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Bericht des Fürsten von Hohenlohe an Se. Majestät den König von Preussen.Bearbeiten

[1]
Von dem Schicksale der traurigen Ueberreste des Armee-Corps des Fürsten von Hohenlohe giebt uns folgender Bericht desselben nähere Nachricht.

"Ich habe nicht das Glück gehabt, die mir anvertrauete Armee über die Oder zu führen, und sie so dem weitern Verfolgen des Feindes zu entziehen. Nachdem ich durch die angestrengtesten Märsche den 27sten October die Gegend von Boitzenburg erreicht hatte, und im Begriff war, dieses Defilé zu passiren, um Prenzlau noch am nämlichen Abend zu erreichen, fand ich dieses Defilé bereits vom Feinde besetzt. Ich forcirte es zwar, hielt es aber doch nicht für rathsam, den Marsch noch nach gerader Richtung fortzusetzen, weil meine Cavalerie, ohne Fourage, seit mehreren Tagen äusserst ermüdet war, und ich beim Anbruch des Tages ein Cavaleriegefecht zu erwarten hatte, dessen unglücklicher Ausgang zu befürchten war; ich wandte mich also schnell links, und erreichte in der Nacht die Gegend von Schönermark. Ich hatte befohlen, dass schon um 2 Uhr nach Mitternacht starke Patrouillen gegen den Feind vorgehen sollten. Diese Patrouillen kamen zurück, und brachten keine Nachrichten des Feindes. Um in keinen Cul-de-Sac hineinzugehen, poussirte ich endlich eine Patrouille bis Prenzlau. Sie brachte die Nachricht, kein Feind lasse sich in der Gegend sehen, und in Prenzlau habe sich keine feindliche Patrouille gezeigt. Ich setzte mich also in Marsch, um Prenzlau zu erreichen, wo ich Brod und Fourage zu finden hoffte. Alles bat um Brod und Fourage, die Noth war sehr gross. Kaum hatte ich die Höhen von Prenzlau erreicht, als sich der Feind auf meiner rechten Flanke zeigte. Es kam sogleich zum Gefecht; die überlegene feindliche Macht und deren Artillerie zwang mich zum Rückzuge durch Prenzlau. Die Hoffnung, hier Brod und Fourage zu erhalten, war wieder durch des Feindes Andringen gänzlich vereitelt. Es zeigte sich feindliche Corps in meiner rechten Flanke: der Feind, an Artillerie und Cavalerie weit überlegen, war im Begriff, die Attake auf meine Fronte zu erneuern. Viele Bataillons waren meist ohne Taschenmunition, meine ganze reitende Batterie war verloren, und ich hatte, nach der Anzeige des Obristen von Hüser, für die meisten übrigen Kanonen nur noch fünf Schüsse. Von Stettin war ich noch 7 Meilen entfernt, und selbst der Schein von Hoffnung, auf diesem Marsche die geringste Verpflegung zu erhalten, war verschwunden. Von dem bei Lichen stehen gebliebenen Soutien und dem General von Blücher bereits abgeschnitten, ohne Cavalerie, die zu fechten im Stande war, weil diese Cavalerie bereits durch die Müdigkeit ihrer Pferde alles Selbstvertrauen verloren hatte, ohne Taschenmunition, hauptsächlich aber ohne alle Lebensmittel, endlich in der Ueberzeugung, dass ich das Leben dieser Menschen, aus dem der kleine Haufe noch bestand, ohne allen Nutzen für den Dienst Ew. Majestät aufopfern würde, habe ich mich einem harten Schicksale unterworfen, und mit dem Feinde eine Capitulation geschlossen, deren nähere Bedingungen Ew. Königl. Majestät aus der Beilage zu ersehen geruhen wollen. Ich kann mein Verfahren während dieses ganzen Feldzuges vor den Augen der Mit- und Nachwelt, vor den Augen Ew. Königl. Majestät, und vor dem eigenen Blicke rechtfertigen, den ich ruhig und gelassen in mein Innerstes thue. Ich glaube, beweisen zu können, dass ich das unglückliche Opfer der Nichtbefolgung meiner früher gethanen Vorschläge war, mich trifft nur das Unglück, nicht die Schande. Die Ueberlegenheit der feindlichen Cavalerie hatte schon vor einigen Tagen das ganze Detaschement des Generals von Schimmelpfenning grösstentheils ruinirt, und auf die Existenz dieses Corps, welches alle Brücken über den Rhinow, die Havel und den Finowkanal zerstören sollte, musste ich die Möglichkeit meines Marsches bauen. Aus den Beilagen ersehen Ew. Königl. Majestät die Grösse des Verlustes des eben genannten Detaschements. Ich habe eine Armee angeführt, die, ohne Brod, ohne Fourage und ohne Munition auf dem Bogen eines Kreises einen Pass erreichen sollte, der auf der Sehne eben dieses Kreises lag, und auf dieser Sehne bewegte sich der Feind. Nicht in meinem Eifer, noch gutem Willen, in der Sache selbst, und auch nicht in der Unzweckmässigkeit meiner Anordnungen, lag die Unmöglichkeit, den Zweck zu erreichen. Beklagen muss man mein grosses Unglück; den Stab kann man mir nicht brechen. Ich behalte mir vor, Ew. Kön. Maj. einen ausführlichen Bericht über alle Ereignisse zu Füssen zu legen, welche mich sein dem 14ten betroffen haben." --

