Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Kuffstein.[]

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Kuffstein, kleine Stadt und Hauptpaß in Tyrol, am Inn, an den Baierischen Gränzen, mit einem überaus festen Bergschloß, Geroldstein genannt. Das Landgericht gleiches Namens ist von großem Umfang.


Notiz über die nördlichen Pässe und die Festung Kufstein in Tyrol.[]

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Charte vom Königreiche Bayern nach seiner neuesten Eintheilung vom Jahre 1808.

Kufstein besteht in einem Schlosse, die Josephsburg genannt, und in der tiefer liegenden Stadt, welche mit Mauern und Thürmen umgeben ist. Vermöge der Linien von Zellerburg lehnt sie sich am linken Ufer an die steile Gebirgswand. Das Schloß steht auf schroffen Felsen und man kann nur auf einer bedeckten Wendeltreppe hinaufsteigen. Alle Bedürfnisse werden auf einer Schleife hinaufgezogen. Es hat 6 Thürme die von Westen nach Norden und Osten, durch sehr dicke Mauern, worin sich Schießscharten und Kasematten befinden, mit einander verbunden sind. Die Kasematten sind geräumig und können an 900 Mann beherbergen. Im Inneren stehen Kasernen und andere Gebäude, in welchen man ebenfalls 500 Mann unterbringen kann, und die gut gebauten Magazingebäude sind den Augen der Belagerer verborgen. Der eine obengedachter Thürme hat einen gewölbten Bogen, der sich um einen Stein herumwindet, und dessen Mauern mehr als 7 Fuß dich sind. Die obere Batterie hat mit einem auf dem rechten Ufer befindlichen Hügel, der sich ziemlich nahe an das Schloß hindehnt, gleiche Höhe. An dem ersten Stockwerke des Thurms, ist eine sehr dicke Kette befestigt, mit welcher man in Kriegszeiten den Inn sperren kann.

Von der Südseite bis zur östlichen, sind die Etagen der steilen Felsen, worauf das Schloß gebaut ist, mit Fleschen und Mauern mit Schießscharten, mit Sägewerken oder mit einfachen Batterien befestigt. Auf der Nordseite ist die Stadt von Osten gegen Süden mit einer mit Schießscharten versehenen starken Mauer, welche von 3 Thürmen flankirt wird, geschlossen und jene selbst lehnt sich an die Felsenwände des Schlosses. Der Graben, welcher dazwischen liegt, kann durch den Mitterdorfer Bach, der hinter Kufstein in den Inn fließt, unter Wasser gesetzt werden. Man sammelt das Wasser durch eine Schleuße, und führt es dann durch die Wasserleitung unter dem Glacis weg, hinein. An der Westseite wird die Stadt vom Inn geschlossen und den Durchgang hindern auf beiden Seiten die mit Schießscharten versehenen Mauern. Ueber den Inn führt eine hölzerne bedeckte Brücke, 50 Fuß lang.

Die Linien von Zellenburg bestehen in 4 halbmondförmigen Basteien, und aus einigen Batterien und Werken, um sich den Rücken zu decken. Links lehnen sie sich an die Felsenwand und an ein kleines Fort, das Deckwerk und Kasematten hat. Rechts stützen sie sich auf eine, am Innufer angelegte Schanze. Die ganze Fronte enthält 1200 Fuß.

Vor den Linien liegt ebenes und offenes Terrain, welches von denselben und von der Josephsburg völlig dominirt wird. Der Angriff darauf ist ein großes Wagstück und würde viel Menschen kosten. 6000 Mann können lange Zeit das Schloß und die Stadt vertheidigen. *)

*) Währen der ersten Belagerung 1809 war die baiersche Garnison nur 590 Mann und während der zweiten, wie man weiter unten sehen wird, nur in Allem 801 Mann stark, mit welcher auch sogar die Stadt besetzt war; um desto glorreicher ist also die Vertheidigung.

Eine Meine hinter Kufstein, am linken Innufer, ist ein Fahrweg, welcher westlich gegen den Thiersee aufwärts und dann in die Herrschaft Waldeck führt. Von Kufstein den Inn hinauf, ist die Straße bis Endach, eine Meile von der Festung, ganz offen, und man kann auf derselben ohne alle Hindernisse marschiren. Bei Endach aber führt der Weg durch ein sehr enges Defilée bis Kirchbühel, nahe am Paß des Brixenthals, durch welches die Straßen von Kizbühel, Reichenhall und Salzburg gehen.


