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München.Bearbeiten


München,[1] die Haupt- und Residenzstadt vom Königreiche Bayern, breitet sich beinahe in der Mitte des Isarkreises, auf dem linken Ufer der Isar und in einer Ebne aus, welche nur auf der östlichen Seite von niedrigen Hügeln umgränzt ist. Sie nimmt einen verhältnißmäßig kleinen Raum ein, der aber, die Vorstädte abgerechnet, von 60,000 Menschen bewohnt ist. Die innere Stadt umgehen sechs Vorstädte: die Au, die St. Anna-Vorstadt (Lehel), das Schönfeld, die Max-Vorstadt, die Ludwigs-Vorstadt und die Isar-Vorstadt. Seiner südlichen Lage (= 48º 8' 20" nördlicher Breite) verdankt München kein so angenehmes und freundliches Clima, als andere, mit ihm unter gleichen Breite liegende Städte des südlichen Europa's. Das Clima ist wegen der hohen Lage der Stadt über der Meeresfläche, und der Nähe der tyroler Gebirge, mehr rauh als mild, und wegen der Veränderlichkeit der Luft der Gesundheit nicht besonders zuträglich. Die Winter sind meistens streng und anhaltend; die Frühlinge spät und wenig angenehm; die Sommer kurz, öfters ungemein heiß und veränderlich; der Herbst gewährt meistens sehr angenehmes und andauerndes Wetter. Auf die schwülsten Sommerlage folgen öfters kalte Abende und Nächte; bisweilen ist der Uebergang von einem Extrem zum andern so schnell, daß man glaubt, in einem Tage die vier Jahreszeiten zu haben. Im 11ten, und im Anfange des 12ten Jahrhunderts war München schon von einigem Umfange und unter dem Namen Munichen bekannt. Zu seiner Erweiterung, Verschönerung und seinem Wohlstande trugen folgende bayerische Regenten sehr viel bei: Heinrich der Löwe, Herzog Otto der Erlauchte, Herzog Ludwig der Strenge, die Herzoge Ludwig und Rudolph, des Vorigen Söhne, Herzog Wilhelm V., Herzog Maximilian I., Albrecht IV., der jetzt regierende König Maximilian I. Die Stadt ist unausgesetzt in ihrer Vergrößerung und Verschönerung begriffen; in den Vorstädten gehen nicht nur immer neue Häuser, wie durch magische Kraft, hervor, sondern hier und dort wird auch das alte Geschmacklose, sofern es in den allgemeinen Plan der Verschönerung nicht paßt, zerstört und durch gefälligere Anlagen ersetzt. Ueberall an den Gebäuden zeigt sich ein guter Geschmack, und der Ausdruck bescheidner Bequemlichkeit; das Aushängeschild eines rafinirten Luxus ist nirgends zu finden. Die vorzüglichsten öffentlichen Plätze in München sind: der Marktplatz, auch schlechthin Platz genannt, der Max Josephplatz, der Promenadeplatz, der Maximiliansplatz, der Carolinenplatz, der Königsplatz und der Ludwigsplatz. Zu den ausgezeichnetsten Kirchen gehören: die Theatiner- oder catholische Hofkirche, die Kirche zu U. L. Frau, die Peterskirche, die königliche Hofkirche zum h. Michael, einer der schönsten Tempel in Deutschland, die königliche Hofcapelle und die evangelische Hofkirche in der Residenz, und der Bürgersaal. Unter den Palästen zeichnen sich aus: das königliche Residenzgebäude, ein herrlicher, weit umfassender Palast, voll Ernst, Würde und Hoheit, im dorischen Style, im Innern auf das prächtigste und geschmackvollste geschmückt; der Herzog- Maxpalast, der Herzoggarten, der fuggerische, oder Herz. Wilhelmspalast, und mehrere Hotels von dem dasigen hohen Adel. München ist der Sitz der fünf Ministerien, und der bei denselben angeordneten Sectionen, dann aller obern Behörden und Einrichtungen in politischer, finanzieller, juridischer, militärischer und kirchlicher Hinsicht. In der Reihe der Anstalten für Beförderung der Wissenschaften steht die königliche Akademie der Wissenschaften oben an, welche schon im J. 1759 vom Churfürsten Maximilian Joseph III. gegründet, und vom Könige Maximilian I. im J. 1807 mit einer neuen Verfassung und reichen Dotation begabt wurde. Unter der Aufsicht der königl. Akademie stehen: die Hofbibliothek, das Museum der Naturgeschichte, und die physikalischen, mathematischen und polytechnischen Sammlungen, der botanische Garten, das Münzcabinet, das Antiquarium u. A. Die königliche Studienanstalt, als Lehranstalt für höhere Bildung, besteht aus einem Lyceum, Gymnasium und Realinstitute; ferner blühen hier als besondere Lehr- und Erziehungsanstalten die königliche Pagerie, das Cadetencorps, das Studenten-Seminar und die Maximilian-Anstalt weiblicher Erziehung für höhere Stände; als Lehranstalten verdienen noch genannt zu werden: die landärztliche Schule, die Central-Veterinärschule, die männlichen und weiblichen Feiertagsschulen. Anstalten zur Bildung in Künsten besitzt München nicht minder in bedeutender Anzahl. Obenan steht die Akademie der bildenden Künste, mit der Kunstcomité; hierzu gehören: der Antikensaal, die Modell-, Zeichnung- und Mahlzimmer, und das Kupferstich-Cabinet. Eine der sehenswürdigsten hiesigen Kunstanstalten ist die königliche Bildergallerie, deren kostbare Sammlungen in sieben, theils größern, theils kleinern Sälen auf eine so planmäßige Art vertheilt sind, daß die Aufmerksamkeit des Betrachtenden Kunstfreundes stufenweise, von einem Saale zum andern, von den niedern bis zu den höhern Fortschritten und Vollkommenheiten der Kunstwerke jedes Meisters erhoben wird. Sehr interessant sind auch die Sammlungen von Handzeichnungen, Miniatur-, Email- und Musivgemählden und elfenbeinernen Schnitzwerken. Unter den übrigen zahlreichen Kunstanstalten daselbst zeichnen sich besonders aus: das mechanische Institut von Reichenbach und von Utzschneider, wo vortreffliche astronomische und mathematische Instrumente verfertigt werden, die den englischen nicht nur nicht nachstehen, sondern unstreitig manche derselben weit übertreffen; ferner die lythographischen Anstalten, die, von Sennefelder gegründet, immer weiter sich ausdehnen und an bewunderungswürdiger Vollkommenheit und Gemeinnützigkeit gewinnen. In vielen Bureaus wird diese Kunst mit Nutzen angewendet; vorzüglich schön werden bei der königlichen Steuer-Catastercommission die Plane auf Stein geschrieben und abgedruckt; die Nachahmungen der Albrecht dürerschen Handrisse und anderer Kunstwerke von Strixer, Piloti, Stunz, Muxel u. A. erregen gerechte Bewunderung. Im Gebäude der männlichen Feiertagsschule blüht ebenfalls eine lythographische Anstalt, aus welcher zuerst vollkommen reine Kunstabdrücke aller Art hervorgegangen; auch in der Beschäftigungs- und Industrieanstalt auf dem Anger wird diese Kunst mit vielem Fleiße und großer Geschicklichkeit betrieben. Eine besondere wissenschaftlich-artistische Merkwürdigkeit von München ist das von dem Kronprinzen aus eignen Mitteln, nach dem Plane des Hofarchitekts Klenze ausgeführte Gebäude, Glyptothek genannt, dessen Bau 1816 angefangen wurde, mit der Bestimmung, die reiche Sammlung der Antiken des Stifters aufzunehmen. Dieß Gebäude, im edelsten Style, wird sich an der Nordseite des großen Königsplatzes, in der Max-Vorstadt erheben. Vier Flügel werden einen innern zum Garten benützten Hofraum bilden, um welchen sich die Säle herumziehen. Die nach dem Platze gerichtete Hauptfaçade wird 225 Fuß lang, ganz aus Marmor, und hat in ihrer Mitte ein Peristil von 22 Marmorsäulen, welche in der Breite von 3 Zwischenweiten eine freie Durchsicht in den innern Hofraum des Gebäudes gewähren. Die Antiken werden in zwölf gewölbten Sälen, in historischer Ordnung, nach den Epochen der plastischen Kunst aufgestellt. Was die Veredlung und Verschönerung des Lebensgenusses und der Geseillgkeit betrifft, so steht München im Besitze der auf diesen Zweck berechneten Anstalten gewiß keiner Stadt in Deutschland nach. München besitzt zwei stehende Theater; an dem Museum und der Harmonie zwei Gesellschaften, welche bei zweckmäßiger Befriedigung des Geistes, den Mitgliedern auch Gelegenheit zum Genusse geselliger Freuden und Unterhaltung verschaffen; zu verschiedenen Zeiten werden musikalische Akademien und Conzerte gegeben; der englische Garten ist das für München, was der Prater für Wien, der Thiergarten für Berlin, und die Au für Cassel ist; unter den Wintervergnügungen verdienen die Carnevals-Belustigungen den ersten Platz, und wer München so recht in seinem vollen Freudengenusse beobachten will, der muß zu dieser Zeit in dessen Mitte seyn. Bequeme, reinliche Wohnung, prompte und gutmüthige Bedienung mit möglichster Billigkeit in den Preisen gehören mit zu den vorzüglichen Gegenständen, die einem Fremden den Aufenthalt in dieser Stadt, wo nicht in allen, doch gewiß in den meisten Gasthäusern, angenehm machen. Um die Stadt herum liegen viele Gärten, wo ebenfalls Erfrischungen und Belustigungen aller Art zu genießen sind. Die besuchtesten Vergnügungsörter in der Nähe von München sind: Großhesellohe, Obervöhring, Bogenhausen, Hartaching, Grünwald und Thalkirchen. Im größerer Entfernung liegen: Nymphenburg, Schleisheim und Fürstenried, drei königliche Lustschlösser, in welchem erstern der königliche Hof gewöhnlich seine Sommerresidenz nimmt. Nicht weniger als die bisher genannten Anstalten für wissenschaftliche und artistische Bildung und für Genuß geselliger Vergnügungen, verdienen auch eine ausgezeichnete Erwähnung die in München befindlichen Unterstüzungs- und Wohlthätigkeitsanstalten, welche nicht nur durch die Großmuth bayerscher Regenten, sondern auch durch menschenfreundliche Geschenke und Vermächtnisse reicher Privatpersonen entstanden. Die wichtigste und zugleich umfassendste Anstalt dieser Art ist das allgemeine Krankenhaus - einzige Anstalt für die Aufnahme, Verpflegung und Heilung solcher Kranken beiden Geschlechts aus dem Civilstande der Einwohner Münchens und dessen Umgebungen, welche nicht an unheilbaren und sehr langwierigen körperlichen Krankheiten leiden. Es enthält einen Raum für die Aufnahme von 7- bis 800 Kranken, 54 Commun-Krankensäle, und überdies 60 abgesonderte Zimmer für Gäste, die ihre Verpflegung und Heilung bezahlen. Andre Anstalten dieser Art sind: das Militär-Lazareth, das heilige Geist-Spital, das Joseph-Spital, das bürgerliche und Polizei-Lazareth, das Waisenhaus, das Irrenhaus, das Findelhaus, die Entbindungsanstalt. Das königliche Strafarbeits- (Zucht-) Haus ist bestimmt zur Strafe und Besserung grober Verbrecher, die alle zur Arbeit angehalten werden. Eine der vorzüglichsten und zugleich kunstvollsten Wohlthätigkeitsanstalten sind die Wasserleitungen und Brunnenwerke. Das Wasser wird von der Isar hergeleitet; die Canäle, ungemein zahlreich und mit vielen Kosten unterhalten, treiben Maschinen, Mühlen, bewässern Wiesen und Gärten, dienen zum Flößen, und sichern vor Ueberschwemmungen. Die Consumtion von Speisen und Getränken in dem, verhältnißmäßig sehr bevölkerten München, ist ungemein beträchtlich; nicht nur die benachbarten Orte, sondern auch entfernte Kreise und das Ausland liefern hierzu ihre Beiträge. Fabriken und Manufacturen sind in München nicht zahlreich; man findet daselbst einen Kupfer- und zwei Eisenhämmer, eine Kattun- und Zitzfabrik, zwei leonische Spitzenfabriken, drei Meubelnfabriken, zwei Papier-, zwei Siegellack- und fünf Tabaksfabriken, sechs Lederfabriken, unter welchen sich besonders die von utzschneidersche auszeichnet, zwei Wagen-, vier Spielkarten- und zwei Seidenstrumpffabriken, eine Farben- und eine Pinselfabrik u. A. Buchdruckereien enthält München acht, Buchhandlungen sieben an der Zahl. Die zahlreiche Gewerbe niederer Art bestehen in vierundsechzig Bäckereien, in neunzehn Branntwein- und sechzig Bierbrauereien, hundert dreiundfunfzig Bierwirthschaften, zweiunddreißig Caffeeschenken, achtunddreißig Kistlern, sechsundsechzig Metzgern, hundertsieben Schneidern, neunundsechzig Schuhmachern, vierundfünfzig Tändlern, neunzehn Weinbranntschenken, hundertvierzehn Kaufleuten, neunundzwanzig Melbern, einundsiebzig Leinwebern, sechszehn Käsekäuflern, zweiundzwanzig Schäflern u. s. w. Die in der Vorstadt Au bestehenden Gewerbe sind hier nicht mitgerechnet. München hält des Jahrs zwei große Dulten (Messen), von welchen die eine im Winter, um heilige Dreikönig, die andere im Sommer, um Jakobi, ihren Anfang nimmt; jede dauert vierzehn Tage. Schrannen- oder Getraidemarkt wird wöchentlich jeden Samstag, oder wenn dahin ein Feiertag fällt, den Tag zuvor gehalten. Roßmärkte sind an den ersten drei Mittwochen in der Fasten und am Jacobitage; Holzmärkte täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Um das Publikum über die Beschlüsse der Regierung, über Beförderungen, Belohnungen und wichtige Staatsveränderungen zu belehren, erscheint zu München ein Regierungsblatt. Unter der Leitung der Polizeidirection wird ein Polizeianzeiger herausgegeben, durch welchen das Publicum von Nachfragen, Dienstanerbietungen, Polizeiverfügungen, Warnungen u. s. w. Kenntniß erhält. Außer diesen Schriften erscheinen noch im Drucke: die königlich bayersche Nationalzeitung, die politische Zeitung, das Gesellschaftsblatt für gebildete Stände, das musikalische Jugendfreund, das Theater-Journal, die Isarblätter, und andere minder bedeutende Schriften.


