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Maria Lätitia.Bearbeiten

[1]
Die Mutter dieses Hauses ist die schon genannte Maria Lätitia, aus dem korsischen Haus der Nobili Ragniolini, geboren am 24. August 1750, vermählt im Monat Merz des Jahrs 1767, Witwe, seit dem 24. Februar 1785. Sie residirte seit dem 19. December 1804 zu Paris und seit dem 25. August 1805 auch im Schloß von Pont sur Seine im französischen Departement der Aube. Sie bekam im Monat December des Jahrs 1804 den Titel Madame mit dem Prädikat Kaiserliche Hoheit. *) Von Blois, wo sie im Jahr 1814 sich wegen des Kriegs aufhielt, reiste sie am 9. April nach Rom, wo sie am 14. Mai eintraf. Am 25 Julii trat sie eine Reise nach Elba an, wo sie seit dem 3. August ist. Ihr Sohn der Kaiser verschaffte ihr am 11. April 1814 durch (die noch anzuführende) Uebereinkunft einen Jahrgehalt von 300,000 Francs.

*) Von ihrem Halbbruder Fäsch aus ihrer Muter zwoten Ehe giebt der Anhang Bericht.


Maria Lätitia Bonaparte.Bearbeiten

[2]
Bonaparte (Maria Lätitia); eine geborne Raniolini, wurde zu Ajaccio in Corsica 1750 geboren. Sie vermählte sich mit einem Rechtsgelehrten und Landeigenthümer, Carl Bonaparte 1767. Dieser starb in Frankreich zu Montpellier 1785. Die merkwürdigen Kinder dieser Ehe, welche noch leben, sind nach ihrem Alter: Joseph, Napoleon, Lucian, Ludwig, Pauline, Caroline und Hieronymus. Seit Napoleons Thronbesteigung lebte sie zu Paris, wo sie als Mutter das Kaisers einen eigenen Hofstaat hielt, wie den ehemaligen Königinnen den Titel Madame führte, und Beschützerinn der beiden Wohlthätigkeits-Institute der Soeurs de la charité und der Soeurs hospitalières war. Nach Napoleons Thronentsetzung 1814 nahm sie ihren Aufenthalt in Rom. Als aber derselbe 1815 wieder erschien, begab sie sich mit dem Cardinal Fäsch abermals nach Frankreich. Nach dem Sturze des Usurpators erhielt sie die Erlaubniss wieder in Rom zu leben, wo sie sich bei ihrer Tochter, der Fürstin Borghese, befindet.


Zeitungsnachrichten.Bearbeiten

[1812]

Paris, den 16ten Juny. [3]

Ihre Kaiserl. Hoheit Madame, Mutter des Kaisers, ist am 5ten Juny auf ihrem Schlosse zu Pont angekommen, wo sie einige Zeit zu verweilen gedenkt.


Paris, den 19ten Juny. [4]

Ihre Kaiserl. Hoheit, Madame, Mutter des Kaisers, ist von der nach dem Schloß zu Pont gemachten Reise wieder zu Paris eingetroffen.


Paris, den 29sten August. [5]

Madame Mutter des Kaisers ist aus Aix, wo sie das Bad gebrauchte, wieder hier eingetroffen.


Le Mémorial de Sainte-Hélène.Bearbeiten

[6]
"Pauline war zu verschwenderisch, und konnte sich nichts versagen. Sie müßte bei allem, was sie von mir erhalten hat, unermeßlich reich seyn; aber sie gab ihrer Seits auch wieder, und ihre Mutter predigte ihr öfters in dieser Beziehung, und sagte ihr voraus, sie könnte noch einmal in einem Hospital sterben. Madame selbst war ihrer Seits wieder zu sparsam; so daß es bis ins Lächerliche ging. Ich bot ihr beträchtliche Summen monatlich an, wenn sie diese austheilen wollte. Sie wollte sie zwar empfangen, aber nur unter der Bedingung, daß sie die Macht hätte, sie auch zu behalten. Im Grunde war alles dieß nur ein Uebermaß von Vorsicht von ihrer Seite; sie hatte immer die größte Furcht, eines Tages nicht mehr zu besitzen. Sie hatte die Noth schon kennen gelernt, und diese furchtbaren Augenblicke kamen ihr nicht aus den Gedanken. Man darf indessen die Bemerkung nicht vergessen, daß sie insgeheim ihren Kindern viel gab; sie ist eine so gute Mutter! . . . .

"Dieselbe Frau übrigens, sagte der Kaiser, von der so schwer ein Thaler zu erhalten war, würde mir für meine Rückkehr von der Insel Elba gern alles gegeben haben; und nach Waterloo war sie bereit, mir alles, was sie besaß, zu überliefern, um mir zur Herstellung meiner Angelegenheiten behülflich zu seyn; sie machte mir dieses Anerbieten, und würde sich ohne Murren zur Beschränkung auf schwarzes Brod verurtheilt haben. Dieß rührte bei ihr davon her, daß immer das Große den Sieg über das Kleine errang; der erhabene Stolz, der edle Ehrgeiz hatten bei ihr die Herrschaft über den Geiz."


Quellen.Bearbeiten

  1. Das Haus Buonaparte. Ein genealogischer Versuch. 1814.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 168. Sonnabend, den 13/25. July 1812.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 171. Mittewoch, den 17/29. July 1812.
  5. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 217. Montag, den 9/21. September 1812.
  6. Denkwürdigkeiten von Sanct-Helena, oder Tagebuch, in welchem alles, was Napoleon in einem Zeitraume von achtzehn Monaten gesprochen und gethan hat, Tag für Tag aufgezeichnet ist. Von dem Grafen von Las Cases. Stuttgart und Tübingen in der J. G. Gotta'schen Buchhandlung. 1823.
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