Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Actenstücke über die Räumung Portugalls.[]

[1]
Waffenstillstand, geschlossen zwischen dem H. Chevalier Arthur Wellesley, General-Lieutenant und Ritter des Bathordens, einerseits, und zwischen dem H. Divisions-General Kellermann, Großofficier der Ehren-Legion, Commandeur des Ordens der eisernen Krone, und Großkreuz des Löwenordens von Bayern, andererseits, -- beyden durch die Generale der respectiven französischen und englischen Armeen Bevollmächtigen.

Im Hauptquartier der englischen Armee am 22. August 1808.

1. Art. Es soll vom heutigen Tage an ein Waffenstillstand zwischen den Armeen Sr. britt. Majestät und Sr. Majestät des Kaisers und König Napoleon I. zu dem Ende Statt haben, um wegen einer Convention zur Räumung von Portugall durch die französische Armee zu unterhandeln. 2. Art. Die Generale en Chef der beyden Armeen, und der Commandant en Chef der englischen Flotte am Eingange in den Tajo, werden über den Tag übereinkommen, an welchen sie sich auf einem Punkt der Küste, welcher ihnen schicklich scheint, treffen werden, um die genannte Convention zu unterhandeln und abzuschliessen. 3. Art. Der Fluß Firandre soll die Demarcations-Linie zwischen beyden Armeen bilden. Torres vedras soll weder von einer noch der andern Seite besetzt werden. 4. Art. Der H. General en Chef der englischen Armee wird sich verbindlich machen, die bewaffneten Portugiesen in diesem Waffenstillstande einzuschließen, und für sie wird die Demarcations-Linie von Leiria bis Thomar festgesetzt werden. 5. Art. Man ist provisorisch übereingekommen, daß die französische Armee in keinem Falle als Kriegsgefangen betrachtet werden könne; daß alle Individuen derselben nach Frankreich mit Waffen und Gepäck, und allem, was auch für Namen habenden, Partikular-Eigenthum, wovon ihnen nichts entzogen werden soll, zurückgebracht werden. 6. Art. Kein Partikulier, er sey Portugiese, er sey von einer mit Frankreich verbündeten Nation, oder er sey Franzose, wird wegen seines politischen Benehmens zur Rede gestellt werden können; er wird geschützt und sein Eigenthum respektirt werden, und es soll ihm freystehen, in einer bestimmten Zeitfrist mit Allem, was ihm angehört, Portugall zu verlassen. 7. Art. Die Neutralität des Hafens von Lissabon soll für die russische Flotte anerkannt werden, das heißt, so lange die englische Armee oder die englische Flotte sich im Besitze der Stadt und des Hafens befinden werden, soll die gedachte russische Flotte während ihrem Aufenthalte alldort weder beunruhigt, noch, wenn sie den Hafen verlassen will, aufgehalten, noch, wenn sie denselben verlassen hat, früher, als in den durch die Seegesetze bestimmten Zeitfristen, verfolgt werden. 8. Art. Alle Artillerie von französischen Kaliber, so wie die Cavalleriepferde, werden nach Frankreich zurückgebracht werden. 9. Art. Dieser Waffenstillstand darf nicht gebrochen werden, außer nachdem derselbe 48 Stunden vorher aufgekündet worden. Gegeben und beschlossen unter den endesgesetzten Generalen am obenbemerkten Tag und Jahr.

(Unterzeichnet:)
Arthur Wellesley.
Kellermann, Divisions-General.

Additionalartikel.

Die Garnisonen in den von der französischen Armee besetzten festen Plätzen sollen in der gegenwärtigen Convention mitbegriffen seyn, wenn sie nicht vor dem 25. des laufenden Monats capitulirt haben.

(Unterschriften wie oben.)