Von Reisende.Bearbeiten

Friedrich Schulz. [2]

[1793]

Von Freysingen aus bis München (3½ M.) wird die Gegend immer flächer, und nur noch aus der Ferne erblickt man zur Seite und hinter sich mäßige Anhöhen, die meist mit Wald besetzt sind. Der Fruchttrieb um einen her ist zwar nicht mehr so stark und reich, als in der Nachbarschaft von Regensburg, aber darum doch noch nicht schlecht; besonders trifft man stellenweise auf vortreffliche Wiesen, die aber, je mehr man sich München nähert, destomehr abnehmen und sich allmählig in saure Aenger verwandeln. Der Boden setzt sich endlich ganz um, und besteht aus Kalk- und andern Steingeschieben, die höchstens mit einem halben Schuh Dammerde bedeckt sind. Dies, und die sehr einförmige Fläche der Gegend selbst, gewährt den Umgebungen von München, von dieser Seite her, nicht den mindesten Reitz, so wie die Stadt selbst, weil ihre Grundlage ganz flach ist, sich nur zum Theil und nicht anlockend zeigt. Die beyden Thürme des Doms haben eine zu plumpe Form, bey zu großer Kürze, und die daran herumstehenden Thürme leiden an eben dem Fehler, fernen also eben so wenig. Erst, wenn man sich der Stadt auf ein paar hundert Schritte genähert hat, erhöhet und breitet sie sich mehr aus, und einige ansehnliche Palläste und Häuser, die voran stehen, kommen ihr zu Hülfe, um ihr einen neuen und heitern Anblick zu geben, der beym Eintritt in das Innere verstärkt und sehr vortheilhaft unterhalten wird.

Die Straßen von München sind breit und meist mit vier bis fünfstöckigen Häusern besetzt, die sich in ihrer Bauart mehr den Berlinischen als den Dresdnischen nähern und einige recht artige Plätze auflassen. Das Pflaster ist zwar gut unterhalten, aber für Fußgänger ziemlich beschwerlich. Es besteht aus lauter kleinen, wie mosaisch zusammengesetzten, Kieseln, die, da sie nicht alle gleichförmig abgerundet sind, den Sohlen unleidlich werden. Zum Fahren ist es vortrefflich, da, eben bey der Kleinheit der Steine, die Schlaglöcher nie groß seyn, und es nie werden können, ohne sogleich aufzufallen und an Ausbesserung zu erinnern.

München liegt in einer Ebene, die sich östlich zu einer Anhöhe, der Gesteigberg genannt, erhebt, auf einem Boden, der aus lauter unfruchtbaren Kalksteingeschieben besteht, der aber, in der Nähe der Stadt, durch den Fleiß der Einwohner meist bezwungen und zu Kornfeldern, Gärten und Wiesen zubereitet worden ist. Die Isar, ein schneller Fluß, benetzt und befruchtet diesen Landesstrich, den, in der Ferne, die prächtigen Salzburger und Tyroler Berge, und in der Nähe einzelnes Gehölz, mit mäßigen Anhöhen im Hintergrunde, umschließen.

Diese Stadt hat ungefähr die Größe von Dresden, wenn man die Friedrichsstadt nicht dazu rechnet. Die Gestalt ihres Grundrisses ist ein entfalteter Fächer mit abgebrochenem Stiele. Unten an demselben ist das Isarthor; oberhalb, mitten um Halbzirkel des Fächers, das Neuhauser-, und an beyden Seiten der Ausdehnung rechts und links, das Sendlinger- und Schwabinger-Thor. Nebenthore sind das Kostthor und der Einlaß. Von einem Thore zum andern sind Baumgänge angepflanzt.

Die Stadt ist mit Mauern, Graben und Wällen umgeben, die für den ersten Anfall diesen können. Die zwischen ihnen liegenden Zwinger enthalten theils Lust- und Fruchtgärten, theils Heuschläge.