Kuffstein.


Reisen durch das Königreich Baiern.[]

Joseph v. Obernberg

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Beylage zum zwey und zwanzigsten Brief.

Exkursion nach Kufstein. Kurze Geschichte des Verbandes mit Baiern. Prospekt von der Festung. Grabstätte der Eilfen. Pfannhammer zu Maria-Stein. Ebs. Mechanische Vorrichtungen eines Landmanns dieser Gegend.

Vom Kifer läuft die Straße noch eine Strecke über dessen Flur hin, und gelanget dann hart am Fuße des Gebirges zwischen dem Inn zur Gränze Tirols. Da von hier bis zum Kranzhorn hinab dieser Strom, wir vorhing gesagt worden, sein rechtes Ufer der Grafschaft Tirol zutheilt: wurden im Jahre 1757. zwischen beyden Staaten wegen den beyderseitigen Wassergebäuden Verhandlungen angefangen, und im Jahre 1763. geendet, nach welchen auf beyden Seiten des Flusses Linien bestimmt wurden, über welche hinaus kein Wasserbau sollte geführt werden. -- Ein wohlthätiges Verständniß, welches den reißenden Bergstrom zum Vortheil der Gegend in Ordnung hält.

Nach einigen hundert Schritten kommt man zum tirolischen Passe, die Klause genannt, und beyläufig nach einer halben Stunde an die Innbrücke vor Kufstein.

Diese Stadt, an welcher auf einem kühnen Felsen das feste Schloß liegt, gedieh mit der Grafschaft Tirol um das Jahr 1341. wieder an Baiern, mit dem diese schon in der Urzeit, von der Mitte des sechsten bis über das zwölfte Jahrhundert vereint gewesen. Der Sohn des Kaisers Ludwig des Baiers, auch Ludwig, verehelichte sich mit der Erbtochter des Herzogs Heinrich von Kärnthen, und Grafen in Tirol, Margaretha, genannt die Maultasche. Nach desselben Tode wand diese Prinzessin das Land mittelst Testament den Erzherzogen Rudolph, Albert und Leopold von Oesterreich zu, wodurch es 1369. von Baiern wieder getrennt ward. Doch behielt letzteres auf seine Reklamationen die Herrschaften Kufstein, Kützbühel und Rattenberg nebst einer Summe Geldes. Allein im Jahre 1504. wurden auch diese Bezirke durch den Kaiser Maximilian I. für aufgewendete Kriegskosten zur Entschädigung hingenommen. Die neueste Vereinigung Tirols, im Jahre 1805. und die jüngste abermalige Trennung ging ohnehin vor unsern Augen vor, daher ich sie nicht weiter berühren darf.

Mit lebhaftem Vergnügen erinnere ich mich des Tages, (1797.) an welchem uns die so zweckmäßig gebaute Feste, im Innern zu sehen bewilliget ward. Ursprünglich ist sie ein baierisches Werk, und wir erblickten, als ein Denkzeichen der vormaligen Verbindung mit unserm Vaterlande, einen Fenster-Laden, welcher noch mit den baierischen Wecken bemahlt war. Den mächtigen Kaiserthurm, welcher den Kern der schönen Feste bildet, erbaute der Kaiser Joseph II.

Nichts übertrifft den Genuß, welchen uns die herrliche Aussicht in die beyden Innthäler bereitete. Zur Linken westwärts zieht das tirolische in's Gebirg hinauf -- gerade hinaus gegen Norden das baierische -- letzteres in langer Serpentine von den Schlössern und Dörfern belebt, welche wir so eben kennen lernten. Auf einem Spatziergange gegenüber der Festung, am linken Ufer des Inns, zeigte man uns die Kapelle der Eilfen, und den Lagerplatz des Kaisers Maximilian I. vom Jahre 1504. -- Jene Kapelle ist an die Grabstätte des unglücklichen Kommandanten Hanns von Pienzenau, eines baierischen Edelmanns gebaut, welchen der genannten Kaiser nach Einnahme der Festung mit 10 andern Gefangenen von der Besatzung hat enthaupten lassen. ---Die Veranlassung dieser seltsamen Begebenheit war folgende:

Georg der Reiche, Herzog von Baiern-Landshut, . . .

. . . . .

