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Königreich Portugal.Bearbeiten


Portugal,[1] war ehemals ein Theil von Spanien. Ausser den ersten Einwohnern haben sich die Phoenicier, und nachmals die Cathaginienser, daselbst festgesezt, welche leztere in dem Friedensschlusse, durch welchen der zweyte Punische Krieg geendiget worden, ihren Antheil von Spanien an die Römer überlassen mußten. Die Römer haben nach und nach das übrige vollends bezwungen, und bis ins fünfte Jahrhundert nach Christi Geburt ruhig besessen. In demselben aber sind verschiedene Deutsche Völker, Vandalen, Sneven, Alanen, dahin gezogen, und haben kleine Königreiche errichtet, welche hernach sämmtlich unter die Botmäsigkeit der Westgothen kamen. Als zu Anfang des achten Jahrhunderts die Saracenen dem Westgothischen Reiche ein Ende machten: so kam auch Portugal mit unter ihre Gewalt, und wurde hernach stückweise von den Christen wieder erobert.

Alphons VI König von Leon und Castilien, gab dasjenige, was durch die christlichen Waffen von dem heutigen Portugal nach und nach den Ungläubigen war entrissen worden, Heinrichen, einem gebohrnen Grafen von Burgund, unter dem Titel einer Grafschaft, im Jahr 1093 zur Mitgift, als er seine Tochter Theresia zur Vergeltung der ihm geleisteten Dienste, mit ihm vermählte. Anfänglich besaß er es als ein Lehn des Königreiche Leon, aber durch das Testament seines Schwiegervaters bekam er die völlige Souverainetät im J. 1110.

Alphons I dieses Heinrichs Sohn, nahm den Saracenen noch mehr ab, und machte, obgleich mit heftigem Widerspruche der Castilianer, die bisherige Grafschaft Portugal zu einem Königreiche. Sein Urenkel Alphons III vereinigte um das Jahr 1270 Algarbien mit Portugal, und endlich starb seine eheliche männliche Nachkommenschaft aus mit Ferdinand I im J. 1383. Johann der Bastard, Ferdinands Halbbruder, wurde darauf von den Ständen auf den Thron gesetz t, welchen er gegen die Ansprüche der Castilianer behauptete. Seine Nachkömmlinge wurden durch die in Afrika, Ost- und Westindien gemachten Entdeckungen und Eroberungen ungleich reicher und mächtiger, als ihre Vorfahren. Aber nach dem Tode Sebastians und Heinrichs des Cardinals, mit welchem lezt rn der männlich eheliche Stamm Johanns I im Jahr 1580 ausgieng, glückte es dem Könige von Spanien Philipp II Portugal mit Spanien zu vereinigen.

Diese Vereinigung war dem Königreich Portugal höchst na theilig. Schon unter Philipp II ( in Portugal war er der erste dieses Namens,) litte dessen Handlung einen gewaltigen Stoß. Unter seinen zwey Nachfolgern gleiches Namens, wurde die Noth immer größer. In b yden Indien, wie auch in Afrika, nahmen die vereinigten Niederlnder den Portugiesen viele ansehnliche Länder und Plätze weg; und zu Hause mußten sie die Tyranney der Spanier auf vielfache Weise empfinden. Endlich warfen sie im J. 1640 das bisherige Joch ab, und sezten Johann IV, aus dem Hause Braganza, auf ihren Thron, unter dessen Regierung zwar die Holländer, wieder aus Brasilien vertrieben wurden, hingegen in Ostindien fast alles verlohren gieng.