Das Innere der Stadt giebt einen heitern Anblick. Die Straßen sind, im Ganzen genommen, geräumig, und einige ziemlich lang. Die Neuhauser, die darin stoßende Kaufunger-Straße, und das Thal könnte man für eine einzige Straße rechnen, und als solche durchschneidet sie die Stadt der Länge nach, so wie die Sendling- Rosen- Wein- und Schwabinger-Straße sie, in der entgegen gesetzten Richtung, in zwey Hälften absondert. Beyde stoßen, von vier Seiten her, auf den Getreidemarkt, oder den Platz zusammen.

Die Straßen sind ziemlich sauber erhalten, und diese Reinlichkeit wird durch mehrere öffentliche Springbrunnen, die zugleich gut gezeichnet und ausgeführt sind, und durch eine vortreffliche Wasserkunst bewirkt, die an der Isar errichtet ist und fast alle Straßen und Häuser der Stadt, so wie mehrere Gärten, mit einem Worte über fünfhundert Quellen mit Wasser versieht. Mehrere Kanäle treten noch aus der Isar in die Stadt, reinigen sie, erleichtern ihr die Zufuhr und treiben Mühlen, Stampfen und Hämmer von verschiedener Art.

Die Wohnhäuser in München sind meist in einem guten Geschmack und bequem erbaut, drey bis vier Stock hoch, von außen und innen gut unterhalten. Sie sind häufig mit Gyps, und einige darunter mit Freskomalerey, verziert. Die Kirchen und Klöster fallen stattlich in die Augen, und unter ihnen zeichnen sich die Frauenkirche, die ehemalige Jesuiten- und die Theatiner-Kirche, erstre im ältern deutschen, letztre im neuern Italienischen, Geschmack besonders aus.

Die landesherrlichen Palläste sind, wo nicht von außem prächtig in die Augen fallend, doch von innem sehr kostbar und reich, und die öffentlichen Gebäude sehr ansehnlich.

Der Grund zu der Frauenkirche wurde im Jahre 1468 von Herzog Siegmund dem Vierten gelegt. Der Baumeister war Georg zu Hasselbach, der seinem Namen durch diesen Bau ein ehrenvolles Denkmal gestiftet hat. Es giebt geräumigere, höhere, kühnere Tempel in diesem Geschmack, aber wenige möchten es diesem in Leichtigkeit, Heiterkeit und schönen Verhältnissen gleich thun. Die vier und zwanzig schlanke Säulen, auf denen das dreyfache Schiff ruhet, scheinen, wenn die Sonne sie anstrahlt, elastisch unter ihrer Bürde zu zittern. Die Thürme wünscht man, wenn man sie aus der Ferne erblickt, um ein Drittel höher; aber ich bekenne, daß ich diesen Wunsch zurück nahm, als ich in ihrer Nähe stand, und sie im Verhältnisse zu dem Ganzen überblickte. Das Werk ist von Mauersteinen aufgeführt, und wurde vielleicht nur dadurch dieses hohen Grades von Ungezwungenheit fähig. Sie erscheinen aber auch, wie auf einander gegossen. Im Innern enthält dies Gebäude manches Kunstwerk und manches Kunststück. Zu den letztern rechne ich die Menge sehr lebhaft gemalter Scheiben, die in den Fenstern befindlich sind, und die Uhr bey der Sakristey; zu den erstern besonders das Denkmal des Kaisers Ludwig von Bayern in Bronze, nach Kandido's Zeichnung, und mehrere der Gemälde, meist alle von der Hand deutscher oder niederländischer Meister, welche verschiedene Altäre zieren. Der Schatz der Kirche, der sehr beträchtlich ist, zog mich nur in so fern an, als ich berechnen konnte, was für Strecken von den faulen Moosen, die noch einen großen Theil von Bayern bedecken, urbar gemacht werden könnten, wenn man denselben dazu verwendete, den verschiedenen Gemeinen ihre Rechte sie zu beweiden, abzukaufen, welche mehr als die den Bayern zu hart Schuld gegebene Faulheit, dazu beytragen, daß diese Moose versauren und die Luft verderben. Die Widme dieser Kirche ernährt übrigens ein Chorstift, das vom insulierten Probst an, bis zum dürftig besoldeten Weltpriester herab, sechzig bis siebzig Mitglieder ernährt, unter denen aber doch, seit funfzehn bis zwanzig Jahren, sechs bis acht sind und waren, die es verdienten. Die Namen Braun, Kolmann, Danzer, Scherer, Hut und andere, werden solchen Lesern nicht unbekannt seyn, die in der Geschichte der Pädagogik und deren Litteratur keine Fremdlinge sind.

Die ehemalige Jesuitenkirche, oder die Hofkirche zu St. Michael, wurde über hundert Jahre später, als die Frauenkirche, von Wolfgang Müller, einem Steinmetzen, angelegt, nicht minder erhaben und edel, als diese, und in einem neuern und reinern Style, als sie. Ihr Gewölbe, im Halbzirkel ausgespannt, tragen einfache, an den Kapitälern vergoldete, an den Fußgestellen marmorne, korinthische Pilaster, die nichts verdunkeln, nichts verstecken, und die, durch die schöne Einfalt aller übrigen Verzierungen unterstützt, dem Auge von allen Seiten Heiterkeit, Leichtigkeit und Raum darbieten. Wer recht auffallend sehen will, wie ein ungefähr gleich großes Lokal verwinkelt oder ausgedehnt werden kann, der halte die Wirkung fest, welche die Dresdener Hofkapelle von innen und außen auf ihn gethan hat, und vergleiche sie mit der, welche die Münchener auf ihn machen wird. Ich müßte mich sehr irren, wenn er sich nicht in der letztern freyer, heiterer, ich möchte sagen, lustiger und ausgedehnter fühlte, als in der erstern, ungefähr so, (wenn ich bey Gelegenheit dieser Bethäuser an die Tempel in Rom denken darf) wie man sich in Agrippas Pantheon fühlt, wenn man von der oben herein stürzenden Lichtmasse sich und den entferntesten Winkel des Innern gleichblendend umströmt sieht, und wie man sich unter der verschlossenen Kuppel von St. Peter, die doch nicht minder geräumig ist, als jenes, zusammen gezogen und beklemmt, überladen und ermattet, aber nicht gestärkt und nicht mit in den Raum verflossen findet.

Diese Kirche ist nicht so mit Gemälden überladen, als U. L. Frauen und die übrigen beträchtlichern in München; die wenigern, die da sind, gehören zu den guten Kunstwerken; aber ihr Schatz ist reicher, als der in der vorerwähnten Kirche, und alles, was das katholische Bekenntniß für nöthig hält, um seine Anhänger zu blenden, zu stärken, zu überzeugen und in Ehrfurcht zu erhalten, als Kirchengeräthe, Meßgewänder, heilige Ueberbleibsel, Musiken und dergleichen, ist kostbarer, feiner, zahlreicher und vollkommener hier, als dort, vorhanden.

Von dem zu dieser Kirche gehörigen Kollegiengebäude spreche ich weiter unten.

Die Kirche der Theatiner ist unter den drey genannten die jüngste und hat einen Italiener, Augustin Carella aus Bologna, zum Baumeister. Sie wurde schon 1675 eingeweihet, obgleich nur dem Innern nach vollendet. Das Hauptportal wurde erst im Jahre 1767 zu Stande gebracht, und mit ihm erhielt dies Gebäude seine ganze Wirkung von außen. Diese ist in der That nicht gemein und sie wird durch zwey Thürme und eine Kuppel vorzüglich erhoben. Das Innere wirkt vor Ueberladung an Gips- Gold- und Malerzierrathen fast gar nicht, und scheint mehr berechnet zu seyn, das Auge zu blenden und zu verwirren, als durch dasselbe der Seele den Genuß eines übersehenen und aufgefaßten Kunstwerks zuzuführen. Die meisten Altarblätter sind indessen gut und stammen von Tintoretto, Cignani, Joachim Sandrat und andern guten Meistern; aber die Bildhauerarbeit erhebt sich, die Kanzel und etwa einen Christ auf dem Altar des heiligen Grabes von einem Engel gehalten, ausgenommen, nicht über das Mittelmäßige.

Unter den übrigen Kirchen in München, die theils Pfarrkirchen, (wie zu St. Peter und zum Heil. Geist) theils Klosterkirchen, (wie die der Augustiner, der Franciskaner, der Kapuciner, der Karmeliter, der Hieronomitaner, der barmherzigen Brüder, der Paulaner und mehrerer Nonnenarten) theils Hofkapellen (wie die in der kurfürstlichen Residenz im Erdgeschoß, und die St. Lorenzkirche) theils Hauskapellen (wie die zu St. Sebastian im gräflich. Wartenbergischen Hause *) theils Spitalbethäuser (wie das im Herzogsspital, mit dem berüchtigten Marianischen Wunderbilde des verstorbenen Kurfürsten, und das im Josephsspital) sind, finden sich noch einige, die irgend einer Merkwürdigkeit wegen gesehen zu werden verdienen; und es ist gewiß, daß in diesen Kirchen, wie in den weitläuftiger beschriebenen, eine so große Menge an Kunstwerken, besonders in der Malerey, aufbewahrt werden, als man in Italien selbst, in mancher grössern Stadt, nicht findet. Besonders besitzt München einen schätzenswerthen Vorrath an Werken deutscher und niederländischer Meister in seinen Kirchen sowohl, als in seinen öffentlichen und Privatsammlungen.

