baron von Vukassovich, österreichischer Feldmarschall-Lieutenant.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]
Philipp Freyherr von Vukassovich, Ritter des kaiserlich Oesterreichischen Marien Theresien- und Großkreuz des Russisch kaiserlichen St. Annen-Ordens, kaiserlich Oesterreichischer Kämmerer, Generalfeldmarschall-Lieutenant und Inhaber des im Jahre 1798 errichteten Ungarischen Infanterieregiments Nro. 48, wurde im Jahre 1754 in Dalmatien geboren. Sein Vater, ein ausgetretener Lieutenant, hatte ihm einen Platz im Kadetenstifte zu Wien verschafft. Wie ausgezeichnet sein Betragen, seine Fortschritte waren, davon zeugt ein Ereigniß, welches schon die Jugendjahre des entschlossenen Helden merkwürdig macht, und zugleich einen schönen Beweis jener Grösse und Güte liefert, welche die späteste Nachwelt an der Kaiserin Maria Theresia dankbar bewundern muß.

Als nämlich die Monarchin einst das genannte Kadetenstift besuchte, und sich erkundigte, "welcher unter ihren lieben Söhnen," so nannte sie die Zöglinge, "sich am Besten benehme?" so antwortete der Director: "Euer Majestät, sie betragen sich alle wohl, der junge Vukassovich aber am männlichsten." Jeder der verschiedenen Lehrer an dieser trefflichen Bildungsanstalt bestätigte das günstige Urtheil des Directors auf das Vollkommenste. "Wie," rief nun die angenehm überraschte Monarchin aus, "das alles leistet dieser junge, schöne Dalmatier? Apropos," setzte sie hinzu, "ich möchte Ihn fechten sehen; nehm' Er einmal das Rapier!" -- In so bescheidener Demuth er bisher vor der Kaiserin stand, so majestätisch ward jetzt sein Antlitz und seine Haltung; er griff das Rapier, und trug beynah über alle Uebrigen den Sieg davon. Die Monarchin belohnte seine Geschicklichkeit durch ein Geschenk von 12 Dukaten.

Nach dem Verlaufe von 14 Tagen erschien sie wieder. Auf ihre Aufforderung trat er hervor, aber er zeigte Niedergeschlagenheit, und bebte sichtbar. Lächelnd sagte die Kaiserin: "Hat Er etwa das Geld verspielt, oder wo hat Ers?" -- "Ich habe es meinem armen Vater geschickt." antwortete bescheiden der Jüngling. Auf das nähere Befragen der Kaiserin erklärte er ihr die traurige Lage seines Vaters, der damals gehaltlos und sehr kummervoll in Dalmatien lebte, und zeigte ihr an, er habe ihm das erhaltene Gold zur Unterstützung gesendet. "Edler Knabe," sagte hierauf die gerührte Landesmutter, "nehm' Er Dinte, Feder, Papier, und schreib' Er: -- -- Liebster Herr Vater! Den Brief, den ich Ihnen hier schreibe, dictirt mir die Kaiserin. Meine Aufführung, mein Fleiß und besonders meine kindliche Liebe gegen den armen Vater, haben die Landesfürstin so wohl gefallen, daß der Herr Vater von dieser Stunde an eine jährliche Pension von 200 Gulden bekommen wird, und ich so eben wieder ein Geschenk von 24 Dukaten erhalte."

Welche Antriebe zur möglich größten Vervollkommnung die sorgsame und zarte Güte der Monarchin in dem ohnehin so thätigen Vukassovich erwecken mußte, bedarf keiner nähern Auseinandersetzung. Nach vollendeten Bildungsjahren trat er als Unterlieutenant in die Reihen der Vertheidiger der Oesterreichischen Staaten, die obgleich aus verschiedenen Nationen zusammengesetzt, dennoch aus Liebe für ihre Monarchin und deren Mitregenten Joseph II. in festbegründeter Einheit den Wink zum Kampfe erwarteten. Dieser wurde am Schlusse des Jahres 1777 gegeben, worauf mit Preußen ein achtzehnhalbmonatlicher Krieg begann, welcher nach dem Tode des Bayer'schen Kurfürsten Maximilian dem Hause Oesterreich den Besitz seiner Staaten schaffen sollte. Wenn gleich dieser Krieg, wo ein Friedrich II. zum Rückzuge aus Böhmen veranlaßt wurde, ohne daß man eine entscheidende Schlacht angenommen hatte, keine häufigen Gelegenheiten zur Auszeichnung anbot, so machte doch Vukassovich seine heranreifenden, vorzüglichen Eigenschaften bemerklich.

