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Uebersicht der neuesten Seekriegsgeschichte seit der Schlacht bei Trafalgar.Bearbeiten

[1]

(Oct. 1805 bis gegen das Ende 1806.)

Unternehmungen und Versuche der Franzosen und ihrer Bundesgenossen.Bearbeiten

Neuer französischer Seeoperationsplan.

Durch die jüngsten Erfahrungen, zumal bei Trafalgar, belehrt, sich nicht in langen Schiffsreihen und in großen Schlachten mit den Britten zu messen, sinnen die Franzosen auf andere Mittel und Wege, stellen ein neues Verfahren, eine veränderte Bekämpfungsart auf. In kleine Geschwader abgetheilt wollen sie jezt alle Meere durchschwärmen, ihre eigenen Kolonien schüzen, die englischen auf allen Küsten, in allen Welttheilen beunruhigen oder verheeren, die feindlichen Handelsfahrzeuge verfolgen und auffangen. "15 unserer Geschwader, sagt das französische Amtsblatt, streichen in diesem Augenblik (im Mai 1806) in allen Gewässern umher. Zittert Engländer! unvermuthet kann euch überall unser Bliz und Donner treffen."

Eitle Grossprecherei war diese Versicherung in der That nicht: und es ist sehr der Mühe werth, näher zu sehen, wohin die Franzosen ihre Unternehmungen und Wagestüke richteten, welchen Erfolg sie bei ihrer neuen Verfahrungsweise hatten.


Unternehmung des Admirals Allemand.

Die erste französische Unternehmung nahm zwar schon einige Monate vor der Schlacht bei Trafalgar ihren Anfang, darf aber demungeachtet in dieser Uebersicht nicht übergangen werden.

Gegen-Admiral Allemand war der Offizier, dem die Leitung des Streifzugs anvertraut wurde. Er hatte unter seinem Befehl die 5 Linienschiffe le Majestueux, le Magnanime, le Jemappe, le Suffrein, le Lion, die 3 Fregatten l'Armide, la Gloire, la Thétis und zwei kleinere Fahrzeuge. Das Geschwader, welches den Beinamen des Rocheforter erhielt, segelte den 17. Julius 1805 von der Insel Aix ab.

Anfangs kreuzte es bei dem Vorgebirg Finisterre, dann auf der Höhe von Belle-Isle, zulezt abermal an den spanischen Küsten bis gegen Teneriffa hin.

Auf dieser Fahrt von 148 Tagen nahm es den Engländern das Kriegsschif Calcutta von 50 Kanonen, 3 Corvetten und 42 Kauffahrer, und fügte dadurch dem brittischen Handel einen Schaden zu, der von den Franzosen auf 18 Millionen Franc's geschäzt wird. Ohne von einem feindlichen Admiral ertappt worden zu seyn, langte Allemand zu Ende Decembers 1805 wieder in seinem vaterländischen Hafen an.


Villaumez's grosser Streifzug.

Ungleich kühner und umfassender war die zweite französische Unternehmung. Ihr Zwek war nichts geringeres, als Störung oder Vernichtung des brittischen Handels in Südamerika und Westindien. Zum Ausführungsmittel erhielt Gegen-Admiral Villaumez ein Geschwader, das aus folgenden Schiffen bestand:

Kriegsschiffe. Kanonen.
Le Foudroyant -- -- 80.
Le Patriote -- -- 74.
L'Eole -- -- 74.
Le Cassard * -- -- 74.
L'Impetueux -- -- 74.
Fregatten.
La Valereuse -- -- 44.

Es segelte den 13ten Dec. 1805 von Brest ab, entwischte der Wachsamkeit der englischen Kreuzer und langte wohlbehalten in Amerika an. Zu Anfang Februars streifte es schon bei St. Helena herum; den größten Theil des Aprils lag es in der Allerheiligen-Bay in Brasilien und im Mai war es in der Mündung des Amazonenflusses. Hätte sich Villaumez einige Wochen länger in den Gewässern von St. Helena oder unweit der brasilischen Küste aufgehalten, welch harten Schlag hätte er den Engländern versezen können! Popham mit seinen 4 ungleich schwächern Schiffen und seiner ganzen Ausrüstung hätte ihm in die Hände fallen müssen! Das reiche Buenos Ayres wäre den Britten nicht zur Beute geworden! Aber sein Unstern führte Villamez'n nach Guiana und dann nach den Antillen zurück, wo 3 brittische Geschwader, unter den Admiralen Cochrane, Warren** und Strachan auf ihn lauerten, jedoch vergebens.

