Meissen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Meissen,[1] Markgrafthum in Obersachsen, welches gegen Norden an den Sächsischen Kurkreis, gegen Osten an die Lausitz, gegen Süden an Böhmen, und gegen Westen an Franken und Thüringen gränzt. Es ist ein fruchtbares und sehr gut angebautes Land an Getreide, Wein, und Wiesewachs, sonderlich hat es schöne Bergwerke, auch sehr viele Manufakturen nebst anderm Kunstfleis, und gehört dem Kurfürsten zu Sachsen. Man sondert es in 7 Theile ab, welche sind der Meißnische, der Leipziger, der Erzgebirgische, der Vogtländische, und der Neustädtische Kreis, und die Stifter Merseburg, Naumburg oder Zeitz. Darinnen ist


Meissen die Hauptstadt, mit 511 Häusern in der Stadt und den Vorstädten und noch 45 öffentlichen Gebäuden, an der Elbe, in einer höchst anmuthigen Gegend. In den 448 Bürgerhäusern, mit Ausschluß der übrigen in den Gärten und Weinbergen, lebten im J. 1800 3,705 Einwohner. Auf einem Berge liegt das Schloß; es sind aber der vorderste Theil, welcher den ehemaligen Burggrafen gehöret hat, und der hinterste, welcher den Bischöfen zuständig gewesen, eingegangen, und nur noch der mittlere oder markgräfliche Theil, die Albrechtsburg genannt, übrig. In demselben ist seit 1710 die berühmte Porzellanfabrike. Sie macht die Stadt zu einem Sammelplatz geschickter Chymisten, Künstler und Maler, wie denn auch von der 1763 gestifteten kurfürstl. Akademie der Künste, ein Hauptzweig hier etablirt ist. In neuern Zeiten hat zwar der Absatz des Porzellans abgenommen, weil auch in andern Gegenden ähnliche Fabriken angelegt und das Geheimniß abgelernt wurde; aber die ausgezeichnete Güte und Schönheit, wird doch diese Mutter aller übrigen in Europa lange erhalten. Sie beschäftigt noch immer über 700 Personen. Die Hauptniederlage der hier verfertigten Waare befindet sich in Dresden. Nicht weniger verdient die Domkirche nebst ihrem hohen oben durchsichtigen steinernen Thurm besehen zu werden, inwendig aber die Fürstenkapelle mit den sächsischen Begräbnissen, von Friedrich des Streitbaren Nachkommen, bis auf 1539, und mancherley Grabmäler. Auf dem Berge St. Afra steht die hiesige kurfürstliche Landschule, die 1543 aus einem Benediktinerkloster errichtet ward und das Afraneum heißt. Zur Erhaltung desselben sind die Einkünfte einiger Dörfer des ehemaligen Klosters bestimmt. Die Schule hat einen Inspector, 5 Lehrer, und 118 Alumni, welche größtentheils frey unterrichtet und genährt werden. Die lateinische Stadtschule heißt das Franciscaneum. Den Einwohnern bringt die Porcellainfabrike, und der Weinbau, welcher als der vorzüglichste in Sachsen gilt, auch einige Arbeiten der Tuchmacher und Töpfer, die Nahrung. Die von den Preussen im Kriege 1757 abgebrannte künstlich bedeckte Elbbrücke ist nunmehr vortrefflich wieder hergestellt.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
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