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[[Bild:PortretFürstRepnin.jpg|frame|Fürst Repnin, General-Adjutant Sr. Maj. des Kaisers Alexander.]]
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==Fürst Nicolai Repnin.==
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<br> [[Bild:PortretFürstRepninWolchonsky RIJKS.jpg|240px|right|Collectie Rijksmuseum Amsterdam.]]
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<big>Repnin</big> (Fürst Nicolai),<ref>Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.</ref> '''russisch-kaiserlicher Generallieutenant''' und '''Generaladjutant''', Ritter mehrerer russischen und fremden Orden, ist der älteste Sohn des Generals Fürsten Wolkonsky, Gouverneurs von Orenburg. Seine Mutter, Tochter des verstorbenen [[Nikolai Wassiljewitsch Repnin|Feldmarschalls Fürsten Repnin]], bekleidete mehrere Jahre bei der Großfürstin Catharine, Gemahlin des Königs von Wirtemberg, die Stelle einer Oberhofmeisterin. Ihr Vater, der durch seine ruhmvollen Feldzüge gegen die Türken, durch seine Ambassaden in [[Konstantinopel|Constantinopel]] im J. 1775 und [[Warschau]] berühmt gewordne Großvater des Fürsten Repnin, nahm, da er kinderlos war, seinen Enkel an Kindes Statt an, und vererbte ihm mit seinen Namen seine beträchtlichen Güter. Die Brüder des Fürsten führen daher noch ihren väterlichen Namen Wolkonsky. Fürst Nicolai Repnin wurde unter den Augen seines Großvaters erzogen, er begleitete ihn nach [[Berlin]], wo der Feldmarschall als Ambassadeur extraordinaire im [[1798|Jahr 1798]] antrat. In einer solchen Schule konnte der junge Fürst, der damals Husarenofficier war, sich nicht anders als vielseitig vortheilhaft entwickeln. Das Vorbild und die Leitung seines erlauchten Großvaters äußerten auch bald den günstigsten Einfluß auf den jungen Fürsten, der mit großem Ernst, oft mit Strenge zur Pünktlichkeit in Erfüllung seiner Dienstpflichten angehalten wurde. Im Fache der Mathematik, Algebra, Geschichte, Geographie und Statistik, in den lebenden Sprachen, und allen dem Offiziere und Staatsmanne erforderlichen Kenntnissen zeichnete er sich bald vorzüglich aus. Schon jung war der Fürst, wie der größte Theil des russischen Adels, in den Dienst der russischen Leibgarden eingetreten. Nach dem Tode seines Großvaters bewohnte er abwechselnd [[Sankt Petersburg|Petersburg]], [[Moskau]], und bereis'te seine beträchtlichen Güter. In [[Moskau]] vermählte er sich in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts mit der ältesten Tochter des Geheimen-Raths, Grafen Alxei Rasumowsky, jetzt Ministers der öffentlichen Aufklärung. Seine Gemahlin, geistreich, gebildet, von dem liebreichsten, edelsten Charakter, schenkte ihm mehrere Kinder, von denen jetzt noch drei, die älteste und jüngste Tochter, das mittelste ein hoffnungsvoller Sohn, am Leben sind. Beim Ausbruche des Kriegs [[1805]] verließ der Fürst, der damals Oberster der Chevaliergarde war, seine geliebte Familie und sein Vaterland, um den [[Schlacht von Austerlitz|Feldzug von Austerlitz]], den 2ten Dec. 1805, ward er bei einem Cavallerieangriff des Garderegiments, das er commandirte, am Kopfe verwundet, er ward vom Feinde umringt und gefangen genommen. Anfangs sollte er nach Frankreich transportirt werden; da seine Wunde ihn aber bis zum Abschluß des Friedens in [[Linz]] zurückhielt, wohin seine Gemahlin voll sorgender Liebe geflogen war, um ihn zu pflegen, so erfolgte bald die Auswechslung. Die in diesem Feldzug bewiesene Tapferkeit ward durch die ehrenvolle Auszeichnung des [[Russischer Orden des Heiligen Georg|St. Georgenordens vierter Classe]] belohnt, nachdem der Fürst schon früher sich bei der Organisirung der Milizen in seinem Vaterlande die goldne Ehrenmedaille