Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Langres.[]

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Langres, große und alte Stadt von 1800 Feuerstellen und 7,283 Einwohn. (im Jahr 1802) in Champagne, auf einem Berge, am Ursprunge der Marne, in der Landschaft Bassigny; jezt der Hauptort eines Arrondissements im Departement der Haute Marne. Der Bischof daselbst führte den herzoglichen Titel, und die Würde eines geistlichen Pairs von Frankreich; das Bisthum ist aber jezt aufgehoben. Die Stadt ist sonst wegen ihrer Messerschmidsarbeit berühmt und ihrer Wollen- Zeug- und Ledermanufakturen berühmt, und hat schöne Promenaden. Diderot war der Sohn eines Messerschmids aus Langres.

Zu dem Bezirk von Langres gehören die Cantons: Langres, Auberive, Bourbonne, le Fay-Billot, la Ferte-sur Amance, Longeau, Neuilly, Montigny, Prauthoy, und Varennes.


Aus einem Schreiben aus Langres vom 2ten Februar 1814.[]

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Die Franzosen sind in diesem Gegenden sehr demüthig; der Strich ist arm und wird von den Durchmärschen genug mitgenommen, allein von Widersetzlichkeit oder Insurrection ist nicht das Mindeste zu fürchten, denn die große Stimmung ist gegen Napoleon und besonders seine harten Präfecten. Von einer patriotischen Entrüstung habe ich wenig Spuren gesehen; sie wollen nichts wie Frieden und wissen wohl, daß ihr Kaiser auf keine andere Weise dazu gebracht werden kann. Einzelne reden offen gegen ihn, und die Bourbons sollten wohl auch ihre Anhänger finden. Der befohlne Aufstand in Masse ist lächerlich und hierherum nirgends zu Stande gebracht; selbst die letzte Conscription ist meistentheils entlaufen und zurückgekehrt, und die Dörfer sind voll Männer und dienstfähiger Leute. Ueber Franchecomté und einige dazu geschlagene Departements haben die Alliirten einen Gouvernement ernannt, einen Herrn von Andlaw, der zu Vesoul wohnt und eine Proclamation am 27sten Januar erlassen hat, wo man, wie in allen andern Erlassungen, das Deutsche als Original, das Französische als Uebersetzung erblickt. Dergleichen Kleinigkeiten thun einem immer wohl, und selbst, daß man in den Straßen häufig Deutsch reden hört, wo die Unverständlichkeit Mißgriffe macht, und vieles, was man nicht beschreiben kann, erinnert einen an das ausgestandne Elend in Deutschland und die gekommne Vergeltung, und es liegt eine gewisse Freude darin. Am gemischtesten sind Freude und Mitleiden beim Durchziehen der Kriegsgefangenen, die zerlumpt und bleich, aber oft in bessern Kleidern noch, als ihre Begleitung hat, vorübergehen, und wobei jedermann im Dorfe vor der Hausthüre steht und guckt, während die Neugier, unsre Soldaten anzusehen, bei den Leuten fast schon hinlänglich gestillt ist. Uebrigens läßt man die meisten Kriegsgefangenen heimlaufen.


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
  2. Deutsche Blätter Herausgegeben von Friedr. Arn. Brockhaus. Zweiter Band, Leipzig und Altenburg, 1814.
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