Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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C. P. Herzog von Chartres.[]

[1]
Chartres (C. P. Herzog von), ältester Sohn des Herzogs von Orleans, geb. 1773, war Obrist des 14ten Regiment Dragoner; und stand 1791 zu Vendome in Garnison. Er ließ sich in die Gesellschaft der Jakobiner dieser Stadt aufnehmen. Im Aprill 1792 diente er als Freywilliger in Birons Armee und legte mehrere Beweise von Tapferkeit ab. Als er sich sodann unter den Befehlen Dümouriez befand, kommandirte er mit Glück den Mittelpunkt der Truppen bey der Schlacht von Jemmape, verließ zu gleicher Zeit mit jenem im Aprill Frankreich, und von dem Konvent geächtet. Er irrte in dem Auslande herum, residirte einige Zeit in der Schweiz und zog sich endlich im Dezember 1796 in die vereinigten Staaten von Amerika zurück, und von da nach Havanna. Wieder nebst seinen zwey Brüdern zu den Grundsätzen der Monarchie zurückgeführt, hält er sich jetzt in England auf.


Louis Philippe, Herzog von Orleans.[]

[2]
Orleans (Louis Philippe, Herzog von), erster Prinz von Geblüthe, geboren den 6. Oct. 1773, erzogen von seiner trefflichen Mutter und von der Frau von Genlis, vor der Revolution Herzog von Chartres genannt. Er verließ Frankreich, nachdem ein Verhaftsbefehl gegen ihn ergangen war im Jahr 1795, und ging mit 100 Louisd'or, seiner ganzen Baarschaft, von Mons aus in die Schweiz. Um seine Familie von aller Verantwortlichkeit wegen seiner Emigration zu befreien, und sich selbst jeder Verfolgung zu entziehen, verbarg er sich unter einem angenommenen Namen in einem einsamen Thale der hohen Alpen, fern von der Heerstraße und besuchten Gegenden. Er hatte seiner Schwester das wenige ihm noch übrige Geld zurückgelassen; daher litt er vier Monate lang die größten Entbehrungen. Alle Sonn- und Festtage gab er nicht mehr als etwa 8 Groschen für sich und seines alten Dieners, der ihn nicht verlassen wollte, Beköstigung aus. Als er nur noch einen Louisd'or hatte, suchte und erhielt er die Professur der Geometrie an einem Collegium in Graubünden. Hier blieb er sechs Monate, ohne daß ihn jemand kannte, und erwarb sich die Achtung seiner Mitlehrer in so hohem Grade, daß ein Herr von Salis, der ihn vorher als Herzog von Orleans hatte verfolgen müssen, von der Geschicklichkeit des jungen Professors eingenommen, ihm die Stelle eines Hofmeisters bei seinen Kindern antrug. Allein der Herzog lehnte dieß ab, und fuhr fort, in seinem Collegium die Geometrie zu lehren. Erst nach Robespierre's Tode als er nicht mehr wegen seiner Mutter und Geschwister in Sorgen war, verließ er seinen Zufluchtsort, und entdeckte sich einigen alten Freunden; doch lebte er noch eine Zeitlang in einer kleinen Schweizerstadt einfach und unerkannt. Späterhin begab er sich nach Hamburg, und war entschlossen nach Nordamerika zu gehn. In der Folge lebte er als Herzog von Orleans in England und zu Palermo in Sicilien. Hier vermählte er sich den 25. Novbr. 1809 mit Amalie, König Ferdinands von Sicilien Tochter, die ihm zwei Söhne und fünf Töchter geboren hat. Nach der Restauration kam er mit seiner Familie von Palermo nach Paris. Bei Napoleons Einfall im März 1815 begab er sich nach England, und lebte zu Twickenham. Er blieb daselbst, weil die Gunst einer Partei in Frankreich zwischen ihn und den Prinzen des königlichen Hauses eine Spannung veranlaßt hatte. Allein sein durchaus tadelfreies Verhalten mußte ihm die Achtung des Königs sichern, und er kehrte im J. 1816 nach Paris zurück, wo er im Palais Royal, oder auf seinem Landsitz Neuilly wohnt, und Generaloberster der Husaren, auch Großkreuz der Ehrenlegion (seit 1816) ist. Seine Söhne haben die nächste Aussicht zum Throne, da der Herzog von Berry bis jetzt noch keine Söhne hat.


Zeitungsnachrichten.[]

[1808]

[3]

Großbrittanien.

Am 28. April ist der Duc d'Orleans auf der Fregatte Volontaire aus England zu Gibraltar angekommen.


Quellen.[]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  3. Wiener-Zeitung Nro. 50. Mittwoch, den 22. Juny 1808.


Literatur.[]

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