Ludwig-René-Eduard Rohan.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Rohan (Ludwig-René-Eduard) Kardinal, geboren den 27. September 1734, war anfangs bekannt unter dem Namen des Prinzen Ludwig, und ward nach einander Bischof von Straßburg, Großalmosenier von Frankreich und Mitglied der französischen Akademie. Sein Hang zu Vergnügungen that weder seinen Studien, noch seinem Ehrgeitze einen Eintrag. Als Bothschafter in Wien zeichnete er sich daselbst durch seine Liebenswürdigkeit und Pracht aus; aber seine schöne Gestalt, sein offener Verstand und seine Talente haben ihn bey weitem nicht so berühmt gemacht, als die unglückliche Halsbandgeschichte. Den 15. August 1785, an dem Geburtstage der Königinn, kamen zu derselben 2 Goldarbeiter, und verlangten die Summen von 1,600000 Livres für ein geliefertes brillantenes Halsband. Die Königinn sagte, daß sie dieses Halsband nie gesehen, noch daran gedacht hätte, sich eines dergleichen anzuschaffen." Die Goldarbeiter erklärten ihrerseits, "dasselbe in die Hände des Kardinals überliefert zu haben, der von ihr beauftragt gewesen wäre, mit ihnen den Handel zu schliessen." Die Königinn, über den Mißbrauch ihres Namens entrüstet, brachte ihre Beschwerden bey dem Könige an und verlangte gegen den Kardinal Gerechtigkeit. Der Monarch zog den Siegelbewahrer und den Herrn von Breteuil darüber zu Rathe, und deyde waren der Meinung, daß man den Kardinal auf der Stelle arretiren sollte; die Königinn aber erhielt, daß er vorher zur rede gestellt wurde. So wie er erschien sagte die Königinn zu ihm: "Reden Sie, ob es nicht seit 4 Jahren das erstemal ist, daß ich mit Ihnen spreche?" Der Kardinal gestand es ein und sagte, daß er von den Ränken einer Frau, Namens Lamothe hintergangen worden sey. Als er das Kabinet des Königs verließ, wurde er arretirt und in die Bastille gebracht; und der König ließ ihm sagen, daß er selbst über sein Schicksal entscheiden solle: er verlangte von dem Parlamente gerichtet zu werden. Die Lamothe gestand, daß sie nie der Königinn vorgestellt worden sey; es wurde bewiesen, daß sie, seitdem das Halsband in ihre Hände gekommen war, plötzlich die Dürftigkeit mit der äussersten Pracht vertauscht, daß ihr Gemahl zu London Diamanten für ansehnliche Summen verkauft, und daß endlich eine Schauspielerinn, Namens Doliva, die Rolle der Königinn gespielt und Nachts in dem Park von Versailles, wohin sie den Kardinal hatte rufen lassen, erschienen war. Das Parlament sprach diesen vollkommen frey! entfernte die Doliva vom Hoflager, verurtheilte die Lamothe zur Brandmarkung und lebenslänglichen Verhaft in der Salpetrière und ihren Mann zur Galeere. Trotz dieses Urtheils konnte Ludwig XVI. und seine Gemahlinn nicht mit guten Augen einen Mann in ihrer Nähe sehen, der ihre Namen in einem so verdrüßlichen Handel kompromittirt hatte. Der Kardinal wurde seiner Würde als Großalmosenier entsetzt, in die Abtey von Chaisedien in Auvergne und sodann in sein Bisthum von Straßburg verwiesen. Dessen ungeachtet wurde er durch Einfluß der revolutionellen Parthey, die dadurch dem Hofe die Spitze bieten wollte, von der Geistlichkeit der Aemter Haguenau und Weissenburg zum Deputirten bey der General-Stände-Versammlung ernannt. Doch er schlug den Antrag aus, als aber der Abt Louis, den man an seine Stelle gewählt hatte, gestorben war, wurde seine Ernennung bestätigt; die National-Versammlung ließ sein Exil aufheben, er erschien den 12. September in der Sitzung, entschuldigte sich über seinen Verschub und wünschte den Deputirten zu ihren Arbeiten Glück. Die Revolutionisten hatten gehofft, daß ihn der Geist der Rache auf ihre Seite bringen würde; nachdem er ihnen aber eine kurze Zeit geschmeichelt und selbst den Bürger-Eid geleistet hatte, zog er sich von ihnen zurück und verließ die Versammlung. Den 29. July 1790 ertheilte man ihm den Befehl, seine Stelle binnen 14 Tagen wieder anzutreten; zu Ende des Augusts aber schrieb er an den Präsidenten, daß er sich nicht der Konstitution, welche man der Geistlichkeit gegeben hätte, unterwerfen könne, es sodann für seine Pflicht halte, in jener Rücksicht seine Entlassung als Deputirter nehme, und in Betreff des zweyten Gegenstands sich an das Kammergericht zu Wetzlar wenden werde. Sogleich erging ein Anklagedekret gegen ihn als Urheber von eingetretenen Unruhen in den Rheindepartementen; er zog sich daher in sein Fürstenthum zurück, das auf dem rechten Rheinufer lag, und umgab sich mit Unglücklichen, die er unterstützte. Er starb zu Ettenheim den 11. Februar 1802.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.