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Kiel.Bearbeiten


Kiel,[1] ansehnliche Stadt mit einem guten Hafen, an einem Meerbusen der Ostsee. Sie war bis 1773 die Hauptstadt der großfürstlichen Holstein-Gottorpischen Lande in Deutschland, welche gegen Oldenburg und Delmenhorst an Dänemark vertauscht wurden. Das jezt unbewohnte Schloß liegt überaus anmuthig, enthält die Universitätsbibliothek und auf einem seiner Thürme die Sternwarte. Der Schloßgarten und der Spatziergang am Strande sind nicht minder schön. In dem Bezirke des Schlosses liegt auch das neue 1768 eingeweihte ansehnliche Gebäude der hiesigen Universität, welche Herzog Christian Albrecht von Holstein gestiftet hat. Es enthält dasselbe ein großes sehr schönes, und ein kleineres Auditorium, das Consistorienzimmer, ein wohleingerichtetes anatomisches Theater samt dazu gehöriger Präparirkammer, ein ansehnliches geräumiges Reithaus mit einer offenen Reitbahn. Die im J. 1665 gestiftete Universität hat einen Fond zu 20,000 Thl. Einkünften, 19 ordentliche und noch 10 ausserordentliche Professoren, und im Durchschnitte über 150 Studierende. Einen guten Vortheil bringt dieser Stadt der sogenannte Umschlag, da alle Jahre nach dem heiligen drey Königs-Tage der Schleßwig-Holsteinische Landadel, viele Beamte, Kaufleute und andere angesehene Personen, hier zu Umsetzung, Ausleihung und Wiedereinfoderung ihrer Gelder zusammen kommen. Bey dieser Gelegenheit wird ein großer Jahrmarkt gehalten, der bis Lichtmesse dauert. Wer nicht bezahlen kann, der muß in das Einlager gehen, er sey wer er wolle. Die Zahl der Häuser in Kiel beläuft sich auf 800, und die der Einwohner gegen 7000. Unter diesen befindet sich eine kleine Gemeine von der griechischen Religion, die ihren Geistlichen hat, und seit 1773 in geistlichen Sachen unter der Russischen Gesandschaft zu Coppenhagen stehet. Die größern Strassen sind gerade, gut gepflastert, im Winter der Nacht erleuchtet, und führen größtentheils nach dem geräumigen Marktplatz. Der Handel der Stadt beschäftigt sich mit Getreide, Fettwaaren, Schiffbauerey, vorzüglich aber mit Speditionsgeschäften. Es sind auch Hut- Tabak- Stärkfabriken und eine große Zuckerrafinerie in der Stadt.


Zeitungsnachrichten.Bearbeiten

[1812]

Kopenhagen, den 7ten Januar. [2]

Zu Kiel soll dieses Jahr ein Seebad angelegt werden. Die reizenden Umgebungen dieser Stadt werden dieser Anlage sehr förderlich seyn.


Kiel, den 1sten December. [3]

Die Anzahl der Fremden, die Rußland verlassen haben und durch unsere Stadt passirt sind, ist schon beträchtlich. Man bemerkt unter ihnen viele Deutsche, Italiener und Schweizer.


Quellen.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
  2. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 16. Donnerstag, den 18. Januar 1812.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 294 Sonnabend, den 7/19. December 1812.
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