Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Crim, Krim, oder Kyrym, ist eine Halbinsel, die gegen Norden, Westen und Süden von dem schwarzen Meer, und gegen Osten von der Meerenge von Caffa und der Asowischen See gebildet, und durch eine Landenge gegen Norden mit dem östlichen Nogaj verbunden wird. Der Flächeninhalt der Halbinsel beträgt 270 geograph. QMeilen. Der nördliche Theil derselben ist eine ebene größtentheils mit Salzseen durchzogene wenig fruchtbare Steppe; der südliche ist gebirgig und seht fruchtbar, an Weizen, Gerste, Wein, Pferden, Schafen, Honig und Wachs, schönem Obste und andern Gartenfrüchten. Aus den vielen Salzseen werden jährlich bey 20,000 Fuder abgeholt, jedes zu 80 Pud. Salpeter erzeugt die Erde in Menge, aber an frischem Wasser ist den nördlichen Ebenen Mangel, und auch am Holze; doch hat man bey Kertsch mächtige Steinkohlenlager entdeckt. Das Klima ist gemässigt und gesund; doch ist eine Art von Aussatz, die krimmische Krankheit genannt, meist unter dem gemeinen Volke darinnen einheimisch. Sie wurde nach und nach von mancherley Völkern eingenommen und bewohnt. Im 13ten und 14ten Jahrhundert trieben besonders die Genueser eine starke und beynahe ausschließende Handlung dahin, und besassen Plätze und Seehäfen. Im Jahr 1475 wurden die Türken von dieser Halbinsel großentheils Meister, und die Chans wurden nach und Nach Vasallen der Sultane. Wenn diese in ihren Kriegen selbst zu Felde giengen, so mußte der Chan mit 100,000 Mann bey der Armee erscheinen; commandirte aber nur der Großvezier oder ein Bascha, so schickte er die Hälfte oder auch wohl nur 40,000 Mann. Diese bekamen keinen Sold, sondern mußten sich von der Beute und den Gefangenen, so sie machten, erhalten.

Die Chane waren aus dem Geschlechte der Gjerai, residirten zu Bachtschisarai und regierten mit eingeschränkter Gewalt. Ausser der krimmischen Halbinsel stund das östliche und westliche Nogai, das meiste von Bessarabien und Kuban unter ihrer Herrschaft, und sich machten Anspruch auf den Titel Padischah, d. i. Kaiser. Die Prinzen aus der Familie Gjerai wurden Sultane genennet. Die vornehmsten Staatsbedienten waren Kalgha-Sultan, Feldherr, Kaimakan, Statthalter des Chan in dessen Abwesenheit, der Mufti, das Haupt der Geistlichkeit und Ausleger des Gesetzes, der Nureddin, Präsident der Landgerichte, der Kadileskjer, Policeyaufseher und Richter in der Residenzstadt.

Die Tatarn in der Krim sind ein Zweig des türkischen Völkerstamms, doch stark mit Mongolen vermischt. Ihre Sprache ist ein Dialekt der türkischen.

Die Anzahl der Einwohn. in der Halbinsel Krim belief sich sonst über 400,000 heut Tage nur auf 100,000 Seelen, weil nach der Russischen Besitznehmung sehr viele von den alten Einwohnern nach Natolien Rumilien xc. ausgewandert waren. Im Jahr 1800 zählte man doch wieder 120,000 männliche Köpfe; also sicher über 200,000 Einwohner. Diese Tatarn sind nicht mehr das rohe, räuberische Volk, das sie sonst waren. Sie treiben den Feldbau, kennen die Feinheit der Sitten und haben, bey ihren glücklichen Talenten des Geistes, die geselligen Tugenden. Sie sind Mohammedaner von der Secte der Sunniten. Ausser ihnen wohnen auch Armenier, Griechen, Abkömmlinge der Italiäner, die sich vormals im 13ten und 14ten Jahrhundert hier niederliessen, Juden und Zigeuner in der Halbinsel.

