Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Statistischer Abriß.[]


[1] Die Schicksale, welche den Malteser Orden, wie gemeiniglich der Katholische Theil des Johanniter-Ordens genannt wird, in den letztverfloßnen Monaten betroffen haben, verdienen eine sorgfältige historische Darstellung. Nicht mehr als drey Tage waren es, welchen den Rittern ihre unüberwindliche Feste, die Jahrhunderte aller Waffen-Gewalt getrotzt hatte, ohne Schwerdtstreich, entrißen. Die Franzosen nahmen sie eben so leicht ein, wie sie in diesem Kriege alle Festungen eingenommen haben. Wir wollen hier keine Geschichte der Ordens schreiben: wir wollen nur einen Rückb ick thun. Die Zerstörung des Tempelherrnordens vergrößerte im 14ten Jahrhunderte die Macht und die Reichthümer der Johanniter- oder nachmaligen Malteser-Ritter, denen viele Güter jenes ausgearteten Zweiges des Ordens übertragen wurden.

Die Reformation hatte auf den Malteser Orden den nachtheiligsten Einfluß, der dadurch einen großen Theil seiner Einkünfte und Besitzungen verlor -- wofür die Errichtung des nunmehr von Polen nach St. Petersburg verlegten Großpriorats und die neuen Stiftungen der Baierschen Zunge nur einen geringen Ersatz gewährten. Eine noch ungünstigere Periode wurde durch geheime Ursachen und Wirkungen, die die Geschichte noch nicht enthüllen kann, das Ende des achtzehnten Jahrhunderts für diesen Orden. -- Eine geheime durch gewaltsame Umstände mächtige Reaction! Künftig einmal werden viele Schriften darüber erscheinen. Die Häupter des französischen Revolutionsbundes entzogen dem Orden alle Güter, die er in Frankreich, in Italien, und den andern mit Gewalt der Waffen unterjochten Ländern besaß. Endlich nahmen sie dem ihnen so widrigem Orden seinen Hauptsitz weg, -- -- -- die Insel Malta, die ihm Carl V. im Jahr 1530 nach der Verlaßung der Inseln Cypern und Rhodos zur beständigen Vertheidigung übergab, und deren Besitz er länger als drittehalb Jahrhunderte hindurch behauptet hatte.

Malta ist ein aus der See hervorragender Felsen, dem allein seine Lage, in dem Mittelpuncte des Mittelländischen Meeres, in der politischen Wagschaale Europa ein Gewicht giebt. Sein weiter Hafer, der den in diesen Gewäßern segelnden Schiffen einen sichern Aufenthalt und Zufluchtsort darbietet, ist von der Natur gebildet, und die Kunst hat alle ihre Mittel erschöpft, um ihn gegen feindliche Angriffe zu sichern. Die zu Malta gehörige kleine Insel Gozzo wird davon durch einen über eine Meile breiten Arm der See getrennt; in deßen Mitte ein andrer Felsen, Comino liegt, welche beyde mit den stärksten Befestigungen versehen, und deren Communicationen mit Malta sehr schnell sind. Der steinigte Boden der Insel Malta erstreckt sich auf 4 bis 5 Meilen in die Länge, und 2 bis 3 in die Breite. Die Resultate der neuesten Ausmeßungen bestimmen den Umkreis von Malta auf 56, den von Gozzo und Comino auf 30 Italienische Meilen.

Dieser kleine Staat ist reich an Bewohnern. Er enthielt unter der Herrschaft des Ordens auf einem Flächenraume von 8 geographischen Quadratmeilen, nach den Angaben der Reisebeschreiber, eine Volksmenge von 150,000 Seelen, wovon man 20,000 auf G zzo und Comino rechnet. Jede Quadratmeile besitzt also 18,750 Menschen *). Bey einer so großen Bevölkerung sind jedoch die Erzeugniße des Landes, welche fast allein in Baumwolle und mehrern Gattungen von Früchten bestehen, äußerst gering und unzureichend; und die Fischerey, der Korallenfang, und der Handel nach den benachbarten Italienischen und Africanischen Küsten machen die Haupt-Nahrungszweige der industrieusen Inselbewohner aus. Nach einer neuern Angabe betrugen, bisher die gesammten Einkünfte des Großmeisters, mit Einschluß der auswärtigen Entrichtungen und Zuflüße, jährlich 330,000 Gulden **). Wenn die scandalöse Geschichte der Französischen Einnahme von Malta die bisherige statistische Anführung zu widerlegen scheint, daß der Orden im Nothfalle 16000 Vertheidiger stellen könne, so muß man doch den furchtbaren Befestigungswerken dieser Insel eine gerechte Bewunderung zollen. Die südliche Seite derselben ist unersteiglich, und alle übrige Theile werden durch die in den Felsen eingehauenen Verschanzungen, Thürme, und Batterien, beschützt, deren Wachen sich sogleich von der Annäherung eines jeden verdächtig scheinenden Schifs benachrichtigen können. Diese maunichfaltigen Festungswerke der Insel waren vor der Erscheinung der Franzosen mit mehr als 1500 Kanonen, worunter 590 metallene, besetzt. Den Eingang des Hafens vertheidigen auf beyden Seiten die Forts San Eimo und Ricazoli, so daß jedes Schif, welches mit Gewalt einlaufen wollte, unmöglich der Zerstörung durch das Feuer der ungeheuern Batterien entgehen konnte, wenn man hätte feuern wollen. -- --

*) Mehr als der 7te Theil der gesammten Menschenmaße bewohnt die Hauptstadt la Valetta, welche nach Niedesel 20,000 Einwohner hat. S. v. Borchs Briefe über Sicilien und Malta xc.
**) Andre Berechnungen schätzen die Einnahme nur auf 100,000 Rthlr. oder 76,000 Scudi. S. Polit. Journal, Julius dieses Jahrgangs, S. 675.