Mit einem kleinen Commando, zusammengesetzt aus Kroaten, Oesterreichischen Feldjägern und Husaren vom Regimente Esterhazy, zeichnete er sich in Schlesien aus. Am ersten November desselben Jahres schlug er mit 75 Mann 200 Preußen im Angesicht einer grössern Truppenmacht derselben bey Weidenau zurück, und dreyzehn Tage nach diesem Gefechte wußte er mit 30 Kroaten sich durch 240 Gegner die Bahne zu brechen, obgleich er von ihnen schon umrungen war. Auf eine halbe Meile weit verfolgt, zog er sich doch ohne Verlust auch nur eines einzigen Mannes zurück, eine Thatsache, welche in der Folge durch das Zeugniß eines Preussischen Stabsofficiers selbst, des Oberstlieutenants Scholken, bestätigt wurde. Eine Zeitlänge hierauf wurde ihm das Commando von Ziegenhals anvertraut. Obgleich seine Streitkräfte sich nur auf 120 Mann beliefen, und er eine ganze Meile von den äussersten Vorposten der Oesterreichischen Armee entfernt stand, so brachte er es dennoch dahin, daß er den Ort einen ganzen Monat lang dem Feinde unzugänglich machte. Wie schonend und gefällig er sich gegen die Bewohner von Ziegenhals benahm, dieß beweisen die Briefe derselben, in welchen sie ihm, auch nach seinem Abzuge, die lebhaftesten Gefühle den Achtung und Liebe zu erkennen gaben.

Die Donner des Krieges verhallten, Maria Theresia, vielleicht die edelste und mildeste der Frauen, die vom Throne herab auf das Schicksal der Menschen Einfluß nahmen, sie, welche seine Eigenschaften mit einem besonderen Wohlgefallen erkannt hatte, ging dahin, um ihren Sohn Joseph, dem Schöpfer eines anderen Geistes der Zeit, dem nachgeahmten Vorbild der größten Regenten, in Einheit des Willens wirken zu lassen. Diese Ursachen vereinten sich, um die Vorrückung Vukassovichs zum Oberlieutenant, Kapitänlieutenant, Hauptmann, bis nach mehreren Jahren zu verzögern.

Indeß bereitete sich ein Ereigniß vor, das späterhin von anderen Händen geleitet, in der Absicht grösser, als in den Folgen war. Eingedenk der alten Schmach, daß die Türken, herwärts gedrängt von den Grenzen von China, das von Römischen Kaisern geschaffene Reich der Griechen zerstört hatten; eingedenk, daß sie die Krone Ungarns mancher ihrer schönsten Edelsteine beraubt, daß sie es zweymal versucht hatten, durch die Eroberung Wiens die Unterwerfung der ganzen cultivirten Welt vorzubereiten; überzeugt endlich, daß bloß ein Zurückbleiben der Ausbildung ihrer Staatskräfte und der fortwährende Widerstreit derselben die hohe Pforte zu einem ruhigeren Betragen bestimmt hatte: beschlossen Kaiser Joseph II. und Katharina von Rußland, die ohnehin beschränkte Zahl der Osmanen endlich über den Hellespont zurück zu weisen.

Schon hatte Katharina die Stimme von 300,000 Griechen gehört, welche in ihrer unterdrückten Lage um Rettung flehten, und Kaiser Joseph jene vielfachen Vorkehrungen getroffen, welche einem Kriege vorausgehen müssen, dessen Zweck eine neue Gestaltung der Dinge ist. Hierunter gehörte allerdings eine Sendung des noch jungen Vukassovich nach Czerna Gora, gewöhnlich Montenegro genannt *), welcher über dieses Land so wie über einen Theil von Albanien genaue Charten entwarf, und noch andere wichtige Angelegenheiten besorgte. Seine genaue Kenntniß jener Gegenden, so wie die ausgebreiteten Verbindungen, welche er sich in denselben verschafft hatte, veranlaßten, daß bey Ausbruch des Türkenkrieges im Jahre 1788 Vukassovich, damals Hauptmann im Liccaner Grenzregimente, (dem nämlichen, worin Loudon seine Heldenlaufbahn begonnen hatte) mit 200 Liccanern, nach Montenegro gesendet wurde, um im Namen Kaiser Joseph des II. mit den Völkern von Montenegro, Bosnien und Herzegowina, dann mit dem Pascha von Skutari in militärische Verbindung zu treten; eine Absicht, zu deren näherer Beförderung man ihm noch den Hauptmann Bernet mit einer ähnlichen Anzahl von Ottochanern beygab. Schon hatte der Vladika oder Bischof Peter Petrowitsch, der sich die Obergewalt in Montenegro zu verschaffen wußte, dem kaiserlich österreichischen Hofe angeboten, sich mit allen Bewohnern seines Landes unter dessen Schutz zu begeben; Vukassovich wurde daher mit offenen Armen empfangen, und er begann Werbungen, die einen guten Fortgang hatten. Sein Ehrfurcht gebietendes Aeussere und sein mildes Betragen schienen die Herzen der Montenegriner immer mehr an das Interesse des k. k. Oesterreichischen Hofes zu fesseln. Dieser letztere sendete den tapfern Bergbewohnern Mund- und Kriegsvorräthe, und obgleich die Pforte grosse Geldsummen aufwandte, um den neuen Bund zu vernichten, so gelang es dennoch der Klugheit des Hauptmann Vukassovich, die Montenegriner jene Habsucht vergessen zu machen, die man ihnen zur Last legte.

