Nro. 21. Gemmingen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Böhmisches I. R. -- Unif. Aufschl. meergrün; Kn. gelb.


Geschichte.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemingen. F. Z. deutsch. Inf. Reg. N. 21.

1734, hat es der Max. Stahremberg'sche Obr. Gr. Colmenero, auf eigene Kosten errichtet.

37, war es bey der Belag. von Usitza; 38, im Treff. bey Cornia, stand es am rechten Flügel hinter den spanischen Reitern, und ward von den Türken wüthig angefallen; es machte eine Grl-Decharche, und retirirte gegen 60 Schritte, da aber die Feinde wegen den Pulverdampf, den Rückzug nicht bemerkten, setzte es sich wieder, und vom Prz. v. Hildburghausen aufgemuntert, nahm es seinen vorigen Posten ein, und hinderte dadurch den zweyten Angriff.

42, war es bey der Winterexpedition in Oberösterreich und Bayern; 43, bey der Bloquade von Eger, und beym Sturme auf Pfaffenhofen in Bayern; 44, ein Bat. in der Belag. von Prag, wo es in Gefangenschaft gerathen; nach der Ranzionirung, kam es wieder dahin in Besatzung; 46, war es in den Schl. bey Piacenza, und Rottofredo, und bey der Besitznehmung von Genua; während der Revolte, stand es in der Riviera di Levante, und musste von da zurück ziehen; 47, war es bey der Belag. von Genua.

57, war es in der Schl. bey Planian, und bey der Belag. vor Schweidnitz; 2 Bat. in der Schl. bey Breslau, bey der Attaque gegen Grabisch und Klein Möbber; ein Bat. in der Schl. bey Leuthen; 58, das Rgt in der Schl. bey Hochkirchen; 59, in der bey Kunnersdorf, wo die Grenadiers viel litten; 60, in der Schl. bey Torgau; 1 Bat. hat das Dorf Siptitz standhaft defendirt, streckte die vordern Häuser in Brand, zog sich in die Gärten hinter der Kirche, mehr auf die Anhöhe, um den dasigen Weg zu behaupten; ward aber um 9 Uhr Abends, nachdem es alle Munition verschossen hatte, von der feindl. Grl. Saldern- Brigade zum Weichen gezwungen; das 3te Bat. kam nach Glatz in Besatzung; 61, bey der Erob. von Schweidnitz, war 1 Bat. bey der Attaque auf das Bögenfort; 62, das Rgt in Sachsen beym Angriffe auf Münchenfrey. Im Treff. bey Freyberg den 15. Oct. hat 1 Bat. mit 1 von Nicl. Eszterhazy, die Feinde von Hilbersdorf vertrieben.

79, bey der Erob. von Habelschwerdt, den 18. Jan. war 1 Bat. bey jenem Detachement, so die Strasse von Johannesberg gedeckt.

91, im März, waren 400 Mann zu Brundruth in der Schweitz, um die unruhigen Unterthanen des Bischofs von Basel, in Ordnung zu halten.

92, im Dec. haben 2 Bat. die Verschanzungen bey Pellingen unweit Trier, standhaft defendiren geholfen; 93, waren sie bey der Balag. vor Mainz, wo das Obr. Bat. in der Nacht vom 27 - 28 Juny, bey der Einnahme der Verschanzungen von Weissenau, die Redoute erobert hat; 94, den 17. May, hat das Rgt den Posten Nalines, tapfer defendirt; 1 Bat. war im Treff. bey Sprimont; 95, den 13. Dec. haben 3 Comp. die Feinde bey Elenstein angegriffen, sie über Igelbach verfolgt, 1 Stabs- 4 Oberoffrs und 140 Mann gefangen. 96, im Treff. bey Würzburg, half 1 Bat. die fliehenden Feinde verfolgen; ein Bat. war bey der Belag. vor Kehl, wo 1 Divis. den 27. Nov. Nachts, den feindl. Ausfall auf die Tranchéen, mit dem Bajonete zurücktreiben geholfen hat; 97, das 3te Bat. zu Ehrenbreitstein in Besatzung.

