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Carlsbad.Bearbeiten


Carlsbad,[1] eine kleine offene Stadt in Böhmen, und zwar im saazer Kreise, elnbogner Antheils, zwischen hohen Bergen in einem engen Thal an der Tölpel, welche mitten durchfließt. Sie hat ungefähr 3000 Einwohner, und ist vorzüglich wegen ihrer wohlthätigen Quellen berühmt, welche jährlich oft zwischen 6 bis 800 Menschen dort versammeln. Die beiden vorzüglichsten Quellen in Carlsbad sind 1. der Sprudel, die Hauptquelle, deren Entdeckung im Jahr 1319, und zwar der Sage nach, von Kaiser Carl IV. geschehen seyn soll, als er einen Hirsch verfolgt, welcher von einem hohen Felsen (der noch bis jetzt der Hirschsprung heißt) herabgesprungen, und durch diesen Sprung die Quelle geöffnet habe. Der Sprudel ist die heißeste der carlsbader Quellen; die Wärme desselben beträgt im Durchschnitt 165 Grad nach Fahrenheit. 2. Der Neubrunnen, dessen Wasser minder heiß ist, und seit einigen Jahren stark getrunken wird. Die dasigen Einwohner machen vortreffliche Stahl- und Eisenarbeit.


Zeitungsnachrichten.Bearbeiten

[1812]

Prag, den 10ten July. [2]

Von allen Seiten gehen die erfreulichsten Nachrichten über die Reise des österreichischen Kaisers und der Kaiserin von Frankreich ein. Ueberall wurden sie feyerlich empfangen, besonders zu Karlsbad am 2ten, wo sie in dem Gasthofe zum blauen Löwen abtraten. Am 3ten July besuchten I. I. M. M. die Karlsbader Mineralquellen, und ließen sich eine vollständige Beschreibung der Sprudelquelle vorlegen. Nachmittags wurde eine Spazierfahrt zum sogenannten Mylordstempel unternommen, und die anmuthigen Schattengänge des Drey-Kreuzberges zu Fuße durchwandelt; bey dem Austritt wurden die Wege von der weiblichen Schuljugend mit Blumen bestreut, und den Majestäten das von dem Geheimenrathe von Göthe für diese Gelegenheit verfaßte Huldigungsgedicht überreicht. Abends um 9 Uhr hatte der feyerliche Aufzug der Bergmannschaft statt. Mehr als 3000 Bergleute zogen unter Anführung ihrer Beamten mit brennenden Grubenlichtern, unter Ablösung der Pöller und Erschallung mehrerer Musikchöre, nach Karlsbad ein, stellten sich auf dem Platz vor den Wohnungen Ihrer Majestäten in einem Dreyeck auf, und blieben, unter Salutirung und Senkung der Fahnen, unter abwechselnden Musikchören, eine Zeitlang aufgestellt, worauf dieselben, unter allgemeinen Vivatrufen und Schwingen der hellleuchtenden Grubenlichter, mit klingendem Spiele reihenweise abmarschirten. Karlsbad und die Gipfel der die Stadt umgebenden hohen Berge waren erleuchtet. Am 4ten July hatte die Bergstadt Schlaggenwald das hohe Glück, Se. Majestät, den Kaiser, Ihre Majestät, die Kaiserin von Frankreich, Se. Kaiserl. Hoheit, den Großherzog von Würzburg, von einem ansehnlichen hohen Gefolge begleitet, in ihre Mauern aufzunehmen.

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Am 5ten, Vormittags, fuhren die Herrschaften von Karlsbad nach Eger ab. (Die Kaiserin ist am 7ten, um Mitternacht, zu Bamberg und am 8ten zu Würzburg eingetroffen.)


Karlsbad, den 30sten July.

Gestern stand die hiesige Badeliste auf 663. Ausser einigen russischen Familien, der Fürstin Sangusko, dem Grafen Stackelberg, dem Herrn von Alopäus, machen die Sachsen und Preussen die Mehrzahl der Badegäste aus. Die Herzogin von Kurland lebt bey ihrer Schwester, der Gräfin von der Recke, sehr eingezogen, wie denn überhaupt die ausserordentliche Theurung und die Zeitläufte selbst von allen Seiten Einschränkung gebieten. Eine Tasse Chokolade kostet 8 gGr., eine Portion Kaffee eben so viel in klingender Münze, und so nach Verhältniß alles Uebrige. Nur die Güterbesitzer und großen Proprietärs gewinnen dabey durch Verkauf ihrer Erzeugnisse.


Quellen.Bearbeiten

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 172. Donnerstag, den 18/30. July 1812.
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