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Corsika.Bearbeiten


Es gehört mit in den Plan der Fl. B., ihren Lesern von den Ländern und Städten, welche eine Ereigniß im Laufe des jetztigen französischen Revolutionskriegs auszeichnet, kleine Gemälde zu geben, die zu ihrer nähern Kenntiß zureichend sind. [1]


Die Insel Corsika, die sich jetzt, bis auf zwey Städte, in den Händen der Engländer befindet, würde allein Großbrittannien für die Kriegskosten entschädigen, wenn man die indischen Eroberungen auch nicht in Anschlag bringen wollte. Corsika ist für England, das seit dem Verlust von Minorka, keine Besitzung im Mittelländischen Meere hat, unendlich wichtig, ja ungleich wichtiger, als Minorka.

Das Klima ist nicht allein eines der temperirtesten in dieser Gegend Europens, sondern was diese Insel sonderlich für eine Seemacht von der größten Importanz macht, ist ihr Reichthum an Schiffbauholz, und ihr Ueberfluß an sichern und vortreflichen Häfen. Sie besitzt neun große Häfen, die kleinen nicht gerechnet; und zwar nach allen Himmelsgegenden: unter diesen zeichnen sich San-Fiorenzo, Isola Rossa, Calvi, Ajaccio, Centuri, und Porto-Vecchio aus. Zu San-Fiorenzo, in der Bucht unter dem Thurm von Fornali, und zu Porto-Vecchio, liegen die zahlreichsten Flotten und die größten Schiffe, vor allen Stürmen in Sicherheit. Dazu kommt die Lage von Corsika; eine Flotte kann aus ihren Häfen die Schiffahrt von Genua, Toskana und dem Kirchenstaat, sie zwischen Spanien und Neapel, und dann den ganzen Levantischen Seehandel, nach ihrer Willkühr, hemmen oder beschützen. Ihre Kreuzer können die mittäglichen französischen Provinzen brandschatzen, da der westliche Theil der Insel, den weitläuftigen Küsten der Provence, gerade gegenüber liegt, und man in sehr kurzer Zeit von Corsika da landen kann.

Bastia ist amphitheatralisch gebaut, indem es am Abhange eines Berges liegt; es hatte einige schöne Kirchen und Klöster vor der Revolution; das Schloß dominirt den Hafen und die Stadt, kann aber, wie letztere, von den umliegenden Höhen bestrichen werden, und ist also nicht vest. Allein sobald die Engländer diese Höhen durch Redutten decken, und einige Außenwerke nach der Seeseite zu anbringen werden, so wird Bastia in sehr respektablen Vertheidigungszustande seyn; zumal wenn man überlegt, daß die Belagerung immer von einer ansehnlichen Flotte gedeckt seyn, und man auch im Einverständniß mit den Einwohnern seyn muß, die aus ihren unzugänglichen Gebirgen sonst den Feind beständig necken und ermüden können; da überdieß die Corsen als tapfere Männer und geschickte Schützen von jeher berühmt waren.

Der Verlust von Corsika ist also eine empfindlichere Wunde für Frankreich, als die Wegnahme von Toulon, und wieder auf der andern Seite, für Großbrittannien ein größerer Gewinn, als der momentane Besitz jener Stadt. Die Corsen sind von jeher den Engländern gewogen gewesen; Dankbarkeit und Neigung, ketten ihrer Anführer, den großen Paoli, an die Nation der Britten, und unter deren Schutz wird Corsika ein blühendes, ruhiges und glückliches Land werden, was es nie unter dem Despotismus von Genua und Frankreich werden konnte.