Definitive Uebereinkunft für die Räumung Portugalls durch die französische Armee.[]


Da die en Chef commandirenden Generale der englischen und französischen Armeen übereingekommen sind, wegen der Räumung Portugalls durch die französischen Armeen einen Vertrag nach der Grundlage des am 22. dieses Monats getroffenen Arrangements wegen eines Waffenstillstandes zu unterhandeln und abzuschließen, so ernannten sie folgende Officiere, um den genannten Tractat in ihrem Namen zu unterhandeln, nämlich: Der General en Chef der englischen Armeen den Oberst-Lieutenant Murray, Generalquartiermeister, und der General en Chef der französischen Armee den Divisions-General Kellermann, denen sie uneingeschränkte Macht, eine Convention zu unterhandeln und abzuschließen, ertheilt haben, welche ihren respectiven Ratificationen und der Ratification des kommandirenden Admirals der englischen Flotte an der Mündung des Tajo unterworfen werden soll. Nachdem diese beyde Officiere ihre Vollmachten gegen einander ausgewechselt hatten, sind sie über folgende Artikel übereingekommen: 1. Art. Alle festen Plätze und Forts des Königreichs Portugall, welche von den französischen Truppen besetzt sind, werden der englischen Armee in dem Zustand, worin sie sich in dem Augenblick der Unterzeichnung dieses Vertrags befinden, übergeben. 2. Art. Die französischen Truppen werden Portugall mit Waffen und Bagage verlassen; sie werden nicht als Kriegsgefangene betrachtet, und haben die Freyheit, bey ihrer Ankunft in Frankreich wieder zu dienen. 3. Art. Die englische Regierung verschafft der französischen Armee, welche in einem der Häfen Frankreichs zwischen Rochefort und l'Orient inclusive ausgeschifft wird, die nöthigen Mittel zum Transport. 4. Art. Die französische Armee nimmt alle ihre Artillerie von französischem Kaliber, so wie auch die dazu gehörigen Pferde und die Munitions-Karren, mit 60 Ladungen auf jede Kanone, mit. Alle andere Artillerie, Waffen und Munitionen, desgleichen die See- und Landarsenäle, werden der englischen Armee und Flotte in dem Zustande übergeben, worin sie sich bey dem Augenblick der Unterzeichnung der Convention befanden. 5. Art. Die französische Armee nimmt alle Equipage und Alles, was man unter dem Namen Armee-Eigenthum begreift, das heißt, die Militärcasse und die zum Dienst der Commissariate und Hospitäler gehörigen Pferde mit, oder es ist ihr erlaubt, für ihre Rechnung über denjenigen Theil der Effecten zu disponiren, welche der Commandant en Chef zum Einschiffen für unnütz erklären würde. So haben auch alle Individuen der Armee die Freyheit, über ihr particuläres Eigenthum, von welcher Art es sey, zu disponiren, und man verbürgt den Käufern völlige Sicherheit. 6. Art. Die Cavallerie schifft ihre Pferde ein; die Generale und Officiere von allen Graden thun das Nämliche. Inzwischen wird bemerkt, daß den englischen Commandanten nur sehr beschränkte Mittel zum Transport der Cavallerie zu Gebothe stehen; man könnte sich einige andere dergleichen in dem Hafen von Lissabon verschaffen; die Anzahl der für die Truppen einschiffenden Pferde wird nicht über 600, und der für den Generalstab einzuschiffenden nicht über 200 betragen. In jedem Fall wird man der französischen Armee alle nöthige Leichtigkeit verschaffen, um über die Pferde, welche unmöglich eingeschifft werden können, zu disponiren. 