99, das Rgt im Treff. bey Stockach, wo es mit dem Rgte Kerpen, den schon zum Theil durch den Eiptinger Wald gedrungenen Feind, rechts von der Tutlinger Strasse, muthig angegriffen hat. Den 4. May, beym Angriffe auf Graubünden, war es bey der 4ten Colonne, wovon 1 Bat. an die eroberte Schlossbrücke detachirt worden. Den 25. detto, in der Action bey Frauenfeld, sich tapfer ausgez. aber viel gelitten. Der Obr. der Obtl. und 1 Maj. wurden blessirt. Eine Abtheilung war den 1. Juny, im Gefechte bey Staffen und Meillen. Das Rgt. am 4. detto, beym Hauptangriff auf die Position von Zürich, hat wieder ziemlich eingebüsst. Am 15. detto, im Gefechte bey Altstädten und Zürich, hat 1 Divis. mit dem 3ten Peterwardeiner Bat. den Ort Wittikon tapfer vertheidigt. Am 14. Aug. stand 1 Divis. bey Zürich auf Piket, sie wurde umrungen, formirte aber Quarrée, und hat sich mit einigem Verluste durchgeschlagen.


Inhaber.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1734, Ludw. Gr. v. Colmenero; GM. -- 34, in der Schl. bey Guastalla, todt geblieben.

34, Ludw. Ferd. Gr. v. Schulenburg-Oeynhausen; FZM. -- 47, die Armée bey Genua comdrt, und diese Stadt belagert.

54, Carl Mar. Raym. Herzog v. Aremberg, MTO-Grosskr. Kais. FM. und des Röm. Reichs FZM. Grand v. Spanien. GVOR.

78, Sigmund Bar. v. Gemmingen; MTOR. und FML. -- 88, das Reserve-Corps bey Semlin comdrt; ward FZM.


Comdten und Obersten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sternberg.

Willinger.

Hildburghausen, Ludwig Prz. v. 1739, GM.

1739, Harsch, Gr. Ferd. Phil. Ward GM.

41, Elberfeld, Bar. Herm. -- 44, das Bat. in der Belag. von Prag, comdrt; bey der Übergabe der Stadt, hat auf sein Ansuchen, der Preuss. FM. Gr. Schwerin, allen Offrs die Beybehaltung der Degen bewilliget. Ward GM.

45, Binder v. Kriegelstein. Ward GM.

Partini v. Neuhof, Bar. Ward GM.

56, Lindainer v. Rosen, Silv. 63, GM.

59, Normann, Bar. Ernst, MTOR. aggreg. Obr. -- 59, in der Schl. bey Kunnersdorf, comdrte er 2 Grenad. Bat. mit welchen er sich tapfer gehalten, und 5 Fahnen erob. hat; 60, den 3. Sept. hat er mit 3 Grenad. Divis. den angegriffenen Posten Arnsdorf, bestens unterstützt. Ward in der Schl. bey Torgau bless. 63. wirkl. Obr. und in der Folge GM.

68, Herberstein, Gr. Adam.

71, Fröhlich von Freudenstein. Ward GM.

77, Biela, Bar. Carl; 84, GM.

84, Carato, Carl; 90, GM.

90, Heister, Gr. Phil. -- 93, den 28. Juny, hat er mit 4 Bat. die Weissenauer Schanzen vor Mainz, eingenommen. Ward 93, GM.

93, Walsch, Gr. Joh. -- 94, hat er den Posten bey Nalines, tapfer defendirt; 95, den 18. Oct. in der Action bey Mannheim, bless. und gefangen. 96, in Mantua †.

97, Pietsch, Joh. -- 99, in der Action bey Frauenfeld, das Rgt mit Ruhm angeführt; dabey blessirt. Ward 99, GM.

99, Freytag, Arnold.


Anmerkungen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gren. Hptm. Binder v. Kriegelstein, 1759, in der Schl. bey Kunnersdorf, sich ungemein ausgez. Erhielt den MTO. und ward Maj.

Maj. D'Ostein, 61, bey der Erob. von Schweidnitz, todt geblieben; und

Hptm. Bar. Nesselrode, sich dabey ausgezeichnet.

