Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Lissabon.[]

[1]
Lissabon (port. Lisboa), die Haupt- und (bis 1807, wo sich der Hof nach Brasilien flüchtete, von wo er noch nicht zurückgekehrt ist) die Residenzstadt des Königs von Portugal in der Provinz Estremandura, am Flusse Tajo (Tejo), liegt in der Form eines Amphitheaters und begreift sieben, eigentlich nur drei, Berge in ihrem Umfange. Sie ist völlig offen, meistens Schmal, eine Meile lang, liegt längs dem Flusse und hat einen guten Hafen mit einer doppelten Einfahrt, in welchem die größten Kriegsschiffe bis zur Stadt kommen können, und dessen Eingang durch mehrere Thürme und Schlösser beschützt wird. Der dasige Patriarchalkirche ist stets ein päpstlicher Legatus a latere und hat den Rang vor allen Erzbischöffen und Bischöffen in Portugal und Indien. Er kleidet sich wie der Papst, und seine 24 Domherren wie die Cardinäle. Am 1. Nov. 1755 ward die Stadt durch ein fürchterliches Erdbeben, in welchem 15 - 20,000 Menschen ihr Leben verloren, und hernach durch einen Brand verwüstet. Von 24,000 Häusern gingen zwei Drittheile gänzlich zu Grunde und der Rest ward mehr oder minder beschädigt. Im J. 1778 lag noch über ein Drittheil der Stadt in Schutt; aber 1789 war sie gänzlich wieder hergestellt. Die Straßen sind, wegen des bergigen Bodens, uneben, durchaus, aber oft schlecht gepflastert, meistens krumm, schmutzig, bei Nacht nicht erleuchtet, haben aber für die Fußgänger ein Trottoir. Die Kirche der Dominicaner, ein Meisterstück der Baukunst, welches 45 Millionen Franken gekostet hat, ist von der letzten Königin erbaut. Der sogenannte Schatz, welchen ebenfalls die letzte Königin zu bauen angefangen, ist und wird vielleicht nicht vollendet und soll bereits so viel Crusaden gekostet haben, als Raum darin ist. Der ansehnlichste Platz in der Neustadt ist der Praca de Comercio (der Handelsplatz). Gegenwärtig, da die Stadt gegen Westen erweitert ist, giebt man die Zahl der Häuser auf 38,102 und die Zahl der Einwohner auf 350,000 an, von welchen letztern die in Africa und Ost- und Westindien von Portugiesen und dortigen Einwohnern gezeugten Menschen, nebst den schwarzen Sclaven beinahe den vierten ausmachen. Lissabon ist der Sitz der vornehmsten Reichscollegien, einer 1720 gestifteten Akademie der portugiesischen Geschichte und eines 1766 errichteten Collegiums, das zum Unterrichte von hundert adeligen Pensionärs bestimmt ist. Auf dem neuen Platze steht seit dem 6. Junius 1775 die metallene Bildsäule Königs Josephs I. zu Pferde. Der Handel der Stadt ist sehr wichtig, verbreitet sich aber nicht sowohl über die Producte des Landes, als vorzüglich über die wichtigsten Erzeugnisse Brasiliens und Ostindiens, von welchen hier der Hauptmarkt ist. Der Zoll ist so beträchtlich, daß er den größten Theil der königlichen Einkünfte in Europa ausmacht. Die Wasserleitung, vom unsterblichen Johann V. (dem Heinrich IV. von Portugal) erbaut, welche von Alcantara nach Lissabon geht, ist ein vortreffliches Werk, dessen Hauptbogen von gothischer Arbeit, unter welchem ein Linienschiff von 74 Kanonen mit vollen Segeln durchpassiren kann, einer der prächtigsten in ganz Europa ist. Dieß Werk widerstand der Gewalt des Erdbebens, obgleich die Schlußsteine sich einige Zoll in die Tiefe senkten, aber von dem Mittelpuncte des Gewölbes, das sich sogleich wieder schloß, aufgefangen wurden.