Angenehmer war uns ein anderer Gegenstand; -- der Pfannhammer zu Maria-Stein. Das Werk besteht aus drey größeren, und eben so vielen kleinern, oder Polirhämmern. Mit Hülfe einer Drehescheibe werden die Pfannen ausgescharrt und polirt. Wie die übrigen Maschinen wird auch die Scheere vom Wasser in Bewegung gesetzt. Man sagte uns, daß in jeder Woche 5 Zentner Lameisen zu Pfannen können verarbeitet werden.

Eine mahlerische Gruppe bey der untern Mühle am Felsenhang vorüber, gelangten wir am rechten Ufer des Inns nach Ebs hinab, und besuchten den Hitscher-Bauer, Joseph Graf in der Hofmark Wagrain, dessen mechanische Vorrichtungen uns gerühmt worden. Wir sahen

1. Eine bewegliche Dresch-Tenne, 15 Schuhe lang, 4 - 5 breit. Sie rücket vor und zurück, wie ein Sägewagen in der Schneidmühle; -- 14 Stämpfe, 2 1∫2 Zoll im Quadrat, 6 - 7 Schuhe lang fallen abwechselnd quer über die Tenne. Sie hat an jedem Ende eiserne Arme, welche die Hebel wenden, und so das Schiebrad rückgängig machen, oder vor sich drehen. Jedes Stroh wird im Vor- und Rückgehen gedroschen, dann gewendet, und nochmal so behandelt; nach diesem wird es mit der Hand ausgeschlagen, damit auch die letzten Körner noch ausspringen. Ein einziger Arbeiter ist hinlänglich; gleichwohl wird an einem Tage viel mehr abgedroschen, als was sonst 14 Personen gar machen können.

2. Eine Maschine zum Spanschneiden. Sie besteht aus einem, im Hofe aufgerichteten Zwingsbaume, vor welchen eine Hobelbank gestellt wird. Das Holzscheit, welches zu Spänen soll verschnitten werden, hält der Zwingbaum fest. Ein besonderer Stoßbalken, in welchen der geeignete Span-Hobel eingehangen ist, nimmt von dem Scheit einen Span nach dem andern hinweg. Ein Mann leitet den Hobel, der andere hat genug mit Auffangung der Späne zu thun. So machen beyde an einem Tage wenigstens ein Fuder Späne, womit der Bedarf des ganzen Jahres gedeckt ist. -- Mit dieser Maschine wird auch Holz geschnitten.

3. Ein Butterrühr-, Schleif- und Dengel-Rad. Dieses ist ungefähr 4 1∫2 Fuß hoch. Der Umkreis besteht aus einem Kasten mit Hohlschnitten. Das Wasser fällt in diese Kästchen, wiewohl unterschlächtig, beym Durchmesser ein, wenn man diesen nach horizontaler Richtung betrachtet. Die Welle geht in eine Stange aus, welche die Axe des Butterfasses ergreift, und so dieses in Umtrieb setzt. An die Welle ist anderseitig der Schleifstein befestigt, und der kleine Dengelhammer angebracht.

4. Eine Zwirnmaschine, welche zwey kleine eiserne Wasser-Rädeln hat. Auf diese fällt etwas Wasser perpenikulair herab. Sie bewegen mittelst eines Kammrades zwey Drillinge, diese ein zwischen ihnen angebrachtes Rad, dessen Welle am vordern Ende wieder ein Kammrad an sich trägt. Dieses Letztere treibt endlich mittelst Getrieben die Spulen u. s. w.

Wir erfreuten uns an dem praktischen Talente dieses denkenden Landmannes, und wanderten ostwärts über ein hohes Gasteig den kaiserlichen Zoll- und das baierische Mauthhaus vorüber durch ein wildes Thal über das Kirchdorf Sacharang nach dem Schlosse Hohenaschau. Doch zu diesem werden wir auf dem Wege von Rosenheim gelangen.


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
  2. Pallas. Eine Zeitschrift für Staats- und Kriegs-Kunst herausgegeben von R. v. L. Weimar, in Commission beim Landes-Industrie-Comptoir.
  3. Reisen durch das Königreich Baiern. Von dem Kreisdirektor Joseph v. Obernberg, der k. Akademie der Wissenschaften Ehrenmitgliede. I. Theil. Der Isarkreis. München, bey Ignaz Joseph Lentner, und Leipzig, in Commis. bey J. Fr. Gleditsch. 1815.
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