*) Außer dieser giebt es noch sieben und zwanzig andere kleinere Hauskapellen in München.

Landesfürstliche Palläste sind: der alte Hof, und die alte und die neue, oder die Wilhelminische und die kurfürstliche Residenz.

Der alte Hof, ein enges, finsteres, unbehülfliches Gebäude, in der Burggasse, von Kaiser Ludwig, dem Bayer, im 14ten Jahrhundert erbauet, hat nichts Sehenswerthes, und ist jetzt der Sitz des Hofkammer-Kollegiums.

Die Wilhelminische Residenz, wurde von Wilhelm dem Fünften, der Fromme genannt, erbauet, der auch der Urheber des Jesuiten-Kollegiums war, und wohl auch wegen der Stiftung des letztern jenen Beynamen erhielt. Seit Entstehung der neuen Residenz ist sie vernachlässigt worden, und weder ihr Aeußeres noch Inneres ist besonders sehenswerth. Die letzte Zeit ward sie von der verwittweten Herzogin, Maria Anna Charlotte, bewohnt. Ihr Gemahl, Herzog Kiemens, hat einen artigen Garten nicht weit von derselben angelegt, welcher der Herzoggarten heißt, und der mit allerley kleinen, zum Theil artigen, Gebäuden verziert ist. Sie hängt übrigens mit der kurfürstlichen Residenz durch den sogenannten Hofgang zusammen, der einen Theil des bedeckten Ganges ausmacht, der rund um die innere Stadtmauer läuft.

Die kurfürstliche Residenz ist ein ungewöhnlich weitläuftiges, aber unregelmäßiges Gebäude, dessen Umfang man hinter seinem Haupteingange nicht sucht *). Dieser ist unverhältnißmäßig klein und gleichsam versteckt, und einige Reisebeschreiber haben die Bemerkung gemacht, daß sie mehr dem Eingang eines Klosters, als eines fürstlichen Pallastes, gleiche, zu welchem Urtheile wohl zunächst die bronzene Säule der heiligen Jungfrau, die sich im Portal befindet, die Ursache gegeben haben mag. Die in und an letzterm befindlichen Figuren zeigen aber deutlich, wessen Wohnung man betritt. Es sind die verpersönlichten Tugenden eines tüchtigen Regenten: die Gerechtigkeit, die Stärke, die Mäßigung und die Weisheit. Zwey Greifen und zwey Löwen, mit vorgebreiteten Schildern, decken den Eingang, man weiß nicht recht, gegen wen: ob gegen bedrückte Unterthanen, oder gegen bedrückende Hofleute, die zugleich die dargestellten Tugenden zu untergraben pflegen.

*) Unregelmäßig ist es wohl mit aus dem Grunde, daß Maximilian der Erste, der es anlegte, für einen großen Baukünstler gelten wollte. Milizia, Memorie degli Architetti. Tom. I. pag. 32.

Innerhalb des Pallastes findet man drey große Höfe, den Kaiserhof, den Küchenhof und den Brunnenhof, und mehrere kleinere, die theils von den Schloßflügeln, theils von den Seitengebäuden, eingeschlossen sind. Der größeste darunter ist der Küchenhof; auf diesen folgte der Kaiserhof, der von den Trümmern eines, im Jahr 1750 abgebrannten Schloßflügels, begränzt wird; und auf diesen der Brunnenhof, der mit einem marmornen Springbrunnen, an und um welchen bronzene Figuren aus allen Elementen wimmeln, unter welchen ein von Haupt bis zu Fuß gewappneter Held hervorragt, verziert ist. So abentheuerlich diese Zusammenbesetzung auch in die Augen fällt, so ist doch die Ausführung der einzelnen Bestandtheile nicht mittelmäßig, und man vermuthet, daß sie nach Zeichnungen von dem Niederländer, Peter de Witt (Kandido genannt, weil sich die Künstler damaliger Zeit gern verwälschten, wenn sie nach Italien kamen,) von eben dem Meister, der das oben erwähnte Grabmal Ludwigs des Bayern gegossen hat, verfertigt worden.

Nach dem Raume, den dieser Pallast einschließt; nach der Prachtliebe, durch die sich mehrere der ältern und neuern bayerischen Landesfürsten auszeichneten; nach dem Stolze, den sie auf ihr Haus, das eine Weile ein kaiserliches Haus war, setzten und noch setzen; nach den Thaten, die einige dieser Fürsten als Kriegsmänner vollführten; nach den Empfindungen von Andacht und Gehorsam, die sie gegen den katholischen Glauben und gegen die sogenannte Kirche, oder vielmehr gegen die Priester, zeigten; nach den Reisen, die zwey oder drey von ihnen thaten; nach diesen Umständen kann man schließen, was, wieviel, wie prächtig und in welchem Geschmacke der Vorrath merkwürdiger, oder merkwürdig geglaubter, seltener oder nicht seltener, heiliger oder vermeynt heiliger Dinge sey, die in den ungeheuern und zahlreichen Zimmern, Sälen, Gewölben, Kapellen, und auf Gängen und auf Treppen, aufbewahrt werden.

Demnach giebt es in diesem Pallaste einen Kaiserhof, einen Kaisersaal, Kaiserzimmer.

Der Kaisersaal entspricht seinen Namen, und was ihm an Geschmack abgehen mag, ersetzt er durch Größe und durch einen merkwürdigen Aufwand von Marmor und Vergoldungen. Er ist 118 Münchener Schuh lang und 52 dergleichen breit. Zehn Fenster erhellen diesen Saal. Ueber denselben befinden sich Gemälde aus der weltlichen und geistlichen Geschichte von Vincentino, die wenigstens an die Manier größerer Meister erinnern. Die Gegenstände derselben sind sämmtlich heroisch, wie man es nennt, und sollen Bewunderung und große Empfindungen erregen. Dies bezwecken die Künstler gewöhnlich durch eine Judith, die einem armen, von Wohllust, Wein und Schlaf trunkenen Mann den Hals abschneidet; durch einen kleinen David, der dem großen Goliath mit einem gewaltigen Schwert den Kopf abhauet, wenn er todt ist; durch eine Penthesilea, die sich der große Achill nicht schämt, umzubringen; durch eine Tomiris, die das Haupt des Cyrus in ein Gefäß voll Blut taucht und einen witzigen Einfall dabey sagt; durch eine Lukretia, welche die Brutalität eines Andern an sich selbst mit dem Tode bestraft u. s. w.; wenigstens haben sie diesen Kaisersaal mit diesen und andern ähnlichen Gegenständen recht charakteristisch zu zieren geglaubt. Die Decke setzt diesem großen Charakter die Krone auf: es sind an derselben die Weisheit, der Ruhm, die Gerechtigkeit und die vier Monarchieen, nach einem riesenhaften Maßstabe ausgemalt.

Nicht bloß gemalt-kaiserlich, sondern in der That voll Größe und Würde ist die Treppe von rothem Marmor, die von diesem Saal herab führt.

Die Kaiserzimmer fallen nur zur Hälfte in den vermeynten heroischen Charakter, und wenn man in den einen noch eine Evadne sieht, die sich zur Beleidigung aller noch übrigen lebendigen Männer, auf dem Scheiterhaufen ihres todten Gemahls verbrennt; eine Artemisia, die es dabey bewenden läßt, die Asche ihres Gemahls zu trinken; und in dem andern die Frau des Pätus, die ihm die Wunde zeigt, die sie sich gegeben hat, um ihn zum Sterben zu ermuntern: so sieht man dagegen auch in einem dritten, was das Herz wirklich erwärmt: einen Trajan, der, vor seinem ganzen Heere, vom Pferde springt, um einer hülfsbedürftigen Frau eine Bittschrift abzunehmen, sie mit ihren Klagen anzuhören und getröstet zu entlassen. -- Sind Gegenstände dieser Art in der Geschichte so selten? Oder sind sie eines kaiserlichen Charakters unwerth, weil sie nur moralisch-heroisch sind?

Das zarte Geschlecht wird des Heroismus immer bald überdrüssig, oder sucht ihn wenigstens durch den Zusatz von zwey kleinen Schwachheiten, der Liebe und der Andacht, menschlicher zu machen. Die Dame, die diese Zimmer anlegte *), erheiterte auch wiederum das Auge und die Empfindungen des Kunstliebhabers durch Gegenstände, die dem menschlichen Geschlechte natürlicher und gedeihlicher sind: durch einen Herkules bey der schönen Omphale am Spinnrocken; durch einen Wettlauf zwischen Atlanten und Hippomanes; durch ein Fest der Flora, der Ceres, des Bacchus, und durch mehrere reizende weibliche Figuren von Rosalda in Pastellfarben.

*) Die Kurfürstin Adelheit, Gemalin Ferdinands und Tochter Viktor Amadeus des Ersten von Savoyen, die Geist und Geschmack von ihrem väterlichen Hofe mit nach Bayern brachte.

Der Andacht sind bey den Verzierungen anderer dieser Zimmer Opfer gebracht. Man sieht in dem sogenannten Rosenkabinet die Lebensläufe heiliger Sünderinnen geschildert, die sich von der Welt zurückgezogen, vielleicht in eben dem Maaße, als sich die Welt von ihnen zurückzog, und den Rest ihrer Tage in der Einsamkeit verlebt haben; man sieht in dem Schlafzimmer eine heilige Familie nach Raphael und zwey andre von andern Meistern, und außer mehrern Stücken dieser Art auch eine weinende Magdalena, welche die Reue noch nicht in dem Grade ergriffen hat, daß man nicht die stattliche Natur des Rubens, oder eines seiner Schüler an ihr erkennen sollte.