*) Man sehe unsere, im Jahre 1809 im Verlage dieses Werkes erschienenen Länder- und Völkergemälde, zweytes Bändchen, Seite 25. u. f.


Eben damals macht Mahmud, Pascha von Scutari Miene, gleich so vielen anderen ihre Stärke fühlenden Paschen, sich von der Pforte gänzlich loszusagen, und mit ganzer Macht der Sache der Oesterreicher beyzutreten. Diese Erklärungen bewirkten, daß Herr von Brognard, Official des Departements des auswärtigen Geschäft und Sohn des vormaligen Internuntius an der Ottomanischen Pforte, mit ihm in Unterhandlung trat, worauf die Summe von 150,000 Dukaten an Hauptmann Vukassovich nach Montenegro zu Brognards Disposition gesendet wurde. Durch heuchlerische Freundschaftsbetheuerungen brachte es Mahmud Pascha dahin, daß Brognard und seine Gefährten nicht säumten, die Gelder bey dem Hauptmann Vukassovich zu beheben und dem Pascha zu überbringen; allein auf ihrer Rückreise von Skutari wurden sie auf die tückische Veranstaltung des Pascha gemeuchelmordet, und ihre Köpfe nach Constantinopel geschickt. Hauptmann Bernet, der Gefährte unseres Vukassovich, war mit unter diesen Opfern.

Doch Mahmud beschränkte sich auf diese Treulosigkeit nicht. Gegen die Zusicherung einer Belohnung von 3,000 Dukaten verlangte er noch von den Montenegrinern die Auslieferung des Hauptmanns Vukassovich, und als dieß Begehren abgelehnt wurde, so drohte er zur Strafe mit einem Ueberfalle.

Diesem zuvorzukommen und den Pascha in Albanien selbst anzugreifen, schien dem Hauptmann Vukassovich in dieser neuen Lage das räthlichste Verfahren zu seyn. Unbemerkt marschirte er im Julius mit seinen Truppen von seinem Standorte Cetinie über Berge und durch Wälder gegen Spux in Albanien. Er entwaffnete diesen Ort: doch würde der Sieg weit glänzender und wirksamer gewesen seyn, hätten nicht die sonst so kriegerischen Montenegriner ihn nur mit Lauheit unterstützt. Bey Sabgliak ließ er einen Thurm in Brand stecken, worin mehrere dahin geflüchtete Türkische Einwohner erlagen; dann kam es zwischen diesem Orte und Spux zu einem Treffen, in welchem Vukassovich einen mehrfach überlegenen Feind vor sich hatte. Seine reguläre Mannschaft eröffnete den Kampf mit eben so vielem Muth als Erfolg, und dieß Beyspiel entflammte nun auch die Montenegriner zu einem wüthenden Anfalle auf die Türken. Nach einem hartnäckigen Gefechte von mehreren Stunden entflohen diese mit Hinterlassung von 500 Todten, während die Oesterreichische Partey nur 47 Todte und Verwundete zu bedauern hatte.

Vukassovich beschloß nunmehr, Skutari selbst zu bedrohen. Er detaschirte den Lieutenant Ortevich mit 30 Liccanern und einem leichten Feldstück dahin. Schon entflohen die Bewohner der Stadt, und der Offizier würde sich derselben bemeistert haben, hätte ihn nicht seine Besonnenheit und Umsicht bemerken lassen, daß die Montenegriner sich mit verrätherischen Absichten trugen. Kaum hatte er sich deßhalb auf eine sanfte Anhöhe gezogen, so sah er einen Schwarm derselben in einer Richtung herbeykommen, welche nur allzugewiß eine treulose Absicht verkündigte. Sogleich ließ er einige Montenegriner auffangen, und diese fügten sich in das Geständniß, daß sie den Skutarinern zur Hilfe gegen ihn gekommen wären. Diese Nachricht ließ dem Lieutenant nichts übrig, als sich auf die Stellung seines Hauptmannes zurückzuziehen. Vereint stürmten nun beyde Spux, wohin sich die Türken und Albanesen in grosser Anzahl geworfen hatten. Sie drangen ein, und ließen eine Menge ihrer Gegner über die Klinge springen. Hierunter war der Bruder des Pascha von Skutari, welcher letztere indeß mit einer Wunde am Arme und dem Verlust seines Turbans davon kam.

Diese Unternehmungen des Hauptmanns Vukassovich verbreiteten in ganz Albanien einen panischen Schrecken, und ungeachtet der geringen Anzahl der Seinigen würde er auch ohne Mitwirkung der Montenegriner einen großen Theil des Landes bezähmt haben, wären diese nur wenigstens neutral geblieben. Was von ihnen zu erwarten, was zu befürchten sey, wollte der Hauptmann nicht lange in Ungewißheit bleiben, indem ein blosses beobachtendes Zögern nur die Minute des gewissen Verderbens beschleunigen konnte. Rasch wandte er sich also wieder gegen Sabgliak. Er zeigte sich bey den Montenegrinern kein feuriges Mitwirken, doch wurde der Feind zweymal zurückgeschlagen und der Ort in die Asche gelegt. Als aber Vukassovich denn dritten Angriff vornehmen ließ, der den Feind gänzlich vernichten sollte, so mußte er nicht nur sehen, daß die Montenegriner ganz unthätig waren, sondern auch, daß der größte Theil derselben die Flucht ergriff, um ihn mit seinen wenigen Getreuen allein der furchtbaren Uebermacht Preis zu geben.