"Prenzlau, den 29sten Oct. 1806."
"F. L. F. zu Hohenlohe."


Augenzeugenbericht. Bearbeiten

[2]
Wolhelius.

Mein Herr!

Das erste Heft Ihrer Löscheimer bekam ich neuerdings in meine Hände, und sah darin mit Vergnügen, daß Ihnen jeder Aufsatz, der der Tendenz Ihres Journals entspräche, willkommen seyn sollte.

Ich bin ein geborner Brandenburger; zwar außer den Staaten meines Königs possessionirt, beugte mich das Unglück meines Vaterlandes sehr tief; eine Reise nach Stargard in Pommern, in ökonomischer Hinsicht, welche schon Mitte Oktob. 1806 von mir unternommen werden sollte, verschob ich immer von einem Tage zum andern, um nicht Zeuge der traurigen Stimmung meiner guten Landsleute zu seyn, endlich aber, gegen den 25sten Oktober, da die Nachricht von der Besetzung der Franzosen von Berlin nur sich zu sehr bestätigte, und meine Reise nun die größte Eile erforderte, reiste ich mit meinem Schwager (welcher sehr gut französisch spricht) aus hiesiger Gegend ab, und kam den 26sten zu Mittag nach dem Dorfe Loeknitz auf der Straße nach Stettin. Hier fand ich einen preußischen Husaren-Officier mit einigen Mann, welcher entsetzlich auf den Stettiner Commandanten erbittert war, und wie er hörte, daß ich durch Stettin wollte, mir auf sein Ehrenwort versicherte, daß niemand mehr durchgelassen würde, sondern die Festung gesperrt sey, und der Commandant ihn selbst mit seinem Commando abgewiesen habe. Um mir keine vergebliche Reise zu machen, beschloß ich sogleich umzukehren, meinen Onkel in der Gegend von Templin zu besuchen, und dann bei Schwedt über die Oder zu gehn. Ich langte den 26sten Oktober spät in Prenzlow an, und die erste mir so erfreuliche Nachricht, die wir hörten -- war, daß morgen der Fürst Hohenlohe mit seinem Corps hier durchmarschiren würde; auch sah ich schon einige preußische Officiere in der Stadt. Da ich sehr begierig war, diesen allgemein geschätzten Fürsten von Person kennen zu lernen, und mir auch die Freude nicht versagen wollte, ein Corps von den Truppen meines Königs zu sehn, welches alle seine Kräfte aufbot, um die Armee des Königs zu erreichen, so beschloß ich bis morgen Mittag hier zu verweilen.

