FANDOM


Zwar nicht in offener Feldschlacht gleich den vorigen kämpfte Marie Eleonore Schulze (geb. Haldemann,) die Wittwe eines Schullehrers zu Gerschau in Pommern, aber nichts desto weniger lebte ein gleicher Heldengeist in ihr, würdig hier vor vielen andern Merkwürdigkeiten unseres Zeitalters ausgezeichnet zu werden.

Schon im Jahr 1806 standen ihre beyden Söhne, Christoph und Martin bey der preussischen Armee. Als sie sich nach der Schlacht von Jena wieder aus der Gefangenschaft befreyten, so schickte sie dieselben selbst wieder zu der Armee, und ermunterte sie tapfer gegen die Franzosen zu streiten. Martin fiel in der Schlacht bey Eylau. -- Sie hörte seinen Tod, jammerte nicht, und sprach: "Ich werde ihn dort oben wieder sehen!"

Freude und neue Hoffnung beseelte sie, als im Jahr 1813 der preussische Aufruf ergieng. Christoph, ihr einiger und bereits verheiratheter Sohn, wurde wieder von ihr aufgefordert, die Waffen zu ergreifen! Sie gab ihm einen Abschiedskuß, und sprach: "Kehre entweder gar nicht, oder als brave Preusse zurück!" --

Aehnlich jener Spartanerin, welche ihrem Sohn den Schild reichte, und sprach: "Entweder mit oder auf dem Schilde!"

Einige Zeit nachher begab sie sich, ohngeachtet ihres hohen Alters selbst zur Armee, um unentgeldlich Lazarethdienste zu übernehmen. Da sie zu schwach war, um selbst das Schwerdt zu führen, was sie so gern gethan hätte, so wollte sie wenigstens nicht unthätig bleiben, und übernahm aus Liebe zur Menschheit und zum Vaterland einen Dienst der nicht minder gefährlich für ihr Leben und in gewisser Hinsicht noch lästiger war. Hier sah sie ihren Sohn noch einmal, wiederholte ihre Ermahnungen muthig zu streiten, und richtete sich, als er bald darauf bey Leipzig fiel, mit dem Troste auf, daß er für das Vaterland gefallen sey. Mit dem höchsten Entzücken vernahm sie die Nachricht, daß Napoleon mit den Trümmern seiner Armee nach dem Rheine fliehe, sank auf ihre Kniee nieder, rief betend: "Ja Herr du bist noch unser Gott!"

Von jetzt an war sie noch drey Wochen zu Halle mit der Verpflegung der Verwundeten und Kranken beschäftigt. Vielen Menschen rettete sie das Leben durch ihre Sorgfalt und Thätigkeit. Man warnte sie vor allzugroßer Anstrengung, aber sie fuhr fort in ihrem schönen menschenfreundlichen Beruf, bis sie selbst von dem ansteckenden Fieber, welches in dem Lazareth herrschte, befallen wurde. In den letzten Stunden ihres Lebens bestimmte sie noch ihr geringes Vermögen zur Anschaffung von Bibeln und Gesängbüchern für die armen Schulkinder von Gerschau, und starb dann mit frommer Ergebung in den Willen Gottes.

Ihre Gebeine ruhen auf dem Kirchhofe von Glaucha bey Halle.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Züge teutschen Muthes und Hochsinns nebst einigen Gedichten verschiedenen Inhalts. Gesammelt und zur Ausführung eines wohlthätigen Zweckes herausgegeben von C. V. Sommerlatt. Zweiter Theil. Basel, 1821. gedruckt in der Schweighauserschen Buchdruckerey.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.