Obtl. Bar. Biela, 70, mit seinem Grenad. Bat. zu Wien in Garnison, hat bey Einführung der Werbbezirke in den Österreichischen Erbländern, die Stadt Wien conscribirt.

Obl. Schröckinger, 79, bey Erob. von Habelschwerdt, hat die Avantg. von der 3ten Colonne geführt, welche das Glatzer Thor eingenommen hat.

Rgts-Auditor Bourgeois, 83, projectirte er die Erziehungshäuser für Soldatenknaben bey den Rgtern, in welchen tüchtige Unterofficiers gebildet werden könnten; sein Plan ward vom Kaiser Joseph mit Beyfall aufgenommen, und er kam als Auditor zur deutschen Noblegarde nach Wien.

Hptm. Khünart, 92, bey Defens. der Pellinger Schanze, sich tapfer ausgezeichnet.

Fähnr. Geyer, 93, bey der Einnahme der Weissenauer Schanzen, hat 50 Freywillige mit Ruhm angeführt; der majorisirende

Hptm. Khünart, hat dabey die Redoute erobert, die angerückte feindl. Verstärkung zurückgetrieben, und dann die Arbeit an der eroberten Schanze gedeckt.

Hptm. Czermack, 95, beym Angriffe auf Elenstein, hat die 3 Comp. mit Ruhm comdrt; und der

Hptm. Fleischmann, und Fähnr. Bar. Rolsin, sich dabey ausgezeichnet.

Obtl. Joh. Pietsch, Comdt eines Grenad. Bat. 96, den 11. Dec. in der Nacht beym Angriffe auf das Kehler Posthaus, unterstützte er mit seinem Grenad. Bat die erste Attaque des Obr. Hayd von Oliv. Wallis Inf. und als selber bless. worden, übernahm er dessen Comdo, ward aber gleichfalls bless. und übergab das Comdo dem Hptm. Engelhard, welcher das Posthaus behauptete. Ward 97, Obr.

Hptm. Walter, 96, den 19. Dec. bey der Belag. vor Kehl, bey Defens. der Posten, sich tapfer ausgezeichnet.

Capit. Lieut. Hesler, 99, im Treff. bey Stockach, wird angerühmt. -- Dabey wurden 5 Offrs bless. und 3 gefangen.

Obtl. Freytag, 99, in der Action bey Frauenfeld, sich ausgez. Ward am Fuss bless. Avancirte zum Obr. im Regimente.

Maj. Czermack, in der obigen Action sich tapfer gehalten; ward tödtlich bless. und ist daran †.

Maj. Eggerdess, 99, beym Angriff auf die Position von Zürich, bless. Ward Obtl.

In den verschiedenen Gefechten in der Schweitz, bey Frauenfeld, Staffen und Meillen, Zürich und Altstädten, sind 3 Offrs todt geblieb. 12 bless. und 8 gefang. Unter den Todten ist der Hptm. Pietsch, Sohn des Obr. den 14. Aug. bey Zürich.


Geschichte des 21. Linien-Infanterieregiments Prinz Victor Rohan im Feldzug 1809.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]

(dermalen Albert Graf Giulay)

Aus den Original-Akten bearbeitet durch Hauptmann Waida, damaligen Regimentsadjutanten.

Bei Ausbruch des Krieges zwischen Östreich und Frankreich im Jahre 1809 wurde das Regiment am 16. Februar auf den Kriegsfuß gesetzt. Schon am 25. Februar brach es aus seiner Friedensstation Gitschin auf, und marschirte über Prag nach Przestitz bei Pilsen, wo es den 8. März eintraf, dem sich daselbst bildenden zweiten Armeekorps einverleibt wurde, und Kantonirungen bezog. Die Grenadierdivision des Regiments kam zu dem Bataillon Demontant, welches zu dem sich bei Kollin sammelnden Reservekorps gehörte.

Am 24. März erhielt das Regiment Befehl, zu dem leichten Korps zu stoßen, das unter Generalmajor Baron Vecsey aus dem Chevauxlegersregiment Klenau und dem fünften und sechsten Jägerbataillon gebildet wurde.