Um diese Zeit ward eines seiner Linienschiffe, le Veteran, angeführt von Gerolamo Bonaparte, durch einen Windstoß von ihm getrennt und kehrte nach Europa zurük, wo es am 26sten August einen französischen Hafen erreichte. Die übrigen Schiffe erlitten zu Ende Augusts schrekliche Stürme. Um dem Untergang zu entgehen, warf sich ein Theil in den Delaware, der andere in die Bai von Chesapeak. Hier ward der Impetueux, ein Schiff von 74 Kanonen und 670 Mann Besazung, eine Beute der Britten, die ihn darauf verbrannten.

Villaumez soll, nach französischen Berichten, aus seinem langen Streifzuge, und bis zum August hin, gegen 30 sehr reiche Prisen gemacht und dadurch dem brittischen Handel einen Schaden von ungefähr 20 Millionen Livres zugefügt haben.

* Ist der Name eines berühmten, im J. 1740 gestorbenen, französischen Seemanns.
** Warren kam, unverrichteter Dinge, mit seinem Geschwader den 30. Oct. 1806 wieder in Plymouth an.


Lesseigue's Unternehmung auf Domingo.

Zu Ende des Jahrs 1805 hatten die Franzosen nur noch einen kleinen Theil von der so wichtigen Insel San-Domingo, und auch dieser war von Dessalines -- dem sogenannten Kaiser von Hayti -- hart bedrängt. Diesen drohenden, so empfindlichen Verlust abzuwehren, erhielt Gegen-Admiral Lesseigues den Auftrag, Verstärkungen auf den überbliebenen Antheil der Kolonie zu bringen und alsdann, wie es wahrscheinlich ist, nach Ostindien zu gehen. Unter Begünstigung eines Nordwestwindes schlich sich Lesseigues mit 6 bis 7 Linienschiffen aus dem Hafen von Brest und gelangte glüklich an den Ort seiner ersten Bestimmung.

Den 6ten Febr. 1806 lag das Geschwader auf offener Rhede und die Offiziere rüsteten sich auf einen Ball, der am Lande gegeben werden sollte. In dieser Lage ward es von 7 englischen Linienschiffen, die der Oberbefehlshaber Collingwood unter dem Admiral Dukworth nachgeschikt hatte, plözlich angegriffen. Der Widerstand dauerte nicht lange. Die 3 französischen Linienschiffe Alexandre, Jupiter und le Brase * wurden genommen; die übrigen, l'Imperial, ein Dreideker von 120 Kanonen und Diomede, auf den Strand gejagt und verbrannt.

* Le Brase, der in der Schlacht äusserst beschädigt worden war, gieng auf der Ueberfahrt nach Europa unter, am 12ten Aprill.


L'Hermitte's Streifzug.

In Guinea, an der westlichen Küste von Afrika, haben bekanntlich die Engländer viele Niederlassungen und Waarenlager. Diesen Handelsverkehr wo nicht ganz zu zerstören, doch möglichst zu beeinträchtigen, schikte die französische Regierung den 3. Oct. 1805 ein kleines Geschwader aus dem Hafen l'Orient aus. Es bestand aus dem Kriegsschiffe Regulus von 74 Kanonen, und den beiden Fregatten la Cybèle und la Presidente, unter dem Oberbefehl des Capitain l'Hermitte. Nachdem l'Hermitte einen Theil des atlantischen Meeres, die Küsten von Südamerika und Westafrika durchstreift und den englischen Kaufleuten grossen Schaden zugefügt hatte, segelte er wieder nach Frankreich zurük. Am 20ten August 1806 überfiel ihn ein heftiger Sturm, und das kleine Geschwader ward getrennt. La Cydèle flüchtete sich stark beschädigt auf die Rhede von Hampton; la Presidente fiel, nach langem Herumirren, dem englischen Admiral Louis in die Hände; doch gelangte der Regulus am 3ten Oct. glüklich nach Brest.