Auf einen solchen Bruch der dem Kaiser so heilig geschwornen Treue war der äusserst betroffene Held denn doch nicht gefaßt. Bisher glänzender Sieger und nun so plötzlich gleichsam in die Hände blutgieriger Feinde gespielt, beschloß Vukassovich Schritt vor Schritt kämpfend den Rückzug nach seinen Verschanzungen bey Cetinie zu versuchen. Aber wie schnell verschwand auch diese Hoffnung, als er sogar jenen Wald, durch welchen er unbemerkt nach Albanien gekommen war, durch jene Montenegriner abgebrannt sah, die ihn geflissentlich verlassen hatten. Ohne Zweifel würde Vukassovich seine Heldenlaufbahne schon itzt haben beschliessen müssen, und all' die Seinigen wären mit ihm als rettungslose Opfer erbitterter Barbaren gefallen; hätte er nicht einen Wegweiser gefunden der ihn auf wenig bekannten Pfaden nach Cetinie zurückführte. Während dieses Rückzuges bot der vorsichtige Anführer alles auf, was durch Verschanzungen, Verhaue oder Zerstörungen einen Feind hindanhalten konnte, der bald in raschem Andrang, bald in scheinbarer Flucht tödtend, in der Verfolgung so gefährlich ist. Auf diesem Rückzuge blieben an Liccanern nur zwey, an Montenegrinern und Albanischen Ueberläufern aber 70 Mann, wozu 117 Verwundete kamen; die Türken und Albanier dagegen mußten für ihren Versuch, die bedrängten Helden zu vernichten, mit dem Verlust von mehr als 1500 Todten und Verwundeten büssen. Um sich für diesen Verlust zu rächen, erschien der Pascha von Skutari am 10. August vor den Verschanzungen von Cetinie; allein nach einer neuen Einbusse von 500 Todten und Blessirten wagte er es nicht, den Hauptmann Vukassovich weiter zu behelligen. Dieser letztere war von seinem Kaiser zum Major befördert.

Nun hatte Vukassovich in Cetinie zwar einen Ort der Ruhe, nicht aber auch der Sicherheit gefunden. Der Vladika Petrowitsch blieb, wie es auch sein späteres Benehmen bewies, in der That der Oesterreichisch-Russischen Sache ergeben, aber seine Landsleute trugen neben der Maske der Freundschaft unaufhörlich Gift und Dolch bey sich. Der wüthendste Golddurst auf der einen Seite und die unbedenklichste Mordlust auf der anderen, trieben die Montenegriner öfters an, gegen den Preis von 4 Dukaten einem der kaiserlichen Officiere nach dem Leben zu trachten, doch wenn dieser dem gemiethethen Mörder einen halben Dukaten mehr bot, so war er nicht blos gesichert, sondern auf Begehren auch derjenige verloren, der ihn zuerst gedungen hatte. Vukassovich so sich genöthigt, seine kleine Zahl k. k. Soldaten Tag und Nacht unter den Waffen stehen zu lassen; kein Mann durfte sich entfernen. Doch auf diese Sicherheitsmaßregel allein wollte Vukassovich nicht vertrauen. Bey der Beschränktheit der Zahl der Individuen, die ihm zu Gebote standen, wünschte er durch ein besonderes hohes Maaß von kriegerischen Eigenschaften derselben zu emponiren. Die physische Kraft der Bewohner von Czerna Gora, genährt durch lobenswerthe Enthaltsamkeit, bewog sie auf ihre Stärke zu Ringen, ihr später Gebrauch der Schießgewehre, auf ihre Geschicklichkeit im Scheibenschiessen zu pochen. Um ihnen nun in Hinsicht auf diese beyden Fertigkeiten, bey aller hohen Meinung von sich selbst, den Gedanken geläufig zu machen, daß seine Soldaten ihnen hierin bey Weitem überlegen seyen, wählte denn Vukassovich zum Ringen mit den Montenegrinern unter seinen Liccanern die kraftvollsten Streiter, von welchen die meisten ihre Gegner mit einer so nachdrücklichen Zärtlichkeit umarmten, daß ihnen das Blut zum Munde heraus sprudelte. In Hinsicht auf das Scheibenschiessen versammelte er seine Liccaner, worunter 30 vortreffliche Schützen, um sich, und von diesen letzteren rief er Einen nach dem Andern auf eine so unmerkliche Weise, als ob er gar nicht gewählt hätte, zum Schiessen auf. Die umstehenden Montenegriner erstaunten; von ihm aufgefordert, zeigten sie ebenfalls ihre Kunst, gestanden aber gerne, daß sie auch hierin weit hinter den Liccanern zurück seyen. Solche Maßregeln waren ganz gewiß die zweckmässigsten Kunstgriffen, um eine ungeheure Ueberzahl in den Schranken und Achtung zu erhalten, und allerdings hatten die ersten Erschütterer der neuen Welt, die gegen die ungleichen Waffen der Nationen im Kindesalter fochten, die für Kinder der Sonne, für Zauberer, für Centauren gehalten wurden, in der That weit weniger List bewiesen.