Am 10. April setzte dieses Korps bei Scharding über den Inn, und deckte die rechte Flanke der Hauptarmee bei der Vorrückung gegen Landshut und Abensberg. Nur die Chevauxlegers und Jäger des Korps kamen bei der Vorrückung zu einigen kleinen Scharmützeln.

Am 23. April kam das Regiment zum Gefecht. Generalmajor Baron Vecsey hatte den Auftrag erhalten, den Rückzug der Armee über die Brücke bei Regensburg zu decken. Er hatte sich auf den Höhen vor dieser Stadt mit den zwei Jägerbataillons, dem 1. Bataillon des Regiments, und den Chevauxlegers aufgestellt. Das 2. und 3. Bataillon des Regiments unter Befehl des Oberstlieutenant von Krause (dermaligen Generalmajor) hatte die Bestimmung, die unterhalb Regensburg geschlagene Pontonsbrücke zu sichern. -- Der Feind rückte mit überlegener Macht und einer zahlreichen Artillerie gegen den Oberstlieutenant Krause. Vergebens versuchte der Feind mehrmal, durch ungestümen Andrang die zwei Bataillone an die Donau zu werfen, und sich der Brücke zu bemeistern. Als diese Versuch mißlangen, richtete er das Feuer seiner ganzen Artillerie auf die Bataillone, in Hoffnung, sie dadurch zu zerstreuen und zum Weichen zu bringen; sie behaupteten jedoch unerschüttert ihren Posten, bis die letzten Abtheilungen der Armee die Brücke passirt hatten. Seine kaiserliche Hoheit der E. H. Karl, der als Augenzeuge die Beharrlichkeit und den Muth dieser Bataillone belobte, befahl nun dem Oberstlieutenant Krause sich über die Pontonsbrücke zurückzuziehen.

Dieses Unternehmen war höchst gefahrvoll. Die Brücke war von Kugeln und Granaten durchlöchert, und kaum mehr brauchbar. Sie war von dem feindlichen Geschütz der Länge nach bestrichen. Aller Schwierigkeiten ungeachtet bewirkten die Bataillone den Übergang mit Fassung, und Oberstlieutenant Krause traf, am andern Ufer angelangt, in Verbindung mit den bereits zu diesem Zweck aufgestellten Truppen die weiteren Vorkehrungen, um die Versuche feindlicher Abtheilungen, in Schiffen überzusetzen, zu vereiteln. Der Verlust, den die zwei Bataillone vor und während dem Übergang erlitten, war im Verhältniß der Länge und Heftigkeit des Gefechtes gering. Er würde viel bedeutender gewesen seyn, wenn das feindliche Geschütz nicht so nahe gewesen war, daß die meisten Kugeln und Kartätschen die Bataillone überflogen. Ein Offizier, der Lieutenant von Hartenkeil, wurde blessirt; vom Feldwebel abwärts wurden 35 Mann getödtet, 83 verwundet, 111 beim Plänkeln vermißt.

Das 1. Bataillon war schon früher vom General Vecsey über die steinerne Brücke zurückbeordert worden, und hatte keinen Verlust erlitten.

Am 24. April rückte das Regiment ins Lager bei Cham, und wurde nach Auflösung der Vecseyischen Abtheilung wieder dem zweiten Armeekorps einverleibt. Mit diesem marschirte es nach einem dreitägigen Aufenthalt bei Cham über Budweis nach Östreich, und langte am 16. Mai auf dem Marchfelde an.