Streifzug gegen die brittischen Grönlandsfahrer.

Unerwartet als dieser war ein anderer Anschlag der Franzosen, der Anschlag auf die brittischen Grönlandsfahrer. In dieser Absicht segelten am 26. März 1806 die 3 Fregatten le Revanche, la Pyrene und la Guerriere aus l'Orient aus, streiften eine Zeitlang bei den Azoren, bei dem Cap Clare und wendeten sich dann bis Island und in die Nähe von Spizbergen. Auf dieser Fahrt nahmen sie theils weg, theils zerstörten sie 28 englische und 1 russisches Fahrzeug. Am 22. Sept. d. J. kehrten die beiden erstgenannten Fregatten wieder in ihre Häfen zurük. *

Die Guerriere hingegen ward am 19ten Julius von der englischen Fregatte la Blanche bei den Faroerinseln genommen.

* Aus dem Amtsbericht im Moniteur 15. Oct. 1806.


Wagestük fünf Rocheforter Fregatten.

Abends am 24. Sept. 1806 wagten sich aus Rochefort 5 Fregatten heraus, besezt mit Landungstruppen, die nach Martinique bestimmt waren. Gleich den Morgen darauf in aller Frühe ertappte sie der englische Admiral Samuel Hood mit den 3 Linienschiffen Centaur, Monarch, jedes von 64 und Mars von 74 Kanonen. Nach einem kurzen Gefechte ergaben sich ihm die 4 Fregatten la Gloire, l'Infatigable, la Minerve und l'Armide. Die 5te, la Thetis, entwischte sammt den beiden Briggs. ---Jede dieser Fregatten hatte gegen 650 Mann am Bord. *

* Alles Obige aus Hoods Amtsbericht.


Versuch einer französischen Flotille.

Ein ähnliches Schiksal hatte schon früher, nämlich am 17. April vorigen Jahrs, die kleine französische Flotille unter dem Befehlen des Capitain Duclois. Sie segelte von Civita Vecchia ab und wollte nach den Rheden von Gaeta und Neapel. Aber schon an der Mündung der Tiber fielen die Engländer, unter Capitain Prowse, über sie her, nahmen das Hauptschif la Bergere von 18 Kanonen und zerstörten oder verjagten alle übrigen Fahrzeuge. **

** Prowse's Amtsbericht.


Schiksal des Admiral Linois.

Admiral Durand-Linois, der während seines dreijährigen Streifens in den ostindischen Gewässern den Engländern eine ausnehmend reiche Beute abgenommen, segelte mit dem Linienschiffe Marengo von 80 Kanonen und der Fregatte la Poule am 22. Mai 1805 von Isle de France zurük. Er kam im Oct. in der Simonsbai, unweit des Vorgebirgs der guten Hofnung an, versah sich mit mancherlei Bedürfnissen und trat den 1. Nov. seine weitere Rükreise nach Europa an. Als er in der Gegend von Madera ankam, sah er sich den 13. März 1806 von dem englischen Dreieker London und der Fregatte Amazone in aller Frühe angegriffen. Linois, der nicht wußte, daß er unter ein ganzes feindliches Geschwader gerathen war, schlug sich einige Stunden mit seinen beiden Gegnern tapfer herum. Als er aber das Herankommen mehrerer brittischen Schiffe und in ihnen das Vergebliche alles ferneren Widerstandes sah, strich er seine Flagge.

Von der reichen Beute fanden die Engländer auf den genommenen Schiffen nichts, als beträchtliche Seidenvorräthe.

Der Admiral, der das brittische Geschwader führte, war der berühmte John Borlase Warren.


Einige Bemerkungen. Ueberblik des französischen Verlusts.

In Thätigkeit und einem immer feurigen Unternehmungsgeist haben es die Franzosen nicht ermangeln lassen, aber Beweise von wirklichen Fortschritten in der Seetaktik haben sie keine gegeben. Ihre Schiffe, einzeln oder in kleinen Abtheilungen, wurden von einer gleichen brittischen Macht immer geschlagen.