7. Art. Um das Einschiffen zu erleichtern, soll selbiges in 3 Abtheilungen geschehen; die letzte soll vorzüglich aus den Garnisonen der Festungen, aus der Cavallerie, Artillerie, den Kranken und der Equipage der Armee bestehen. Die 1. Division schifft sich in den sieben, nach der Ratification folgenden Tagen, oder wenn es möglich ist, noch früher ein. 8. Art. Die Garnisonen von Elvas und seinen Forts, von Peniche und Palmela, werden zu Lissabon, die von Almeida zu Porto oder in dem nächstgelegenen Hafen eingeschifft. Englische Commissäre begleiten sie auf ihrem Marsch, und sind beauftragt, für ihren Unterhalt u. s. w. zu sorgen. 9. Art. Alle Kranke und Blessirte, die man mit den Truppen nicht einschiffen kann, werden der englischen Armee anvertraut. Während ihrem übrigen Aufenthalt in diesem Lande werden sie auf Kosten der englischen Regierung unterhalten, mit der Bedingung, daß Frankreich diese Unterhaltungskosten vollkommen ersetzt wenn die Räumung gänzlich geschehen ist. Die englische Regierung sorgt für ihre Rückkehr nach Frankreich, welche in Detaschements von ungefähr 150 bis 200 Mann auf jedesmahl geschehen wird. Eine hinreichende Anzahl französischer Aerzte bleibt zu ihrer Behandlung zurück. 10. Art. Sobald die zum Transport der französischen Armee gebrauchten Fahrzeuge in den obengenannten Häfen, oder irgend einem andern Hafen Frankreichs, wohin sie durch die stürmische Jahrszeit getrieben werden könnten, ihre Ausschiffung bewerkstelligt haben, wird man ihnen die nöthigen Mittel, um unverzüglich nach England zurückkehren zu können verschaffen, und sie auch gegen jede Art von Kaperey bis zu ihrem Einlaufen in einen freundschaftlichen Hafen sichern. 11. Art. Die französische Armee wird sich zu Lissabon und 2 Stunden im Umkreise concentriren; die englische Armee rückt bis auf 3 Stunden von der Hauptstadt vor, und nimmt eine solche Stellung, daß zwischen beyden Armeen eine Entfernung von ungefähr einer Stunde bleibt. 12. Art. Die Forts St. Julian, Bregio und Cascaes werden nach der Ratification des Vertrags von den englischen Truppen besetzt. Lissabon und seine Citadelle, so wie die Forts und Batterien bis zum Lazareth oder Trafaria von einer Seite, und bis zum Fort St. Joseph inklusive von der andern, werden in dem Augenblicke der Einschiffung der zweyten Division übergeben, desgleichen der Hafen und alle bewaffnete Fahrzeuge, von welcher Art sie seyn mögen, mit ihrem Tauwerke, Segeln und Proviant. Die Festungen Elvas, Almeida, Peniche und Palmela werden sogleich übergeben, wenn die englischen Truppen kommen, um sie zu besetzen. Indessen wird der Ober-General der englischen Armee die Garnisonen dieser Plätze, so wie die Belagerungstruppen, von diesem Vertrage benachrichtigen, um die Feindseligkeiten zu beendigen. 13. Art. Von beyden Seiten werden Commissäre ernannt, um die Vollziehung der Maaßregeln, worüber man eins geworden, zu leiten und zu beschleunigen. 14. Art. Sollten Zweifel über den Sinn irgend eines Artikels entstehen, so wird er zu Gunsten der französischen Armee ausgelegt. 15. Art. Von der Ratification des gegenwärtigen Vertrags angerechnet, sind alle und jede Rückstände von Contributionen, Requisitionen oder Reclamationen der französischen Regierung gegen portugiesische Unterthanen oder alle andere in Portugall wohnende Individuen, welche sich auf die Besitznahme dieses Landes durch die französische Armee im December 1807 gründen -- Contributionen oder Requisitionen, welche noch nicht abgetragen seyn sollten, annullirt, und aller auf bewegliches und unbewegliches Eigenthum gelegter Sequester ist aufgehoben. Das genannte Eigenthum wird der Disposition der alten Besitzer wieder zugestellt. 