Schlacht von Aspern.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. Mai begann die ewig denkwürdige Schlacht, welche den Glauben an die Unüberwindlichkeit des Völker vernichtenden Eroberers erschütterte. Die östreichische Armee rückte Nachmittags vor, um den zwischen Esslingen und Aspern aufgestellten Feind anzugreifen. Das zweite Armeekorps, bei dem sich das Regiment befand, hatte seinen Platz in der Mitte der Schlachtordnung, und rückte, die genannten Dörfer vor den Flügeln, in Bataillonsmassen über die weite Ebene. Der Feind richtete bei der Vorrückung und Aufstellung des zweiten Armeekorps das wirksamste Geschützfeuer gegen dasselbe, ohne seine Fassung und Standhaftigkeit erschüttern zu können. Nachdem der Feind durch das Geschütz den beabsichtigten Kavallerieangriff hinlänglich vorbereitet zu haben glaubte, ließ er drei schwere Reiterregimenter sich auf die Massen stürzen, welche die drei Bataillone von Rohan, und das links anstoßende Regiment Fröhlich bildeten. Zwei Mal griff der Feind mit Entschlossenheit an, zwei Mal wurde er mit großem Verlust zurückgeschlagen, und so bewährte es sich, daß selbst auf freier Ebene Reiterei nichts über standhaftes Fußvolk vermöge. Kurz nach diesen Kavallerieangriffen, die bei schon einbrechender Dämmerung Statt fanden, kam der Kommandant des zweiten Armeekorps, General der Kavallerie Prinz Hohenzollern, zu dem 3. Bataillon des Regiments, und fragte den Oberstlieutenant Krause, ob er sich mit demselben Esslingen zu erstürmen traue; wobei er ihm bei günstigem Erfolg das Theresienkreutz zusicherte. Der Oberstlieutenant setzte sich sogleich mit seinem Bataillon gegen Esslingen in Marsch. Auf dem Wege traf er Seine kaiserliche Hoheit den E. H. Karl. Dieser befahl dem Oberstlieutenant, Esslingen nicht anzugreifen, sondern sich aufzustellen, und den Kavallerieangriff, mit dem der Feind drohe, abzuschlagen. Kaum hatte sich das Bataillon, das nun ganz von den übrigen Truppen abgesondert war, in Verfassung gesetzt, so sprengten bei tiefer Dämmerung drei französische Kürassierabtheilungen auf dasselbe an. Das Bataillon stand festen Fußes, und zwang den Feind durch ein wohl angebrachtes Gliederfeuer zur Flucht. -- Während die vordere Flanke die Kürassiere zurücktrieb, fielen Abtheilungen leichter Reiterei, die sich um die Masse herzumzogen, die hintere Flanke mit überraschender Schnelligkeit an. Der Feind fand auch hier unerschrockene, durch nichts aus der Fassung zu bringende Gegner, und wurde mit großem Verlust zurückgewiesen. -- Es war nun völlig Nacht geworden. Der Oberstlieutenant, der keine andern Verhaltungsbefehle erhielt, blieb mit seinem Bataillon auf der Stelle, die er gegen wiederholten Angriff rühmlich behauptet hatte.

Am 22. des Morgens, in der neunten Stunde, als der östreichische rechte Flügel von Aspern zurückgedrückt wurde, machte die französische Reiterei einen heftigen Angriff auf die Mitte unserer Schlachtordnung. Das 3. Bataillon des Regiments unter Oberstlieutenant Krause stand am weitesten vor gegen Esslingen; es hatte demnach auch den ersten Anfall auszuhalten. Das Bataillon schlug wie am vorigen Tage den Angriff ab. -- Nicht so glücklich war ein nebenstehendes Bataillon eines andern Regiments. Eine Granate sprang in der Mitte seiner Masse, und brachte sie in Unordnung. Die feindliche Reiterei benutzte diesen Augenblick. Schon waren einzelne Reiter in die Masse gedrungen, schon einige Mann in derselben zusammengehauen worden; ihre gänzliche Auflösung und Zersprengung war zu besorgen. Oberstlieutenant Krause, der dieses bemerkte, ließ sein Bataillon in die Flanke der feindlichen Reiterei ein wirksames Feuer richten. Der Feind ließ von dem gedrängten Bataillon ab; dieses gewann Zeit sich zu sammeln; unsere Kavallerie eilte herbei; die feindliche Reiterei wurde angegriffen, geworfen und verfolgt. -- Wäre der französischen Kavallerie der Angriff gelungen, so würde das zweite Armeekorps von dem vierten getrennt worden seyn. Das Mißlingen desselben war demnach von dem größten, nicht zu berechnenden Nutzen. Seine kaiserliche Hoheit der E. H. Karl setzten in der gedruckten Relation über die Schlacht das Regiment unter jene, die sich besonders hervorthaten. Individuell wurden der Oberst von Allstern, der Oberstlieutenant von Krause, der majorisirende Hauptmann von Garzweiler unter denen, die sich vorzüglich auszeichneten, angeführt. Fanden auch die Officiere bei der Aufstellung in Massen keine Gelegenheit, sich einzeln hervorzuthun, so ist es doch vorzüglich ihrer Tapferkeit und Thätigkeit zuzuschreiben, das die Mannschaft, welche größten Theils aus Rekruten bestand, einen so hohen Grad von Muth und Standhaftigkeit bewies. Der Verlust, den das Regiment in dieser denkwürdigen Schlacht erlitt, kam nicht von den Säbeln der Reiterei, sondern war meistens Wirkung des feindlichen Geschützes. Verwundet wurden der Hauptmann Tuschl, die Oberlieutenants Schubert und Redemann, der Unterlieutenant Baron Milius, dann 165 Mann vom Feldwäbel abwärts. Getödtet wurden 38 Mann.

