Magdeburg.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Magdeburg, Hauptstadt des Herzogthums dieses Namens an der Elbe, ist stark befestigt, und theilt sich jezt in die Alt- und Neustadt, wozu noch die Vorstädte Sudenburg und Friedrichsstadt kommen. Sie wird des Nachts durch 1073 Laternen erleuchtet. Mitten in der Elbe, vor dem Brückenthore, liegt die seit 1680 erbaute Citadelle, darinn ein großes Proviant- und Zeughaus und die katholische Soldatenkirche anzutreffen sind. Unter den Aussenwerken ist die Sternschanze vor dem Sudenburger Thore mit ihren vielen Gallerien und Minen unter der Erde besonders merkwürdig. Das Fürsten- oder Commendantenhaus steht auf dem Fürstenwalle an der Elbe. Am alten Markte nimmt sich das seit 1691 neuerbaute große Rathhaus aus; am neuen Markte oder Domplatze aber das Schloß oder sogenannte königl. Haus, in welchem die Kriegs- und Domainenkammer ihre Sessionen hält: diesen gegen über ist das neuerbaute Zeughaus. Weiter sind die Domprobstey, das Landschaftshaus, in welchem die Regierung und Consistorium Sessionen halten, das königl. Posthaus, die Accise, die Innungshäuser, der weitläufige schöne Kaufhof, das Waarenlager der auswärtigen Güter an der Elbe, die neue Hauptwache, die alte Bildsäule Kaiser Ottos I, die schöne Wassermühle und Wasserkunst u. s. w. vorzüglich sehenswerth. Die Einwohner sind größtentheils lutherischer und reformirter Religion; die Katholiken halten sich zu der Kirche des Cistercienserklosters St. Agnes in der Neustadt. Unter den acht lutherischen Pfarrkirchen ist die vornehmste die von Quadersteinen mit 2 Thürmen erbaute hohe Domkirche zu St. Moritz, welche selbst bey der großen Zerstörung 1631 glücklich erhalten worden ist. Die Domherren sind alle evangelischer Religion, und müssen bey der Aufnahme 16 Ahnen beweisen. Das Kapitel besteht aus 16 Majoren (wirklichen Domherren) und 9 Minoren oder Expectanten ohne Einnahme, und einem Domprobst. Die Einkünfte des Kapitels und der Probstey sind sehr ansehnlich. Die Domherren-Stellen wurden wechselweise von dem Könige vergeben. Es giebt noch andere Canonicos an den hiesigen Collegiatstiftern St. Sebastiani, St. Gangolphi, St. Nicolai und St. Petri und Pauli. Lutherische Schulen sind die Domschule, das Pädagogium des evangelischen Klosters U. L. F. das Stadtgymnasium, die Schule in der Neustadt, und eine Handlungsschule. Der reformirten Gemeinden sind 3, nämlich eine deutsche, eine französische und eine wallonischen, wie den Magdeburg durch die Pfälzer, französischen und wallonischen Kolonisten eine beträchtliche Vermehrung an Einwohnern und Fabrikanten erhalten hat. Die sogenannte Friedrichsschule ist ebenfalls reformirt. Aus dem ehemaligen Augustinerkloster hat man 1688 ein königl. Armen-kranken- und Waisenhaus gemacht, wo Arme, welche Arbeit verlangen, sie immer finden. Zum Vortheil der hiesigen Handlung in die Kurbrandenburgischen Lande hat man die Elbe 1743 vermittelst eines neuen Kanals durch die Ihle und Stremme mit der Havel verbunden. Unter den 4 Jahrmärkten ist die sogenannt Heermesse am berühmtesten, welche vom Tage St. Matthäi bis auf den Michaelis Abend dauert. Sehr ansehnlich sind die hiesigen Manufakturen von wollenen Strümpfen, feinen Handschuhen, Linnen- und Wollen- Band, Wollenzeugen, Seidenband und Fayence, und seit einigen Jahren auch die Cichorienfabriken. Der Handel auf der Elbe ist bedeutend, vorzüglich im Speditionswesen und Getreideverkauf. Er würde ohne die mannichfaltigen Einschränkungen noch weit beträchtlicher seyn. Doch kommen jährlich über 200 Fahrzeuge in der Stadt an. Alle ankommende Schiffe müssen hier ausladen, weil die hiesige Schiffergilde allein das Privilegium hat, die Waaren durch das Herzogthum und bis nach Hamburg zu verführen. Im Jahr 1798 hatte Magdeburg mit Inbegrif der Vorstädte, aber ohne die Garnison, 3,267 Haüser und 33,892 Einwohner. Am 5. Jun. 1789 begieng die dasige Pfälzer-Colonie die Jubelfeier ihrer vor 100 Jahren geschehenen Aufnahme in die Stadt. Magdeburg ist übrigens auch die Geburtsort des berühmten Otto von Gnericke, der allda, 1602 zur Welt kam. Im J. 1631 ward Magdeburg von den kaiserl. Generalen Tilly und Pappenheim mit Sturm eingenommen, und beynahe gänzlich zerstört; es ist aber schön wieder aufgebaut worden. Eine halbe Stunde vor der Stadt liegt das lutherische Kloster und berühmte Schule Bergen. S. Bergen.


Lokalmiszellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]
Magdeburg: das Fürstenhaus; das Zeughaus; das Landschaftshaus; die Post; das große Elbmagazin; die Statüe Otto's I.; die Wasserkunst; der Dom; (man bekommt vom Küster eine gedruckte Beschreibung; das Portal, das Grabmal des Bischofs Ernst) Guerikens Grab zu St. Sebastian, die Citadelle, (und die durch Trenk, Bahrdt und la Fayette berühmten Gefängnisse.) Verschiedene litterarische und gemeinnützige Anstalten. Z. B. das Pädagogium; die zwey Handlungsschulen; die königliche, sonst Kaliskysche, Töchterschule; die Stadt- und die St. Moritzbibliothek; die Gemäldekabinette der Herrn Preißig, Nithack, Sucro, Diedrich Kuhne; die schöne Aussicht vom Fürstenwall. Deutsches Schauspiel; Liebhabertheater; öffentliche Concerte; militärische Bälle; die Ressource; die Harmoniegesellschaft; der litterarische Club. Unter die ersten Merkwürdigkeiten der Stadt gehört auch die Thonwaarenfabrik der Herrn Wagner. In der Nachbarschaft: Kloster Bergen und seine Sammlungen: das Salzwerk zu Schönebeck, wo jährlich auf 1,080000 Scheffel Salz bereitet werden. Hier ist auch seit kurzem die merkwürdige Anstalt eines Solenbades, wozu ein kleines Badhaus erbaut worden, und das in seinem Wirkungen den Seebädern gleich kommt. S. Tollberg, über die Aehnlichkeit der Salzsoole mit dem Seewasser xc. Magdeburg 1803. 8. Ueber Magdeburg selbst. S. Magdeburg und die umliegende Gegend; (von Berghauer) Magdeburg 1798. 8. Man hat mehrere kolorirte Ansichten von der Stadt und Gegend.


Von Reisenden.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Gottlob Küttner.

[1794]

[3]

Magdeburg.

im Herbst.

Von Berlin giengen wir über das elende Spandau nach Brandenburg, und den folgenden Tag nach Magdeburg. Hier verweilten wir einige Stunden mit Vergnügen und freueten uns an der Schiffahrt, an den grossen Waarenniederlagen und dem schönen Spaziergange an der Elbe.

In der Domkirche zeigte uns der Küster ein eisernes Gitter, welches ein Schlosserjunge in einem Tage gemacht hat; Und als ich meine Verwunderung bezeigte, in einem Preussischen und Protestantischen Lande solchen Unsinn zu hören, berief sich der Mann auf das Loch im Thurme, durch welches ihn der Teufel abgehohlt, und setzte hinzu: "Die Sache sey überdieß zu bekannt und zu gewiß, als daß sie eine weitere Bestätigung bedürfe.

Von Magdeburg nach Helmstadt reißt man 6 Meilen Post mit den nähmlichen Pferden; man muß also füttern, und so wird diese Station zu einer ganzen Tagereise, die bisweilen 16, 18 und mehr Stunden dauert. Es ist ein Erdweg, der im Sommer und bey trockenem Wetter ungefehr so gut ist, wie eine gemachte Straße, auf dem man aber, nach anhaltenden Regen, bis an die Asche einsinkt. Welche Barbarey! -- Die ganze Straße von Berlin bis Braunschweig ist elend; so wie ich überhaupt auf unserm ganzen Wege durch Brandenburg und Magdeburg kein Stück gemachte Straße gefunden habe, als die von Potsdam nach Berlin, die der jetzige König vor einiger Zeit hat bauen lassen. Wie gar viel besser wäre es für das ganze Land gewesen, wenn der letzte König einen Theil der Summen, die er auf öde, oder halb bewohnte Häuser auslegte, auf die Landstraßen verwendet hätte.


