Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Der Berg Cenis.[]

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Cenis (der Berg), ein Theil des Alpengebirges in der Grafschaft Maurienne, im bisherigen franz. Departement Montblanc in Savoyen, dessen Höhe 1444 Toisen über der Meeresfläche angegeben wird, und berühmt durch den Weg geworden ist, welcher über denselben aus Savoyen nach Piemont, dessen Gränze er macht, führt. Auf der Seite nach Lasnebourg ist er am steilsten; der Weg ging schlangenweise und man mußte sich und die Bagage auf Mauleseln oder Tragsesseln fortbringen lassen. Oben auf dem Berge ist eine Ebene und ein stehender See, mit einem Hause, la Ramasse genannt. Der See enthält Forellen von 16 Pfunden. Höhere Schneeberge umschließen diese Ebene. Im Jahr 1805 wurde auf Befehl des franz. Kaisers die Straße über diesen Berg mit außerordentlichen Kosten regelmäßig gebaut; sie ist zu jeder Jahrszeit für alle Arten von Wagen und Fuhrwerk fahrbar.


Weg über den Berg Cenis.[]

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Dieser Weg ist ganz gefahrlos. In dem Revolutionskriege zogen nicht allein Heerkolonnen diese Straße, sondern die Höhe des Berges beym Spital war sogar der Schauplatz eines Gefechts zwischen den österreichischen und neufränkischen Truppen. Die Wagen müssen aber aus einander genommen und so durch Maulthiere transportirt werden. Deswegen pflegen viele Vetiurinis auf beyden Seiten, zu Lansburg und zu Novalese, Sedien vorräthig zu haben, um sich die Transportkosten zu ersparen. Diese Kosten waren sonst, unter der sardinischen Regierung, genau und nach allen Punkten bestimmt und sind es noch. Die Tragsessel, worin man die Reisenden trägt, sind breite Stöcke oder Stangen, deren Sitz aus geflochtenen Weiden oder Stricken besteht. Die Träger gehen sehr schnell. Auch ihr Salar ist auf das pünktlichste detaillirt Man hatte sonst ein Sprüchwort, um die Güte der Maulthiere und Träger anzudeuten: Porteurs de Novalese, mulets de Lasnebourg. Was man Ramassen nennt, geschieht nach der Seite von Lansburg; gegen Novalese zu geschieht es seltener. Ramasser heißt: auf einem Schlitten, der von einer Person gelenkt wird, schnell über den Schnee den Berg hinunterfahren. Man ramasset in 10, 12, 15, 20 Minuten, nachdem der Schnee mehr oder weniger gefroren ist, statt daß man im Gehen eine starke Stunde zur Zurücklegung dieser Strecke braucht. Das Ramassen findet nur 6 Monate im Jahre statt. Viele Personen hat das Anblick dieser Fahrt so sehr erschreckt, daß sie sich nie haben entschließen können, sich ramassen zu lassen. Andere haben ihr größtes Vergnügen daran gefunden, und ein Engländer hat sich eine ganze Woche zu Lansburg aufgehalten, um sich täglich 2 oder 3mal ramassen zu lassen. Der Weg nach Italien über den Cenis ist die gewöhnliche Straße für die Reisenden, welche von Lyon, Grenoble oder Genf kommen. Zu Montmelian, (wegen seines guten Weins bekannt, der sonst nur auf des Königs Tafel gesetzt wurde) war vor der Revolution der beste Gasthof von dieser Route. Von der Brücke zu Montmelian, wird man den Mont blanc gewahr, den man sonst nirgends auf diesem Wege sieht. Zwischen St. Michel und Modane, wird sich der Leser Yoriks en pays de connoissance befinden. Auf Befehl des Kaysers Napoleon ist auf dem Cenis ein Hospiz, nach der Art der auf dem Bernhard und Simplon befindlichen, gestiftet worden. Die Höhe des Berges Cenis über dem Meere beträgt beym Posthause 6261 Fuß.