Nach der Schlacht marschirte das Regiment mit dem zweiten Armeekorps hinter den Rußbach in das Lager bei Baumersdorf, in dem es den ganzen Juni hindurch bis zum 6. Juli verblieb. Es erhielt während dieser Zeit einige Ergänzungsmannschaft.


Schlacht von Wagram am 5. und 6. Juli.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. des Nachmittags, als der Feind von der Lobau heranrückte, stellte sich das zweite Armeekorps vor seinem Lager mit Bataillonsmassen in zwei Treffen in Schlachtordnung. Baumersdorf wurde mit mehreren Truppen, worunter das 3. Bataillon des Regiments unter Oberstlieutenant Müller von Hohenthal, besetzt. Das erste Bataillon des Regiments, welches der Major Pfleger von Lindenfeld, und das zweite, das der Major de Chaudelot befehligte, standen im zweiten Treffen. Der Feind griff während eines heftigen gegenseitigen Geschützfeuers zugleich Baumersdorf, den linken Flügel des ersten, und den rechten des zweiten Armeekorps ungestüm mit dem Bajonett an. Die Flügel beider Armeekorps wurden zurückgedrückt, und geriethen hiebei in einige Unordnung; Baumersdorf wurde genommen. Der Kommandant des 3. Bataillons Oberstlieutenant Müller und 5 Offiziere wurden in der Vertheidigung desselben verwundet. Die Zahl der Verwundeten und Todten vom Feldwebel abwärts belief sich auf 200. Das 1. Bataillon des Regiments, das mit gefälltem Bajonett zur Unterstützung des ersten Treffens vorrückte, wurde von den Fliehenden mit fortgerissen. Das 2. Bataillon blieb festen Fußes in seiner Aufstellung, und hielt durch seine ruhige Fassung die feindliche Reiterei zurück, die sich in seiner Nähe zeigte. Der Feind verfolgte stürmend die geworfenen Truppen bis hinter das Lager. Der Kommandant des Korps G. d. K. Prinz Hohenzollern stürzte sich jetzt an der Spitze einiger Reiterabtheilungen ihm entgegen. Die Fliehenden, durch das Beispiel ihres Befehlshabers angefeuert, wandten sich wieder gegen den Feind, und drangen mit dem Bajonett so ungestüm in denselben, daß er, mit bedeutendem Verlust an Todten und Verwundeten und mit Zurücklassung von fünf Geschützen, schnell wieder über den Rußbach zurückgeworfen wurde. Für die in diesem Gefechte bezeigte besondere Tapferkeit erhielten in der Folge zwei Mann des Regiments die goldene, und fünf die silberne Ehrenmedaille. -- Nachdem der Feind zurückgeschlagen war, formirte sich das zweite Armeekorps wieder in seiner ersten Aufstellung. Die Truppen blieben während der Nacht in Bataillonsmassen unter dem Gewehr.

