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Liebenthal.Bearbeiten

PanoramaLiebenthal1400 BNW


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Liebenthal, Libenthal, Städtchen in Schlesien, im Fürstenthum Jauer, gehört der Aebtissin Benedictinerordens selbigen Orts, und hat 1,131 größtentheils katholische Einwohner. Es wird hier sehr feiner Zwirn zu Spitzen verfertigt. Im J. 1775 erhielt das dortige Stift vom Pabste die Leiber der Heil. Victor und Benignus.


Liebenthal.Bearbeiten

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Eine der ältesten Städte Schlesiens von 235 Häusern und 1120 Einwohnern. Jutta, oder Judith von Liebenthal (ein edles Geschlecht, welches mit der an Christoph v. Hohberg verheiratheten Jutta 1450 ausstarb) baute

1221 allhier ein Nonnenkloster, besetzte es mit Benediktinerinnen, ward die erste Abbatisse, ihr Sohn der erste Propst und ihre Dörfer schenkte sie der Kirche. Diese Stiftung bestätigte Herzog Heinrich I. und Bolko I. umringte

1291 Liebenthal mit einer Mauer.

1426 verwüsteten die Hussiten Stadt und Kloster, schändeten etliche Nonnen und erstachen mehrere.

1563 verwandelte eine Feuersbrunst die Stadt in einen Schutthaufen.

1697 den 2. Juni ertheilte Kaiser Rudolph II. der Stadt das Recht eines Jahrmarkts und einen Galgen zu errichten.

1613 tödtete die Pest viele Einwohner und 1640 brannte der größte Theil der Vorstadt nieder. Am 10. Sept. lagerte sich Stahlhantsch um die Stadt.

1688 den 23. März verzehrte eine im Kloster ausgekommene Feuersbrunst alle innerhalb der Ringmauer belegenen Häuser.

1699 den 24. März gab Kaiser Leopold Liebenthal das Brauurbar und den Bierverlag auf Geppersdorf, Krummenöls und Ulbersdorf. Die Bürgerschaft mußte für diese Begünstigung 3333 Flor. 22 Kreuzer zahlen.

1723 den 15 Mai ging durch Verwahrlosung der Besatzung im Pulverthurme Feuer aus. Das Kloster, die Kirche und 10 Bürgerhäuser nebst zwei Scheunen wurden Schutthaufen und nur mit Mühe konnten die Nonnen durch ein Klosterfenster den Flammen entrissen werden. Nun ließ die Aebtissin Martha Tanner das Kloster massiv aufbauen; allein der Bau war so schlecht vollführt, daß

1726 den 7. Juni alles wieder zusammen stürzte und dabei 16 Personen verunglückten. Ein neuer und dauerhafterer Bau erfolgte. -- Als Friedrich II. die Wallfahrten ins Ausland verbot und die katholische Gemeine in dasiger Gegend, an dergleichen Gebräuche gewöhnt, ein Gnadenbild wünschte, schickte die Aebtissin

1774 einen Einsiedler nach Rom und bat den Pabst um die Gebeine des heil. Viktorin und Benignus.

1775 langte der begehrte Schatz aus Rom an der Grenze an, von einer Bulle des heil. Stuhls begleitet und wurde dann auf die Altäre der Klosterkirche öffentlich ausgestellt. -- Doch nicht lange erfreute sich Liebenthal seines bürgerlichen Wohlseins; denn

1802 den 27. Sept. Nachmittags 2 Uhr kam abermals im Kloster Feuer aus und verzehrte die Stadt bis auf 90 Häuser. Die Abtei, die Stadtkirche nebst Thurm und Geläute, das Rathhaus, Schul-, Brau-, Malz- und Stockhaus wurden den Flammen zum Raube; 154 Wirthe und fast eine gleiche Anzahl Miethleute verloren alles Eigenthum, auch 2 Menschen das Leben. Der starke Wind trieb Flugbrände nach Geppersdorf, wo 17 Stellen abbrannten und entzündete durch sie auch ein Haus in Ullersdorf. Das letzte, doch minder beträchtliche Unglück dieser Art erfolgte

1810 den 28. Dez., an welchem Tage Abends durch Verwahrlosung drei Häuser eingeäschert wurden.


Quellen.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
  2. Zeitgeschichte der Städte Schlesiens mit Abbildungen herausgegeben von D. Christ. Friedrich Emanuel Fischer und Carl Friedrich Stuckart. Schweidnitz bei Carl Friedrich Stuckart. 1819.
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