Sein Sohn und Nachfolger Alphons VI wurde der Regierung 1667 entsezt, und dieselbe dem Bruder Peter II übergeben. Dieser endigte den Krieg mit Spanien durch einen vortheilhaften Frieden im Jahr 1668, in welchem Spanien auf Portugal Verzicht that, und nahm nach Carls II Tode Antheil an dem Spanischen Erbschaftskriege, während dessen er starb. Sein Sohn und Nachfolger Johann V schloß mit Frankreich und Spanien Frieden, und führte eine sehr ruhige Regierung, in welcher ihm, nach seinem im Jahr 1750 erfolgtem Ableben, sei Sohn Joseph I folgte, welcher die Fehler, die in den leztern Jahren der vorigen Regierung begangen worden, wieder zu verbessern, und seine Unterthanen glücklicher zu machen suchte. Seine Regierung ist denkwürdig durch das schreckliche Erdbeben, 1775, durch die Hinrichtung vieler vornehmer Personen, die den König 1759 ermorden lassen wollten, und die darauf erfolgte Verbannung der Jesuiten aus Portugal, (in welchem Reiche sie, nach Errichtung ihres Ordens, am ersten aufgenommen worden waren) durch den Krieg mit Spanien, 1762 und durch die vielen von seinem Minister, dem Marquis von Pombal herrührenden neuen Anordnungen, der sein ganzes Vertrauen besaß, aber mehr Tadler als Lobredner g funden hat. Auf K. Joseph I folgte 1777 seine älteste Tochter, die Königin Maria Francisca, die bereits seit 1760 mit ihres Vaters Bruder, Don Pedro, vermählt war, und ihn nun zum Mitregenten annahm. Er starb im J. 1786. Die Königin hob viele unter der Regierung ihres Vaters gemachte Einrichtungen wieder auf, und sezte die Sachen meistens auf den Fuß, wie sie 1750 gewesen waren. Wegen offenbarer Geistesschwäche der Königin übernahm 1792 ihr Kronprinz Juan Maria Joseph (geb. 1767) die Regierung mit vielen Einschränkungen; da aber die Krankheit der Königin in wirklichen Wahnsinn ausartete, so erklärte er sich 1799 an allen Höfen als wirklichen unumschränkten Regenten, behielt auch das System seiner Mutter bey, welche sich bey dem allgemeinen Krieg gegen Frankreich 1793 für die Koalition, oder eigentlich für England erklärt hatte. Die wirkliche Theilnahme war unbedeutend, so wie die Drohungen Frankreichs mit einem Einfall vergeblich, von welcher Macht es sich endlich den Frieden erkaufte, nachdem es schon 1801 an Spanien durch den Frieden von Badajoz, die Stadt Olivenza mit einem kleinen Bezirk am linken Ufer der Guadiana abgetreten hatte.

Die Gränzen Portugals sind nicht vollkommen einerley mit den Gränzen des alten Lusitaniens, indem dieses mehr in die Breite, aber weniger in die Länge ausmachte; es reichte nur bis an den Duero. Portugal gränzt gegen Osten an das Spanische Estremadura und Leon, gegen Norden an Galicien, gegen Süden an Andalusien und die See, und gegen Westen an das Atlantische Meer. Die Größe des ganzen Landes läßt sich höchstens auf 1,740 ge. Quadratmeilen berechnen.

Es wird in zwey sehr ungleiche Haupttheile eingetheilt, nämlich das eigentliche Portugal, und das Königreich Algarbien. Jenes bestehet aus fünf Provinzen, Entre Miño y Douro, Tras los Montes, Beira, Estremadura und Alentejo.

Ausserhalb Europa gehören der Krone Portugal in Asien, Afrika und Amerika ansehnliche Länder, Inseln, Städte und Häfen: insbesondere Goa xc. in Ostindien, das große und reiche Brasilien in Amerika, und mehrere Striche an der Südwest- und Südostküste von Afrika. Auch sind die Azorischen und Capoverdischen Inseln, die diese Krone besizt, von Wichtigkeit.

Das Klima von Portugal ist warm, aber angenehm. Obgleich das Land viele Berge hat: so ist es dennoch sehr fruchtbar, und hat einen Ueberfluß an Salz, Wein, Oel, Holz, Citronen, Pommeranzen, Limonen, Maulbeerbäumen und Seide, Feigen und andern Früchten; aber in einigen Provinzen Mangel an Getreide, woran der Boden selbst nicht schuld ist. In den Gebirgen trift man schöne Marmorbrüche an. In Algarbien findet man Kupferminen, und in dem nördlichen Theile des Königreichs Silber- Zinn- Bley- und Eisenadern; welche aber nicht gebauet werden. Wichtiger noch sind die Produkte der ausländischen Provinzen, vorzüglich Brasiliens. Sie bestehen aus Diamanten, Gold, Farbhölzern, Zucker, Tabak, Cacao, Häuten, Elfenbein; aber ein größer Theil dieser Güter gehört schon den Engländern, ehe sie nach Portugal kommen. Sie haben in Brasilien die wichtigsten Faktoreyen, und auch die meisten Transportschiffe sind ihr Eigenthum unter fremden Namen.

