Lauban.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Lauban, die vierte unter den Sechsstädten in der Oberlausitz, am Flusse Queis, an der Schlesischen Gränze. Sie hat in der Stadt 345 und in den Vorstädten über 500 Häuser. Es liegen aber noch 72 Feuerstellen von dem großen Brande im Jahr 1760. Die Zahl der Einwohn. beträgt gegen 6000. Ehemals waren die Tuchwebereyen in dieser Stadt sehr beträchtlich; noch jezt arbeiten 65 Meister. Sehr beträchtlich sind aber auch die Baumwollen- und Leinwandwebereyen. Unter den Gebäuden zeichnet sich die Kreuzkirche aus. Ausserdem hat diese Stadt ein Lyceum, ein Zucht- und Waisenhaus, und ein katholisches Cisterciensernonnenkloster St. Maria Magdalena. Sie gehört die Landstände, und besitzt 6 Dörfer, welche 4,603 Einwohner enthalten.


Von Reisende.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Gottlob Küttner.

[1798]

[2]

Von Bunzlau nach Lauban ist ein abscheulicher Weg von vier Meilen; aber die Gegend ist interessant und hin und wieder mahlerisch. So wie man sich Lauban nähert, zeigt Alles, daß man in das Land der Industrie kommt. Die Ansicht der Stadt von dieser Seite ist schön und, fast möchte ich sagen, groß. Doch von dieser und ihren Gegenden nachher.

. . . . .

Lauban, den 18. Sept.

Ich habe den heutigen und einen großen Theil des gestrigen Tages damit zugebracht, diese Stadt und ihre Gegenden zu besehen. Letztere habe ich über alle Erwartung schön gefunden, obschon diese ziemlich hoch gespannt war. Welche liebliche mit Häusern, Bäumen und Menschen angefüllte Thäler! In dem Sächsischen Erzgebirge findet man hin wieder etwas Aehnliches; aber die Formen des Landes sind nicht so schön, das Nahe nicht so mild, fruchtbar und baumreich, und die fernen Gebirge nicht so erhaben. Die Bauart ist ungefähr die nähmliche, die Sie im Erzgebirge finden, auch stehen die Häuser einzeln, jedes von seiner kleinen Wiese, Krautgarten und Obstbäumen umgeben: wodurch die Dörfer, die wirklich sehr groß sind, ungeheuer werden. -- Der zwar kleine, aber lebhafte Queis rauscht in den Thälern hin, und belebt die Landschaft. -- Hier hört man das Geräusche des Webers, dessen Leinwand in die entferntesten Welttheile geht; dort spannt der Tuchmacher seine Arbeit auf; weiterhin sticht das schöne Weiß der Bleichen mit dem frischen Grün der Bäume und des Rasens ab. -- Schon gestern war ich auf drey Anhöhen, nicht weit von der Stadt, welche sammt und sonders vortrefliche Aussichten gewähren. Immer ist die Landschaft durch die große Kette des Riesengebirges bekränzt, das man, mit einem Blicke, in der Lausitz, in Schlesien und in Böhmen sieht.

Auch die Stadt Lauban gefällt mir! Sie ist reinlich, größtentheils von Stein gebaut, hat eine Menge große und ansehnlicher Häuser, und, was noch mehr ist, sie ist nicht so todt, als die Sächsischen Mittelstädte mehrentheils sind. Außer einem ziemlich allgemeinen Wohlstande, gibt es hier mehrere Häuser, die ein ansehnliches Vermögen besitzen. Gleichwohl sind die hiesigen Fabriken seit einiger Zeit nicht im besten Gange, und man versichert mich, daß einige Häuser mehr von dem ehemals Erworbenen leben, als von dem, was sie jetzt gewinnen.

Sonderbar ist es, daß die mehresten Einwohner keinen Begriff von der Volksmenge der Städte haben, die sie bewohnen! Büsching setzt die Bevölkerung von Lauban auf 8000 Seelen. Das ist offenbar zu viel. Ich verhandelte diesen Artikel heute mit mehrern Männern, die sonst wohl unterrichtet waren und fand, daß einer 4000, einer zwischen 4 und 5000, und ein dritter noch eine andre Zahl angab. Endlich setzte sie ein Rathsherr, welcher versicherte, daß er, als solcher, es wisse, auf 5600: und diese Zahl stimmt auch mit einigen andern Beobachtungen überein, die ich gemacht habe.

Herr Weiner hat in seinem Hause eine Sammlung von Zeichnungen hängen, wovon einige recht gut sind; mir aber wurden sie vorzüglich dadurch interessant, daß sie größtentheils Gegenstände aus dem Riesengebirge und aus den Gegenden enthalten, die wir so eben zu bereisen denken.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
  2. Reise durch Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen und einen Theil von Italien, in den Jahren 1797. 1798. 1799. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen, 1804.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.