Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Napoleon Bonaparte

Zeitungsnachrichten.[]

[1808]

Frankreich. [1]

Die Zahl der Arbeiter in den Tuillerien war seit Kurzem verdoppelt worden, und man schloß daraus zu Paris, daß sich der Zeitpunkt der Rückkehr des Kaisers nähere. Indessen schmeichelte man sich noch sowohl in den Städten des südlichen Frankreichs, als zu Nantes, Brest, St. Malo xc., mit der Hoffnung, den Monarchen bey sich zu sehen. Ein Pariser Journal will wissen, er sey von Bayonne nach Pau abgegangen.


Frankreich. [2]

Die Pariser-Journale sprechen nun ebenfalls ausdrücklich von der nahen Abreise des Kaisers nach Deutschland. Sie setzen hinzu, der gesetzgebende Körper werde auf Ende Oktobers zusammenberufen werden.


Frankreich. [3]

Paris von 23. Sept. Am 21. d. war Staatsrath zu St. Cloud gewesen, bey dem der Kaiser den Vorsitz führte. Am nämlichen Tage hatten Se. Maj. der Kaiser in der Ebene von Sablons eine Division Holländischer Truppen, welche sich nach Spanien begeben sollen, gemustert. Gestern früh um 5 Uhr ist der Kaiser mit seinem Gefolge abgereist. Gestern Nachmittags um 1 Uhr gieng das Munizipalkorps der ersten Kolonne des ersten Korps der grossen Armee entgegen, um sie an der Barriere St. Martin zu empfangen, und ihr die goldnen Kronen zu überreichen, welche vor 2 Jahren der grossen Armee votirt wurden. Von der Barriere wurden die Soldaten nach Tivoli geführt, wo ihnen ein Mittagsmahl gegeben wurde. Eine ähnliche Mahlzeit wird mit jedem Tage gegeben, so lange die Truppen durchziehen, sowohl den übrigen Regimentern, welche das erste Armeekorps bilden, als auch denjenigen des 6., welche am 28., 29. und 30. Sept., und am 1. Oktober eintreffen.


Rheinischer Bund. [4]

Frankfurt, vom 25. Sept. Das 27. Dragonerregiment ist vorgestern in unserer Gegend angekommen. Gestern passirte das 18. und 19. Dragonerregiment nebst einer Abtheilung reitender Artillerie mit einer Batterie von 6 Kanonen, 12 Haubitzen und ungefähr 30 Pulverwagen hierdurch. Abends 6 Uhr. Seit 3 Uhr heute Nachmittags erwarten wir Se. Majestät den Kaiser von Frankreich. Um 2 12 Uhr fuhren Se. Hoheit unser Landesfürst Sr. Majestät in einem sechsspännigen Gallawagen entgegen. Se. Maj. haben sich alle öffentliche Ehrenbezeugungen verbeten. Abends 6 34 Uhr. So eben sind Se. Maj. der Kaiser und König in hiesiger Stadt eingetroffen.

Frankfurt, vom 26. Sept. Se. Maj. der Kaiser von Frankreich und König von Italien sind diesen Morgen um 4 12 Uhr von hier über Hanau abgereist. In dem Gefolge Sr. Maj. befanden sich Se. Durchl. der Fürst von Neufchatel, der Marschall Düroc und der Minister Staatssekretär Maret, die General Savary, Lauriston, Lebrün und Bertrand, alle vier Adjutanten Sr. kaiserl. Majestät, Hr. Remusat und drey andere Kammerherren, der General Nansouty, Großstallmeister, ein kaiserl. Stallmeister, Hr. de Menneval, erster geheimer Sekretär, Hr. Fain xc. Sämmtliche fürstl. Personen, welche sich hier befinden, hatten sich gestern im Pallaste Sr. Hoheit versammelt, um daselbst Se. Majestät zu erwarten. J. k. H. die Prinzessin Stephanie begab sich sogleich nach der Ankunft des Kaisers in das Palais. Hr. Graf v. Tolstoy, Russisch-kaiserl. Bothschafter zu Paris, und Hr. Graf v. Nesselrode, Russisch-kaiserl. Legazionsrath, sind kurz nach der Ankunft Sr. k. k. Majestät hier angekommen. Die Fürstin v. Pontecorvo, so wie der Fürst v. Weilburg waren vorgestern hier eingetroffen. Gestern Nachmittags kamen auch der Herzog von Nassau hier an. In der Nacht vom 24. zum 25. sind Se. k. H. der Prinz Wilhelm von Preussen ebenfalls in hiesiger Stadt angelangt.

Am 27. Sept. hatte zu Erfurt die Zusammenkunft der Kaiser Alexander und Napoleon wirklich Statt.