Doch es ereignete sich noch öfter der Fall, wo weder das Studium der Kriegswissenschaft, in der Vukassovich so sehr fortschritt, noch seine persönliche Tapferkeit, sondern die Anwendung einer auf geläufige Menschenkenntniß beruhender Kriegslist einzig hinreichen konnte. Ein eingetretener Mangel an Wasser machte es einst nöthig, dasselbe aus einer Quelle zu holen, die ungefähr eine Meile entfernt war. Das gerechtfertigte Mißtrauen gegen die Montenegriner erlaubte nun nicht, weder einer ganzen Abtheilung der so geringzähligen Mannschaft zu entbehren, noch auch Einzelne an einen so entfernten Punct zu beordern. Aus diesen Rücksichten mußte der Feldpater Kermpotitsch die Liccaner auffordern, daß sie laut schrieen, der Hauptmann solle sie zur Quelle gehen lassen. Diese scheinbare Empörung gab Gelegenheit, daß Vukassovich mit seiner ganzen Mannschaft sich dahin begeben, und folglich ohne Verletzung des militärischen Decorums sich und die Seinigen durch die vereinte Kraft hinreichend sichern konnte, ohne an trinkbarem Wasser Mangel zu leiden. -- Bey einer anderen Gelegenheit gab eine sehr überlegene Anzahl Monten griner durch ihre Bewegungen deutlich genug zu erkennen, daß sie ihn anzugreifen gedenke. Vukassovich machte Halt, und rief ihnen zu: "Wagt es nicht! Ihr kennt den Muth und die Furchtbarkeit meiner Leute: Keiner von Euch würde Pardon erhalten!" Und weil auf die Habsucht dieser Menschen wohl noch mehr als auf den Eindruck dieser Worte zu rechnen war: so warf er ihnen zugleich von ferne einen Beutel mit Dukaten hin. Statt dieselben ruhig unter sich zu theilen fielen die Montenegriner selbst über einander her; Vukassovich fand aber nicht für nöthig die endliche Wiederherstellung ihrer Eintracht abzuwarten, sondern er zog sich ruhig zurück.

So fuhren die Montenegriner fort, ein mehr als unzweydeutiges Benehmen zu beobachten; sie benachrichtigten den Bassa von Skutari von der ganzen Lage des Hauptmanns, und wollten auch diesen glauben machen, daß sie auf sein Bestes bedacht wären, um dann auf beyden Seiten in Trüben zu fischen. Ihre Forderungen von Geschenken, Lebensmitteln und Munition waren unausgesetzt, und hatten sie etwas erhalten, so wußten sie am nächsten Morgen schon nichts mehr davon. Da nun Vukassovich einsah, daß ein fortgesetzter Gebrauch der erhaltenen gastfreundschaftlichen Aufnahme nur schwere Summen Goldes erfordern, ihn selbst und seine Getreuen aber noch längerer oder kürzerer Zeit, der Willkühr rücksichtsloser Barbaren ausliefern würde, so beschloß er, diese Gegenden, und zwar auf eine Art zu verlassen, die mit keinem Menschenverluste verbunden wäre. Er wartete zu diesem Ende einem Festtag ab, welcher den größten Theil der Montenegriner entfernen mußte, und als derselbe wirklich eingetreten war, blieben nur 60 dieser Menschen zurück, um seine Schritte zu beobachten. Mit unerwarteter Schnelligkeit ließ er diese Auflaurer insgesammt binden, und befahl ihnen, ihm den Weg nach Cattaro zu zeigen, unter der Androhung, sie im Weigerungsfalle in Stücke hauen zu lassen. Schon hatte er sich mit seiner Mannschaft und diesen gebundenen Führern eine Tagreise weit entfernt, als ein zweymal stärkerer Haufen Montenegriner ihn erreichte. Vukassovich hatte seinen Entschluß schon früher gefaßt; er stellte seine gebundenen Montenegriner in Fronte und als Brustwehr seiner Mannschaft den nachsetzenden entgegen, so gelang es, daß diese, um nicht ihre eigenen Brüder zu erschiessen, ihn ungehindert ziehen liessen. Als er das damalige republikanisch venetianische Gebiet betreten hatte, ließ er seine Wegweiser von ihren Banden befreyen, und nach Hause ziehen; er selbst begab sich mit seiner 380 Köpfe starken Mannschaft, welcher der ganze Rückzug nicht einen Tropfen Blut kostete, mit den ihm anvertrauten sehr beträchtlichen Geldsummen und Kriegsgeräthen nach Cattaro. Hier fand er sich von dem dort commandirenden Venetianischen General auf gefällige Weise aufgenommen, und am Ende des Monats September traf er, durch kaiserliche Schiffe abgeholt, in Zengg ein.