Dem kriegerischen Charakter des Landes und seiner Fürsten sind in mehreren Zimmern und Sälen dieses Pallastes Denkmäler gesetzt worden. Ein ganzer Saal, der Saal des Herkules, ist mit Thaten des Krieges, worunter nur eine einzige der Großmuth ist, ausgemalt und die Hauptpersonen sind bayerische Fürsten. Die Figuren der Tugen, der Weisheit, der Gerechtigkeit und Mäßigung, die in diesem Pallaste ungewöhnlich häufig vorkommen, gehören auch in die Kathegorie der bayerischen Regentengröße und Vollkommenheit, die sie verewigen sollen. Der Triumphwagen, die auch hieher gehören, sind ebenfalls fast zu viel.

Beweise von der Andacht der bayerischen Fürsten und Fürstinnen sind unzählige, ja zum Theil unschätzbare, vorhanden. Es ist unglaublich, was die sogenannte schöne Kapelle für künstliche, prächtige und theure Seltenheiten in diesem Fache aufzuweisen hat. Außer Rom, Neapel und Mailand giebt es wohl keine Heiligen-Ueberbleibsel mehr, die wie die in dieser Kapelle mit so viel Diamanten, Perlen, Gold und Silber, eingefaßt wären. Eben so prächtig und reichlich ist der Vorrath an kleinen und grössern Altären, Gemälden der heiligen Mutter, Kreutzbildern, Vorstellungen der Geburt, des Lebens, Leidens und Todes Christi, Gefäßen für heilige Gebräuche und andern hieher gehörigen Dingen. Gegenstände dieser Art stehen und hangen auch sonst noch in fast allen Zimmern und Sälen des Pallastes, bald als Kunstwerke des Gießers, Drechslers und Schnitzlers, bald als Hervorbringungen des Pinsels oder des Meisels, reichlich umher, und es ist kein Zweifel, daß dieser Zweig der Pracht die meisten Ausgaben veranlaßt habe.

Reisen nach und Verbindungen mit Italien, Geschenke, die Mode, Kunst, und andere Merkwürdigkeiten aufzukaufen und zu sammeln, haben einen andern großen Vorrath von Seltenheiten aller Art in diesem Pallaste angehäuft. Dahin gehören Gemälde von großen, aber auch von mittelmäßigen Italienischen Meistern, Büsten, Statuen, Antiken, geschnittene Steine, Münzen, gute und schlechte, Originale und Kopieen, echte und unechte, alles durch einander, wie es immer zu seyn pflegt, wenn nicht ein fester Plan und ein gebildeter Geschmack, sondern bloß Laune oberflächlich erhaltener Eindrück, Sammelsucht und Eitelkeit wählen.

Der jetztregierende Kurfürst, ein bekannter Beförderer, Beschützer und Kenner der Künste, hat auf seiner letzten Reise nach Italien mehrere Kunstwerke gesammlet, deren Wahl tadellos ist, unter andern eine Nachbildung im kleinen von der schönen Trajanischen Säule in Rom, fünf Fuß hoch, von kararischem Marmor, mit Lapis Lazuli reich verziert und mit den Figuren des Originals versehen, die sämtlich gewissenhaft und mit Geist in vergoldetem Silber angegeben sind. Der Meister ist Louis Valadier zu Rom. Hundert Stücke, die man hier sieht, sowohl in der Gemäldegallerie, als in der Antikensammlung, im Schatze wie in der Kapelle, sind nicht so geschmackvoll gewählt.

Ich übergehe was sich endlich noch an Gefäßen von Japanischem Porcellain, die in ihrer Art köstlich sind; an Arbeiten des Marmorhauers, der Vergolders, des Kunsttischlers, des Lackierers; an ungeheuren Stickereyen, an prächtigen Fuß- und Wandteppichen, an Gyps- und Bronzen-Putz; an Uhren, Spiegeln, Kronleuchtern, Künsteleyen aus Stein, aus Elfenbein u. s. w. von allen Seiten dem Auge aufdringt. Uebrigens stehe ich nicht an, von dem, was in diesem Pallaste aufgehäuft ist, zu sagen, daß es theilweise Größe, Glanz, Reichthum und Geschmack verrathe und Genuß gewährte, im Ganzen aber ein Chaos bilde, das die ungleichartigsten Eindrücke macht, die sich unter einander zerreiben, sich gegen einander aufheben und die Seele in einen Zustand von Mißbehagen, aus Planlosigkeit, Ungleichheit und Ueberfüllung entstanden, versetzen. Ich müßte mich sehr irren, wenn nicht viele Reisende vor mir diese Sammlung von Herrlichkeiten mit gleichem Gefühle verlassen hätten, dessen Anwandlungen ihnen indessen, wenn sie das grüne Gewölbe in Dresden und den kaiserlichen Schatz in Wien gesehen haben, nicht mehr fremd seyn werden. Zum Ersatz dafür wünsche ich ihnen den reinen Genuß des Pio-Klementinums in Rom und der Gallerie zu Florenz.

Unter den öffentlichen Gebäuden in München, die entweder dem Hofe, oder den Ständen, oder der Stadt gehören, sind mehrere, die theils groß, theils ansehnlich in die Augen fallen. Dahin gehört das Gebäude der Akademie, das der Kurfürst Maximilian der Dritte erbauen aber nicht vollenden ließ. Es hat, außer einem Erdgeschoß, zwey ansehnlichere Höhere, ein prächtiges Portal von Marmor und in seinem Innern zwey kleinere und einen grössern Hof, und fällt vortreflich in die Augen. Der Sitz der Akademie der Wissenschaften ist hier aber seit 1784 nicht mehr, auch nicht mehr die Niederlage ihres gelehrten Vorraths. Die Hofbibliothek und das Kabinet für die Astronomie, für die Physik, so wie die Zeichnungsschule, die vorher hier waren, sind von hier nach dem Jesuiten-Kollegium verlegt worden.

Dieß Jesuiten-Kollegium übertrifft das ehemalige Akademiegebäude noch an Umfang, aber es fällt von außen weniger prächtig in die Augen. Im Innern ist auf den Treppen und in den Gallerieen der Marmor verschwendet, und Verzierungen aller Art, mehr oder minder reich und prächtig, findet man in den verschiedenen Sälen, je nachdem ihre Bestimmung es verlangte. Dieß ungeheure Gebäude schließt zahlreiche Institute und Stiftungen, theils für den öffentlichen Unterricht, theils für die Andacht, theils für die Wissenschaften überhaupt ein. Im vorigen Absatze habe ich einige davon genannt; hier erwähne ich noch der marianischen Landesakademie und des Gymnasiums. Ferner haben noch vier Landeskollegien Raum und Sitz darin.

Das Zeughaus fällt nicht minder ansehnlich in die Augen. Es sind eigentlich vier Gebäude, die mit Kriegsgeräthschaften aller Art ziemlich angefüllt sind; doch könnte man die in demselben vorhandene Sammlung eher ein Kabinet kriegerischer Alterthümer, als eine Niederlage furchtbarer, jede Stunde zu benutzender Waffen nennen, wenigstens ist zwischen dem Vorrath der letztern und der erstern ein auffallendes Mißverhältniß.

Die Reitschule, ehemals zu Turnierspielen bestimmt, ist auch eines von den Gebäuden in München, die keine andre deutsche Residenz in dieser Art aufzuweisen hat. Es ist nach Westenrieder *) achtzig Münchener Schuh hoch, achtzig breit, und über dreyhundert und sechszig lang. Ehedem war es ausgemalt und hatte drey Gänge über einander, die für die Zuschauer bestimmt waren, deren es gegen zehntausend fassen konnte. Diese Gallerieen und alle übrige Einrichtungen, die zu jenen Turnierspielen erforderlich waren, sind jetzt abgenommen, da die Spiele selbst seit Menschengedenken nicht mehr gegeben worden sind. Das Gebäude wird jetzt nur noch als Reitschule für junge Adeliche, auch bey außerordentlichen Freudenfesten als ein öffentlicher Ballsaal gebraucht.

*) Beschreibung von München xc. daselbst 1783. S. 81.

Das neue Opernhaus, hart an der kurfürstlichen Residenz, ist, ohne gerade durch ungewöhnliche Größe aufzufallen, dennoch ein ansehnliches Gebäude, daß, besonders im Innern, sich durch den Putz und Reichthum seiner vier Logengänge, durch gute Bühnenverzierungen und mannigfache Veränderungen auszeichnet. Das alte, auf welchem gewöhnlich gespielt wird, ist kleiner, in allen Stücken geringer, und steht hinter dem Klostergebäude der Theatiner.