Rheinischer Bund. [5]

Erfurt den 28. Sept. Sr. Maj. der Kaiser der Franzosen war heute früh um halb 8 Uhr in Gotha unter Glockengeläute und Kanonendonner eingetroffen; Se. herzogl. Durchlaucht von Gotha war Ihm bis nach Eisenach entgegen gereist. Der Kaiser verweilte in Gotha nur, bis die Pferde gewechselt waren. Die herzogliche Jägerey hatte Ihn von einer Gränze des Fürstenthums bis zur andern begleitet. In Erfurt zog Se. Majestät gleichfalls unter Kanonen und dem Geläute aller Glocken, wie gemeldet, nach drey Viertel auf 10 Uhr wieder ein. Fünfhundert Schritte vor dem Thore hatte sich unter Anführung unsers Stadtkommandanten, Bigi, der Magistrat mit den Deputirten der Bürgerschaft, der hiesigen Universität und der Geistlichkeit versammelt. Der Stadtdirektor von Danzen überreichte Sr. Majestät die Schlüssel der Stadt. Der Zug gieng hierauf durch die vom Brühler-Thore an in Spalier aufgestellten Truppen nach dem Gouvernementshause, wo Se. Majestät abstieg, und das zur Wohnung für Sie zubereitet worden war. Kurz darauf setzte sich Se. Maj. zu Pferd, und machte Sr. Maj. dem König von Sachsen, welcher gestern hier angekommen war, einen Besuch. Hierauf ließ Se. Maj. die hier befindlichen Truppen ausser dem Thore die Revüe passiren, und ritt alsdann Sr. Majestät dem Kaiser Alexander von Rußland auf der Strasse nach Weimar entgegen. Der Einzug dieser beyden Kaiser in unsere Stadt, welche neben einander ritten, war von mehrern hohen Personen begleitet, und von der Gränze unserer Stadt an mit mehrern hundert Kanonenschüssen und dem Geläute aller Glocken begrüßt. Der Kaiser Napoleon trug den grossen Alexander-Newsky-Orden, so wie der Kaiser Alexander das Großkreuz der Ehrenlegion. Ausser den erwähnten Allerhöchsten und im Gefolge Derselben befindlichen Personen. sind noch folgende vornehme Fremde hier angekommen: Die Könige von Sachsen, Bayern und Westphalen, der Herzog von Weimar, der Erbprinz und Prinz Bernhard von Weimar, der Fürst von Rudolstadt, die Fürstin von Thurn und Taxis, und die Herzogin von Würtemberg, der Prinz von Mecklenburg-Strelitz, Fürst Reuß-Greiz, Fürst Reuß Schleitz, Fürst Reuß-Lobenstein, Prinz Wilhelm von Preussen.


Rheinischer Bund. [6]

Rheinstrom. den 4. Okt. Man will nun Nachricht haben, daß der Kaiser Napoleon von Erfurt sich durchs südliche Deutschland an den Rhein begeben, und über Straßburg nach St. Cloud zurückkehren werde. Man fügt hinzu, er werde in Süddeutschland über die Truppen einiger Souverains des Rheinischen Bundes Musterung halten, und zu dem Ende die dort errichteten Lager besuchen. Die Reise Sr. Maj. dürfte daher nicht über Kassel, sondern durch den Thüringer Wald nach Nürnberg, Augsburg xc. gehen.


Rheinischer Bund. [7]

Frankfurt, den 14. Okt. Es sind heute mehrere Wagen von der Suite Sr. Maj. des Kaisers hier durchpassirt. Se. Maj. sollte heute von Erfurt abreisen, die heutige Nacht in Fulda schlafen, und morgen Nachmittag hier durchpassiren. Der Marschall Lannes ist diesen Morgen, und der Marschall Soult diesen Nachmittag hier durchgereist.

Am 13. Okt. schieden die beyden Kaiser Alexander und Napoleon von Erfurt, und traten die Rückreise nach ihren Staaten an.


Frankreich. [8]

Mainz, vom 15. Okt. Se. Maj. der Kaiser sind um 12 Uhr Nachts hier eingetroffen, und diesen Morgen um 6 Uhr wieder abgereist; Allerhöchstsie wollten heute in Saverne (Elsaß-Zabern) übernachten, und im Vorbeygehen die Festungswerke von Landau besichtigen.


Frankreich. [9]

In der Nacht vom 18. bis 19. Okt. war der Kaiser zu St. Cloud angekommen; die Kaiserin hatte am 18. Malmaison verlassen, um sich ebenfalls nach St. Cloud zu begeben. Der Minister-Staatssekretär war bereits am 18. des Morgens von Erfurt nach Paris zurückgekommen.


Quellen.[]

  1. Wiener-Zeitung. Nro 64. Mittwoch, den 10. August 1808.
  2. Wiener-Zeitung. Nro 79. Sonnabend, den 1. Oktober 1808.
  3. Wiener-Zeitung. Nro 82. Mittwoch, den 12. Oktober 1808.
  4. Wiener-Zeitung. Nro 81. Sonnabend, den 8. Oktober 1808.
  5. Wiener-Zeitung. Nro 82. Mittwoch, den 12. Oktober 1808.
  6. Wiener-Zeitung. Nro 84. Mittwoch, den 19. Oktober 1808.
  7. Wiener-Zeitung. Nro 86. Mittwoch, den 26. Oktober 1808.
  8. Wiener-Zeitung. Nro 87. Sonnabend, den 29. Oktober 1808.
  9. Wiener-Zeitung. Nro 89. Sonnabend, den 5. November 1808.
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