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Leopold II.Bearbeiten

Leopold II. (Peter Joseph) geboren den 5. May 1747, nach seines Bruders Josephs II. Tode 1790 erwählter und gekrönter deutscher Kaiser, Sohn Franz I. und Marien Theresien, war anfangs Großherzog von Toskana und beherrschte 25 Jahre lang diesen Staat unter seinem weisen Zepter.

Als er die Regierung antrat, war der Staat verschuldet und das Volk erschöpft. Er fing an, die Auflagen zu vermindern und Ordnung in die Finanzen zu bringen. Gute Gesetze und weise Anordnungen bezeichneten die ersten Jahre seiner Regierung. Er errichtete Manufacturen und ließ Landstrassen anlegen. Die Akademie zu Florenz, aus der unter der Regierung der Medicis so berühmte Maler und Bildhauer ausgegangen waren, hatte ihren Glanz verloren; er bemühte sich ihr denselben wieder zu verschaffen. Es ist keine Art von Verbesserung, die er nicht versucht oder ausgeführt hat.

Als er den Kaiserthron bestieg, fand er die österreichische Monarchie in einem mißlichen Zustande. Die Niederlande war er nahe daran zu verlieren; der Türkenkrieg hatte die Armee in eine traurige Verfassung gebracht; Hungarn war in Aufruhr; in Böhmen bemerkte man viele Gährungen; und der Krieg mit Preußen schien ihn zu bedrohen.

Allein durch seine Klugheit und Gewandtheit brachte es Leopold binnen 8 Monaten dahin, daß Belgien wieder erobert, die Unruhen in den Provinzen gedämpft, der Friede mit den Türken geschlossen, ein überwiegender Einfluß auf das Berliner Kabinet gewonnen, und er zum Kaiser gekrönt wurde. Im Frühjahre 1791 begab er sich nach Italien, und hatte mit dem Grafen Artois im Monat May eine Zusammenkunft. Den folgenden 27. August unterzeichnete Leopold zu Pillnitz mit dem Könige von Preußen die Uebereinkunft, Truppen gegen Frankreich zur Wiederherstellung der königlichen Gewalt marschieren zu lassen. Doch hatte er weder Vorbereitungen getroffen, noch Feindseligkeiten angekündigt, als ihn ein plötzlicher Tod den 1. März 1792 in seinem 44sten Jahre hinwegraffte.

Er war mit Marien Louisen, Infantinn von Spanien vermählt, mit der er seinen Nachfolger, Franz II. und mehrere andere Prinzen und Prinzessinnen gezeugt hat.


Leopold II. wird deutscher Kaiser.Bearbeiten

Der dreyßigste September 1790.

Nach dem Tode Kaisers Franz I. übernahm Leopold die Regierung des Großherzogthums Toskana, welches sein Vater ausdrücklich in seinem Testament ihm zum Erbtheil ausgeschieden hatte. Er wurde von seinen Unterthanen enthusiastisch verehrt, weil er den Menschen in Menschen schätzte, die Staatsregierung vereinfachte, die Abgaben verminderte, die Industrie ermunterte, die Nationalerziehung verbesserte und die Bevölkerung durch zweckmäßige Anstalten vermehrte. Er gab den Kornhandel frey, erlaubte uneingeschränkten Verkehr mit Seidenwaaren, beförderte den Bergbau und die Viehzucht, begünstigte Künste und Wissenschaften, hob die Tortur auf, erklärte die Majestätsverbrechen für ungültig, verminderte die Gerichtssporteln und führte eine strenge Gerechtigkeit in den Gerichtssälen ein.

Im Jahr 1790 starb Kaiser Joseph II. und das deutsche Reich beschäftigte sich nun mit der Wahl eines neuen Oberhaupts. Am 11ten August war die erste Auffahrt der kurfürstlichen Wahlbothschafter zu Frankfurt am Main, am 28ten leistete die Bürgerschaft den sogenannten Schirmungs- und Sicherheits-Eid. Die drey geistlichen Kurfürsten, Maynz, Trier und Kölln, waren in Person zugegen. Am heutigen Tag geschah die förmliche Wahl und wurde am nemlichen Abend dem neuen Kaiser durch den Reichserbmarschall, Grafen von Pappenheim, bekannt gemacht.

Leopold trug die deutsche Kaiserkrone kaum etwas über anderthalb Jahre, denn schon am 1ten März 1792 starb er ganz unvermuthet.


Leopold II. stirbt.Bearbeiten

Den 1. März 1792.

Terris magis ostensus quam datus.

Der Eindruck, welchen der unvermuthete Tod des besten Monarchen erregte, ist noch zu neu, und bedarf keiner wortreichen Schilderung. Schon als Großherzog von Toscana hatte sich Leopold durch Weisheit, Mäßigung, ächte deutsche Redlichkeit und Herzensgüte, eine allgemeine Leibe und Hochachtung erworben. Als König und Kaiser schien Er das in Ihm gesetzte Vertrauen noch zu übertreffen. Die Zutraulichkeit, mit der Er sich bald nach angetretener erbländischer Regierung an den König von Preußen wandte, die Offenheit, mit der Er ihm seine Gesinnungen und Regierungsgrundsätze entdeckte, die Mäßigung, Würde und Standhaftigkeit, womit Er die Niederländer behandelte, seine Thätigkeit in Geschäften, endlich seine Leutseligkeit und Popularität, die Er gegen einen jeden beobachtete, mußten Ihm eben so viele Hochschätzung und Verehrung, als Liebe und Zutrauen erwerben. Er war ein feind aller Verheimlichung und Verstellung; alle öffentlichen Handlungen des Regenten, sagte Er, dürften von allen und jeden gesehen und beurtheilt werden, und Er würde es gern sehen, wenn die Seinigen sämmtlich bekannt gemacht würden. Sein fester und unerschütterlicher Sinn war, alles Mögliche zur Beförderung des Gemeinwohls seiner Unterthanen beyzutragen, und den Staat eine fortdaurende Glückseligkeit, und einen immer steigenden Flor zu versichern, ohne selbst irgend eine Art von Mühe und Arbeit dabey zu fliehen. Daß dieß seine herrschende, beständige Neigung war, hatten die Toscaner während seiner vier und zwanzigjährigen Regierung zu ihrer allgemeinen Zufriedenheit erfahren. In Deutschland herrschte Er nur kurze Zeit, und Er starb schon im fünf und vierzigsten Jahre seines Lebens, mit Hinterlassung einer zahlreichen Nachkommenschaft, der Erben und Muster erhabener Tugenden.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
  • Denkwürdigkeiten aus der Geschichte der österreichischen Monarchie. Auf jedem Tag des Jahrs gesammelt. Von G. A. Griesinger. Wien. Bey J. V. Degen, Buchdrucker und Buchhändler. 1804.
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