Das sogenannte Exercitien-Haus (wobey dem Leser kein Exercierhaus einfallen darf) ist ebenfalls ein Gebäude von Umfang, dessen Stiftung man für älter Halten sollte, als sie ist. Die Kaiserin Amalia, Karls des Siebenten Gemalin, eine gottesfürchtige Fürstin, legte es an und besuchte und bewohnte es, um ihre frommen Uebungen darin abzuwarten. Ehedem war es nur Standespersonen, Geistlichen und Studenten, die bußfertige Bewegungen fühlten, erlaubt, dieselben durch Gebet und Züchtigung des Leibes darin zu befriedigen; gegenwärtig aber werden Neumüthige aus allen Ständen darin aufgenommen, und auf drey Tage, während welcher sie keine Gemeinschaft mit der Welt haben, mit Wohnung und Tisch umsonst versehen. Man nennt solche Patienten Mediatanten, und diesen kranken Seelenzustand selbst Meditiren, ziemlich unangemessen, wie mir däucht. Doch hat man mir versichert, daß die Zahl derjenigen, die hieher kommen, um sich mit Denken zu beschäftigen, alle Jahr geringer werde: eine glückliche Aussicht für das gemeine Wesen, das nun hoffen darf, ein Kapital, das 70,000 Gulden jährliche Zinsen trägt, und dieser wunderlichen Anstalt zur Grundlage dient, für sich bald zweckmäßiger verwandt zu sehen.

Das Gebäude des kurfürstlichen Seminariums, die Münze, die Kasernen, das Landhaus und das Rathhaus, sind sämtlich Anlagen, die das Aeußere von München vortheilhaft hervorheben. Unter den Pallästen der Großen endlich sind mehrere, die sich durch Geschmack in der Bauart, Umfang, innere Verzierung, und mancherley Kunst- und Naturversammlungen, wie z. B. der Tattenbachische, der Preysingische und Törringische, vortheilhaft auszeichnen.

Wenn die Regenten von Bayern, seit Wilhelm dem Fünften bis auf den jetztlebenden, Karl Theodor, für die Verschönerung ihrer Hauptstadt, für den Anbau ihrer Palläste und Lustschlösser, und die Verherrlichung ihres Innern; für die Stiftung und Errichtung von Kirchen, Klöstern, Kapellen und deren andächtigen Apparat verhältnißmäßig fast zu viel gethan haben: so muß man ihnen auch die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie in Gründung solcher Anstalten, welche die Bildung des Geistes und Geschmacks ihrer Unterthanen, die Erziehung, die Versorgung der Wittwen und Waisen und die Unterhaltung der Armen bezielen, nicht karg gewesen sind. Nicht leicht hat eine größere Residenz in Deutschland solch eine Anzahl Stiftungen dieser Art aufzuweisen, als München, und es wäre, däucht mir, hart und unbillig, besonders bey den letztern, an Eitelkeit, Andächteley, böses Gewissen, das man zu beruhigen suchte, Werkheiligkeit und an Drohungen oder Betteleyen der Priester, durch die sie veranlaßt wurden, zu denken und durch Aufsuchung solcher Entstehungsursachen das wirklich Gute und Nützliche, das diese Stadt in dieser Art enthält, einseitiger Weise herabsetzen zu wollen.

Die kurfürstliche Gemäldegalerie ist eine der zahlreichsten und schönsten in Deutschland, und sie behauptet mit Ehren ihren Rang zwischen der Dresdener und Düsseldörfer, die sie in manchen Fächern übertrift, in manchen erreicht. Schon vor mehr als zweyhundert Jahren machten Albert V. und Wilhelm V. den ersten Ankauf zu dieser Sammlung. Maximilian der Erste und Ferdinand Maria mit seiner Gemalin, Adelheit, setzten sie fort. Maximilian der Zweyte vermehrte sie, besonders mit Stücken französischer und niederländischer Meister, und bauete, um ihr einen angemessenen Standort zu geben, das Lustschloß Schleisheim, dessen Inneres Karl der Siebente verschönerte. Der verstorbene Kurfürst gab jungen Künstlern die Erlaubniß, darin zu studieren, und der jetztregierende schaffte diesen Vorrath, der 1050 Stück stark geworden war, vor kurzem nach der Residenz, wo er ihm und noch vielen andern schon in München vorhandenen Stücken eine eigene Galerie erbauet hat. Diese umschließt in einer Länge von 800 Fuß die eine Seite des Hofgartens, verschönert diesen zu ebener Erde durch einen bedeckten Gang, der auf Säulen ruhet und die Thaten des Herkules in 8 Figuren dargestellt, einschließt, und enthält im ersten Geschosse die ganze erwähnte Gemäldesammlung, die Fremden und Einheimischen zur Ansicht und Künstlern zur Uebung und Bildung offen stehet.

Der Vorrath von Kunstwerken, der sich in dieser Galerei, in der Residenz, in den Kirchen und in Privatsammlungen findet, so wie die mannigfache Beschäftigung, die hier den Künsten bey Erbauung und Verzierung der Kirchen, Palläste und öffentlichen Gebäude von jeher geboten wurde, hat eine Menge von einheimischen Künstlern aller Art hier hervorgebracht und eben so viel, die aus der Fremde sich hieher gezogen hatten, theils gebildet, theils ausgebildet. Ein Verzeichniß derselben liegt nicht in meinem Plane und ich verweise dieserhalb auf andre Quellen *). Auf jedem Fall ist weder Wien, noch Berlin, noch Dresden so fruchtbar an guten Künstlern gewesen. Die freye Zeichenschule, die hier zur Bildung junger Künstler errichtet ist, hat ungefähr dieselbe Einrichtung, wie die zu Dresden.

*) S. Westenrieders Beschreibung von München, S. 333. fg. vergl. mit Nicolai's Reise, Bd. 6. S. 703. fg. Ueber die Galerie besonders sehe man: Abrégé de tout ce qu'il-y-à de remarquable à voir à Munic ect. par l'Abbé Bermiller, 1789.

In Schulen hat München keinen Mangel und sie haben die letztern Jahre her, manche vortheilhafte neue Einrichtung bekommen; indessen sind sie, nur mit ihrem vorigen Zustande verglichen, so gut als sie, bey dem hier herrschenden Bekenntnisse und der geringen Aufklärung in demselben, bey den Kenntnissen und Grundsätzen der meisten dabey angestellten Lehrer, bey der Entfernung, in der sie von dem Auge und von den politischen Berechnungen der Regierung gehalten werden, seyn können. Einzelne wackre Männer, deren ich oben einige genannt habe, versuchten die Lehrart und die Gegenstände des Unterrichts zu verbessern und vortheilhafter zu wählen, aber sie stießen dadurch gegen das System der Nachfolger der Jesuiten an, zogen sich die bittersten Schmähungen, Verketzerungen und wirkliche Verfolgungen zu, und waren gezwungen, alles, wo nicht ganz beym Alten, doch bey der sogenannten Verbesserung zu lassen, welche die erwähnten Stellvertreter der der Jesuiten beliebten. Es ist in München ein Gymnasium mit 10 Schulen oder Klassen vorhanden, das sich in nichts von den gewöhnlichen katholischen Gymnasien unterscheidet, und worin Grammatik, Poesie, Rhetorik, Philosophie und Theologie, nach alter im katholischen Deutschlande gewöhnlicher Sitte, zum Theil von Weltpriestern, meist aber von Mönchen, freylich unentgeldlich, gelehrt wird. Der Normal-Trivialschulen finden sich gegen funfzehn hier, und es werden in denselben Religion, Moral, Schreibekunst, Elemente der Geschichte (fast ausschließend aber der geistlichen) und Rechenkunst getrieben *).

*) Nicolai's Reise, Bd. 6. S. 620. fg.

"Uebrigens," sagt Hr. Westenrieder: "ist in München keine Universal- oder eigentliche National-Erziehung, wo (durch die) man die sämtliche, die vornehme und die nicht geadelte Jugend nach bestimmten Grundsätzen bildet und den Klassen derselben nach den verschiedenen Graden (?) ihrer künftigen Aemter und Geschäfte eine zweckmäßige Erziehung ertheilte, vorhanden." -- Aber wo ist eine solche vorhanden? Und wo kann eine vorhanden seyn, wo der Landesherr nicht eine Liebhaberey aus dem Schulwesen macht, und sie so auf einem festen Fuß unterhält, wie etwa das Soldatenwesen oder die Jagd? Der *) Herzog von Würtemberg giebt zwar ein Beyspiel von solch einer seltenen Liebhaberey, aber die Einseitigkeit seiner Einrichtungen verhindert den Nutzen, den sein Land von diesem seinem neuesten Hange ziehen könnte.

In München findet sich noch eine sogenannte Landesakademie, die von der Herzogin Maria, Wittwe des Herzogs Clemens, ist gestiftet worden. Man nimmt bloß junge Adeliche, theils umsonst, theils für ein jährliches Kostgeld, darin auf, und sie werden von weltlichen Lehrern in der einen Klasse, in der Schreibekunst, Mathematik, Erdbeschreibung, in Sprachen, und in der andern in der Geschichte, Philosophie, Naturlehre, Kameralwissenschaft, und außerdem in der Tanz- Zeichen- Fecht- und Reitkunst unterrichtet. Uebrigens giebt es wenig Kadettenhäuser, in welchen die jungen Leute so gut gespeist, aber auch zum Beten so eifrig angehalten werden.

*) jetzt verstorbene.

Eine ähnliche Anstalt, die Militär-Akademie, ist erst vor drey oder vier Jahren, nach einem weitläuftigern Plane, für zweyhundert junge Leute von allen Ständen, die angemessenen Unterricht genießen sollen, von dem jetztregierenden Kurfürsten errichtet worden.