Der unglückliche 27ste Oktober brach an, und ich ritt mit meinem Schwager dem Corps entgegen, welches wir eine starke Meile von der Stadt erreichten. Die Cavallerie-Avantgarde hielt uns an, und brachte uns zurück bis zum Fürsten, welcher an der Spitze der Truppen ritt. Se. Durchlaucht frugen uns -- nachdem wir uns gehörig legitimirt hatten -- ob bei Prenzlow nichts von Feinden wäre gesehen worden? ich konnte dieß mit gutem Gewissen verneinend beantworten, und so ging der Marsch langsam fort, indem die Leute so ermattet waren, daß sie mehr schlichen als gingen. Kaum waren wir noch eine halbe Meile von der Stadt entfernt, als man auf den Höhen, uns rechter Hand, Cavallerie bemerkte, und kurz darauf hörte ich mit Schrecken, daß ein Officier dem Fürsten meldete, die Franzosen wären im vollen Anzuge über Templin gegen Prenzlow zu; ich ritt zu der Avantgarde vor, und theilte einem alten Cav. Unterofficier meine Besorgniß mit, welcher mir den klugen Rath gab, ich möchte eilen, die Stadt zu erreichen; denn, sagte er, die verd-- K-- werden uns wohl nicht so ruhig abziehen lassen? -- Ich und mein Schwager säumten nicht, seinem klugen Rath zu folgen, eilten nach der Stadt, und mein Vorsatz war, ruhig den Ausgang auf meiner Stube abzuwarten; allein mein Begleiter, dessen Neugierde nicht zu bezähmen war, beredete mich, mit einem guten Fernrohr versehen, mich mit ihm nach den nächsten Häusern am Templiner Thor zu begeben, um von da die ganze Gegend übersehen zu können. Wir erstiegen glücklich den Boden eines der höchsten dortigen Häuser, und kaum waren wir oben, so hörten wir schon einige Schüsse fallen, und bemerkten, daß bereits die preußische und französische Cavallerie sich schon einzeln amüsirten. Mittlerweile sahen wir die preußische Infanterie-Colonne sich langsam gegen die Stadt fortbewegen; kaum hatten sie die äußere Vorstadt erreicht, so zog sich ein Trupp rechts aus der Colonne heraus, und setzte sich außerhalb den Häusern rechte und links an der Straße von Templin. -- Dieß war, wie ich nachher erfuhr, das Grenadier-Bataillon Graf Dohna. -- Während dem zog sich das übrige Corps durch die Stadt nach den jenseitigen Höhen, nur einige Cavallerie blieb diesseits der Stadt bei dem Grenadier-Bataillon. Unsere ganze Aufmerksamkeit war nun auf den Punkt gerichtet, wo das erwähnte Gren. Bat. stand. Mit inniger Freude bemerkte ich, daß ich mich nicht getäuscht hatte, es waren noch immer die alten Preußen! und ich überzeugte mich, daß unter günstigern Verhältnissen, und mit gestärkten Kräften, daß heißt, mit vollen Magen, man alles mit diesen Truppen hätte ausführen können. --