Auffallend ist der Umstand, daß die Franzosen sowohl im mittelländischen, als im adriatischen Meere völlig unthätig geblieben sind. Selbst Venedig blieb bis diese Stunde ohne Schiffahrt, ohne Handel und Gewerbe. An der ganzen Küste von Albanien und Dalmatien waren, den ganzen Zeitraum über, die Engländer und Russen überall Herrn und Meister.

Die Grösse des den Britten zugefügten Schadens schlagen die Franzosen zu mehr als 40 Millionen Livres an. Seye dieser Anschlag richtig oder nicht, immer bleibt es gewiß, daß die Franzosen ihren Vortheil mit einem ausnehmenden Verlust erkauft haben. Sie verlohren nämlich folgende Bestandtheile ihrer Seemacht:

Linienschiffe. Kanonen.
L'Imperial -- -- 120
Diomede -- -- -- 74
Alexandre -- -- -- 74
Jupiter -- -- -- 74
Le Brave -- -- -- 74
Le Marengo -- -- 80
496
Fregatten. Kanonen.
La Libre * -- -- 40
L'Atalante ** -- -- 40
La Volontaire -- -- 46
La belle Poule -- -- 40
La Guerriere -- -- 36
Le Rhin -- -- -- 44
La Gloire -- -- 46
L'Infatigable -- -- 40
La Minerve -- -- 44
L'Armide -- -- -- 44
La Présidente -- -- 44
zusammen 960 Kanonen.


Unthätigkeit und Unglük der Spanier.

Gleich nach der Niederlage bei Trafalgar hatte die spanische Regierung die gemessensten Befehle in ihre Seehäfen erlassen, 40 Linienschiffe theils neu zu erbauen, theils auszurüsten; 25 davon sollten zu Anfang des Monats März (1806) segelfertig seyn.

Diese Befehle hatten die erwartete Wirkung nicht. Doch ergieng am 22. Mai von Madrid aus abermals die öffentliche Versicherung: "in wenigen Wochen haben wir wieder 22 ganz fertige Linienschiffe, 9 zu Cadix, 8 zu Carthagena, 1 zu Malaga, 2 zu Ferrol und 2 zu Majorca." -- Seit dieser Zeit sind wohn 36 Wochen verstrichen, und doch hat sich keines dieser Schiffe weder in das atlantische, noch das mittelländische Meer herausgewagt. Glauben die Spanier: sie könnten bei dieser Zerstreutheit ihrer Schiffe ohne die größte Gefahr nichts unternehmen? Fehlt es nicht an tüchtigen Seeleuten? oder an Geld zur Ausrüstung ihrer Fahrzeuge? Man muß annehmen, daß es ihnen an allem fehlt. Daher ihre völlige Unthätigkeit in den europäischen Gewässern, daher die lange Reihe der schmerzlichsten Unglüksfälle, die sie in Südamerika betroffen haben, * wovon wir das Nähere im folgenden Abschnitte sehen werden. Daß sich im April d. J. 3 spanische Schiffe aus Südamerika des Nachts durch Collingwood's Flotte nach Cadix hineinschlichen, kömmt in keinen Betracht, denn ihre Ladung war nichts, als etwas Geld und einige Waaren.


Unvermögen der Holländer.

Von der holländischen Seemacht war bei ihrer gänzlichen Entkräftung nichts zu erwarten. Auch beschränkten sich ihre Thaten auf die Wiedereinnahme der kleinen Insel Aruba in Westindien, 30 Meilen von Curassao. Bei dieser Gelegenheit fielen ihnen 8 spanische Prisen in die Hände, welche die Engländer in den Hafen gebracht hatten und mehr als 800 tausend Dollars. Die Insel ist klein und wenig fruchtbar, aber den Holländern doch von Werth, weil von hier aus ein bedeutender Schleichhandel nach dem nahen Neu-Granada getrieben wird.


Zeitungsnachrichten.Bearbeiten

[1806]


Großbrittanien. [2]

Die Englischen Escadren, welche dem Admiral Villaumez auf seinem Rückwege nach Europa auflauern sollen, waren dergestalt vertheilt, daß die eine zwischen dem Cap St. Vincent und Madera, die andere zwischen Madera und Teneriffa, und die dritte bey der Insel Palma kreuzt. Wenn es indessen gegründet seyn sollte, daß Villaumez seinen Lauf nach Westindien genommen hat, so würden diese Anstalten vor der Hand vergeblich seyn.