Nachrichten von verschiednen Ländern.[]

[Dezember]

Malta. [2]

Da wir im vorigen Monate die Beschwerden über die Verrätherey, bey der Französischen Besitznahme von Malta, angeführt haben, so theilen wir auch hier, unserm Versprechen gemäß, die Protestation des Großmeisters des Malteser-Ordens, Ferdinand Freyherr von Hompesch, in ihrem wesentlichen Inhalte mit. Der Großmeister verwahrt sich und protestirt in denselben gegen die Folgen der innerlichen Revolution, die die Franken auf der Insel Malta vorbereitet und hervorgebracht haben, gegen die Verführung einiger Mitglieder des Ordens, und gegen den Ueberfall der Französischen Trupp n. Er protestirt förmlich gegen das vom General Buonaparte abgefaßte Schreiben, welches aus bösen Absichten Convention genannt wird, da die Französischen Malteser und andre Rebellen dem Großmeister keine Zeit zur Untersuchung und Prüfung dieser angeblichen Convention ließen, und ihn der nöthige Freyheit beraubten, sie verwerfen zu können. Der Großmeister protestirt vorzüglich gegen die Räumung von Malta, und gegen seine gezwungene Abreise, da er sich nie die Abtretung von Malta an eine andre Macht ohne Bewilligung des Königs von Sicilien anmaaßen konnte, und insbesondre gegen alles, was ihn persönlich im 2ten Artikel dieser Convention angeht, welches er verabscheut und auf immer verwirft. Er protestirt endlich gegen alle die aus dieser angeblichen Convention hergeleiteten öffentlichen und Privathandlungen, als nach allem Natur- und Völkerrechte nichtig und von keiner Kraft, und legt diese aus Triest vom 12ten October erlaßene P otestation in seinem und im Namen des ganzen O dens dem Könige beyder Sicilien und allen andern Souverainen ehrbietig vor.

Während der auf eine so beyspiellose Art erworbene Französische Besitz der Insel Malta diese Vorgänge veranlaßte -- machte eigne Thatenkraft und Nationalenergie dieser neuen Herrschaft ein schleuniges Ende. Wenige Monate nach der Französischen Besitznahme, in den letzten Tagen des Augusts, war, wie wir bereits erzehlt haben, eine allgemeine Insurrection der Einwohner ausgebrochen, deren furchtbar angeschwollene Macht die Franzosen mit blutigen Verlusten allenthalben vertrieb, und zur eiligen Flucht in die Hauptstadt la Valetta zwang. Sie waren hier aber nicht gegen die Folgen eines Mangels gesichert, der durch die Blokade einer Portugiesisch-Englischen Flotten-Division immer dringender wurde, welche seit der Mitte des Septembers in jenen Gewäßern kreuzte, und den Einwohnern alle mögliche Unterstützung gab.

Neue Verluste verschlimmerten das Schicksal der Belagerten. Admiral Nelson erschien selbst mit einer Escadre bey Malta, nahm die kleine Insel Gozzo weg, wo sogleich die Neapolitanische Flagge aufgesteckt wurde, und nöthigte die aus anderthalbhundert Mann bestehende Französische Garnison sich zu Gefangenen zu ergeben. Er segelte hierauf wieder ab, indeß eine von ihm zur Fortsetzung der Blokade zurückgelaßene Englische Seemacht von 3 Linienschiffen und 4 Fregatten das Fort von Valetta aufs engste einschloß. Die Lage der Französischen Besatzung wurde täglich mißlicher. Die vielfältigen Gefechte mit den wohlbewafneten und organisirten Landleuten hatten dieselbe, um 1000 Mann verringert, und ihre gesammte Anzahl war auf 2000 ausgehungerte Krieger herabgeschmolzen. Unter solchen Bedrängnißen war endlich, den neuesten Nachrichten zufolge, die Capitulation der Festung la Valetta erfolgt und die ganze Felseninsel Malta, die erste Frucht der Französischen Toulonner Expedition, den Franzosen -- nach einem ohngefähr sechsmonatlichen Besitze wieder entrißen.

Als sie Malta in Besitz nahmen, nannten sie es das Vorgebürge der guten Hofnung, auf dem Wege nach Indien. Jetzt haben sie das Vorgebürge, und die die gute Hofnung und den Weg nach Indien verloren.


Quellen.[]

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1798.
  2. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1798.
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