Die Anzahl der Wittwen- Waisen- Armen- Kranken- und Arbeits-Anstalten ist in München ungewöhnlich groß. Es sind allein sechs Waisenhäuser für beyde Geschlechter; zehn Hospitäler für Kranke aller Art; vier milde Stiftungen und wohlthätige Gesellschaften und sonst noch mancherley Spenden an Geld, Kleidungsstücken, oder Lebensmitteln vorhanden. Mit einigen dieser Anlagen sind noch öffentliche Entbindungszimmer für arme Weibspersonen, Annahme von Fündlingen und Ausstattung armer Mädchen verbunden. Das neuerlich von dem gegenwärtigen Kurfürsten gestiftete Militär-Armenhaus ist sehr weitläuftig und in Absicht der Ordnung, Reinlichkeit und Thätigkeit ein Muster für Häuser dieser Art *). Durch alle diese Anstalten ist die Zahl der Bettler, über welche die neuesten Reisebeschreiber klagen, in München sehr vermindert worden, und ich habe mich während meines Aufenthalts wenig von ihnen belästigt gefunden.

*) Umständliche Nachrichten davon finden die Leser in C. M. Plümikens Briefen auf einer Reise durch Deutschland im Jahre 1791 (geschrieben) Theil 2, Seite 114. fg.

Das Aeußere der verschiedenen Einwohnerklassen, die man auf den Straßen von München siehet, ist, im Ganzen genommen, anständig und reinlich, und zeigt in der That nicht von Armuth und Mangel. Die arbeitende Klasse ist nicht so schlecht, nicht zum Theil in Lumpen gekleidet, wie die zu Berlin und Dresden, sondern mehr wie die zu Leipzig und Hamburg, ist dabey frisch von Farbe und überhaupt wohlgenährt. Die dienende Klasse vom weiblichen Geschlechte giebt in der Sauberkeit und Nettigkeit des Anzugs der in Leipzig und Dresden nichts nach, und übertrift in diesen Stücken die zu Breslau und Berlin weit. Dieselbe Klasse vom männlichen Geschlechte, wohin ich die Domestiken, die Aufwärter in den Kaffeehäusern, Weinhäusern, Gasthöfen, die Lohnbedienten u. a. dg. rechne, sieht man sogar modisch, übrigens reinlich und zum Theil fein gekleidet, einher gehen, ungefähr wie die zu Frankfurt am Mayn und in Straßburg. Die Bürgerinnen, Mädchen wie Frauen, haben noch viel von der alten bürgerlichen Tracht und gefallen sich und andern immer noch mit ihren goldstoffenen Hauben, schweren goldenen Ketten, steifen Miedern, vielfach über einander gezogenen Röcken u. s. w. Die zu dieser Klasse gehörigen Männer kleiden sich wie die von ihrer Art zu Dresden, in Tuchröcke nach altem Schnitte, vollständig, mit breiter Taille ohne Kragen, mit langen und breiten Aufschlägen; doch sind die Farben ihrer Kleidungsstücke heller und schreyender, als sie der gemeine Bürger und Handwerker in andern deutschen Städten, z. B. in Nürnberg, Leipzig und besonders in Berlin zu tragen pflegt. Indessen fangen die jüngern aus dieser Klasse schon an, Fracks und seidene Strümpfe zu tragen. Ganz gewöhnlich sind letztre schon bey den feinern Handwerkern und Künstlern geworden, die, auch in München, nur noch an der etwas gröberen Beschaffenheit der Tücher und Zeuge, die sie tragen, von den Kaufleuten zu unterscheiden sind. Die Haarkünstler und Weiberverschönerer, seyen es Schneider oder Schuster, sind hier zum Theil nicht mehr von den Kammerjunkern zu unterscheiden, wenn diese ihre Uniform ausgezogen haben. Ihre Weiber tragen sich französisch, wie man es hier nennt, und zeigen sich in netten Negligees von weißen baumwollenen Zeugen, und in artigen Hauben, noch um vieles geschmackvoller, als dieselbe Gattung in Leipzig und Dresden. Ganz wie in der letztern Stadt kleiden sich die ältern Hofbedienten, Hofbeamten, Sekretarien und andere niedrige Mitglieder der Landeskollegien, die sich durch eine sorgfältige, steife Frisur, durch einen abgenutzten kurzen Degen, durch verblaßte Kleider, kleine Schuhschnallen und einen zergriffenen Platthuth unterscheiden. Ihre Ehehälften erscheinen noch in sogenannten "Karkassen," von "Schmelz" durchglänzt, in "Roberonden" und "Andriennen" von großgeblümten "Moire," mit "Falbala" und breiten Besätzen verziert, und mit schwarzen Sammtbändern um den dürren, gelben Hals. Die jüngern Glieder dieses Gattung beyderley Geschlechts fallen aber mehr in den französischen Geschmack, wie er vor der Staatsveränderung war, als in den neuesten englischen. Die Tracht der höheren Stände beyderley Geschlechts ist in München wie überall.

Man kann die Zahl der Einwohner zwischen 40 und 45,000 annehmen. Bey weitem der größeste Theil davon nährt sich von den nöthigen und unnöthigen Ausgaben des Hofes, des hier wohnenden Adels, und der Beamten in den verschiedenen Landeskollegien, durch Künste, Handwerke und Beschäftigungen aller Art, deren Hervorbringungen fast alle innerhalb der Mauern von München bleiben. Für auswärtigen Vertrieb wird wenig gethan, und wenn man Spielkarten, Papier, Pinsel, baumwollene Strümpfe und Zeuge, gemeine Wollenwaaren, Maler- und Bildhauerarbeiten, Taback, Leder und allerley Waaren von innländischer Baumwolle, d. i. von der Wolle der Pappeln, der Weiden und anderer wolletragenden Pflanzen verfertigt *), abrechnet, so wird wenig übrig bleiben, was München ausführen könnte. Dagegen zieht es eine große Menge wahrer und eingebildeter Bedürfnisse aus nahen und entfernten Ländern.

*) Von den Versuchen und Erfindungen des thätigen Professors Herzer, die Verarbeitung dieser einheimischen Baumwolle betreffend, findet man vollständige und anziehende Nachrichten in Hrn. Plümikens obengenanntem Buche, Theil 2, S. 191 - 194 und S. 206. fg., verglichen mit Seite 150. fg. vorher, und mit S. 244. fg. und S. 304. fg. nachher.

Deshalb sind die Münchener nicht reich, wenn man sie auch wohlhabend nennen kann. Alles, der hier wohnende reiche Adel ausgenommen, lebt gleichsam von einem Tage zum andern, und Kleider und Nahrung zehren die Einnahme richtig auf. Verhältnißmäßig sind, nach dem hier eingeführten Maaßstabe in der Lebensart, und nach den, wegen ihrer großen Menge, geringen Besoldungen, die Hof- und Landesbeamten die ärmsten, und sie sind gezwungen, um sich standesgemäßig zu erhalten, zuzugreifen, und kleine und große Geschenke von mancher Art und zu manchem Zweck anzunehmen. Daher Mißbräuche in der Verwaltung der Staatskassen, in der Ausübung der Gerechtigkeit, in Vergebung von Stellen, Jahrgeldern und Begünstigungen, mehr als in irgend einer andern Residenz in Deutschland.

Man schreibt es der merkwürdigen Eß-, Trink- und Vergnügungssucht der Münchener mit zu, daß sie nie übrig haben; und man kann gegen diesen Vorwurf nichts statthaftes einwenden, so sehr auch jedem, des Lebens zu genießen, vergönnt seyn mag. Wären sie so mäßig im Essen und Trinken, wie z. B. die Dresdener, so könnten sie noch wohlhabender seyn; verständen sie auch die Kunst, in der Kleidung und in den Vergnügungen sich so einzuschränken wie die Berliner, so könnten sie sammlen; aber es ist merkwürdig, daß 40,000 Münchner in manchen Gattungen von Nahrungsmitteln mehr verzehren, als 150,000 Berliner, eine Thatsache, die ein neuerer Reisender hinlänglich erwiesen hat *). Wahr ist indessen, daß man in München für Einen Gulden noch einmal so viel an Eß- und Trinkwaaren bekömmt, als in Berlin und Dresden für eben diesen Preis, und daß mithin der Münchener bey gleichen Ausgaben, wohl noch einmal so viel essen und trinken muß, als sie; aber in diesem Umstande liegt es gerade, daß er, bey einer etwas weniger sinnlichen Philosophie, mehr ersparen, weniger Indolenz verrathende rothe Backen, gefüllte Schenkel und breite Schultern haben, und sich mit mehr Erfolg auf die spekulative Philosophie, auf Arbeiten des geistigen Geschmacks, und kurz, auf alle die Beschäftigungen legen könnte, die, vermöge ihrer Natur, einen unausgestopften Magen und wenig Zerstreuungen erfordern!

*) S. Nicolai's Reise, Band 6, S. 569. fg.