Dieser Passage steht eine große Veränderung bevor. Denn nach den Berichten aller neuen Reisenden wird an der Cenisstraße, auf Befehl der französischen Regierung, so stark gearbeitet, daß man sie bald in eine Heerstraße verwandelt, und für Wagen gangbar erblicken wird. Im Jahr 1804 fuhr der Präfekt des Departements vom Mont Blanc zuerst in einem Wagen mit 3 Postpferden von Lasnebourg bis St. Croix, und bis zum Hospitz, hinauf und herab. Dieß neuerbaute Hospitz, das die Inschrift führt: Domitor Alpium jussit! war 1803 schon bewohnt, aber noch nicht ganz fertig.


Die Straße über den Cenisberg.[]

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Die jetzige Straße über den Montcenis, die im Jahr 1802 angefangen und nach neun Jahren unter beständigen Arbeiten, Hindernissen und Schwierigkeiten vollendet wurde ist eines jener Denkmähler, welches der jetzigen Regierung so viel Ehre macht. Sie vereinigt das Thal von Are in dem Departement des Montblanc mit dem Thale von Dole-Ripaire in dem Podepartement und nimmt ihre Richtung von Laneburg, das an dem rechten Ufer der Are ligt. Eine schöne hölzerne Brücke mit einem einzigen Bogen von zwanzig Meters Wölbungsdurchschnitt, verbindet das rechte Ufer mit dem linken und führt zu einer Straße, die in sechs stufenweisen Erhöhungen an der Seite des Berges bis zu seiner Anhöhe von 2100 Metres über die Meeresfläche hinaufsteigt. Von diesem Punct an geht die Straße über die hohe Gebirgsebene des Montcenis. An dem äußersten Ende des Sees, auf der Seit von Piemont und mit der Straße gleichlaufend, kömmt man zu den Gebäuden des Hospitiums, hinter welchem ein Bergstrom sich ein tiefes Bett gegraben hat. Die Brücke, die über denselben geht, ist von Holz mit fünf Öffnungen von einem Joche zum andern, deren jede sechs Klafter Durchschnitt hat. Der Bergstrom folgt beynahe der Straße und vereinigt sich mit der Cenise vor den Höfen von Grand-Croix. Eine steinerne Brücke soll noch in diesem Jahre über die Cenise erbauet werden. Die Höhenebene (plateau) des Montcenis endet hier, und der Abhang gegen Piemont fängt bey dieser Stelle an.

Bey diesem letztern Theile der Gebirgsstraße waren nicht weniger Schwierigkeiten zu überwinden; obenher der Ebene von St. Nicola mußte man einen Weg von zehn Metres breit und zweyhundert Metres lang durch einen Felsen von nacktem Granit von perpendiculärer Höhe durchbrechen. Diese Breite von zehn Metres (dreyßig Fuß) war nothwendig, um die Reisenden vor den von oben oft herabrollenden Felsstücken zu schützen. Es werden mehrere Gewölbe durchgehauen, die schon seit 1810 angefangen sind, und sollen noch in diesem Jahre beendigt seyn. Von dem Thore von Mollant an, am Ende der Krümmung von Giaglione, ist die Straße größten Theils ganz offen, an Felsen und an Abhängen von fürchterlichen Abgründen; man errichtet zur Sicherheit der Reisenden Schutzmauern an den Seitenwänden. Unterhalb St. Martin geht die Straße an dem Lauwinzug von Venanz vorbey, durch welchen alle Jahre ein oder zwey Lauwinen hinunterstürzen; man wird diesen vermittelst durchbrochener Gewölbe noch in diesem Jahre auszuweichen suchen.