Die heutigen Portugiesen sind durch falsche Regierungsgrundsätze und durch den Druck der Geistlichkeit von ihrem ehemaligen Unternehmungsgeiste sehr ausgeartet; sie lieben die Gemächlichkeit, und legen sich daher wenig auf den Ackerbau und Handarbeit. Die Handlung ist ihr Hauptwerk. Die Zahl der Einwohner in Portugal und Algarbien wird von einigen Schriftstelllern auf mehr als 3 Millionen angegeben, sie erreicht aber wohl schwerlich 2,500,000. Bey dem hohen Adel ist es gewöhnlich, daß man den jungen Herren so lange Maitressen giebt, bis sie heirathen; alsdann muß die Maitresse in ein Kloster. Die mit ihr erzeugten Kinder bleiben aber in dem Hause des Vaters, werden von der Stiefmutter erzogen, und können auch adeliche Güter erben, wenn die eigentliche Ehe unfruchtbar bleibt. Die Portugiesen hegen vielen Haß gegen die Spanier, mit denen sie gleichwohl in Ansehung der Sprache sehr übereinkommen. Doch bleibt immer der Unterschied zwischen der Spanischen und Portugiesischen Sprache so groß, daß man Bücher aus der einen in die andere übersezt.

Man behauptet, die christliche Religion sey schon im 1sten Jahrhundert durch Jakobus den größern nach Portugal verpflanzt worden; unter der Regierung der Saracenen blieben nur kleine Ueberbleibsel derselben. Nachdem das Land wieder von den Saracenen gereinigt war, und die christliche Religion von neuem aufblühete, so ward die Portugiesische Kirche, wie die übrigen abendländischen dem Stuhle zu Rom unterworfen. Er hat eine starke Stütze gegen Ungläubige und Ketzer jeder Art an den Inquisitionsgerichten zu Lissabon, Coimbra und Evora. Doch ist alle Strenge dieser Inquisitionsgerichte nicht im Stande, die heimlichen Juden aus Portugal auszurotten. Seitdem die Juden zur christlichen Religion gezwungen worden, machte man einen Unterschied zwischen Christam velho, Christam novo, und temparte de Christam novo, d. i. alten, neuen und halbneuen Christen. Aber dieser verhaßte Unterschied ward durch einen königlichen Befehl, 1773 abgeschaft. Das Oberhaupt der gesammten Portugiesischen zahlreichen Geistlichkeit ist seit dem Jahr 1728 der Patriarch zu Lissabon, unter welchem auch, ausser den Erzbischöfen, der Patriarch zu Goa und der Erzbischof zu Bahia de todos los Santos in Brasilien stehen. Der König hat das Recht, Bischöffe zu ernennen, welche der Pabst bestätigen muß, verschiedene geistliche Beneficien zu vergeben, und einen Candidaten zur Cardinalswürde vorzuschlagen. Obgleich die Gewalt des Pabstes unter K. Josephs Regierung eingeschränkt worden ist; so stellte sie doch seine Nachfolgerin meistens wieder her, und es werden nun, wie vormals, jährlich ansehnliche Geldsummen aus Portugal nach Rom gezogen; wie denn überhaupt die Geistlichkeit den dritten Theil der Einkünfte des Landes wegnimmt.