16. Art. Alle in Portugall ansäßigen oder zufällig daselbst sich aufhaltenden Unterthanen von Frankreich oder von Mächten; die mit Frankreich in Freundschaft oder im Bündniß stehen, werden in Schutz genommen. Ihr bewegliches und unbewegliches Eigenthum aller Art wird respectirt, und sie haben die Freyheit, entweder der französischen Armee zu folgen, oder in Portugall zu bleiben. In beyden Fällen garantirt man ihnen ihr Eigenthum und die Freyheit, entweder dasselbe zu behalten oder zu veräußern, und den aus dem Verkauf desselben gelösten Ertrag nach Frankreich oder jedem andern Lande, welches sie zum Wohnorte wählen wollen, hinüber zu nehmen. Eine Frist von einem Jahre ist ihnen in dieser Hinsicht bewilligt. Es versteht sich, daß die Schiffe von dieser Uebereinkunft ausgenommen sind, aber bloß in Hinsicht ihres Auslaufens aus dem Hafen, und daß man, zu Gunst obiger Stipulationen, keine Handelsspeculation machen kann. 17. Art. Kein Eingeborner von Portugall wird wegen seines politischen Betragens während der französischen Besitzzeit verantwortlich gemacht werden, und alle die, welche in der Ausübung ihrer Funktionen fortgefahren sind, oder die unter dem französischen Gouvernement Stellen erhalten haben, stehen unter dem Schutz des englischen Commandanten; weder ihre Person noch ihr Eigenthum wird gefährdet werden, da sie keine Wahl hatten, dem französischen Gouvernement zu gehorchen, oder nicht zu gehorchen. Sie können auch die in dem 16. Art. enthaltenen Stipulationen benutzen. 18. Art. Die am Bord der Schiffe in dem Hafen von Lissabon gefangen sitzenden spanischen Truppen werden dem Commandanten en Chef der englischen Armee ausgeliefert, der sich dagegen verpflichtet, die Spanier zu bewegen, von ihrer Seite alle bürgerlichen oder militärischen Unterthanen Frankreichs herauszugeben, die nicht in einer Schlacht oder in Folge militärischer Operationen, sondern bey Gelegenheit der Vorfälle am 29. des letztern Monats und der folgenden Tage gefangen genommen seyn könnten. 19. Art. Man wird unmittelbar die Officiere von jedem Grade, welche seit Eröffnung der Feindseligkeiten gefangen genommen wurden, auswechseln. 20. Art. Von Seiten der englischen Flotte und Armee, und auch von Seite der französischen Armee werden Geisel von dem Range eines Generals für die wechselseitige Garantie des gegenwärtigen Vertrags gegeben. Der Officier der englischen Armee wird zurückgegeben, wenn die auf die Armee sich beziehenden Artikel völlig vollzogen sind, und der französische Officier nach dem Ausschiffen der französischen Truppen in ihrem Vaterlande. Das Nämliche findet auch von Seite der französischen Armee Statt. 21. Art. Dem General en Chef der französischen Armee wird erlaubt, einem Officier mit der Nachricht von dem gegenwärtigen Vertrage nach Frankreich zu senden. Der englische Admiral wird ihm ein Schiff liefern, um diesem Officiere nach Bordeaux oder Rochefort zu bringen. 22. Art. Der englische Admiral wird ersucht werden, Se. Excellenz den Oberbefehlshaber und die andern vornehmsten Officiere der französischen Armee an Bord von Kriegsschiffen zu nehmen.

