Beitrag zur militärischen Ansicht der Lobauinsel.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


[1] Wenn man aus Stadt Enzersdorf nach Wien geht, hat man diese Insel zu passiren, und kommt von da nach Ebersdorf, wo Napoleon bis zum Waffenstillestande sein Hauptquartier hatte, das er hierauf nach Schönbrunn verlegte. So wie man sich von Enzersdorf her der Insel nähert, stößt man auf Brückenköpfe, und wenn man die Brücke hinüber ist, sind am Ufer des Donauarms Verschanzungen an Verschanzungen. Hätten die Oestreicher nun späterhin die Insel forciren wollen -- denn am 22. Mai war sie freilich doch nicht so befestigt -- so würden sie einen harten Stand bekommen haben. Jedoch hätten sie vielleicht gesiegt, und sich nun im Besitz der Insel geglaubt. Sie marschirten dann eine Stunde, und kamen zum andern Ende der Insel -- hilf Himmel! wie mußten sie staunen, denn hier fieng erst die Gefahr an! Welche furchtbare Anstalten! Doppelte Reihen von Pallisaden, doppelte Gräben, doppelte Schanzen hintereinander, wo nur irgend der Feind angreifen kann: man könnte es eine wahre Festung nennen. Was hätten die Oestreicher nun thun sollen? Vorwärts konnten sie nicht, ohne durch Stürmen viele Tausende, und am Ende doch wohl nur vergebens, aufzuopfern. Auf der Insel konnten sie auch nicht wohl bleiben, denn sie waren dann täglich den Ausfällen des verschanzten Feindes ausgesetzt. Ihm gegenüber sich auch zu verschanzen, würde er schwerlich zugegeben haben; man hätte also seine Verschanzungen weiter rückwärts anlegen müssen. Dann konnten sie aber nicht mehr dazu dienen, den Feind beständig en echec zu halten, und ihm den günstigen Augenblick abzulauern.

Wer nur immer gewohnt ist, bei allem, was man zu Napoleons Lobe sagt, an Schmeichelei zu denken, der hätte hieher kommen und sehen sollen. Man schilt ihn übermüthig, aber sein Kriegsglück scheint ihm wenigstens durchaus keinen Uebermuth einflößen zu können; denn stets sind seine Maasregeln so genommen, als wenn er das Schlimmste zu fürchten hätte, als wenn er nicht bloß eine, sondern mehrere Schlachten hintereinander verlieren könnte. Für eine feste Stellung, die er genöthigt wäre, zu verlassen, hat er noch sechs bis acht Andere im Rücken, die nicht allzu weit von einander entfernt sind. Jetzt kann man diese trefflichen Fortificationen freilich nicht mehr sehen, denn vor dem Ausmarsch der französischen Truppen haben diese selbst alles wieder zerstören müssen.


In Ebersdorf ist ein kaiserliches Schloß, allein es eignete sich nicht mehr dazu, Napoleon zum Aufenthalte zu dienen; es war früher schon eine Kaserne für Artillerie, späterhin machten die Oestreicher ein Spital daraus. Napoleon bestimmte es also gleichfalls zu einem Spital, und logirte sich selbst in das artige Haus eines Privatmanns ein, das in einem Garten gelegen ist. Die Gegend um Ebersdorf ist sehr angenehm, man wird es gewahr, daß man sich schon dem prächtigen Wien nähert.


Ich kehrte in Ebersdorf ein, um ein Glas Wein zu trinken. Die Wirthstochter war ein munteres artiges Mädchen von 15 bis 16 Jahren, ich ließ mich mit ihr in ein Gespräch ein. Ein Rauchfangkehrer unterbrach dieses.

Du, Kleine, rief ich ihr zu, ich bin auch ein Rauchfangkehrer, ich werde bei dir kehren.

Nichts, mein Herr, ich habe heute schon kehren lassen.


Lobau Ins.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sammlung von Anekdoten und Charakterzügen auch Relationen von Schlachten und Gefechten aus den merkwürdigen Kriegen in Süd- und Nord-Deutschland in den Jahren 1805 bis 1809. Leipzig, in der Baumgärtnerschen Buchhandlung. 1810.
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