Aus der Entfernung wurden wir gewahr, daß die Franzosen 2 Batterien aufführten, und ihre Cavallerie sich in der Ebene sammelte -- es konnten leicht 5 Regimenter seyn. -- Beinahe eine volle Stunde stand dieß brave Grenadier-Bataillon Graf Dohna im heftigsten Kanonen- und Granatenfeuer, so ruhig und gelassen, daß ich auch nicht die geringste Bewegung unter ihnen bemerkte; ihre 2 Kanonen machten ein ununterbrochenes Feuer, und mit so gutem Erfolg, daß einige Kanonen der Franzosen zu schweigen anfingen. Anfangs verlor das Bataillon wenig Leute, da die Kugeln meistens über sie weggingen; da aber die französischen Kanonen näher rückten, sahe ich den Commandeur vom Pferde stürzen; in einem Augenblick stand er aber wieder auf den Beinen, und ich bemerkte mit Freuden, daß er nicht getroffen, sondern seinem Pferde der Hinterfuß zerschmettert war. Nun sah ich aber mit Schrekken, das Kugel auf Kugel ins Bataillon einschlug, und dennoch gewahrte ich kein Wanken, und alles stand unverrückt fest wie eine Mauer. Mittlerweile sah ich, daß selbiges wahrscheinlich Befehl zum Rückzuge nach der Stadt erhalten hatte; es fing an, sich mit der größten Ruhe nach der Stadt abzuziehn, nur ein kleines Detachement davon blieb rechts an der Straße bei einer Mühle stehn, dessen Loos traurig war, und das wegen seiner außerordentlichen Ausdauer und Bravour ein besseres Schicksal verdient hätte; denn kaum war der übrige Theil des Bataillons von da fort, so fiel der größte Theil der feindlichen Cavallerie über dieß kleine Häufchen her; der Anführer, welcher zu Pferde war, wehrte sich, so wie das ganze Detachement, wie Verzweifelnde, gegen diese Uebermacht, und wich nicht einen Schritt. Die daselbst befindliche wenige preußische Cavallerie versuchte einige Mal die feindliche zu werfen, allein wie wir sehen konnten, versagten ihnen ihre ausgehungerten und abgematteten Pferde den Dienst. Nach einem Kampf von ungefähr einer halben Stunde -- keine Hülfe kam nicht -- sahen wir den braven Anführer vom Pferde stürzen -- sein Name ist v. Taubenheim, Capitain im obengedachten Grenadier-Bataillon. Ich habe diesen würdigen Mann, welcher mit 4 Hieben und einer Stichwunde gefährlich verwundet war, den Tag nachher bei dem dortigen Stadt-Chirurgus Herrn Albrecht gesehen, und ewig unvergeßlich wird mit seine Standhaftigkeit und sein Gleichmuth bei seinen vielen Schmerzen und Leiden bleiben; ich glaube nicht, daß er mit dem Leben davon gekommen ist. -- So wie dieser brave Mann, mit Wunden bedeckt, vom Pferde stürzte, wurde dieser kleine muthige Haufe gänzlich umringt, theils niedergehauen und gefangen. Dieser Anblick war für mich als ruhiger Zuschauer und als -- Preuße -- schrecklich und grauenvoll. Ein gleicher Anblick folgte dem ersteren gleich auf dem Fuße nach. Ein Corps preußischer Infanterie, welches als Arriergarde des Hohenlohschen Corps anzusehen war, kam die Straße von Schönermark her, und wollte auch die Stadt erreichen. Die ganze Masse der französischen Cavallerie stürzte sich auf dieses Corps, und auch dieses mußte, trotz seiner tapfern Gegenwehr, den ungünstigen Umständen weichen, und wurde auch theils niedergehauen und gefangen. Während dieses alles außerhalb der Stadt vorging, hatte der übrige Theil des Grenad. Bataillons Graf Dohna das Thor kaum erreicht, als die französische Cavallerie mit Macht nachdrang; der so tapfere Commandeur des Bataillons, Major Graf Dohna, dessen schnelle Entschlossenheit und Gleichmuth mir ewig merkwürdig bleiben wird, schlug selbst, mit Hülfe einiger seiner braven Grenadiere, das Stadthor zu; indessen konnte er es doch nicht hindern, daß einige französische Cavalleristen mit seltener Tollkühnheit in die Stadt durchs Thor eindrangen, welche aber in einem Nu todt von ihren Pferden lagen. Das Thor wurde verrammelt, und die 2 Kanonen darhinter gepflanzt; der übrige Theil des Bataillons war rechts dem Thor, den Rücken nach die Häuser postirt. Mir war nach diesen Anstalten auf meinem Observatorio nicht wohl zu Muthe, allein mein beherzter Schwager wollte nicht von seinem Platze weichen, ich mußte daher geduldig ausharren, und es reute mich nicht. --