Großbrittanien. [3]

Man hatte nunmehr Berichte aus Brasilien, nach welchen die Escadre des Admirals Villaumez wirklich mit vielen Kranken am Bord in Hafen von St. Salvador eingelaufen, aber nach einem Aufenthalte von wenigen Tagen, den sie bloß zu Ergänzung ihrer Waffenvorräthe benutzte, am 4. oder 5. April wieder unter Segel gegangen seyn sollte. Man schwebte also on der alten Ungewißheit, ob ihre Bestimmung nach Ost- oder Westindien gehe, die Regierung schien der letztern Meinung geneigter, da sie den Admiral Warren nach Barbados abgeschikt hatte. Dieser Entschluß gründete sich jedoch hauptsächlich nur auf die Meinung der Einwohner von Martinique, welche nach den letzten Berichten eine Escadre von 5 Französischen Linienschiffen in ihren Häfen erwarteten. Die Neuerlich in Martinique angekommenen Französischen Fregatten hielt man übrigens nicht für die aus Cadix abgesegelten, sondern für diejenigen, welche am 27. März von Brest entwischten. (Es waren die Guerriere von 48, die Revanche, die Syrene und die Felicitee von 44 Canonen. Die in ihrer Gesellschaft ausgelaufene Corvette, Nearch, von 18 Canonen, ward damals von der Englischen Fregatte Niobe genommen.)


Großbrittanien. [4]

Zu Porto-Rico sollen um die Mitte May's 3 Französische und 1 Spanische Fregatte von Cadix angekommen seyn.

Folgendes wurde am 20. Junius auf Lloyds Kaffeehause angeschlagen: "Briefe aus Tortola melden, daß in dem Augenblicke, als das Paketboot absegeln wollte, ein Reisender von St. Thomas dort ankam, welcher die Nachricht brachte, daß drey Französische und eine Spanische Fregatte in Porto-Rico angekommen, und 4 Französische Linienschiffe bey St. Domingo wären."

[5]
Großbrittanien.

Endlich hat man über die Escadre des Admiral Villaumez sichere Berichte. Am 27. Jul. erhielt der Lordmajor von Lord Howick nachstehendes Bulletin, welches sogleich überall angeschlagen wurde. "Admiralitätsbüreau, 27. Jul. Heute Mittag ist der Capitain Sir Edw, Berry mit Depeschen des Contreadmirals Sir Al. Cochrane bey der Admiralität eingetroffen. Sie sind aus der Carlislebay auf Barbadoes, vom 29. Jun. datirt, und melden, daß an 4 verschiedenen Tagen nachstehende Französische Schiffe in Martinique eingelaufen sind. Erste Ankunft: Der Veteran von 74 Canonen mit Jerome Bonaparte am Bord. Zweyte Ankunft: Der Aeolus und der Impetueux, beyde von 74. Dritte Ankunft: Der Foudroyant von 80, Adm. Villaumez; la Valeureuse von 44 Vierte Ankunft: Der Cäsar und der Patriot, beyde von 74. Als Capitain Berry den Admiral Cochrane verließ, hatte er folgende Schiffe unter seinem Commando versammelt: Den Northumberland, Canada und Elephant von 74, den Agamemnon von 64, und den Ethalion von 36. Und Sir Warren gieng am 4. Jun. von Spithead unter Segel, mit Befehl, sich gerade und ohne irgend einen Aufenthalt nach Barbadoes zu begeben. Er hatte den Foudroyant von 80, den Hero, Nemur, Ramillies, Fama und Courageous von 74, und die Amazone von 36 Canonen bey sich. Ausserdem bringt Capitain Berry Nachricht, daß die Convoys unter Bedeckung des Elephanten und der S. Margarita glücklich in Westindien angekommen sind, daß man hingegen die Abfahrt der nach Europa bestimmten Retourflotte wegen des Admirals Villaumez Erscheinung verschoben hat."

[6]
Großbrittanien.