Durch den letzten Frieden zwischen Rußland und der Pforte, im Jahr 1775 erhielt der Krimische Staat seine politische Unabhängigkeit und erkannte den Türkischen Kaiser nur für sein Oberhaupt in Absicht auf die Religion. Der Chan ward wieder von der Nation gewählt, statt daß vorhin seit 1584, da die Türken zum zweytenmal die Krim eroberten, die Türkischen Kaiser die Chane meistens nach ihrem Gefallen ein- und absetzten. Die Münzen wurden indessen noch unter ihrem Stempel geschlagen, auch in den Moscheen für sie, als Chalifen, oder Vorsteher der Religion Mohammeds, gebetet.

Im Jahr 1779 wurden die Krimischen Christen Griechischer Religion, auf ihr Ansuchen, von der Russischen Kaiserin, Katharina II. zu Erbunterthanen des Russischen Reichs aufgenommen, und unter sehr vortheilhaften Bedingnissen größtentheils an die Ufer der Asowischen Meers, versetzet.

Als in der Folge allerhand Unruhen und Partheyen hervorthaten, und der Chan, Sahin Gjerai, auf die Gedanken kam, seine Herrschaft niederzulegen, so ließ Rußland im Jahr 1783 die Halbinsel Crim, auf der es schon durch den letztern Frieden einige Orte erlangt hatte, nebst der Insel Taman und der Provinz Kuban, durch seine Truppen in Besitz nehmen, errichtete daraus eine Provinz der Statthalterschaft Ekatherinoslaw, unter dem Namen Taurien, (welcher Name in die Reichstitulatur aufgenommen ward.) gab vielen Orten in der Crim neue oder doch aus den ältern Zeiten hervorgesuchte Namen, und machte 1784 eine neue Eintheilung derselben in 7 Kreise. Die Pforte, die anfangs sehr nachdrücklich sich dagegen erklärte, ließ sich nach und nach doch zu einem wenigstens verstellten Nachgeber bewegen. Nachdem aber 1786 Catharina II. und Joseph II. bey ihrer Zusammenkunft auch das neue Taurien, (welcher Name von den alten Bewohnern, den Tauren, hergenommen ist,) besuchten, und die Pforte weitaussehende Absichten dabey vermuthete, so brach sich im folgenden Jahre plötzlich gegen Rußland los, ernannte einen neuen Tatarchan und verlangte, daß die Crim ganz wieder in die Verfassung, wie sie nach dem letzten Frieden bestimmt war, kommen sollte. Das Glück des Krieges erklärte sich für Rußland, in dessen Hände die Krim durch den Frieden 1791 auf immer überlassen worden ist. Kaiser Paul zog im Jahr 1797 Taurien zum Gouvernement Neu-Rußland. 1798 erklärte der Kaiser zur Aufuame der Bevölkerung und des Ackerbaues in diesem fruchtbaren Lande die beyden Feodosia und Ewpatoria zu Freyhafen, so daß alle Waaren ohne Abgaben u. Zölle frey aus- u. eingehen u. auf der ganzen Halbinsel verkauft werden könnten. Neue Einwohner sollen unentgeldlich Plätze zum Anbauen, für sehr weniges Geld Holz und Steine erhalten, immer von der Conscription und auf 30 Jahre von Abgaben frey seyn. Kolonisten im Innern des Landes erhalten die nemlichen Begünstigungen, und dürfen sich in Civil- und Handlungssachen eigene Magistratspersonen erwählen. Nur der Hafen Baluklawa (Sewastopol) als Kriegshafen ist hievon ausgenommen. Bey Feodosia (Caffa) wird vorzüglich auf einwandernde Griechen gerechnet. Die Bevölkerung und der Anbau der Halbinsel hat auch seit dieser Zeit beträchtlich zugenommen, u. man suchte beydes auf immer zu befördern. Kaiser Alexander erklärte im Jahr 1802 Taurien mit den nördlich zunächst gelegenen Theilen der ehemaligen Tartarey und der Insel Taman, als eigenes Gouvernement, von welchem Simferopol oder Akmetsche die Hauptstadt ist. Es enthält gegenwärtig folgende 2 Kreise, den Simferopoler für die Halbinsel, und den Perekoper für das nördliche Steppenland.


Quellen und Literatur.[]

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
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