Man sieht hieraus, welche Anstrengungen es forderte, um eine Straße mitten durch Hindernssie durchzuführen, welche die Natur im Weg legte, und welche sorgfältige Sicherheits- und Bequemlichkeitsmaßregeln für die Reisenden getroffen wurden. Böschungen und Verflächungen auf mehr dann 20,000 Metres, (60,000 Fuß oder 5 Stunden Wegs) an Granitfelsen angebracht; vermittelst Minen gesprengte Gewölbe und Stollen, um die Reisenden vor den Lauwinen zu schützen, die durch 4000 Metres (12,000) Fuß) lange, meistens hohe und gewölbte Mauern, unterstützt und mit 138 Abzuggraben und Wasserleitungen durchschnitten sind, Strebanlagen um die Lauwinen zu leiten; Halter und Schutzmauern an gefährlichen Orten. Die Straße ist 6 Metres (18 Fuß) breit aller Orten; der Abhang der Straße ist nirgends steiler als 5 Zoll auf ein Klafter, meistens aber nur 1, 2, bis 3 Zoll.

Es war indessen nöthig, den Reisenden Mittel zu verschaffen, sich vor der übeln Witterung und den Stürmen zu sichern, welche solche Gebirgsreisen nicht allein beschwerlich, sondern oft gefährlich machen. Se. Majestät der Kaiser, dessen Vorsicht nichts entgeht, befahl daher bey seiner letzten Reise nach Italien, daß man auf den obersten Anhöhen des Montcenis Zufluchtshäuser erbauen solle, welche den Reisenden als Schirme und den Cantoniers zu ihren Wohnungen dienen können. Solcher Häuser sind nun schon bey 25 aufgebaut; die Cantoniers beschäftigen sich im Winter mit Wegräumung des Schnees von der Straße und mit Hülfsleistungen für die Reisenden; im Sommer arbeiten sie an der Straßenunterhaltung. Die Straße ist aller Orten bey geringen Distanzen mit Werkstangen (balises) versehen, damit der Reisenden bey Nebelwetter von einem Zufluchtsorte zum andern sich finden könne, und sollte der Nebel zu dicht seyn, daß der Reisende die Werkstangen nicht bemerken könnte, so kann er sich nach dem Schall einer Glocke richten, die in allen Zufluchtshäusern angebracht ist, und in den Zeiten der Dunkelheit geläutet wird. Man hat ebenfalls eine Caserne für 2 Brigaden Gendarmerie und um 1200 Mann einzuquartieren, errichtet. Das Hospitium ist noch nicht beendigt, allein man glaubt, daß es im Laufe dieses Jahres vollendet seyn werde. Die guten Geistlichen daselbst thun alles mögliche, um den Reisenden alle Unterstützungen zu leisten, deren sie bedürftig seyn möchten. Es sind in dem Gebäude 40 Zimmer, deren eines JJ. MM. vorbehalten ist. Die oberste Anhöhe des Montcenis ist ganz von Bäumen entblößt; man hat versucht, Lerchentannen anzupflanzen, von welchen man einigen Erfolg hofft. Die Straße ist bey 9 Stunden lang, und hat schon bey 6 Millionen Franken gekostet. Sie ist jetzt schon weit mehr besucht als ehemahls, und im letzten Jahre gingen über dieselben 44,946 Maulthiere und 16,899 Fuhrwerke.


Zeitungsnachrichten.[]

[1812]

Vermischte Nachrichten. [4]

Kürzlich wurde die auf dem Montcenis neuerbaute Kirche vom Erzbischof von Turin eingeweiht.


Quellen.[]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Der Passagier auf der Reise in Deutschland und einigen angränzenden Ländern, vorzüglich in Hinsicht auf seine Belehrung, Bequemlichkeit und Sicherheit. Ein Reisehandbuch für Jedermann vom Kriegsrath Reichard, auch Verfasser des Guide des voyageurs en Europe. Berlin, 1806. bey den Gebrüdern Gädicke.
  3. Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst. Dritter Jahrgang 1812. Wien, gedruckt und im Verlag bey Anton Strauß.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 273 Mittewoch, den 13. /25. November 1812.
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