am Wladimirsbande erworben hatte. Nach hergestellter Gesundheit und nach Rückkehr des Friedens lebte der Fürst meist in [[Moskau]] in den glücklichsten Familienverhältnissen unter mannichfaltigen wissenschaftlichen Beschäftigungen. Eine vortreffliche Bibliothek, die er mit großen Kosten angeschafft hatte und mit Liebe behandelte, bot ihm Stoff dazu an. Hier in [[Moskau]] war es, wo von diesem eifrigen Vaterlandsfreunde das jetzt zur Ausführung gereifte Monument für den heldenmüthigen Mirin, den Befreier der Russen von fremder Sclaverei, entworfen und befördert wurde. Um dem Staate auch in friedlichen Verhältnissen zu dienen, trat der Fürst, der indeß zum Generalmajor vorgerückt war, im [[1809|Jahr 1809]] in die diplomatische Laufbahn. Der [[Alexander I. (Russland)|Kaiser Alexander]] ernannte ihn zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am damaligen [[königlich westphälischen Hofe]]. Von seiner Familie begleitet, kam der Fürst nach einem Aufenthalte von einigen Monaten in Merlin im Sommer 1809 in [[Kassel|Cassel]] an. Schon im folgenden [[1810|Jahre 1810]] wies ihm sein Monarch einen neuen wichtigern Gesandtschaftsposten an. Er wurde zum Minister am [[königlich spanischen Hofe]] ernannt, und erhielt als Beweis der besondern Zufriedenheit mit den bisher geleisteten Diensten den [[Russischer Orden der Heiligen Anna|St. Annenorden erster Classe]]. Die Reise ging mit einem zahlreichen Gefolge über [[Frankfurt am Main|Frankfurt]] nach [[Paris]], Die göttinger Societät der Wissenschaften hatte dem Fürsten kurz vorher das Diplom eines Mitglieds übersandt, und somit seinen vielseitigen Kenntnissen gehuldigt. In Paris wartete der Fürst auf seine Instructionen für den neuen madrider Posten; sein Aufenthalt verzögerte sich aber auch aus mehrern in der eifersüchtigen Politik des damaligen Beherrschers Frankreichs liegenden Gründen. Die benöthigten Pässe nach [[Königreich Spanien|Spanien]] wurden so lange verweigert, bis an die Stelle des Fürsten nur ein Geschäftsträger (Baron Mohrenheim) nach [[Madrid]] abging. Der Fürst kehrte also [[1811]], von dem sich nähernden Gewitter überzeugt, durch Deutschland und [[Königreich Preußen|Preußen]] nach [[Sankt Petersburg|St. Petersburg]] zurück. Kaum begann der [[Feldzug von 1812 in Russland|Feldzug von 1812]], so erhielt der Fürst, der immer noch nützlicher Thätigkeit strebte, ein Cavalleriecommando im [[I. Infanteriekorps (Wittgenstein - 1812)|Armeecorps des Grafen Wittgenstein]]; auch hier zeichnete er sich wieder durch Einsicht und Eifer aus; er war mit [[Alexander Iwanowitsch Tschernyschow|General Zschernitseff]] der erste, der [[Berlin]] befreiten half. Nach der ewig denkwürdigen [[Schlacht von Leipzig|Schlacht bei Leipzig]] den 18ten Oct. 1813, welcher der Fürst gleichfalls beiwohnte, vertrauten ihm die alliirten Souveräne das Generalgouvernement des [[Königreich Sachsen|Königreichs Sachsen]] mit sehr ausgedehnten Vollmachten als einen glänzenden Beweis von Achtung und Zutrauen an. Im Herbste 1814 nahm diese Administration ein Ende, und die königlich preußische trat an deren Stelle. Fürst Repnin verließ [[Dresden]], um sich nach [[Wien]] zu begeben, wo er während der [[Congreßverhandlungen]] blieb. Seine häuslichen Angelegenheiten nöthigten ihn im [[1815|J. 1815]] zu einer Reise nach [[Sankt Petersburg|St. Petersburg]]; nach wenig Monaten kam er aber zu den Seinigen nach [[Wien]] zurück, um an der Seite seines Monarchen den [[Feldzug]] gegen den aus [[Elba]] zurückgekehrten Usurpator mitzumachen. Er theilte die Ehre, mit als Sieger in [[Einnahme von Paris (1815)|Paris]] einzuziehen. Nach seiner Zurückkunft nach Rußland wurde er zum Generalgouverneur von [[Gouvernement Poltawa|Pultawa]] ernannt.
   