Eine so meisterhafte Behauptung in feindselig gestimmten Gegenden, diese wiederholten höchst gefährlichen und doch so gelungenen Rückzüge werden ihre Merkwürdigkeit nach lange behaupten, und besonders dann eine eigenthümliche Wichtigkeit erhalten, wenn der Gott der Schlachten auf seinen verschiedenartigen Wanderungen einst wieder jene Bezirke besuchen wird; auch muß es unverkennbar bleiben, daß jene Unternehmungen, würden sie zeitlich genug unterstützt worden seyn, den gefährlichsten Flankenangriff auf das ganze Gebieth der Europäischen Türkey vorbereitet hätten. Kaiser Joseph II. hielt zu Semlin ein Marien Theresiens Ordenscapitel, und verlieh dem Major von Vukassovich das kleine Kreuz dieses in den Oesterreichischen Armeen mit Recht so hoch geschätzten Ordens. Auf diese Belohnung beschränkte si h indeß der große Monarch nicht; er ernannte den nunmehrigen Ritter auch zum Freyherrn und Oberstlieutenant, und, überzeugt von dessen ausgezeichneten Talenten zum kleinen Krieg, -- der übrigens in den neuesten Zeiten nach all seinen Eigenthümlichkeiten zum grossen Kriege erhoben wurde -- ertheilte er ihm auch die Bewilligung, ein Freycorps von 12 Compagnien und 4 Escadrons zu errichten, dessen Werbplätze zu Licea, Triest, Fiume, Zengg und Carlopago waren. -- Von diesem Zeitpunkt an wirkte er im Kriege gegen die Türken bey dem Kroatischen Armeecorps, erst unter dem Oberbefehle Loudon's, dann unter jenem von Devins mit, welcher letztere sein längerer Zeit seine großen Fähigkeiten erkannte und anrühmte. --

Während des Französischen Krieges wurde er im Jahre 1794 zu seinen Liccanern als Oberst zurück versetzt. In diesem Kriege war der Schauplatz seiner Thaten immerdar nach Italien verlegt, wo Baron Devins, hierauf Graf Wallis, und dann, im Jahr 1796, Beaulieu den Oberbefehl führten.

Der letztere, so thatenreiche Feldzug, in welchem der gegenwärtige Lenker der Schicksale des Continents, Napoleon, zuerst an der Spitze einer Armee auftrat, wurde durch mehrere, glänzende Thaten Vukassovich's bezeichnet.

Als General Bonaparte den Entschluß gefaßt hatte, Beaulieus Corps in die rechte Flanke und in den Rücken zu nehmen; so gab Beaulieu, durch dieses kühne Manövre überrascht, dem Obersten Vukassovich den Auftrag mit dem ihm untergeordneten 6000 Mann dem bedrängten Feldmarschallieutenant Argenteau bey Dego zu Hilfe zu ziehen und den Franzosen in die Flanke zu fallen. Um einen so höchst wichtigen, auf das Schicksal von ganz Italien einflußreichen Auftrag zu erfüllen, eilte der Oberste in großer Schnelligkeit dahin, mit dem ersten Morgenschimmer langte er am 15. Aprill 1796 bey Dego an, fand aber, da die Schlacht schon vorüber war, keine Oesterreicher mehr. Sogleich beschloß er den Siegestaumel des Feindes zu benützen, und einer nach Spigno vorgerückten Colonne desselben nachzufolgen. Er erreichte sie, trieb sie mit heftigem Ungestüm über Dego zurück, eroberte die am vorigen Tage dem Generalen Argenteau abgenommenen Kanonen, und machte 500 Gefangene.

Er verbreitete solchen Schrecken, daß auf dem rechten Flügel der Franzosen unter Massena, und selbst in Obergeneral Bonaparte's Hauptquartier zu Carcare, lärmend der Generalmarsch geschlagen wurde. Massena sammelte seine verschiedenen Truppen zu einem dreymaligen wüthenden Angriffe, aber unerschütterlich warf Vukassovich Alles vor sich nieder. Hätte noch bis 3 Uhr ein Hilfskorps anlangen können,so wären aller Lorbeern, welche die Franzosen am vorigen Tage gesammelt hatten, ihnen wieder entrissen worden. Allein der Oberst ununterstützt, mußte alle errungenen Trophäen zurücklassen, um ein mit Todten weit umher besäetes Schlachtfeld mit Sicherheit verlassen zu können. Die Verfolgung seines kleinen Heerhaufens war unwirksam: glücklich langte er zu Acqui an, und vereinigte sich mit Argenteaus dahin zurückgegangenen Truppen.

