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Unter den Heldinnen, welche für Teutschlands Sache das Schwerdt führten, steht mit Recht Maria Werder aus Schlesien allen voran, weil die den übrigen zuerst mit dem hohen Beyspiel weiblicher Tapferkeit vorangieng.

Schon im Jahr 1806. ermunterte sie nach der Schlacht von Jena ihren Mann, mit dem sie in einer kinderlosen Ehe lebte, die Waffen für ihr Vaterland zu ergreifen, und verlangte, mit ihm in das Feld zu ziehen. Beyde traten zu Breslau unter das Freycorps des Fürsten von Anhalt-Pleß, und wurden unter die Husaren aufgenommen. Ausgezeichnet durch ziemlich starken Körperbau, sowie durch eine etwas männliche Stimme und ein von der Sonne gebräuntes Angesicht gelang es ihr anfänglich, ihr Geschlecht zu verbergen; aber selbst, als dieses entdeckt war, weigerte sie sich, ihren einmal gefaßten Entschluß aufzugeben.

Zweimal wurde sie verwundet, zuerst durch einen Streifschuß, und bald darauf durch einen Hieb, durch den sie einen Finger der rechten Hand verlor; aber völlig gleichgültig verachtete sie die Schmerzen ihrer Wunden. Das Corps, bei welchem sie sich zuerst befand, wurde von der feindlichen Ueberzahl vernichtet, oder zerstreut, und sie selbst gefangen genommen; aber die entrann mit ihrem Manne der Gefangenschaft, und nahm unter dem Freycorps, welches Hirschfeld und Rochow, in der Gegend von Naumburg sammelten, neue Kriegsdienste. Sie nahm an mehreren Gefechten wieder Theil, und war unter den 22 Husaren, mit welchen Rochow 80 feindliche Fußgänger in Sagan zu Gefangenen machte. Später wurde sie selbst zum zweitenmal von einer überlegen Anzahl Franzosen gefangen genommen; wußte aber auch diesmal wieder zu entkommen, und verkleidete ihre Heimat wieder zu finden.

Im Jahre 1813. entschloß sie sich noch einmal mit ihrem Manne ins Feld zu ziehen. Beide erschienen in kriegischer Kleidung und Rüstung zu Breslau, und ließen sich unter das zweite schlesische Husarenregiment aufnehmen. Sie, unter dem Namen Werder der Zweyte, wurde bald darauf zum Wachtmeister ernannt, wobey sie sich durch den genauesten Diensteifer, so wie im Felde durch die rühmlichste Wachsamkeit und Tapferkeit auszeichnete. Zwey Tage vor der Schlacht bey Leipzig nahm sie allein zwey französische Voltigeurs gefangen. Besonders aber zeichnete sie sich in der darauf folgenden großen Völkerschlacht aus, wo sie eben so durch ihre Worte, wie durch ihr ganzes Benehmen ihren Untergebenen ein aufmunterndes Beyspiel der Entschlossenheit und Unerschrockenheit gab. Ein Pferd wurde ihr unter dem Leibe todt geschossen; aber sie bestieg ein anderes, und eroberte mit ihren Leuten eine leichte französische Feldbatterie.

In dieser Schlacht traf sie das Schicksal ihren Mann zu verlieren. So wie sie gewohnt waren, in einem Quartiere sich aufzuhalten, so fochten beyde auch in den Treffen gewöhnlich nahe bey einander. Dießmal aber war sie von ihm getrennt worden, und fand ihn erst am Tage nach der beendigten Schlacht unter den Leichnamen der Gefangenen von einer feindlichen Kugel in der Brust durchbohrt. Am nämlichen Tage erst entdeckte sie ihr Geschlecht, das sie während dieses Feldzuges bisher verhehlt hatte, und man hörte mit Verwunderung, daß der Gefallene nicht ihr Bruder, sondern ihr Mann gewesen sey.

Auch verließ sie jetzt den Kriegsdienst, und kehrte nach Haus zurück, um ihr übriges Leben in stiller Ruhe zuzubringen.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Züge teutschen Muthes und Hochsinns nebst einigen Gedichten verschiedenen Inhalts. Gesammelt und zur Ausführung eines wohlthätigen Zweckes herausgegeben von C. V. Sommerlatt. Zweiter Theil. Basel, 1821. gedruckt in der Schweighauserschen Buchdruckerey.
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