Aus Westindien hatte man ausser dem letzterwähnten Bulletin keine neuere Nachricht. Adm. Cochrane war zwar schwächer, als der Französ. Admiral, aber er befand sich über dem Winde von ihm, und daher im Stande, ihn nach Gefallen zu einem Treffen zu nöthigen, oder dasselbe abzulehnen. Seine Escadre war vollzählig, und er hatte von Barbadoes noch 350 Mann mitgenommen. Hingegen soll auch bey der Französ. Escadre jedes Schiff ausser dem gewöhnlichen Geschütz noch 6 leichte Feldstücke und 8 zwölfpfündige Caronaden führen, und 750 bis 800 Mann am Bord haben. Sir Warren konnte, wie man berechnete, mit seinen Verstärkungen nicht vor dem 12. Jul. in Barbadoes eingetroffen seyn.

[7]
Großbrittanien.

Aus Westindien hatte man keine neuern Nachrichten. Einige Tage vor dem im Gesicht der Insel St. Thomas erfolgten Zusammentreffen des Admiral Villaumez mit Admiral Cochrane hatte ersterer auf eine heimkehrende Englisch-Westindische Handelsflotte, welche unter Escorte einer Fregatte in Tortola einlaufen wollte, Jagd gemacht, und 3 Schiffe davon genommen. Die andern flüchteten sich unter das Vorgebirg Brinstone auf der Insel St. Thomas, und wurden wahrscheinlich nur durch die Erscheinung der Cochraneschen Escadre gerettet.

[8]
Großbrittanien.

Schon mit den letzten Depeschen aus Westindien hatte Admiral Cochrane gemeldet, daß er dem Admiral Warren einige schnellsegelnde Schiffe entgegengeschickt habe, um dessen Ankunft zu beschleunigen, und ihn zur Vereinigung mit der Cochraneschen Escadre zu leiten. Jetzt ist genannter Admiral wirklich bey den Leewardinseln angekommen, wie folgendes zu London publicirtes Bulletin zeigt "Admiralitätsbüreau, 23. Aug. Nach Depeschen, welche diesen Morgen von Sir John Warren, durch die zu Plymouth eingelaufene Sloop, the Saracen, eingegangen sind, war besagter Viceadmiral am 12. Jul. zu Barbadoes ang kommen, und am 14. wieder nach St. Barthelemy unter Segel gegangen, in der Absicht, den Feind aufzusuchen, und ihn auf dem, nach den eingezogenen Erkundigungen, vermuthlich von ihm eingeschlagenen Wege zu verfolgen. Nach den letzten authentischen Nachrichten, welche man über die feindliche Escadre hatte, war sie am 7. bey Portorico erblickt worden, und zwar, wie man hinzufügte, mit 1 Linienschiff und 2 Fregatten verstärkt."

[9]
Großbrittanien.

Berichte aus Jamaika machen es höchst wahrscheinlich, daß ausser dem Geschwader des Admiral Guillaumez, nach zwey feindliche Linienschiffe in Guadeloupe waren. Auch wird erwähnt, daß zwey Spanische Linienschiffe in der Havannah ausgerüstet wurden, und die Ankunft eines Geschwaders aus Europa erwarteten, um zu demselben zu stossen.

Das Geschwader des Adm. Louis, aus 7 Linienschiffen, einer Fregatte und einer Schaluppe bestehend, verließ den Hafen von Portsmouth am 28. August Nachmittags um 5 Uhr, um, wo möglich, noch dem Feinde den Weg in die Französischen oder Spanischen Häfen zu versperren.

Es heißt, Admiral Cochrane sey nur dadurch verhindert worden, den Feind bey Tortola zum Gefecht zu bringen, daß 2 seiner Schiffe, die Canada und A~amemnon, die Schießlöcher des untern Verdecks nicht öffnen konnten.

[10]
Großbrittanien.

