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L. S. Fréron.Bearbeiten


PortretFreron200

Freron, unvergeschlich zu Toulon.

Fréron, (L. S.) [1] Sohn des Journalisten Freron, des Gegners von Voltaire und der philosophischen Secte, die er nach dem Tode seines Vaters selbst bestritt. Er war in dem Kollegium Louis-le-Grand mit Robespierre erzogen worden und ward in der Revolution sein Freund, sein Nacheiferer und endlich sein Denunziant. 1789 fieng er an, den Volksredner herauszugeben, und ward ein Zunftgenoße Marats. Seit 1791 wagte es Freron, den Tod Ludwigs XVI. zu verlangen und zeigte sich nachher in der Municipalität, die den 10. August 1792 den Umsturz der Monarchie vollendete. Das Departement von Paris ernannte ihn im September zu seinem Deputirten bey dem Konvent, wo er den Tod Ludwigs votirte und bey seinen Sendungen in die Departements war es, wo Freron sich auf die revolutionärste Weise auszeichnete. Mit Barras ging er in die mittägigen Provinzen, theilte die ganze Thätigkeit seines Kollegen und zeigte überdieß einen unerschöpflichen Reichthum an Grausamkeit in seinem Briefwechsel und in seinem besondern Verfahren. Als sie in den ersten Tagen des Oktobers 1793 zu Marseille ankamen, setzten sie eine Kommission nieder, die alles Unheil dieser Stadt veranstaltete, die Schaffots aufrichtete, die Werkstätten zerstörte und die Handlung vernichtete. Später wüthete er zu Toulon. Endlich kehrte Freron von seinem Prokonsulat zurück und wurde anfangs bey den Jakobinern als der Retter des mittägigen Frankreichs ausgerufen, und nach Heberts Sturz wälzte er das Unglück jener Gegenden auf die Hebertisten. Indeßen dauerte es nicht lange, so wurde er Robespierre verdächtig und von ihm aus dem Jakobinerklub gestoßen. Freron vereinigte nunmehr seine Kräfte mit den andern Terroristen, welche sich gleichfalls bedroht sahen, griff Robespierre an und trug viel zu seinem Sturze bey. Er war einer der Sechs, welche man den 28. Julius 1794 Barras an die Seite gab, um die Ueberwältigten hinrichten zu lassen, und ihre Partheygänger im Zaum zu halten. Im Oktober 1795 befand er sich in Angelegenheiten einer Sendung in dem Departement der Rhônemündungen, wo er sich in einem empörenden Prunke zeigte. Er war von Guyenne zum Deputirten dieser Kolonie bey dem Rath der 500 gewählt worden; allein diese Wahl wurde zurückgewiesen. 1799 ward er vom Direktorium zum Kommissär nach St. Domingo ernannt, ging aber nicht ab, sondern trat in die Direktion der Spitäler. Bey der Expedition nach St. Domingo 1802 begleitete er den General Leclerc, erhielt nach des Präfects Bénézechs Tode dessen Stelle, hatte aber bald dasselbe Schicksal und unterlag in Folge einer sechstägigen Krankheit dem Einfluße des Klima.


Fréron an seine Freunde Mouret und Lambert.Bearbeiten


Toulon, aus dem Hauptquartier, den 6ten Nivose, im 2ten Jahre der Republick. *) [2]

"Die Füsilladen sich hier Tagsordnung; schon zählt man deren 600. Heute sind alle Soldaten, Adjutanten und Sergeanten der Marine, mit der Municipalität an die Reihe gekommen; drey Priester haben den Ball beschlossen. Ohne sich davor zu fürchten, unschuldige Opfer, als Kinder und schwache Weiber, umzubringen, wurde alles niedergestoßen; so wie denn auch, ohne sich zu fürchten, daß das Arsenal und die Hafen-Magazine in Brand gerathen könnten, die Stadt den Flammen aufgeopfert wurde. Wir haben 12000 Maurer mit ihren Werkzeugen in Requisition gesetzt, und schreiten nun zum Schleifen. Morgen und an den folgenden Tagen, werden wieder Fusilladen von 200 vorgenommen, bis nichts mehr übrig ist. Wir haben alles Silberzeug aus den Kirchen wegbringen lassen; eine unendliche Ribambelle von Heiligen. Der öffentliche Ankläger des Var-Departements hat die Carmagnole getanzt; so auch der Sekretär des Volkstribunals. Wir haben allen Gemeinen des Var-Departements Befehl gegeben, die Touloner Schurken, die in der Nacht der Eroberung sich retteten, aufzufangen.

Freron.

Aus diesem Briefe ergiebt sich der Grund, der Freron bewog, das Decret vom 20sten Fructidor auszuwirken, welches alle nach Frankreich zurückgekehrten Touloner von den Verfügungen dieses Decrets zu Gunsten derer, die ihr Vaterland auf Veranlassung der Ereignisse am 31sten May verliessen, ausschloß, sie für Emigrirte erklärte, und als solche zu verfolgen gebot. Schon damals dachte er auf seine Rückkehr nach dem Süden, und dieß Decret war in seinen Händen eine fürchterliche Waffe, mit der er alle unglücklichen Flüchtlinge, die durch jene Gegenden zu reisen oder in demselben eine Freystatt auf einen Augenblick zu finden wünschten, verjagte und verfolgte. Die spätern Vorfälle haben diese Vermuthung nun allzusehr gerechtfertigt; und die Emigration, die Einkerkerung und der Aufenthalt von 12000 Familienhäuptern in Wäldern, ist ein unwiderlegbarer Beweis davon. **ch.

*) Aus dem damals zu Marseille in der Revolutions-Buchdruckerey erschienenen Journal republicain de Marseille & des Departements meridionoux, dessen Herausgeber Lacroix sich auf den Titel ausdrücklich einen Pariser Jacobinder nannte.


Quellen.Bearbeiten

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts. Herausgegeben von J. W. v. Archenholz. Hamburg 1796.
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