So geschehen und beschlossen zu Lissabon, den 30. August 1808.

(Unterzeichnet:)
George Murray, General-Quartiermeister.
Kellermann, Divisions-General.

Wir, der Herzog von Abrantes, General en Chef der französischen Armee, haben genehmigt und genehmigen gegenwärtige definitive Convention in allen ihren Artikeln, um sie nach ihrer Form und ihrem Inhalt zu vollziehen.

Im Hauptquartier zu Lissabon, am 30. August 1808.

(Unterzeichnet:)
Herzog von Abrantes.


Additionelle Artikel.

1. Art. Die entweder durch die englische Truppen oder durch die Portugiesen in irgend einem Theil von Portugall zu gefangenen gemachten Civilbeamten der Armee werden, nach hergebrachter Sitte, ohne Auswechslung zurückgegeben. 2. Art. Die französische Armee zieht bis zum Tage der Einschiffung ihren Unterhalt aus ihren eigenen Magazinen; die Garnisonen bis zu dem Tage, das sie die Forts räumen. Der Ueberrest der Magazine wird auf gewöhnliche Art dem englischen Gouvernement übergeben, welches die Subsistenz der Mannschaft und der Pferde der Armee von den hier oben angegebenen Epochen an bis zu ihrer Ankunft in Frankreich übernimmt, unter der Bedingung, daß die Unkosten, welche die von beyden Theilen gemachte Schätzung des Werths der an die englische Armee übergebenen Magazine übersteigen, von dem französischen Gouvernement ersetzt werden. Die Vorräthe, welche sich am Bord der noch im Besitz der französischen Armee befindlichen Kriegsschiffe befinden, werden dem englischen Gouvernement auf die nämliche Weise, wie die Magazine der Festungen, übergeben. 3. Art. Der commandirende General der englischen Truppen wird die nöthigen Maaßregeln treffen, um den freyen Verkehr mit Lebensmitteln zwischen dem Lande und der Hauptstadt wieder herzustellen.

So geschenen und beschlossen zu Lissabon, am 30. August 1808.

(Die Unterzeichnung und die Ratification wie oben).


Zeitungsnachrichten.[]

[1808]

Spanien. [2]

Die Englische Nachricht, daß General Junot bereits eine Kapitulazion angeboten habe, hat sich zur Zeit nicht bestättigt. Viele der angesehensten Spanischen Familien sollen sich anschicken, im Falle die Insurgenten unterlägen, nach Amerika überzuschiffen.


Portugall. [3]

Seitdem ist in London bekannt gegeben worden, daß General Junot am 24. Aug. Nachts einem seiner Generale abgeschickt habe, um eine Kapitulazion zu negoziren. Nach ziemlich langer Dauer der Unterhandlungen, setzen viele und wiederholte, jedoch noch unverbürgte Nachrichten hinzu, sey diese Kapitulazion wirklich zu Stande gekommen, und die Engländer seyen zugleich durch selbe eben so Meister der Portugiesischen und Russischen Flotte im Tajo, wie zuvor der Spanischen und Französischen in den Häfen von Karthagena und Kadix geworden.


Großbrittanien. [4]

Die Konvenzion mit dem Herzog von Abrantes, die so ehrenvoll für die Franzosen ist, hatte in London viele Unzufriedenheit erregt, und man sprach von einer Militärkommission, die niedergesetzt werden sollte. Der Generallieutenant Wellesley war am 15. Sept. aus Portugal in London angekommen.


Großbrittanien. [5]

Ausser den neulich angeführten Aktenstücken enthalten die Englischen Blätter vom 17. September annoch folgende Nachrichten: Nach einem Schreiben des Generals Dalrymple bey Uebersendung der Konvenzion war bereits am 22. zwischen den Generalen Kellermann und Wellesley ein vorläufiges Abkommen unterzeichnet worden, dessen 7. Artikel so lautete: Die Neutralität des Hafens von Lissabon soll für die Russische Flotte anerkannt werden, daß heißt, so lange besagte Stadt und Hafen im Besitze der Englischen Armee und Flotte sind, soll die Russische Flotte während ihres Aufenthalts nicht beunruhigt werden; auch soll man sie nicht daran verhindern, wenn sie den Hafen verlassen will, und man soll sie, wenn sie _bsegelt, nicht früher als in den durch die Seegesetze bestimmten Zeitfristen verfolgen." Allein der Brittische Admiral wollte diesen Artikel nicht genehmigen. Man mußte, daher zu neuen Unterhandlungen schreiten, welche zu dem am 30. Aug. zu Lissabon unterzeichneten Trakta_ führten. Gen. Dalrymple sagt ferner in seinen B_i_fe, er sey hauptsächlich durch die vorgerückte Jahrszeit, die der Feind zu seiner Vertheidigung in den festen Plätzen hätte benutzen können, zur Unterzeichnung der Konvenzion bewogen worden. -- Dieselben Londoner Blätter liefern nunmehr ein Namensverzeichniß der Deputirten aus den verschiedenen Spanischen Provinzen zu der Zentraljunta.