Die Küsten von Corsika sind äußerst fischreich, worunter sonderlich der Thunfisch und die kleine Sardelle, und die Austern sich auszeichnen; die Flüsse und Landseen liefern herrliche Forellen und Aale. Die Pferde- Maulthier- Rind- Ziegen- und Schaafzucht ist sehr beträchtlich. Das Fleisch der Corsischen Hämmel ist, wegen der Kräuter, die sie in den hohen Gebirgen fressen, seines Wohlgeschmacks wegen berühmt. Man kennt die Stärke und Treue der Corsischen Doggen. Die Granatenbäume, indische Feigen und Aloes wachsen wild, und in großer Menge und Güte; der Lorbeer- und Buchsbaum erreicht hier eine so große Höhe und Dicke, daß man beyde mit zum Zimmerholz rechnet. Auch trift man kaum in Norden so hohe und gerade und starke Tannen, als in Corsika, an. Die Seiden- und Oel-Erndte kann mit wenig Unterstützung sehr beträchtlich werden; schon jetzt wurde jährlich für 2½ Million französ. Livres Oel ausgeführt. Corsika trägt viel Waizen, Gerste, Reis und Hirsen; die zahmen Kastanien sind in ungeheurer Menge vorhanden. Der Corsische Honig wird sehr geschätzt, als der Malthesische, und der Wein, den man auf der Insel baut, ist feurig und gut. Die Gebirge enthalten mineralische Heilquellen, ergiebige Bley- Kupfer- Silber- und Eisengruben, (das Corsische Eisen ist sonderlich vortrefflich). Alaun- und Salpeter, ferner alle Arten von Marmor, Bergkrystall u. s. w.

Die Größe der Insel beträgt 32 geographische Meilen in der Länge und 22 in der Breite. Die Zahl der Einwohner wird auf 150,000 bis 200,000 Menschen geschätzt.