Die Gelehrsamkeit blühet in diesem Lande noch nicht. Es sind zwar Universitäten zu Coimbra und ehemals zu Evora; aber die Wissenschaften wurden schlecht auf denselben getrieben, und der Aberglaube stehet der mehreren Aufnahme derselben unaufhörlich entgegen; doch sind in den neuesten Zeiten wichtige Verbesserungen zu Coimbra getroffen worden, und der vornehmere Portugiese erhält seine Ausbildung durch fremde Bücher. Zu Lissabon ist vom Könige Johann V im Jahr 1721 eine besondere Academie zur Untersuchung der Landesgeschichte (Academia real da Historia Portuguesa) aufgerichtet worden; und König Joseph hat zu Tomar 1752 eine Academie der Wissenschaften, nach Art der Pariser, angelegt, und sich selbst zum Haupte und Beschützer derselben erkläret. Das 1787 errichtete Censurtribunal hat theils ältere inländische Bücher auflegen, theils französische Bücher nachdrucken oder übersetzen lassen, um Kenntnisse und Einsichten zu verbreiten. Es hat auch verordnet, daß alle Andachtsbücher, die gedruckt werden sollen, vorher durch genaue Revision von den abergläubischen Dingen, so sie meistens enthalten, müssen gereinigt werden. Ausserhalb Europa haben die Portugiesen eine Universität zu Goa.

Die Handlung ist die vornehmste Beschäftigung der Portugiesen. Der ganze Handel nach Brasilien gehet blos durch ihre Hände. Aus Afrika holen sie Gold, Elfenbein, Häute und schwarze Sclaven, und aus Macao die kostbaren chinesischen Waaren. Weil sie aber von den übrigen Europäern nicht allein ihr meistes Getreide, sondern auch viele Manufakturen nehmen müssen: so gehet das, was sie gewinnen, meistens wieder in die Hände der Fremden, besonders der Engländer, von denen jährlich allein mehr Schiffe nach Lissabon kommen, als von allen andern Nationen, die Portugiesische mit eingeschlossen, zusammen. Die Engländer führen nach Portugal Tücher, Zeuge und Wollenmanufakturen, gemahlte Leinwand, wollene und seidene Strümpfe, gewässerten Taffet, Silberarbeiten, Pendul- und Taschenuhren, Bley, Kupfer, Zinn, Kohlen Getreide, Mehl, Hülsenfrüchte, Zwieback, Faßdauben, Reife xc., und nehmen dagegen Wein, Oel, Häute, Salz, Früchte, Feigen, Mandeln, Pantoffelholz, Tabak und Zucker. Blos an Weinen wird jährlich 40,000 Pipen nach England verfahren.


Die Portugiesen haben 12 goldene, 7 silberne und 3 kupferne Münzen. Man rechnet nach Reis, einer erdichteten Münze, deren 24½ einen Ggr. machen.

Goldmünzen.
Ein fünf Moidorstück oder
Lisbonine -- -- -- 24,000 Reis.
Ein 2½ -- -- -- 12,000 --
Ein dopp. Johannes 12,800 -- Diese 3 Sorten sind verboten und von K. Johann V im Jahr 1732 neu ausgemünzt worden.
Ein Johannes6,400 Reis Davon giebt es ½, ¼ und ⅛ auch 1/16 Stücke, welche leztern alte Crusaden, alte Kronen heissen.
Ein Moeda de Ouro, 4,800 Reis. (d. i. Goldmünze, im vorzüglichen Verstand) Hievon giebt es ½ und ¼ Stücke.
Silbermünzen.
Ein Crusado novo, Neue Krone, 480 Reis, oder etwas über 21 gute Groschen. Hievon giebt es ½, ¼ und ⅛ Stücke.
Ein Tostaon -- -- -- 100 Reis. Davon giebt es ½ Stücke.
Ein Vinten, 20 Reis. Eine Brasilianische Münze, die man selten siehet.
Kupfermünzen.
Stücke von 10, 5 und 3 Reis, auch von 1½, welche leztern aber fast gar nicht gesehen werden.

Das große Münzhaus ist zu Lissabon, wohin alles Brasilische Gold geliefert werden muß. Die Brasilische Münze ist zu St. Salvador.

Der König Eduard machte die Verordnung, daß der erstgebohrne Prinz, der bis dahin, wie die übrigen königlichen Kinder, Infant genennt worden, den Titel eines Prinzen von Portugal führen sollte. Johann IV aber verwandelte denselben in den Titel eines Prinzen von Brasilien. Des Prinzen von Brasilien erster Sohn, oder, in Ermanglung der Söhne, die älteste Tochter führt den Titel von Beira. Die übrigen königlichen Kinder und Brüder werden Infanten genennt. Es giebt verschiedene Familien in Portugal, die man gewissermassen Prinzen von Geblüt nennen könnte; indem sie aus dem königliche Hause abstammen, und ein Recht zur Krone haben, nämlich die Herzoge von Cadaval, die Grafen von Galveas und Herzoge von Varaguas, aus dem Hause Ferreira de Mello, die Grafen von Vincioyro aus dem Hause Odemira, und die Grafen von Vimioso, aus dem Hause Braganza.