Nachrichten über Lissabon.[]


[2] Lissabon, die Hauptstadt Portugalls ist, eigentlich genommen, keine schöne Stadt, aber gewährt den schönsten Anblick. Auf 7 Hügeln erbaut, die sich stufenweise erheben, und von Osten nach Westen, längs der Krümmung des Tajo sich erstrecken, bieten die Stadt denen, welche den Fluß hinauffahren ein Amphitheater von Häusern dar, welche, wenn gleich nicht schön, doch neu sind, und aus dieser Masse von Häusern ragen die Kirchen mit ihren Kuppeln und Thürmen hervor. An einer Krümmung des Flusses glaubt man rings herum, so weit man sehen kann, von Häusern eingeschlossen zu seyn; hierzu nehme man noch die schöne Aussicht von dem Flecken und Schlosse Belem, wodurch sich die Stadt bis an den Tajo auszudehnen scheint; den Wald von Schiffen, das beständige Kommen und Weggehen der Fahrzeuge, und man kann sich leicht vorstellen, welch einen malerischen Prospect dies Alles geben muß. Ein Sprichwort, das in Spanien sehr gebräuchlich ist, sagt daher nicht ohne Grund: Aus dem Handel von Sevilla, dem Innern von Madrid, den Spaziergängen von Barcellona und der Aussicht von Lissabon ließe sich die schönste Stadt der Welt zusammensetzen.

Kaum aber kommt der Reisende in der Hauptstadt Portugalls an, so wird diese Illusion auf eine unangenehme Weise gestört. Er erblickt hier keine Quays, keine Plätze, wo die Schiffe mit Bequemlichkeit anlegen können. Auf den Straßen, welche großtentheils nur längs den Häusern gepflastert sind, weiß man vor Schmutz nicht, wo man hintreten soll. In grossen Entfernungen trifft man immer Gewölbe, welche die frische Luft und die Aussicht benehmen, und durch die Brücken gebildet werden, welche die Hügel mit einander verbinden und die Querstraßen verlängern.

Selbst die Hauptstraße längs dem Flusse, ist wegen der vielen Krümmungen sehr unbequem. Die zwischen den Hügeln fortlaufenden Straßen sind sehr dunkel; die Querstraßen gehen bergan und sind mühsam zu passiren; allein die Helle, die Reinlichkeit, vorzüglich in Vergleich mit den übrigen Straßen, die Aussicht nach dem Hafen und die jenseits des Tajo liegende Landschaft, der blick in die unter liegenden Straßen, über welche man von Zeit zu Zeit weggeht, und die wegen der Höhe von welcher man sie erblickt, ein pittoreskes Ansehen haben, alles dieses entschädigt auf eine angenehme Weise für die Mühe, welche die Ersteigung dieser Hügel verursacht.

An den Gebäuden in Lissabon bemerkt man gar nicht die Schönheit und Regelmäßigkeit, wie man es in einer vor ungefähr einem halben Jahrhundert wieder aufgebauten Stadt erwarten sollte. Schöne Hotels wechseln mit schlechten Häusern und Boutiquen ab, die das Ansehen von Baraken haben. In dessen giebt es zu Lissabon auch schöne Monumente der Baukunst; darin gehören besonders die Kirchen, welche von außen und innen prächtig sind, ausgenommen die Hauptkirche, welche es vorzüglich seyn sollte. Diese ist ein grosses, finsteres, gothisches Gebäude, welches das Gepräge des Alterthums an sich trägt, und selbst dem letzten Erdbeben trotz bot. Die Kirchen der Klöster hingegen sind weit schöner, unter welchen die der Dominicaner im öffentlichen Garten verdienst bemerkt zu werden. Als Meisterstück in seiner Art ist vorzüglich die Kirche oder vielmehr das Kloster Curaçow zu bewundern, welches von der letzten Königin erbaut und 45 Mill. Franken gekostet haben soll. Es liegt auf einem der höchsten Punkte der Stadt, und mit Wohlgefallen verweilet der Blick des Vorübergehenden auf dieser imponirenden Steinmasse, mit einer prachtvollen Kuppel bedeckt. Das Innere dieses Klosters entspricht ganz dem kühnen Styl, in welchem es erbaut ist: große Gemälde, ähnlich denen in der Kirche Notre Dame zu Paris, zieren die Kirche desselben von der Hauptthür bis zum Hauptaltar, umgeben von einer Fresko Malerey, welche mit der in der Invaliden-Kirche zu Paris wetteifern kann. Die Königin hat hier ein adliches Nonnen-Kloster errichtet, in welchem sie selbst zu endigen dachte.

Der öffentliche Garten von Lissabon ist weder groß noch schön; allein er ward gut unterhalten, und bekommt durch seine botanischen Schätze einigen Werth. Der Königsplatz ist viereckig, auf der einen Seite durch den Tajo, auf der andern durch ein grosses Zeughaus begränzt. Sonst war hier der Pallast des Königs, welcher bekanntlich abgebrannt ist, überdies hielt sich der Hof auch immer auf dem Lande aus.