'''Repnin''' ('''Fürst Nicolai'''), '''russisch-kaiserlicher Generallieutenant''' und '''Generaladjutan'''t, Ritter mehrerer russischen und fremden Orden, ist der älteste Sohn des Generals Fürsten Wolkonsky, Gouverneurs von Orenburg. Seine Mutter, Tochter des verstorbenen [[Nikolai Wassiljewitsch Repnin|Feldmarschalls Fürsten Repnin]], bekleidete mehrere Jahre bei der Großfürstin Catharine, Gemahlin des Königs von Wirtemberg, die Stelle einer Oberhofmeisterin. Ihr Vater, der durch seine ruhmvollen Feldzüge gegen die Türken, durch seine Ambassaden in [[Konstantinopel|Constantinopel]] im J. 1775 und [[Warschau]] berühmt gewordne Großvater des Fürsten Repnin, nahm, da er kinderlos war, seinen Enkel an Kindes Statt an, und vererbte ihm mit seinen Namen seine beträchtlichen Güter. Die Brüder des Fürsten führen daher noch ihren väterlichen Namen Wolkonsky.
 
   
Fürst Nicolai Repnin wurde unter den Augen seines Großvaters erzogen, er begleitete ihn nach [[Berlin]], wo der Feldmarschall als Ambassadeur extraordinaire im [[1798|Jahr 1798]] antrat. In einer solchen Schule konnte der junge Fürst, der damals Husarenofficier war, sich nicht anders als vielseitig vortheilhaft entwickeln. Das Vorbild und die Leitung seines erlauchten Großvaters äußerten auch bald den günstigsten Einfluß auf den jungen Fürsten, der mit großem Ernst, oft mit Strenge zur Pünktlichkeit in Erfüllung seiner Dienstpflichten angehalten wurde. Im Fache der Mathematik, Algebra, Geschichte, Geographie und Statistik, in den lebenden Sprachen, und allen dem Offiziere und Staatsmanne erforderlichen Kenntnissen zeichnete er sich bald vorzüglich aus.
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==Quellen.==
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<references/>
Schon jung war der Fürst, wie der größte Theil des russischen Adels, in den Dienst der russischen Leibgarden eingetreten. Nach dem Tode seines Großvaters bewohnte er abwechselnd [[Sankt Petersburg|Petersburg]], [[Moskau]], und bereis'te seine beträchtlichen Güter. In [[Moskau]] vermählte er sich in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts mit der ältesten Tochter des Geheimen-Raths, Grafen Alxei Rasumowsky, jetzt Ministers der öffentlichen Aufklärung. Seine Gemahlin, geistreich, gebildet, von dem liebreichsten, edelsten Charakter, schenkte ihm mehrere Kinder, von denen jetzt noch drei, die älteste und jüngste Tochter, das mittelste ein hoffnungsvoller Sohn, am Leben sind.
 
 
Beim Ausbruche des Kriegs [[1805]] verließ der Fürst, der damals Oberster der Chevaliergarde war, seine geliebte Familie und sein Vaterland, um den [[Schlacht von Austerlitz|Feldzug von Austerlitz]], den 2ten Dec. 1805, ward er bei einem Cavallerieangriff des Garderegiments, das er commandirte, am Kopfe verwundet, er ward vom Feinde umringt und gefangen genommen. Anfangs sollte er nach Frankreich transportirt werden; da seine Wunde ihn aber bis zum Abschluß des Friedens in [[Linz]] zurückhielt, wohin seine Gemahlin voll sorgender Liebe geflogen war, um ihn zu pflegen, so erfolgte bald die Auswechslung. Die in diesem Feldzug bewiesene Tapferkeit ward durch die ehrenvolle Auszeichnung des [[Russischer Orden des Heiligen Georg|St. Georgenordens vierter Classe]] belohnt, nachdem der Fürst schon früher sich bei der Organisirung der Milizen in seinem Vaterlande die goldne Ehrenmedaille am Wladimirsbande erworben hatte.
 