Zeitung.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Die Magdeburger Zeitung [4] erscheint wöchentlich Dienstags, Donnerstags und Sonnabends in der Zeitungs-Expedition in der Faberschen Buchdruckerey Nr. 1911. Die Insertions-Gebühren für Anzeigen und Bekanntmachungen sind für die Zeile 1 Gr., und für die halbe 6 Pf.

Hier ist auch das Haupt-Lotterie-Comtoire, wohin die andern hiesigen Lotterie-Comtoire ihre Einsätze sowohl zur Berliner Classen- als Zahlen-Lotterie einsenden. Die gewinnenden Lose, als auch die in der Zahlen-Lotterie gezogenen Zahlen werden durch die Zeitung und das Intelligenzblatt bekannt gemacht.


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1812]

Aus Sachsen, vom 16ten März. [5]

Magdeburg ist in Belagerungsstand gesetzt, und Pässe und Sicherheitskarten werden jetzt dort nicht mehr von den administrativen Behörden ausgetheilt. Die Festungswerke werden noch vermehrt, wozu die Sudenburg und zum Theil die Neustadt abgetragen wird.


Aus Sachsen, vom 22sten März.

Zu Magdeburg sollen die Vorstädte Neustadt und Sudenburg bis zum 1sten April gänzlich rasirt seyn. Der Präfekt fordert alle Bewohner seines Departements zur Unterstützung der dadurch unglücklichen Bewohner dieser Vorstädte auf, damit sie sich mit einer rührenden Ergebung unterwerfen, durch den Beystand ihrer Mitbürger Trost und Unterstützung finden. Uebrigens werden diese Bewohner vom Staate entschädigt und es wird ihnen ein anderweites Unterkommen angewiesen werden. Die Kirche St. Ambrosi, das Rathhaus, das Pfarrhaus, das Schulhaus, das Pfarrwittwen-, Hirten- und Spritzenhaus in der Sudenburg wurden den 10ten auf den Abbruch öffentlich verkauft.


Vermischte Nachrichten.

Die Sudenburg bey Magdeburg enthielt 186 Feuerstellen und 1600 Einwohner, und die Neustadt in 741 Feuerstellen und 3000 Einwohner.


Kassel, den 16ten Juny. [6]

Herr Henneberg, Auditeur im Staatsrathe, welcher durch ein königl. Dekret vom 24sten May ernannt ist, die Funktionen als Unterpräfekt des Distrikts Magdeburg zu versehen, hat gestern als solcher den Eid in die Hände des Präfekten geleistet, und ist hierauf in sein Amt installirt worden.


Kassel, den 24sten August. [7]

Den Bewohnern der demolirten Neustadt und Sudenburg bey Magdeburg ist erlaubt worden, die Hauptplätze auf den ihnen von Sr. Majestät zum Anbau bewilligten Ländereyen den Hieronymus- und Katharinenplatz zu benennen.


Magdeburg, den 25sten September. [8]

Heute Mittag um halb 3 Uhr flog ein von Brettern zusammen gefügtes Gebäude, welches am hiesigen Schrodorffer Thor stand, und worin die hiesige Artillerie Patronen verfertigte, mit einem starken Knall in die Luft. Von sechszig Artilleristen, welche darin arbeiteten, ist nicht ein einziger verunglückt. Auf welche Art das Feuer ausgebrochen ist, ist noch nicht bekannt; indessen ist gewiß, daß solches nicht auf einmal das Pulver ergriffen hat, weil bey dem Ausbruch desselben sämmtliche Arbeiter noch Zeit hatten, sich aus dem Gebäude zu retten. In der Stadt selbst ist weiter kein Schaden verursacht worden, als daß Fenster in der Gegend des Thors zertrümmert sind.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
  2. Der Passagier auf der Reise in Deutschland und einigen angränzenden Ländern, vorzüglich in Hinsicht auf seine Belehrung, Bequemlichkeit und Sicherheit. Ein Reisehandbuch für Jedermann von Kriegsrath Reichard, aus Verfasser des Guide des voyageurs en Europe. Berlin, 1806. Bey den Gebrüdern Gädicke.
  3. Wanderungen durch die Niederlande, Deutschland, die Schweiz und Italien in den Jahren 1793 und 1794. Leipzig, 1796. bei Voß und Kompagnie.
  4. Magdeburg und die umliegende Gegend von J. C. F. Berghauer. Magdeburg, bey G. Ch. Keil, 1800.
  5. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 71. Freytag, den 22. März 1812.
  6. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 167. Freytag, den 12/24. July 1812.
  7. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 209. Freytag, den 30. August /11. September 1812.
  8. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 239. Freytag, den 4/16. Oktober 1812.
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