Am Morgen des 6. griff der Feind bald den rechten, bald den linken Flügel der östreichischen Armee an. Als sich um Mittag das vierte Armeecorps zurückzog, wurde das zweite nicht nur in der Fronte, sondern auch in seiner nun entblößten linken Flanke angegriffen, und durch ein Kreutzfeuer auf das heftigste beschossen. Eine Granate, die in der Masse des 1. Bataillons auf halb Mannes Höhe sprang, zerschmetterte im Beiseyn des Oberbefehlshabers E. H. Karl 18 Mann. Das zweite Korps konnte sich nicht länger in seiner Stellung behaupten. Langsam und in bester Ordnung zog es sich einige tausend Schritte hinter einen trockenen Graben zurück, und versagte nach und nach seine linke Flanke. Durch diese Bewegung kam das Regiment auf den äußersten linken Flügel des Korps. Es hatte einen viel weitern Weg, um an den Graben zu gelangen, und blieb daher viel länger dem sich kreutzenden Geschützfeuer und der Reiterei bloßgestellt. Diese wollte sich nicht die drei Bataillone entgehen lassen, welche ohne Hoffnung auf Unterstützung, von dem Graben noch über 600 Schritte entfernt, sich selbst überlassen waren. Als Oberst Krause sah, daß die feindliche Reiterei sich zum Angriff bereitete, befahl er dem 1. und 3. Bataillon zu halten, dem 2. aber, in Geschwindschritt dem Graben zuzueilen. Dieser Befehl war kaum in Vollzug gesetzt, als ein feindliches Kavallerieregiment sich auf das 1. Bataillon warf, und bis an die Bajonette desselben vordrang. Der feindliche Kommandant umritt die Masse, um die Seite, wo ihr am besten beizukommen, zu erspähen. Er fand überall Alles zum Widerstand bereit. Die feindlichen Reiter wurden auf eine Entfernung von fünf Schritten mit einem mörderischen Gliederfeuer empfangen. Sie wandten sich zur Flucht, und ließen mehrere Todte und Blessirte vor der Masse; unter Letztern einen Offizier, der sammt seinem Pferde sechs Schritte vor derselben lag, und um Schonung seines Lebens bath. Nicht so glücklich, wie das 1. war das 3. Bataillon, welches bei 300 Schritte von diesem entfernt stand. Die feindliche Reiterei, welche sich wieder gesammelt, benützte den Augenblick, wo eine Granate mitten in seiner Masse sprang, zum Angriff. Das Bataillon, in Unordnung gebracht, und durch den Verlust, den es bei Baumersdorf erlitten, geschwächt, wurde aus einander gesprengt, der größte Theil desselben gefangen. -- Das 1. Bataillon erreichte den Graben, hinter dem das Armeecorps stand. Es rückte mit selbem nach Billersdorf, und lagerte die Nacht über bei Süssenbrun.

Getödtet wurden in der zweitägigen Schlacht 5 Offiziers: Die Lieutenants Grass, Grunday und Fischer, die Fähnriche Kreutzer und Simon *). Verwundet wurden der Oberstlieutenant Müller von Hohenthal, die Hauptleute Garzweiler, Friedrich, Stiller, Braun, Rosmini, Henneberg; die Oberlieutenants Stretz, Beche; die Unterlieutenants Grenet, Baron Willany, Weczerzin, Potier; der Fähnrich Blum. Die Hauptleute Schmidt, Ottenfeld, und Oberlieutenant Lawitczna wurden verwundet und gefangen. Außer diesen geriethen noch 9 Offiziere in Gefangenschaft. Vom Feldwäbel abwärts wurden 429 Mann getödtet, 696 verwundet, 388 gefangen, 184 vermißt. Der ganze Abgang betrug 1727 Mann. Da der ausrückende Stand des Regiments vor der Schlacht 4 Staabs-, 60 Ober-, 236 Unteroffiziere und 3336 Feuergewehre, in allem 3701 Mann betrug, so ergibt sich, daß bei Wagram die Hälfte des Regiments aufgerieben wurde. –