 
Nach hergestellter Gesundheit und nach Rückkehr des Friedens lebte der Fürst meist in [[Moskau]] in den glücklichsten Familienverhältnissen unter mannichfaltigen wissenschaftlichen Beschäftigungen. Eine vortreffliche Bibliothek, die er mit großen Kosten angeschafft hatte und mit Liebe behandelte, bot ihm Stoff dazu an. Hier in [[Moskau]] war es, wo von diesem eifrigen Vaterlandsfreunde das jetzt zur Ausführung gereifte Monument für den heldenmüthigen Mirin, den Befreier der Russen von fremder Sclaverei, entworfen und befördert wurde.
 
 
Um dem Staate auch in friedlichen Verhältnissen zu dienen, trat der Fürst, der indeß zum Generalmajor vorgerückt war, im [[1809|Jahr 1809]] in die diplomatische Laufbahn. Der [[Alexander I. (Russland)|Kaiser Alexander]] ernannte ihn zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am damaligen [[königlich westphälischen Hofe]]. Von seiner Familie begleitet, kam der Fürst nach einem Aufenthalte von einigen Monaten in Merlin im Sommer 1809 in [[Kassel|Cassel]] an.
 
 
Schon im folgenden [[1810|Jahre 1810]] wies ihm sein Monarch einen neuen wichtigern Gesandtschaftsposten an. Er wurde zum Minister am [[königlich spanischen Hofe]] ernannt, und erhielt als Beweis der besondern Zufriedenheit mit den bisher geleisteten Diensten den [[Russischer Orden der Heiligen Anna|St. Annenorden erster Classe]]. Die Reise ging mit einem zahlreichen Gefolge über [[Frankfurt am Main|Frankfurt]] nach [[Paris]], Die göttinger Societät der Wissenschaften hatte dem Fürsten kurz vorher das Diplom eines Mitglieds übersandt, und somit seinen vielseitigen Kenntnissen gehuldigt. In Paris wartete der Fürst auf seine Instructionen für den neuen madrider Posten; sein Aufenthalt verzögerte sich aber auch aus mehrern in der eifersüchtigen Politik des damaligen Beherrschers Frankreichs liegenden Gründen. Die benöthigten Pässe nach [[Königreich Spanien|Spanien]] wurden so lange verweigert, bis an die Stelle des Fürsten nur ein Geschäftsträger (Baron Mohrenheim) nach [[Madrid]] abging. Der Fürst kehrte also [[1811]], von dem sich nähernden Gewitter überzeugt, durch Deutschland und [[Königreich Preußen|Preußen]] nach [[Sankt Petersburg|St. Petersburg]] zurück.
 
 
Kaum begann der [[Feldzug von 1812 in Russland|Feldzug von 1812]], so erhielt der Fürst, der immer noch nützlicher Thätigkeit strebte, ein Cavalleriecommando im [[I. Infanteriekorps (Wittgenstein - 1812)|Armeecorps des Grafen Wittgenstein]]; auch hier zeichnete er sich wieder durch Einsicht und Eifer aus; er war mit [[Alexander Iwanowitsch Tschernyschow|General Zschernitseff]] der erste, der [[Berlin]] befreiten half. Nach der ewig denkwürdigen [[Schlacht von Leipzig|Schlacht bei Leipzig]] den 18ten Oct. 1813, welcher der Fürst gleichfalls beiwohnte, vertrauten ihm die alliirten Souveräne das Generalgouvernement des [[Königreich Sachsen|Königreichs Sachsen]] mit sehr ausgedehnten Vollmachten als einen glänzenden Beweis von Achtung und Zutrauen an. Im Herbste 1814 nahm diese Administration ein Ende, und die königlich preußische trat an deren Stelle. Fürst Repnin verließ [[Dresden]], um sich nach [[Wien]] zu begeben, wo er während der [[Congreßverhandlungen]] blieb.
 