Corsica.Bearbeiten


Corsica,[2] eine der großen Inseln des Mittelländischen Meers, von 155 geogr. oder 432 Französischen Quadratmeilen, zwischen den Genuesischen Küsten und der Insel Sardinien. Sie wurde in 2 Theile abgetheilt, nemlich in das Land diesseits der Gebirge, di quà da monti, und in das Land jenseits der Gebirge, di là da monti. Die Zahl der Einwohner betrug im Jahr 1740 nur 120,380; im J. 1801 fanden sich aber bey der Zählung 166,813. Die Hitze des Sommers wird durch die erfrischenden Seewinde gemäsigt, und durch eben dieselben der Eindruck des Winters weniger fühlbar gemacht; denn das Land hat ansehnliche Gebirge, welche die ganze Insel quer durchschneiden, auf ihren Spitzen den größten Theil des Jahrs Schnee haben, folglich im Winter kalt machen, und heftige Winde hervorbringen. Desto heißer ist es in den Thälern im Sommer, und da wegen des geringen Anbaues sich viele stehende Wasser in demselben anhäufen, so verursacht die verdorbene Luft häufige Fieber und Krämpfe. Das Land ist fruchtbar an Getreide, guten Weinen, Kastanien, edeln Baumfrüchten, Oelbäumen, und vorzüglich an jeder Gattung Holz zum Schiffbau, welches aber sehr nachlässig behandelt wird. Ueberhaupt ist der Corse durch die Härte der fremden Regierungen faul und träge geworden, er bauet nicht mehr als zu seinem äussersten Bedürfniß erforderlich ist, weiß nichts von Manufakturen, und treibt keinen Handel. Ausser dem wenigen Feldbau ist die Jagd und ewige blutige Streitigkeiten zwischen den einzelnen Familien fast sein einziges Geschäft. Unter seiner Viehzucht zeichnen sich die kleinen aber raschen und muthigen Pferde, die Maulesel und die vielen schwarzen Schafe mit grober Wolle, aus. Die Berge enthalten viele bisher unbenüzte Metalle, und die Küsten einen reichen Vorrath von Korallen, Fischen, vorzüglich Thonfischen und Sardellen, großen Austern xc. Diese Insel gehörte den Genuesern, und ward durch Gouverneurs regiert, welche alle zwey Jahre verändert wurden, und in der Hauptstadt Bastia residirten. Im Jahr 1730 entstund auf dieser Insel, wegen der Auflagen und anderer Bedrückungen, womit die Corsen von den Republik Genua beschwert wurden, ein Aufstand, welcher aber 1732 durch ein den Genuesern zu Hülfe geschicktes Kaiserliches Corps wieder gestillt, und ein Vergleich zwischen beyden Theilen geschlossen worden ist. Diesen hielten die Genueser sehr schlecht; es gieng also die Empörung von neuem an. Die mißvergnügten Corsen erwählten den Baron Theodor von Neuhof, einen Avantürier aus der Grafschaft Mark, im Westphälischen Kreis, zu ihrem König, und krönten ihn den 10. April 1736 mit einer Krone von Laub. Bey seiner zweyten Ankunft 1737 brachte er viel Geld, Gewehr und Lebensmittel für die Corsen mit, verließ aber bald darauf die Insel, und gieng nach Holland. Während der Zeit erhielt Genua Hülfsvölker von Frankreich, welche es so weit brachten, daß sich die Corsen mit der Republik in Traktaten einließen. Als sie aber 1741 abzogen, brach die Empörung wieder aus, und wurde 1743 durch Theodors abermalige Rückkunft und Englands Hülfe unterhalten und befördert. Er begab sich aber bald wieder weg, und kam nach der Zeit nicht wieder dahin, sondern starb 1757 zu London, im Newgate, als ein gefangen gesezter Schuldner. Der Friede wurde 1744 wieder einigermassen hergestellt, und ob gleich die Englische Flotte 1745 Bastia bombardirte, und die Mißvergnügten zum Besitz dieser Stadt kamen, so wurden sie doch 1746 von den Einwohnern wieder verjagt, und von den Französischen Hülfstruppen, die 1751 dahin amen, noch mehr in die Enge getrieben. Allein als diese die Insel wieder verließen, regten sich die Corsen aufs neue, und erwählten nachdem ihr ehemaliger Chef, Gasserio den 4. Oct. 1753 zu Corte ermordet worden war, den bekannten Paoli zu ihrem General. Dieser sezte, ungeachtet der 1762 abermals auf 4 Jahren lang abgeschickten Französischen Truppen, (die aber nur die Genuesischen Plätze besetzen, und keine Feindseligkeiten ausüben sollten) den Krieg gegen Genua mit vielem Glück fort. Hierauf traten endlich die Genueser 1768 diese Insel an Frankreich ab. Es wurden viele Völker dahin geschickt, die Corsen zerstreut, und Paoli endlich genöthigt 1769 die Insel zu verlassen. Der Geist des Mißvergnügens war aber nie unterdrückt worden. Paoli kehrte im Anfang der Französischen Revolution wieder in sein Vaterlande zurück, brachte die Verbrüderung mit der neuen Republik zu Stande, stellte sich jedoch zur Zeit der Jacobiner selbst an die Spitze der Mißvergnügten, welche 1793 den Engländern die Eroberung der Insel erleichterten. Die Nation erhielt nun ein Parlament, welches mit dem Könige von Großbritanien die gesetzgebende Gewalt gemeinschaftlich haben sollte. Auch damit waren die Corsen bald wieder unzufrieden, die Engländer verließen 1796 die Insel, und seitdem steht sie wieder unter Frankreich. Sie ist jezt eingetheilt in das Departement der Golo, und in das Departement des Liamone, welche den Namen von zwey der beträchtlichern Flüsse des Landes tragen. Frankreich hat von dieser Insel 270,000 Livr. Revenuen an direkten Auflagen, und wendet dagegen auf die Verwaltungskosten 396,000 Franken. Ausserdem ist die 23ste Militärdivision nach dieser Insel verlegt, und der kommandirende General hat seinen Sitz zu Bastia.


Quellen.Bearbeiten

  1. Fliegende Blätter. Dem französischen Krieg und dem Revolutionswesen unsrer Zeiten gewidmet. April 1794.
  2. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
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