Frankreich. [6]

Paris, den 12. Okt. Der Adjutant des Herzogs von Abrantes, Generals Junot, ist vorgestern Abends mit Depeschen seines Generals für Se. Maj. den Kaiser und König hier angekommen. Er hat sogleich seinen Weg nach Erfurt fortgesetzt. Am 4 Sept. war er von Lissabon abgereist, und nach einer Fahrt von 30 Tagen in Rochelle angekommen. Der Herzog von Abrantes sollte sich am 10. Sept. mit seinem ganzen Generalstabe, an Bord einer Englischen Fregatte, einschiffen.


Großbrittanien. [7]

In Französischen Blättern liest man folgende Nachrichten aus London vom 5. Okt.: Gestern hat der Londoner Stadtrath beschlossen, den König in einer Addresse um Untersuchung der Ursachen der letzten so uachtheiligen Konvenzion in Portugall zu bitten. H. Whitman machte bey dieser Gelegenheit einen direkten Angriff auf die königl. Minister, und beschränkte sich ferner Gewohnheit nach nichts auf Thatsachen. Er schloß mit dem Antrage: "Man solle Sr. Majestät eine unterthänige und ehr_urch_svolle Addresse überreichen, und darin die Verwunderung und den Schmerz des Stadtraths über die ausserordentliche und unangenehme Konvenzion ausdrücken, welche neulich zwischen den B_fehlshabern von Sr. Majestät Truppen in Portugall und dem General der Französischen Armee zu Lissabon geschlossen worden sey, mit der Bitte, wegen dieses entehrenden und unerhörten Vorgangs eine Untersuchung von der Art zu verfügen, daß selbige zu Entdeckung und Bestrafung derjenigen, welche durch ihr schlechtes Betragen und ihre Ungeschicklichkeit so schändlich die Sache Großbrittanniens und seiner Bundesgenossen aufgeopfert hätten, führen könne." Man versichert, die Minister hätten, um die Gemüther zu beruhigen, den Gen. Dalrymple, der die Konvenzion von Lissabon schloß, zurückgerufen, und wollten ihn vor ein Kriegsgericht stellen. -- Gestern wurde ein Kabinetsrath im Büreau der auswärtigen Angelegenheiten gehalten, dem alle Minister beywohnten.


Großbrittanien. [8]