Bey Mantua's erster Belagerung, die im Julius 1796 erfolgte, commandirte er die zwey, ruhmvollen Ausfällen vom 6ten und 16ten desselben Monats, wobey er dem Feinde einen Verlust von 1500 Mann beybrachte. Seine Wachsamkeit vereitelte den Erfolg der vom damaligen Generalen Murat gemeinschaftlich mit Andreossy versuchten Ueberrumpelung. Nachdem Wurmser Mantua entsetzt hatte, verließ Vukassovich diese Festung, und zog sich nach Tyrol, wo er zum Generalmajor erhoben wurde, und unter dem Feldmarschall-Lieutenant von Davidovich im Fleimser Thale den linker Flügel befehligte. Hier erwarb er sich das grosse Verdienst, die Tyroler Landesvertheidiger mehr und mehr durch den kleinen Krieg zu brauchbaren Werkzeugen für grössere Treffen zu bilden; auch errang er verschiedene Vortheile über den ihm gegenüber stehenden General Gujeux.

Als General Davidovich den Befehlt erhielt, durch Tyrol vorzudringen, um sich mit dem aus Friaul nach Italien vordringenden Baron Alvinzy' zu vereinigen, warf sich Vukassovich mit der Avantgarde auf Vaubois, nahm ihm das Bergschloß Segonzano ab, verfolgte ihn bis in sein Lager bey Sevignano gegen Trient hin, und nach einem sehr lebhaften Gefechte vertrieb er ihn selbst aus diesem. So bewirkte der nunmehrige Generalmajor Baron von Vukassovich, daß Vaubois von der Hauptmacht des Feldmarschall-Lieutenants Davidovich eingeholt, auf mehreren Puncten angegriffen, und mit Umgehung bedroht werden konnte.

Um sich am linken Etschufer Bahne zu brechen, versuchte Vukassovich, die furchtbare Stellung des Feindes im Engpasse von Cagliano zu überwältigen. In diesem ende richtete er seine Angriffe auf die Felsenburgen Beseno und Castell Pietra, berühmt durch einen Sieg, den die Tyroler im Jahre 1487 über die Venetianer unter dem tapferen Robert Senseverino erfochten. Obgleich die Franzosen den verzweifeltesten Widerstand leisteten, und gegen die Kroaten sogar zum siedenden Wasser ihre Zuflucht nahmen: so entriß dennoch Vukassovich -- nach erhaltener Verstärkung -- ihnen beyde Forts, erfüllte die Feinde mit einem panischen Schrecken, der sie in wilder Eile unter Verlust von fünf Kanonen und 1000 Gefangenen aus dem so wichtigen Passe von Cagliano hinausjagte. Unaufhaltsam drang Vukassovich bis Rivoli vor; er machte die Generale Vallete und Fiorella mit ihren Corps zu Gefangenen. Schon sah die Division des Generals Vaubois, über Castelfranco zurückgedrängt, ihrem Untergange entgegen, als Bonaparte's Marsch mit der Hauptmacht nach der Bataille von Arcole das Corps des Generals Davidovich zum Rückzug nach Tyrol nöthigte.

Als Obergeneral Bonaparte im Jahre 1797 gegen das Erzherzogthum Niederösterreich vordrang, stellte sich Vukassovich in seinem Rücken bey Triest auf, und nahm mit einem Gemische eilig zusammengebrachter Mannschaft Geschütz und Kriegscassen weg, welche der französischen Armee in Italien nachfolgen wollten.

In dem glänzenden Feldzuge des Jahres 1799 rückte General Vukassovich am 8ten Aprill mit seiner Brigade aus Tyrol in das Gebiet von Brescia, und zwang, vereint mit dem Feldmarschall-Lieutenant Ott, die Stadt und das Castell von Brescia, letzteres am 20ten, sich zu ergeben, wodurch der Brigadechef Bouzet mit 1000 Mann, 40 Kanonen und 18 Mörsern in die Hände der Oesterreicher kam. -- Um die Französische Armee zu umgehen, ließ Feldmarschall Suwarow, der die Oesterreichisch-Russische Armee befehligte, den Generalen Vukassovich am 27sten Aprill bey Brivio über die Adda gehen. Vukassovich griff den linken Flügel der Armee Moreau's unter Serrurier an, trieb diesen Zurück, und eröffnete die Schlacht bey Pozzo. Indem er den Generalen Moreau zwang, Serrurier'n immer mehr zu unterstützen, so wie hinwieder auch er selbst durch andere Divisionen an Stärke gewann, so gelang es ihm, dem Feldmarschall Suwarow den Gewinn der Schlacht sehr wesentlich zu befördern. Gemeinschaftlich mit dem Fürsten von Rosenberg schnitt Vukassovich den Generalen Serrurier von seiner Armee ganz ab, und zwang ihn, bey Verderio zu capituliren. Diese neuen Verdiente erwarben dem Generalen von Vukassovich von Seite Rußlands den St. Annenorden und Kaiser Franz verlieh ihm das Infanterie-Regiment Nro. 48., welches so eben aus den vierten Bataillons der Regimenter Nadasdi, Samuel Gyulai und Jellachich zusammengesetzt wurde. Noch eroberte Vukassovich, als Befehlshaber der Avantgarde der Oesterreichisch-russischen Armee in Italien Rovara, Vercelli, Arona, Ivrea, das Castell von Bardo, Aosta und das Castell von Nerva.