Man spricht auch zu Lissabon von einem Gebäude, welches der Schatz heißt; dieses ist und wird wahrscheinlich nie vollendet. Ungeheure Steinmassen sind hier regellos auf einander gehäuft und bilden eine undurchdringliche Mauer. Die ausgewanderte Königin fing diesen Bau an, und hat an demselben mehr Crusaden verschwendet, als in demselben Raum haben. Die Bewohner von Lissabon haben oft laut darüber geklagt und bei einem Aufruhr, der durch den Mangel an Lebensmitteln entstand, fand man an diesen Mauern, welche noch, ehe sie genutzt hatten, wieder in Ruinen verfielen, folgende Stelle aus dem Evangelio angeschlagen: Dic, ut lapides isti panes fiant. (Sage, das diese Steine Brodt werden.)

Die von dem unsterblichen Johann V. ( dem Heinrich IV. von Portugall) erbauete Wasserleitung, ist ein wahres Wunderwerk. Hier sieht man auch große Steinmassen, aber mit der größten Regelmäßigkeit in einander gefügt. Der Kanal dieser Wasserleitung wird eine Viertel-Meile hindurch bald von hohen, bald von niedrigen Pfeilern, nach Beschaffenheit des Terrains, unterstützt. Der mittelste Bogen dieser Wasserleitung ist wegen der Tiefe des Thals so breit und so hoch, daß ein Linienschiff von 74 Kanonen mit vollen Segeln darunter durchpassiren könnte. An jeder Seite dieser Wassermasse ist eine Gallerie mit schönem eisernen Geländer eingefaßt, welche mit Neugierigen angefüllt ist, die dieses Werk, der Römer würdig, bewundern und hier die liebliche Luft von den Weinbergen, Orangen, Cirtonen und andern wohlriechenden Bäumen, welche zugleich blühen und Früchte tragen, einathmen. Die Sorgfalt des Königs Johann V. für seine Unterthanen beschränkte sich nicht blos auf diese Wasserleitung, sondern fast alle Etablissements für die Gesundheit verdankt Portugall ihm.

Eine andere Wasserleitung befindet sich in der Nähe von Elvas, und versieht diesen Ort, der auf einer Anhöhe liegt, mit Wasser. Auch ließ dieser Monarch Brunnen zur Bequemlichkeit der Reisenden an den Heerstraßen graben.

Obgleich die Anzahl der Kirchen zu Lissabon, welche im Allgemeinen schön und reich sind, sehr groß ist, so werden diese doch wenig von der vornehmern Classe besucht. Fast in allen Hotels und nur etwas angesehnen Häusern befinden sich daher Betzimmer, in welchen Bettelmönche den Gottesdienst verrichten und dafür gut bezahlt werden.


Zeitungsnachrichten.[]

[1806]

[3]

Großbrittanien.

Von Lissabon will man Nachricht haben, daß Lord St. Vincent alle Portugiesischen leichten Schiffe bewaffnet, und den Einwohnern den Rath gegeben hat, ihre beßten Güter einzupacken, um sie im Nothfalle gleich auf die Brittischen und Portugiesischen Schiffe bringen zu können.

[4]
Großbrittanien.

Die Escadre des Lords St. Vincent lag bey Abgang der letzten Berichte noch immer im Hafen von Lissabon vor Anker. Die Nachricht, daß der Admiral Portugiesische Kriegsschiffe ausrüsten lasse, zeigte sich ungegründet.


[1812]

London, den 20sten Juny. [5]

Nach einem Privatschreiben aus Lissabon vom 31sten May ist der dortige Handel in der traurigsten Lage. Die vielen aus England angekommenen Schiffe haben eine solche Menge Waaren mitgebracht, daß man sie auch zu dem niedrigsten Preise nicht los werden kann. Die Portugiesen zeigen so viel Gleichgültigkeit, als wenn der Feind tausend Stunden weit von ihrer Stadt stünde.

Quellen.[]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. Hamburg, auf den Post-Aemtern und in der Hoffmannschen Buchhandlung. 1811.
  3. Wiener Zeitung. Nro 82. Sonnabend, den 11. October 1806.
  4. Wiener Zeitung. Nro 85. Mittewoche, den 22. October 1806.
  5. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 199. Montag, den 19/31. August 1812.
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