Obgleich die Regierungsform in Portugal monarchisch ist, so soll dennoch die königliche Gewalt ihre gewissen Schranken haben, indem die Stände, welche aus der Geistlichkeit, dem Adel, (welcher in den hohen und niedern eingetheilt wird, und wovon jener, nach Belieben des Königs, den Grafen- Marquisen- Herzogs-Titel bekommt, der aber nicht erblich ist,) und der Bürgerschaft bestehen, zu den Reichstägen berufen, und mit ihren Vorstellungen sollen gehört werden. Der Reichstag wird vier Wochen zuvor vom König ausgeschrieben. Insbesondere sollen ohne Einwilligung der Stände keine neuen Auflagen oder Erhöhungen der alten gemacht werden. Daß sie sich so gar einigemale das Recht angemasset haben, Könige abzusetzen, ist aus der Geschichte bekannt. Seit 1697 ist aber kein solcher Reichstag oder Corte gehalten worden, und der König regiert in der That unumschränkt. Dem Namen nach ist ein Rath der drey Stände vorhanden, dessen Glieder aber jezt der König ernennet. Unter K. Joseph wurde, durch den Minister Pombal, die königl. Gewalt aufs höchste getrieben, und ausdrücklich behauptet, daß jede Widerspenstigkeit gegen königliche Befehle und schon jede Widersezlichkeit gegen einen Sbirren, Beleidigung der Majestät sey.

Die Thronfolge in Portugal gründet sich auf die Lamegische Constitution, welche unter der Regierung Alphonsens I im Jahr 1181 auf dem Reichstage zu Lamego ist abgefaßt worden. Derselben zu Folge succediren die Söhne der Könige, wenn keine vorhanden sind, der älteste Bruder, und in dessen Ermanglung erst die Prinzessinnen, welche nicht an Fremde verheirathet sind; denn Fremde sind von der Thronfolge ausgeschlossen. Bey der noch lebenden Königin vereinigte man aber die Ansprüche des Bruders und der Tochter durch Verheirathung dieser nächsten Blutsfreunde.

Die Staatssachen wurden sonst von dem Staatsrathe besorgt; jezt aber wird er nicht mehr berufen; es werden auch keine neuen Staatsräthe gemacht. Die Gewalt liegt in den Händen der 4 Minister und Staatssecretaire: 1) der innern Angelegenheiten, 2) Finanzsecretair, 3) Kriegsminister, 4) über die Marine und Colonien. Sie beherrschen alles im Namen des Königs u. durch ihre Avisos (lettres de cachet).

Der Rath des Palastes (Desembargo do Paço) hat großen Rang aber kein Gewicht. Er schlägt blos dem König die Candidaten zu Obrigkeitlichen Stellen vor, macht Anzeige von Unterthanen, welche Belohnung oder Strafe verdienen, bestimmt in Processen, ob die Revision zulässig sey. Die Glieder sind geborne Räthe der Krone. Ihre Zahl bestund sonst aus 4; jezt ist sie die Zahl sehr vermehrt.

Die königl Verordnungen, das römische und päbstliche Recht sind die vornehmsten Gesetze, nach welchen in Portugal gesprochen wird. Das Königreich ist in 24 Provinzialgerichte (Comarcas) eingetheilt. In Sachen von Wichtigkeit kann an zwey Obergerichte (Relaçao) appellirt werden, davon das eine zu Porto, das andere zu Lissabon ist. In Sachen, die den Werth von 250,000 Reis in unbeweglichen Gütern, und von 300,000 in beweglichen, übersteigen, kann von dem Obergerichte zu Porto noch an das andere zu Lissabon appellirt werden. Unter lezterem stund ehemals auch Brasilien, welches aber 1754 ein eignes Obergericht zu St. Sebastian bekam.