Die Märkte in München sind vortreflich besetzt und starren von Früchten, Gemüsen, Eyern, Geflügel, Schweinen, Ochsen und Fischen mehreremahl in der Woche, auf verschiedenen Plätzen. Herumträger von Lebensmitteln aller Art füllen die Straßen mit ihrem mannigfaltigen Geschrey. Alles reitzt und befriedigt die Eßlust. Leute von geringern Klassen erscheinen auf den Straßen in ewigem Käuen. Es ist kein Spatziergang, in dessen Nähe nicht Erfrischungen in Fülle verkauft würden. Unter der großen Galerie im Hofgarten sind Kaffeehäuser, wo man alles haben kann, sitzen Weiber an Weiber, die ganze Körbe mit Leckereyen feil bieten. Unter den Lauben am großen Platze findet man beständig Ananas, Melonen, Orangen, und andre Gattungen des schönsten Obstes, in großen Haufen aufgetürmt. Weinkränze prangen auf allen Straßen; vor den Thoren ist Bierhaus an Bierhaus, und die nächstgelegenen Gärten und Dörfer wimmeln an schönen Tagen von den Einwohnern der Stadt, die sich in Wein, oder Bier, oder Meth, bei Musik und Tanz, eine Güte thun. Alle diese Oerter findet man um so öfterer besetzt, da in München der Tage so viele sind, an welchen an sich für die Mühe des Betens Vormittags, am Nachmittage erholen zu müssen glaubt. Bei schlechtem Wetter strömt das Volk in den Wein-, Bier-, Meth- und Tanzhäusern in der Stadt selbst, und im Schauspiele, zusammen. An den beiden vornehmsten Jahrmärkten (hier Dulten genannt) erhält dies frohe Getümmel den höchsten Grad seiner Lebhaftigkeit, und dann giebt es auch Kreuzerkomödie, englische Bereiter, Equilibristen, und eine Menge anderer Spektakel dieser Art. Die Faschingszeit ist nicht minder ein wichtiger Zeitpunkt für die Münchner, und Bälle, Redouten und Schmausereyen drängen sich während desselben bei allen Ständen.

Ein Volk wie dieses wird viel schlechte Wirthe, aber weniger schlechte Menschen stellen. Der Charakter der Münchener hat etwas Eigenthümliches, das auf den ersten Blick dem Fremden auffällt. Es ist eine gewisse Treuherzigkeit und Offenheit, die sich zwar fast wie Grobheit ausnimmt, aber es in der That nicht ist. Ein voller und rauher Dialekt und gewisse unabgeschliffene Manieren geben die Veranlassung zu diesem Irrthume, der sogleich aufhört, wenn man mit ihnen näher bekannt wird: was sehr leicht ist, da sie in ihrem Innern nichts zu verbergen zu haben scheinen. Man entdeckt dann unter jener nicht verfeinerten Außenseite ein mitleidiges Herz, wahre Vaterlandsliebe, viel gesunden Verstand und uneigennützige Dienstfertigkeit und Treue. Glaubt ein Münchener Recht zu haben, so verficht er es in dem ihm eigenthümlichen rauhen Tone; aber er schweigt ganz, wenn von Dingen die Rede ist, die er nicht versteht, und er ist fast zu gelehrig, wenn er Leute hört, denen er mehr und höhere Kenntnisse zutrauet. Geschwätzigkeit und Schönsprecherey sind hier ganz unbekannte Untugenden, und Windbeuteley und Schmeicheley sind äußerst selten. Gefällt jemand dem Münchener nicht, so wird er es bald sehen oder hören. Die Neugier und die Aufmerksamkeit auf Fremde, die diesen in den öffentlichen Häusern zu Dresden so lästig wird, zeigt der Münchener nie, freylich auch nicht das höfliche Zuvorkommen, dafür aber die ungezwungenste Gastfreundschaft gegen jeden, der ihm empfohlen worden. Seine Freymüthigkeit im Urtheilen über seine Vorgesetzte, über ihre Handlungen und Einrichtungen, geht fast bis zur Ungezogenheit, und er theilt seine Anmerkungen nicht etwa nur leise, sondern ganz laut, in seinem natürlichen, derben Tone und in seiner kräftigen Sprache, öffentlich mit. Wer Leute sehen will, die sich bei ihren Freunden unverholen, ohne Ziererey, herzlich freuen, der gehe nach München in die Gesellschaften derjenigen Mittelklasse, die ich hier überhaupt im Sinn habe, und er wird noch wahrhafte Heiterkeit und Geselligkeit finden. Eben diese Leute zerfließen in Thränen bei einem rührenden Schauspiel, und drängen sich, einem Unglücklichen, dem auf der Straße ein Zufall begegnet ist, Wohlthaten zu erweisen und in ihre Häuser aufzunehmen. Aus eben dieser Quelle mag wohl auch ihre musterhafte Andacht bei feyerlichen Handlungen der Religion fließen. Fanatismus und thätlicher Verfolgungsgeist findet in diesen guten Seelen keinen Raum, und obgleich es von Seiten ihrer Priester nie ganz an Ermunterungen dazu gefehlt hat, giebt es doch kein Beispiel, daß das Volk seine, von ihnen so häufig verketzerten, Landsleute gemißhandelt hätte. Man kann von vielen Mitgliedern der höhern Stände nicht ein Gleiches sagen, obgleich man wiederum billigerweise annehmen muß, daß der Verfolgungsgeist, dessen sie sich in neuern Zeiten schuldig gemacht haben, mehr aus politischen als aus bigotten Rücksichten entstanden sey.

Der Umgang zwischen beiden Geschlechtern ist höchst ungezwungen, und es ist nicht zu vermeiden, daß er, bei den vielen Gelegenheiten, sich erhitzt und berauscht zu sehen, nicht in Ungebundenheit übergehen sollte. Selbst in bessern Gesellschaften erlaubt man sich einen Ton gegen das andere Geschlecht, der jedem Fremden aus andern deutschen Provinzen ungezogen vorkommen muß, und ein Benehmen, das dieses Geschlecht in andern deutschen Städten, besonders in Niederdeutschland, als Beleidigung aufnehmen müßte, das aber hier von den rothbäckigen Mädchen und Weibern höchst gutmüthig und mit einer ihnen eigenthümlichen Jovialität angesehen und erwiedert wird. Man muß sich hier von dem Scheine nicht blenden lassen, und mancher öffentlich gegebene und genommene Kuß, sogar noch etwas mehr, beweisen unendlich weniger, als ein verstohlner Blick, und ein leiser Fußtritt da, wo man öffentlich alles, auch nur aus der Ferne, anstößig Scheinende verbirgt, um sich heimlich demselben ohne Maß und Ziel zu überlassen. Daß aber die Grundsätze beider Geschlechter in dem angeregten Punkte hier nicht die reinsten und festesten sind, läßt sich aus der leichten und sinnlichen Lebensart, und aus den hier ziemlich häufig gegebenen erlauchten Beispielen, ohne weitläuftige Erinnerung leichtlich ermessen.

Viele der hier angegebenen Züge findet man auch in den höhern Ständen wieder. Im Ganzen hat ihr Aeußeres nicht die Abgeschliffenheit solcher Personen, die man im gemeinen Leben einen feinen Mann, eine feine Frau nennt, und ihre Sprache, wenn sie deutsch reden, ist nur sehr wenig von der Sprache jenes Mittelstandes verschieden; dagegen ist eine große Gabe von Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit noch bei ihnen unverkennbar und nicht leicht pflegen sie jemand, der etwas bei ihnen zu suchen hat, mit schönen Worten hinzuhalten, wenn sie nicht Willens sind, oder wenn es ihnen unmöglich wird, etwas für ihn zu thun. Im Ganzen ist, mit einem Worte, der bayerische Adel mehr deutsch, als man ihn in irgend einer andern deutschen Provinz findet. Am liebsten möchte ich dies von dem ursprünglich bayerischen hohen Adel verstanden wissen, der höchst ehrenwerthe Mitglieder hat, und den der Adel italienischer, niederländischer und französischer Abkunft, wovon sich einige Familien, deren Voreltern mehreren bayerischen Fürsten gefolgt sind, hier niedergelassen haben, in jenen schönen Tugenden nicht immer erreicht. Daß er auch hierin Ausnahmen giebt, versteht sich von selbst.

Ich unterdrücke, was ich noch vom politischen Zustande des Landes, von der Regierung und den Finanzen, von dem gegenwärtigen Landesfürsten als Regenten und Privatmann, so wie vom Zustande der Religion, der Wissenschaften und der Künste, sagen könnte. Es ist seit zwanzig Jahren über diese Dinge, aus allen Tönen, so viel geschrieben worden, daß man die Verhandlungen darüber schließen sollte. Einige haben, als bloß witzige Köpfe, ärgerliche Chroniken geschrieben; andre haben, als Menschenfreunde, mit moralischer Härte, die wohl auch in Bitterkeit übergegangen ist, die vorgefundenen Mißbräuche gerührt; noch andre haben alles ziemlich unschuldig und ohne Ausnahme gelobt; und alle drei Gattungen sind in einem und dem andern Stücke zu weit gegangen. Die vierte Gattung, die Gemäßigte, die jedes Ding mit seinem eigenen Maßstabe zu messen, sich kein Ideal zu machen, sondern die Sachen so zu nehmen pflegt, wie sie, alle Umstände wohl erwogen, seyn können und müssen: diese Gattung hat aus den Berichten der drei übrigen, mit nöthiger Vergleichung und Abrechnung, ihre Begriffe und Kenntnisse von dem Lande und dem Volke der Bayern, längst geordnet, und kann der Winke eines Durchreisenden vollkommen entbehren.

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Quellen.Bearbeiten

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Reise eines Liefländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau, Dresden, Karlsbad, Bayreuth, Nürnberg, Regensburg, München, Salzburg, Linz, Wien und Klagenfurt, nach Botzen in Tyrol. Berlin, 1795. bei Friedrich Vieweg dem ältern.
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