 
Seine häuslichen Angelegenheiten nöthigten ihn im [[1815|J. 1815]] zu einer Reise nach [[Sankt Petersburg|St. Petersburg]]; nach wenig Monaten kam er aber zu den Seinigen nach [[Wien]] zurück, um an der Seite seines Monarchen den [[Feldzug]] gegen den aus [[Elba]] zurückgekehrten Usurpator mitzumachen. Er theilte die Ehre, mit als Sieger in [[Einnahme von Paris (1815)|Paris]] einzuziehen. Nach seiner Zurückkunft nach Rußland wurde er zum Generalgouverneur von [[Gouvernement Poltawa|Pultawa]] ernannt.
 
 
 
==Quellen und Literatur.==
 
*Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
 
 
[[Kategorie: Personen|Repnin]]
 
[[Kategorie: Personen|Repnin]]
 
[[Kategorie: Fürsten|Repnin]]
 
[[Kategorie: Fürsten|Repnin]]

Version vom 10. September 2019, 19:33 Uhr

Fürst Nicolai Repnin.


PortretFürstRepninWolchonsky RIJKS

Repnin (Fürst Nicolai),[1] russisch-kaiserlicher Generallieutenant und Generaladjutant, Ritter mehrerer russischen und fremden Orden, ist der älteste Sohn des Generals Fürsten Wolkonsky, Gouverneurs von Orenburg. Seine Mutter, Tochter des verstorbenen Feldmarschalls Fürsten Repnin, bekleidete mehrere Jahre bei der Großfürstin Catharine, Gemahlin des Königs von Wirtemberg, die Stelle einer Oberhofmeisterin. Ihr Vater, der durch seine ruhmvollen Feldzüge gegen die Türken, durch seine Ambassaden in Constantinopel im J. 1775 und Warschau berühmt gewordne Großvater des Fürsten Repnin, nahm, da er kinderlos war, seinen Enkel an Kindes Statt an, und vererbte ihm mit seinen Namen seine beträchtlichen Güter. Die Brüder des Fürsten führen daher noch ihren väterlichen Namen Wolkonsky. Fürst Nicolai Repnin wurde unter den Augen seines Großvaters erzogen, er begleitete ihn nach Berlin, wo der Feldmarschall als Ambassadeur extraordinaire im Jahr 1798 antrat. In einer solchen Schule konnte der junge Fürst, der damals Husarenofficier war, sich nicht anders als vielseitig vortheilhaft entwickeln. Das Vorbild und die Leitung seines erlauchten Großvaters äußerten auch bald den günstigsten Einfluß auf den jungen Fürsten, der mit großem Ernst, oft mit Strenge zur Pünktlichkeit in Erfüllung seiner Dienstpflichten angehalten wurde. Im Fache der Mathematik, Algebra, Geschichte, Geographie und Statistik, in den lebenden Sprachen, und allen dem Offiziere und Staatsmanne erforderlichen Kenntnissen zeichnete er sich bald vorzüglich aus. Schon jung war der Fürst, wie der größte Theil des russischen Adels, in den Dienst der russischen Leibgarden eingetreten. Nach dem Tode seines Großvaters bewohnte er abwechselnd Petersburg, Moskau, und bereis'te seine beträchtlichen Güter. In Moskau vermählte er sich in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts mit der ältesten Tochter des Geheimen-Raths, Grafen Alxei Rasumowsky, jetzt Ministers der öffentlichen Aufklärung. Seine Gemahlin, geistreich, gebildet, von dem liebreichsten, edelsten Charakter, schenkte ihm mehrere Kinder, von denen jetzt noch drei, die älteste und jüngste Tochter, das mittelste ein hoffnungsvoller Sohn, am Leben sind. Beim Ausbruche des Kriegs 1805 verließ der Fürst, der damals Oberster der Chevaliergarde war, seine geliebte Familie und sein Vaterland, um den Feldzug von Austerlitz, den 2ten Dec. 1805, ward er bei einem Cavallerieangriff des Garderegiments, das er commandirte, am Kopfe verwundet, er ward vom Feinde umringt und gefangen genommen. Anfangs sollte er nach Frankreich transportirt werden; da seine Wunde ihn aber bis zum Abschluß des Friedens in Linz zurückhielt, wohin seine Gemahlin voll sorgender Liebe geflogen war, um ihn zu pflegen, so erfolgte bald die