Die französische Cavallerie drang indessen in dicht geschlossenen Reihen immer mehr ans Thor, schlug mit den Säbeln an dasselbe, fluchte schrecklich, und wahrscheinlich einer von den kommandirenden Officiers rief auf französisch: öffnet das Thor, oder ich laß es erbrechen. Der sich immer gleich bleibende Major, Graf Dohna, erwiederte mit größter Kaltblütigkeit auch auf französisch: "Nun wohl, zwei Kanonen mit Kartätschen, dieses wird meine Antwort seyn." -- Mein Schwager übersetzte mir dieß in der Eile; das Französische selbst habe ich nicht behalten. -- Auf diese bestimmte Antwort machten sie zwar keine weitern Anstalten, das Thor zu stürmen; indessen suchten sie ohnweit dem Thor durchzubrechen, allein die stete Wachsamkeit des würdigen Commandeurs vereitelte auch dieses Unternehmen. Kurz nachher kam ein Adjudant des Fürsten von Hohenlohe ans Thor, und holte daselbst einen französischen Officier ab, mit dem er durch die Stadt zum Fürsten ritt; die Bedeutung davon konnte ich mir nicht erklären, allein mein Schwager meinte, dieß bedeute nichts Gutes -- welches auch leider eintraf -- und rieth nun selbst, in unser Wirthshaus zurückzukehren. Kaum waren wir auf unserer Stube, als wir das obengedachte Grenad. Bataillon unter unsern Fenstern vorbei marschiren sahen, eine halbe Stunde darauf waren die Franzosen in der Stadt. Mit der größten Noth erhielten wir unsere Pferde, und ich eilte, nicht ohne große Furcht, den 28sten zu meinem Onkel, wo ich auch nichts als Verwüstung erblickte. Bald darauf sprach ich einige Wirthschaftsbeamten aus dem kleinen Flecke Boizenburg, 2 Meilen von Prenzlow, denen ich meine gemachten Bemerkungen mittheilte. Dasselbe Corps hatte den 26sten Oktob. Abends bei Boizenburg schon eine Bedeutende Affaire mit den Franzosen gehabt, wo nach deren Erzählung von beiden Theilen viele Menschen geblieben sind; auch aus deren Munde hörte ich nichts als Lob über die Bravour meiner guten Landsleute; das Grenadier-Bataillon Graf Dohna wurde auch vorzüglich dabei erwähnt, es war das erste, welches mit gefälltem Bajonet in den Flecken eindrang, und trotz einer bedeutenden Gegenwehr, die französische Cavallerie und Voltigeurs herauswarf. Die Schützen des Bataillons stritten sich hartnäckig um den Besitz der Schloßbrücke, und behaupteten auch solche; ein Verwandter des Besitzers von Boizenburg -- sein Name ist v. Arnim, preußischer Lieutenant -- trug viel durch seine guten und zweckmäßigen Anstalten zur Behauptung dieses Postens bei.

So weit meine Bemerkungen; dieselben flossen aus der Feder eines wahrhaft treuen preußischen Patrioten und enthalten nichts als strenge Wahrheit, und nichts weiter, als wovon ich selbst Augenzeuge war. Meine schlichte und ungekünstelte Schreibart bitte ich zu entschuldigen, ich hatte nie Gelegenheit, dieselbe auszubilden. --

Ihrem gütigen Urtheile und Ihrem Gutdünken überlasse ich es, mein Herr! ob Sie es werth finden -- der Bravour des würdigen Cap. v. Taubenheim, und der männlichen Entschlossenheit des Major Graf Dohna, so wie auch das vortreffliche Benehmen des ganzen Bataillons -- in Ihrem Journale Erwähnung zu thun.