Der Hofstaat ist prächtig, und die meisten Hofämter in gewissen Familien erblich.Die Einkünfte des Königs bestehen in den Patrimonialgütern des Hauses Braganza; dem Ueberreste der königl. Domainen; den Abgaben der Unterthanen in und ausserhalb Europa; der auf die Victualien gelegten Accise, (welche auch die Geistlichkeit bezahlen muß); den Zöllen zu Wasser und zu Lande; dem Monopolio des Königs mit Bresiltabak, und den Diamanten; dem Zehntem von allem, was verkauft wird; dem Großmeisterthum der Ritterorden und dem Ablaßhandel, kraft der vom P. Gregor XVI im J. 1591 ertheilten Kreuzzugbulle. Die königliche Kammer (Conselho da Facenda) hat drey Präsidenten, und die Rechnungskammer (Caza dos Contes) unter sich. Zur Erhebung der neuverwilligten Abgaben wird von den Standen eine Iunta niedergesezt. Die Zolle werden im Zollhause (Alefandeno) erhoben, welches in 14 Departements eingetheilet ist. Den Ablaß verkaufen in allen Städten besondere Deputirte, welche unter einem königlichen General-Commissario stehen. Die sämmtlichen Einkünfte des Königs berechnet man auf 80,435,000 französ. Livres, oder gegen 38 Millionen Gulden, von welchen 24,600,000 Livr. aus dem eigentlichen Portugal, und 55,835,000 aus den Colonien fließen. Diese Einnahme reicht aber in neuern Zeiten nicht hin; man hat also Schulden und Papiergeld gemacht, deren Summe nicht öffentlich bekannt ist.

Die Landmacht der Krone Portugal, die in dem Krieger von 1762 durch den Grafen von der Lippe verbessert wurde, und im J. 1766 sich auf 30,000 Mann belief, ist bald nachher wieder herabgesunken. Sie besteht gegenwärtig aus 24 Infanterie- und 4 Artillerie-Regimentern, von welchen eins zur Marine gehört, und aus 12 Cavallerie-Regiment. Zur Zeit des Kriegs soll diese Infanterie betragen gegen 30,000 Mann, die Artillerie 4,00, die Cavallerie 4 - 5000 M. Aber diese beträchtliche Macht ist nicht leicht vollzählig. Die Seemacht, welche ziemlich unbedeutend war, soll sich jezt bis auf 12 Linienschiffe und 18 Fregatten nebst mehrern kleinern Kriegsfahrzeugen vermehrt haben. Ausser diesen Truppen befinden sich aber noch 15 Regim. Infanterie, 4 Reg. Cavallerie und 3 Reg. Artillerie in Brasilien und den übrigen auswärtigen Besitzungen Portugals. Zu diesen allen kommen noch 43 Regimenter Landmiliz.

Der ausführliche Titel des Königs ist: N. N. König von Portugal und Algarbien, dies- und jenseits des Meers in Afrika, Herr von Guinea, den eroberten Ländern, der Schiffahrt und der Handlung von Aethiopien, Arabien und Indien. Im J. 1749 bekam Johann V vom Pabste Benedikt XIV den Titel Rex fidelissimus, der Allergetreueste (oder Allerglaubigste) König.

Das Wappen von Portugal sind fünf kreuzweis gestellte blaue Schildlein, in deren jedem fünf in Form eines Andreaskreuzes gelegte silberne Pfennige zu sehen, in silbernem Felde. Diese sind eigentlich das portugiesische Wappen. Um diesen Schild gehet eine rothe Einfassung, auf welcher sieben goldene mit lauen Thüren und Fenstern versehene Castelle zu sehen, oben drey, zu jeder Seite eines, und unter zwey, davon die beyden lezten gegen den äussersten Rand gelehnet sind. Und diese machen das Wappen von Algarbien aus. Auf dem Helme erscheinet ein hervorwachsender guldener Drache. Die Helmdecken sind silber und blau. Die Schildhalter sind zwey Drachen, deren jeder eine Fahne hält. In der zur rechten, werden die fünf blauen Schildlein in silbernem, in der zur linken aber die sieben goldenen Castelle in rothem Felde vorgestellet.


Quellen.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
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