Von Süssenbrun marschirte das zweite Armeekorps nach Ernstbrunn. Von diesem Orte wurde das Regiment mit seinem Brigadier, dem General Allstern, nach Laa entsendet, um die Verbindung zwischen dem zweiten und vierten Armeecorps zu unterhalten. Es vereinigte sich unterhalb dieser Stadt mit einigen Abtheilungen von Hohenzollern Kürassier, vernichtete alle Brücken über die Taja, und setzte dann den weitern Rückzug nach Znaim fort, wo es sich wieder mit dem zweiten Armeekorps vereinte. -- An dem Treffen von Znaim nahm das zweite Armeekorps, und mithin auch das Regiment nicht Theil. -- In Mähkisch-Budwitz, wohin das Regiment mit dem Korps von Znaim marschirte, wurde der Waffenstillstand bekannt. Es erhielt hier einen Ergänzungstransport, und da noch viele Selbstbefreite aus der Gefangenschaft kamen, wo wurde wieder das dritte Bataillon errichtet, und in dienstbaren Stand gesetzt. Das Regiment marschirte hierauf mit dem zweiten Armeecorps nach Ungarn, und kehrte nach erfolgtem Frieden nach der Festung Königgrätz in seinen Werbbezirk zurück.


*) Unterlieutenant Peter Grass hatte in den frühern Feldzügen gegen Frankreich als Unteroffizier die silberne Tapferkeitsmedaille, und 1805 wegen besonderer Auszeichnung sechs Dukaten in Gold erhalten. Am 16. Februar 1809 wurde dieser vielverdiente Mann vom Grenadierfeldwäbel zum Unterlieutenant befördert. -- Am 5. Juli Abends unternahm der Feind der Sturm auf Baumerstorf. Grass war beim ersten Bataillon dieses Regiments der erste Offizier, der sich mit fünfzig Mann dem stürmenden Feinde entgegen warf, und durch sein Beispiel die übrigen Soldaten bewog, mit gefälltem Bajonett in die Franzosen einzudringen. Hier wurden mehrere hundert Feinde theils niedergestoßen, theils gefangen, und am Rußbach fünf Kanonen erobert. Im dichtesten Handgemenge fiel der tapfere Grass von drei Kugeln getroffen. -- Unterlieutenant Grunday war einer der ausgezeichnetsten Zöglinge der Militär-Akademie zu Wiener-Neustadt. Er wurde vorzugsweise als Unterlieutenant ausgemustert, und traf am 16. Mai beim Regiment ein. Fünf Tage darauf focht der achtzehnjährige Jüngling in der Schlacht von Aspern zum ersten Mal gegen den Feind. In der Schlacht von Wagram wurde er von einer Kartätschenkugel im Unterleibe getroffen, als er eben sich bemühte, seine durch den stürmenden Feind in Unordnung gebrachte Abtheilung wieder zu ordnen. -- Fähnrich Simon hatte sich als Feldwäbel in der Schlacht von Aspern hervorgethan, indem er die feindliche Tirailleurs, die unter dem Schutze ihrer Reiterei bis auf hundert Schritte an die Bataillonsmassen gerückt waren, und ihm durch ihre treffenden Schüsse großen Schaden zugefügt hatten, mit einigen Leuten angriff, 1 Offizier und 19 Mann gefangen nahm, und die übrigen verjagte. Das Regiment schritt für ihn bei dem Armeekommando um die Tapferkeitsmedaille ein, und belohnte ihn unterdessen mit der Beförderung zum Fähnrich. Eine Haubitzgranate tödtete ihn am 6. Juli bei Wagram. Er erlebte also die Auszeichnung der silbernen Medaille nicht, welche ihm die Medaillenkommission wirklich zuerkannte. --


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurze Geschichte der kais. koenigl. Regimenter, Corps, Bataillons, und anderen Militaer-Branchen. Von ihren Ursprung an bis zu Ende des Feldzuges von 1799. Erster Band. Wien, bey Cath. Graeffer. MDCCC.
  2. Oestreichische militärische Zeitschrift. Jahrgang 1819. Neuntes Heft.
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