London, den 13. Oktober. (Aus Französischen Blättern.) Gestern hat eine Deputazion des hiesigen Gemeinderaths, den Lord Major an ihrer Spitze habend, dem Könige in dem Pallaste von St. James folgende Adresse überreicht: "Allergnädigster König, die ergebensten und treuesten Unterthanen Ew. Majestät, der Lordmajor, die Aldermänner und die Mitglieder der Gemeinde der Stadt London, nähern sich in Unterthänigkeit dem Throne Ew. Maj., um Allerhöchstdenselben die Betrübniß und Befremdung auszudrücken, welche sie empfanden, als sie die auffallende und demüthigende Konvenzion erfuhren, welche unlängst von den Generalen Ew. Maj. in Portugal unterzeichnet worden ist. Die Umstände, welche diese niederschlagende Uebereinkunft begleitet haben, haben die Gemüther aller Klassen der Unterthanen Ew. Majestät in die lebhafteste Bewegung gesetzt; sie haben bey der Nachricht von einem für die Nazion und ihre Bundesgenossen so schimpflichen Vertrag ihren Unwillen nicht verbergen können. Nach einem ausgezeichneten Siege, den die Tapferkeit und Disziplin der Brittischen Truppen davon getragen, und nach welchem es geschienen, daß der Feind nicht mehr würde entkommen können, müssen wir mit Schmerz sehen, wie Lorbeeren, die so edel erworben worden waren, von der Stirne unserer tapfern Krieger abgerissen, und wie dem Feinde Bedingungen bewilligt werden, die den Engl. Namen schänden, und dem wahren Interesse der Brittischen Nazion zuwider laufen. Die nehmliche schmerzliche Empfindung macht die übernommene Verbindlichkeit in uns rege, die Russis. Flotte nach einem Friedensschlusse mit dieser Macht zurückzugeben, und eine so grosse Anzahl Russischer Matrosen ohne Auswechselung zurückzuschicken. Nach dieser schimpflichen Konvenzion müssen die Engl. Flotten die Französis. Armee nach Frankreich führen, und diese kann den Krieg gegen uns und unsere Alliirten wieder anfangen. Diese Garantie muß einen sehr lebhaften Eindruck auf die Portugiesen gemacht haben, die wir beschützen sollten, und die vollständige Anerkennung des Titels und der Würde des Französ. Kaisers, mit Uebergehung der Portugiesischen Regierung, kann der rechtmässigen Autorität dieses Landes nicht anders als unendlich unangenehm seyn. Wir bitten daher Ew. Maj. allerunterthänigst, Allerhöchstdieselben möchten, um einer in ihrer Ehre und ihren Interessen so schwer gekränkten Nazion eine vollständige Genugthuung zu geben, so wie auch, um die verletzte Nazionalehre zu rächen, und uns vor den Augen Europa's von einem so schimpflichen Flecken zu reinigen, zu befehlen geruhen, daß auf der Stelle eine Untersuchung angestellt werde, um die Ursache dieses Ereignisses auszumitteln, und die Urheber desselben zur gebührenden Strafe ziehen zu können."

Der König ertheilte auf diese Addresse folgende Antwort, die Lord Howick ablas: "Ich bin sehr gerührt durch eure Treue und eure Anhänglichkeit an meine Person und an meine Regierung. Ich lasse den Beweggründen eurer Addresse und Petizion Gerechtigkeit widerfahren; aber ich muß euch daran erinnern, daß es den Grundsätzen der Engl. Gerechtigkeitspflege zuwider läuft, ohne eine vorgängige Untersuchung zu richten. Einige neuere Vorgänge hätten euch überzeugen sollen, daß ich stets bereit bin, Untersuchungen anstellen zu lassen, so oft es sich von der Würde der Nazion und der Ehre der Armee handelt, und daß die Dazwischenkunft der Stadt London keineswegs nöthig war, um mich zu bewegen, eine Uebereinkunft, die den Hoffnungen und dem Wunsche der Nazion nicht entsprochen hat, untersuchen zu lassen."

Man hat bemerkt, daß, während die Gemeinde ihre Adresse überreichte, Sir Arthur Wellesley, der vor einiger Zeit aus Portugall nach England zurückgekommen ist, in das Audienzzimmer trat, daß der König ihn sehr gnädig empfieng, und lange mit ihm sprach.


Quellen.[]

  1. Sammlung der Actenstücke über die spanische Thronveränderung. Vierte Abtheilung. Germanien, 1809.
  2. Wiener-Zeitung. Nro 75. Sonnabend, den 17. September 1808.
  3. Wiener-Zeitung. Nro 81. Sonnabend, den 8. Oktober 1808.
  4. Wiener-Zeitung. Nro 84. Mittwoch, den 19. Oktober 1808.
  5. Wiener-Zeitung. Nro 86. Mittwoch, den 26. Oktober 1808.
  6. Wiener-Zeitung. Nro 86. Mittwoch, den 26. Oktober 1808.
  7. Wiener-Zeitung. Nro 89. Sonnabend, den 5. November 1808.
  8. Wiener-Zeitung. Nro 90. Mittwoch, den 9. November 1808.
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