In einem Berichte aus Portsmouth vom 22. Aug. wird erzählt: "Gestern Abend kam die Sloop Saracen, Capitain Provost, zu Sir J. B. Warrens Geschwader gehörig, mit der Nachricht von der Ankunft des Geschwaders zu Barbadoes am 12. Jul. hier an. Sir John gieng nicht vor Anker, sondern nahm sogleich, nachdem er über Jerome Bonapartes Geschwader Nachricht erhalten, seine Richtung windwärts von Guadeloupe und den andern Inseln, während die Slopp Saracen unter dem Winde vor diesen Inseln recognosciren mußte, und beyde eilten den Jungfern-Inseln zu. Am dritten Tage begegnete der Saracen der Sloop Osprey, die Depeschen von Sir John hatte, womit der Saracen nach England abgeschickt wurde. Das letzte Schiff mußte, um Wasser einzunehmen, in Tortola einlaufen, wo es am 13. ankam, und erfuhr, daß 9 Tage zuvor Jerome Bonapartes Geschwader, aus 7 Linienschiffen und 3 Fregatten bestehend, (denn 1 Schiff von 80 Canonen und 3 Fregatten waren dazu gestossen, nachdem es Martinique verlassen,) vor jenem Hafen gelegen hatte, wie man vermuthete, in der Absicht, die in der Bay liegenden Brittischen Schiffen zu zerstören, daß es aber bey Erscheinung des Admirals Cochrane sogleich zwischen den Jungfern-Inseln hindurch gesegelt sey. Admiral Cochrane setzte ihm 3 Tage lang nach, bey so heftigem Winde, daß der Agamemnon seine Schußlöcher am untern Verdeck nicht öffnen konnte. Da Cochrane aber zu finden glaubte, daß das feindliche Geschwader Westindien verlassen hatte, und mit vollen Segeln nach Norden eilte, machte er seinem Nachsetzen ein Ende, ließ die Fregatten Galatea und Circe zurück, um den Feind zu beobachten, und kehrte nach seinem Posten zur Bedeckung der Inseln zurück. Während der Saracen zu Tortola lag, kam ein neutrales Schiff daselbst an, und erzählte, daß das Französ. Geschwader später dennoch eine südliche Richtung genommen habe, und am 12. durch die Passage von Mona gelaufen sey, um, wie man vermuthete, an der Küste von St. Domingo hinab und nach Havannah zu segeln. Der Feind war ungefähr 8 Tagreisen von Sir J. Warren, der genaue Nachricht von ihm besaß.

Nach Berichten, welche von Sir E. Gower bey der Admiralität eingegangen waren, hatte Adm. Warren die Escadre des Adm. Villaumez bis in die Gewässer von Neufoundland verfolgt, aber ohne sie zu treffen. Da sich die Französ. Escadre nach Schifferberichten am 20. Jul. vor Charlestown befunden haben soll, so glaubte man in England, Sir Warren werde ihr auch dahin nachgesegelt seyn.

[11]
Großbrittanien.

Das Americanische Schiff Tippo-Saib war der Französ. Escadre von Villaumez am 10. Aug. bey Neufoundland begegnet. Der Veteran hatte sich kurz vorher von derselben getrennt. Bey einem andern Americanischen Schiffe hatten sich die Franzosen sehr genau nach der zurückkehrenden Englisch-Westindischen Kauffahrteyflotte erkundigt. Auch hatte sie Nachricht, daß die Escadre des Admirals Warren sie aufsuche.

Das Linienschiff Agamemnon ist am 10. Sept. aus Westindien in England angelangt. Dieses Linienschiff war am 17. Jul. von der Escadre des Admirals Cochrane abgegangen, welche damals auf der Rückreise nach Barbadoes war. Die Französische Escadre war am 7. Jul. mit einem Schiffe verstärkt worden, und ihre Macht war 3 Schiffe grösser, als die der Engländer, die am 16. den Feind im Gesicht gehabt hatten.

[12]
Großbrittanien.

Die Französische Escadre des Admirals Villaumez war am 10. Aug. unterm 33. Grad der Breite und 69. der Länge erblickt worden. Acht Tage nachher sah man die heimkehrende grosse Westindische Handelsflotte, welcher Adm. Villaumez aufzulauern scheint, unterm 29. Grad der Breite und 62. der Länge. Sie hatte 4 Linienschiffe zur Escorte.