Auswechslung. Die in diesem Feldzug bewiesene Tapferkeit ward durch die ehrenvolle Auszeichnung des St. Georgenordens vierter Classe belohnt, nachdem der Fürst schon früher sich bei der Organisirung der Milizen in seinem Vaterlande die goldne Ehrenmedaille am Wladimirsbande erworben hatte. Nach hergestellter Gesundheit und nach Rückkehr des Friedens lebte der Fürst meist in Moskau in den glücklichsten Familienverhältnissen unter mannichfaltigen wissenschaftlichen Beschäftigungen. Eine vortreffliche Bibliothek, die er mit großen Kosten angeschafft hatte und mit Liebe behandelte, bot ihm Stoff dazu an. Hier in Moskau war es, wo von diesem eifrigen Vaterlandsfreunde das jetzt zur Ausführung gereifte Monument für den heldenmüthigen Mirin, den Befreier der Russen von fremder Sclaverei, entworfen und befördert wurde. Um dem Staate auch in friedlichen Verhältnissen zu dienen, trat der Fürst, der indeß zum Generalmajor vorgerückt war, im Jahr 1809 in die diplomatische Laufbahn. Der Kaiser Alexander ernannte ihn zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am damaligen königlich westphälischen Hofe. Von seiner Familie begleitet, kam der Fürst nach einem Aufenthalte von einigen Monaten in Merlin im Sommer 1809 in Cassel an. Schon im folgenden Jahre 1810 wies ihm sein Monarch einen neuen wichtigern Gesandtschaftsposten an. Er wurde zum Minister am königlich spanischen Hofe ernannt, und erhielt als Beweis der besondern Zufriedenheit mit den bisher geleisteten Diensten den St. Annenorden erster Classe. Die Reise ging mit einem zahlreichen Gefolge über Frankfurt nach Paris, Die göttinger Societät der Wissenschaften hatte dem Fürsten kurz vorher das Diplom eines Mitglieds übersandt, und somit seinen vielseitigen Kenntnissen gehuldigt. In Paris wartete der Fürst auf seine Instructionen für den neuen madrider Posten; sein Aufenthalt verzögerte sich aber auch aus mehrern in der eifersüchtigen Politik des damaligen Beherrschers Frankreichs liegenden Gründen. Die benöthigten Pässe nach Spanien wurden so lange verweigert, bis an die Stelle des Fürsten nur ein Geschäftsträger (Baron Mohrenheim) nach Madrid abging. Der Fürst kehrte also 1811, von dem sich nähernden Gewitter überzeugt, durch Deutschland und Preußen nach St. Petersburg zurück. Kaum begann der Feldzug von 1812, so erhielt der Fürst, der immer noch nützlicher Thätigkeit strebte, ein Cavalleriecommando im Armeecorps des Grafen Wittgenstein; auch hier zeichnete er sich wieder durch Einsicht und Eifer aus; er war mit General Zschernitseff der erste, der Berlin befreiten half. Nach der ewig denkwürdigen Schlacht bei Leipzig den 18ten Oct. 1813, welcher der Fürst gleichfalls beiwohnte, vertrauten ihm die alliirten Souveräne das Generalgouvernement des Königreichs Sachsen mit sehr ausgedehnten Vollmachten als einen glänzenden Beweis von Achtung und Zutrauen an. Im Herbste 1814 nahm diese Administration ein Ende, und die königlich preußische trat an deren Stelle. Fürst Repnin verließ Dresden, um sich nach Wien zu begeben, wo er während der Congreßverhandlungen blieb. Seine häuslichen Angelegenheiten nöthigten ihn im J. 1815 zu einer Reise nach St. Petersburg; nach wenig Monaten kam er aber zu den Seinigen nach Wien zurück, um an der Seite seines Monarchen den Feldzug gegen den aus Elba zurückgekehrten Usurpator mitzumachen. Er theilte die Ehre, mit als Sieger in Paris einzuziehen. Nach seiner Zurückkunft nach Rußland wurde er zum Generalgouverneur von Pultawa ernannt.


Quellen.

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
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