Fandom


Lüneburg.Bearbeiten


Lüneburg,[1] alte, und etwas befestigte Hauptstadt des Fürstenthums gleiches Namens, liegt an dem schiffbaren Wasser Elmen- oder Ilmenau, welches 2 und eine halbe Meile von der Stadt bey der Hoperschanze in die Lühe fällt. Sie hat 4 Pfarrkirchen, an deren vorderster der Superintendent stehet, eine Ritterakademie, 1,780 Häuser und 10,000 Einwohner. In der Ritterakademie wird die adeliche Jugend zum Civil- und Militärdienst, zum Hofleben und zur privatisirenden Oekonomie angewiesen. In derselben sind 12 Freystellen für Lüneburgische von Adel. Am großen Markte stehet das 1763 ansehnliche reparirte Fürstenhaus und gegen über das wegen verschiedener Alterthümer und Kostbarkeiten sehenswürdige Rathhaus. In der St. Michaeliskirche ist ein altes herzogliches Begräbnißgewölbe, und auf dem hohen Altar die ehedem mit Golde belegte und mit Edelsteinen stark besetzte goldene Tafel, welcher aber, nach der durch den Kirchenräuber, Nicolas List, und seiner Rotte, 1698 ihr widerfahrnen Beraubung, nur etwas weniges von Golde übrig geblieben ist. Unterschiedliche andere Kirchen, nebst der Rathsbibliothek, sind gleichfalls sehenswerth, vornehmlich aber die Sülze, oder das vortreffliche Salzwerk. Sie macht einen eignen Theil der Stadt aus. Die Sole ist so reichhaltig, daß sie ohne Gradiren sogleich versotten werden kann. Der fünfte Theil gehört dem Landesfürsten. Es fehlt dem sehr guten Salze an hinlänglichem Absaze. An der Westseite der Stadt liegt der befestigte Kalkberg, aus welchem der Kalkstein in großer Menge gebrochen, und häufig auswärts verführt wird. Die Einwohner handeln mit ihren Produkten und Manufakturen von Salz, Wachs, Honig, Wolle, Seife, Bier, Neunaugen, Flachs, Leinwand und Fries: es bringt auch der Speditionshandel nach Hamburg, Lübeck, Leipzig xc. beträchtlichen Vortheil.


Von Reisende.Bearbeiten


Lüneburg liegt an dem Flusse Ilmenau, der einen Theil der Stadt durchströmt. Sie ist sehr alt; alle Häuser und nicht weniger die Kirchen sind von Backsteinen im altgothischen Geschmacke erbauet. Die mehrsten Häuser haben Façaden, die oben spitz zulaufen. Auf dem Marktplatze stehet das Schloß oder Fürstenhaus, ein altes, nicht vorzüglich ins Auge fallendes Gebäude, dem zur Seite das Rathhaus steht. -- Lüneburg ist nicht groß, es hat ungefähr eine halbe Meile im Umfange, und man schätzt die Zahl der Einwohner ungefähr auf zwölf Tausend. Der hier getriebene Handel, vorzüglich mit Hamburg, ist sehr bedeutend. Lüneburg empfängt von daher Waaren-Transporte zu Wasser, die es wieder zur Axe nach Leipzig und andern Orten verfährt.

Ich habe nicht unterlassen, den berühmten Kalkberg bey Lüneburg zu besuchen: den einzigen Ort, wo man bis jetzt die schönen Krystalle gefunden hat, die unter dem Namen der Boraciten bekannt sind.

Der Kalkberg liegt unweit des neuen-Thores, auf der West-Seite der Stadt; er stößt an den Wall und die Festungswerke; auf der gegenüberstehenden Seite ist er mit einem Hornwerk umgeben. Die oberste Fläche dieses Berges ist geebnet, und mit einem Parapet versehen, von welchem man eine weite Aussicht hat. Vermittelst eines Fern-Glases kann man sogar die Thürme von Hamburg unterscheiden, welches doch beynahe acht Meilen von hier entfernt ist. Weiter unter findet man die Amts-Wohnung des Kommandanten, eine Kirche, und Gefängnisse, in welchen sich Baugefangene befinden, die man in den Steinbrüchen des Kalkberges arbeiten läßt.


Quellen.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.