Wie wohl thut es nicht einem Mitgliede der preußischen Nation, hier einige Züge echter preußischer Tapferkeit und muthiger Ausdauer bei dem größten Mangel, mittheilen zu können, um damit die so vielen entehrenden Ausfälle auf die preußische Armee in den vertrauten Briefen und Feuerbränden xc. zu widerlegen.

Ich bin mit der größten Achtung
Mein Herr
Ihr ergebenster Diener Wolhelius, Oekonom.
Aus der Gegend von Fürstenberg im Meklenburgischen, den 3ten Jan. 1808.


Züge der Tapferkeit.Bearbeiten

[3]
Züge der Tapferkeit im Preußischen Heere, während des Krieges 1806 und 1807.


Man hat die heroische Aufopferung des Junkers von Kleist, vom Infanterie-Regiment von Treskow, der in der Schlacht bei Halle am 17ten October 1806 mit seiner Fahne sich in die Saale stürzte, allgemein bewundert; ein ähnlicher Fall ereignete sich bei der Kapitulation des unter dem Commando des Fürsten zu Hohenlohe-Ingelfingen bei Prenzlau gefangen genommenen Preußischen Armee-Corps.

Unter den Reserve-Regimentern dieses Corps befand sich auch das Regiment Sr. Majestät des Königs, auf welches einige Regimenter feindlicher Kavallerie einstürmten.

Der Junker von Petersdorff, in der Ueberzeugung, seine Fahne nicht retten zu können, zerbrach si. selbst in mehrere Stücke, und suchte dann mit den Resten davon sein Leben theuer zu erkaufen, wobei er mehrere gefährliche Wunden erhielt, aber doch seinen Zweck erreichte, daß die ihm anvertraute Fahne nicht die Beute der Sieger wurde.

Bei dieser Gelegenheit zeigte sich ein feindlicher Chasseur von einer so edelmüthigen Seite, daß er einer besondern Erwähnung mit Recht verdient.

Er machte den Lieutenant von Platen von demselben Regiment, nachdem er ihm mehrere Wunden beigebracht, zu seinem Gefangenen, und nahm ihm, nach dem conventionellen Recht des Stärkern, Börse, Uhr, und was er sonst an Werth bei sich hatte, als gute Beute ab.

Nach kurzer Frist kehrte der Chasseur aus freien Stücken zurück, und fragte die auf einem Platz zusammenstehenden gefangenen Officiere: wo der junge Officier sey, der von ihm verwundet und geplündert worden.

"Ich bin es!" sagte endlich der Beraubte.

"Nun, so nehmen Sie Ihr Eigenthum zurück!" rief der Chasseur: "ich habe Sie verwundet. Sie brauchen es nöthiger als ich." Bei diesen Worten warf er ihm Geld, Uhr und alles hin. Der Gefangene wollte davon keinen Gebrauch machen, aber alles Weigern half nichts, er bat ihn endlich, wenigstens die Hälfte als Beute zu behalten; aber umsonst, der Chasseur gab seinem Pferde die Spornen und eilte so schnell davon, daß er nicht einzuholen war.


Quellen. Bearbeiten

  1. Historisch-militärisches Handbuch für die Kriegsgeschichte der Jahre 1792 bis 1808. Von A. G. Freiherrn von Gross. Amsterdam, im Verlage des Kunst- und Industrie-Comptoire. 1808.
  2. Löscheimer. Herausgegeben von H. v. L--n. Ein Journal in zwanglosen Heften. 1808.
  3. Das Vaterland. Beiträge zu einer Geschichte der Zeit, Versuche zur Veredlung des Nationalgeistes und zur Erhebung der Kunst und Industrie. In zwanglosen Heften. Berlin, bei Friedrich Maurer, 1808.
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