Briefe.Bearbeiten

[13]
Ein Schreiben aus St. Thomas vom 8. Jul. sagt:

"Vorgestern Mittags segelte eine Französische Flotte von 5 Linienschiffen von 74, einem von 84, einer Fregatte und 2 Schoonern, dicht vor unserm Hafen vorbey. Eine halbe Stunde darauf folgte ihr eine Englische Flotte von 4 Linienschiffen, drey Fregatten und einem Schooner. Als die Französischen Schiffe die Vorderseite der Insel erreicht hatten, bildeten sie eine Linie, und erwarteten die Engländer. Als diese die Manövers der Franzosen gewahr wurden, liefen sie unter den Wind, und postirten sich in einer Entfernung von etwa 2 Seemeilen bis um 5 Uhr, wo die Engländer nach Süden, und die Franzosen nach Westen steuerten. Es waren die Escadren unter Villaumez und Cochrane.

[14]
Amerikanische Zeitungen vom 1. Aug. enthalten folgendes Schreiben des Adm. Cochrane an den Brittischen Consul, Hrn. Hamilton, in Neuyork:

Northumberland vor Tortola, den 12. Julius 1806. "Ich habe gerade einen Augenblick Zeit, um Ihnen zu sagen, daß wir die Französische Flotte bis zum westlichen Ende der Durchfahrt von Tortola verfolgten. Der Feind segelte vor dem Winde; seine Macht war zwey 84ger und vier 74ger, die meinige drey 74ger und ein 64ger. Hätte er seinen Lauf fortgesetzt, so gedachte ich ihm nach Eintritt der Nacht einen Besuch zu machen, allein er segelte nördlich, und ich sah noch drey Schiffe zu ihm stossen. Hierauf kehrte ich nach Tortola zurück, welche Insel nebst der Convoy an dem Tage, an welchem ich erschien, hätte zerstört werden sollen. Ich hoffe Verstärkung zu erhalten, und ihn noch mit Glück zu Gesicht zu bekommen."

[15]
Folgendes ist die Abschrift eines Briefes von einem Passagier auf dem Chiswick:

"Ungefähr den 17. Aug. haben wir einen Americaner gesprochen, der 8 Tage vorher einem Französischen Geschwader von 5 Linienschiffen begegnet war. Tages vorher hatten sich ein Linienschiff und eine Fregatte von demselben getrennt; sie waren damals nord- und westwärts von den Bermuden, und richteten ihren Cours nach Nordwesten. Sie hatten Nachricht erhalten, daß der Admiral Warren Jagd auf sie mache, und waren ohne Zweifel damals auf der Flucht begriffen. Den 29. Aug. haben wir den Leviathan von Granada gesprochen; derselbe verließ die Kauffahrte~flotte zwey Tage vorher unter einer starken Bedeckung. Ein Admiral war auf einem der Kriegsschiffe, und wie der Capitän gehört hatte, war er nicht Willens dieselbe zu verlassen.


Quellen.Bearbeiten

  1. Europäische Annalen Jahrgang 1807 von D Ernst Ludwig Posselt. Tübingen in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1807.
  2. Wiener Zeitung. Mittewoche, den 2. Julius 1806. Nro. 53.
  3. Wiener Zeitung. Mittewoche, den 9. Julius 1806. Nro. 55.
  4. Wiener Zeitung. Nro. 57. Mittewoche, den 16. Julius 1806.
  5. Wiener Zeitung. Nro. 67. Mittewoche, den 20. August 1806.
  6. Wiener Zeitung. Nro 72. Sonnabend, den 6. September 1806.
  7. Wiener Zeitung. Nro 74. Sonnabend, den 13. September 1806.
  8. Wiener Zeitung. Nro 76. Sonnabend, den 20. September 1806.
  9. Wiener Zeitung. Nro 77. Mittewoche, den 24. September 1806.
  10. Wiener Zeitung. Nro 79. Mittewoche, den 1. October 1806.
  11. Wiener Zeitung. Nro 80. Sonnabend, den 4. October 1806.
  12. Wiener Zeitung. Nro 83. Mittewoche, den 15. October 1806.
  13. Wiener Zeitung. Nro 73. Mittewoche, den 10. September 1806.
  14. Wiener Zeitung. Nro 77. Mittewoche, den 24. September 1806.
  15. Wiener Zeitung. Nro 80. Sonnabend, den 4. October 1806.
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