Um den Generalen Moreau zum schleunigen Rückzug zu nöthigen, nahm er am 18ten May die Citadelle von Casale hinweg, den einzigen Punct, der den Rücken der Französischen Armee deckte. Am 27sten May erschien er vor den Thoren von Turin, welche ihm von den Bürgern selbst geöffnet wurden, und wo er 360 Stück schweres Geschütz, nebst 6000 Centner Pulver vorfand.

Hierauf eroberte er Cherasco, befreyte Ceva, und Mondovi, welche Plätze Moreau hatte belagern lassen, um seine Communication mit dem Küstenlande von Genua wieder herzustellen.

Die Wichtigkeit der Beorderung in die Flanke und den Rücken Moreau's beweiset, welches Zutrauen Feldmarschall Suwarow in Vukassovich setzte. Weil er der combinirten Armee allenthalben so glänzend die Bahne gebrochen, und zum günstigen Erfolge des Feldzugs so viel beygetragen hatte, so ernannte ihn sein Monarch noch in demselben Jahre zum Feldmarschall-Lieutenant.

Nach ruhmvollen Auszeichnungen des Feldmarschall-Lieutenants Baron Vukassovich in den darauf gefolgten Kriegen, sollte er in jenem von 1809 das Ziel seiner Tage finden. Er leitete in demselben eine Division des vom Feldzeugmeister und nachherigen Feldmarschall, Grafen von Kollowrath-Krakowsky commandirten Corps d'Armee, welches anfangs die Nro. 2, seit dem Rückmarsch aus Bayern aber die Nro. 3 führte. In dem Treffen, welches am 17ten May zwischen Gallneukirchen und Urfahr-Linz Statt hatte, nahm er am Hauptangriffe gegen die vom jetzigen Kronprinzen von Schweden commandirten Sachsen, und gegen die unter Vandamme stehenden Würtemberger Theil, während Feldmarschall-Lieutenant Sommariva dieselben umgehen sollte. In der Folge wurde er mit dem dritten Armeecorps nach dem Marschfelde berufen.

Als am 6ten Julius dieses Corps seinen rechten Flügel an Breitenlee lehnte, machte seine Division den linken desselben aus. Als die feindlichen Massen im Sturmschritte herbeyeilten, um zwischen dem dritten Armeecorps und dem Grenadiercorps durchzubrechen; zu diesem Ende auch ihn selbst angriffen, empfing er sie mit den kraftvollsten Widerstande, erhielt aber zugleich durch eine Kanonenkugel eine höchst gefährliche Wunde, gerieth in Gefangenschaft, und starb in selber am 9ten August 1809 zu Wien.

So wurde der Welt, und insonderheit dem Oesterreichischen Kaiserstaate ein Feldherr entrissen, der seine früh geäusserten, ausgezeichneten Fähigkeiten für den kleinern Krieg mit einem gründlichen Studium der strategischen Wissenschaften verband, und zeitlich genug von den alten Formen trennte, und vollkommen erkannte, auf welche Weise heut zu Tage als scharfsinniger Mathematiker, der mit seltenen theoretischen Einsichten, practisches Genie verband, hat Baron Vukassovich sich rühmlich ausgezeichnet.

Der Bau eines von der steilen Höhe des Wratnik nach Zengg bequem und sicher herabführenden Fahrweges gab ihm ein vollgiltiges Zeugniß seiner Einsichten in diesem Fache. Eine patriotische Gesellschaft -- bestehend aus den Fürsten Johann Lichtenstein, Dietrichstein, Niklas Esterhazy, den Grafen Aspremont-Baindt, Carl Batthyan, Lassis-Faradne, Johann Harrach, Anton Schaffgotsche, dem Baron Wimmer und dem Bischofe von Agram -- verdankte ihm die Anlegung einer Kunststrasse, die von Fiume nach Carlstadt in einer Strecke von 17 Meilen fortgeführt wurde, und über eine sonst ganz unwegsame Alpenkette fortläuft. Dieser Bau erwarb dem Baron von Vukassovich die Bewunderung aller Kenner, welche denselben den kühnsten und zugleich gelungensten Unternehmungen dieser Art einstimmig gleichsetzten.

Hierauf beschränken sich die Nachrichten, welche wir von diesem Feldherrn geben können, der als Mathematiker und Baukundiger zugleich in die Reihe der Gelehrten gehört. Sein Verlust wird dem Vaterlande, dem er mit größter Innigkeit ergeben war, lange fühlbar, sein Andenken aber noch länger theuer bleiben.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. Neue historische und geographische Gemählde oder Charakteristiken merkwürdiger Personen und Darstellungen wichtiger Begebenheiten unserer Zeit; nebst Schilderungen der durch die neuesten Schicksale ausgezeichneten, neu entdeckten oder näher untersuchten Länder und Völker. Bearbeitet von J. B. Schütz. Wien, 1811. Im Verlage bey Anton Doll.
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