Biographien.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811.

(1816) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.


N. Luckner.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Luckner (N.) Reichsbaron,[1] geboren zu Kempen in Bayern, diente während des 7jährigen Kriegs als General in der Armee des Königs von Preußen, und zeigte Talente als Anführer leichter Truppen. Nach dem Frieden ließ er sich durch eine ansehnliche Pension, welche ihm die Regierung aussetzte, nach Frankreich ziehen und erhielt den General-Lieutenants-Charakter. Da er seit 1789 sich zur revolutionären Parthey hinzuneigen schien, hatte er 1790 die Erlaubniß, der allgemeinen Föderation beyzuwohnen, und erschien an den Schranken der National-Versammlung. Im July überschickte er der Versammlung seinen Huldigungseid und erhielt den 31. Dezember aus den Händen des Ministers Narbonne zu Metz den Marschallstab. Zu Anfange des May erbot er sich, die Ordnung und Mannszucht in der Flandrischen Armee wieder herzustellen, Rochambeau zu bewegen, daß er das Kommando derselben behielte und selbst unter ihm als Adjutant zu dienen. Er begab sich auch in der That den 14. May zu dieser Armee und übernahm nachher den Oberbefehl derselben. Den 5. July hielt er in Begleitung Lafayettes über seine Armee Musterung, und bezeugte laut seine Anhänglichkeit an den konstitutionellen König. Im Laufe desselben Monats wurde er zum Generalissimus der französischen Armee ernannt, und begab sich für seine Person zur Moselarmee. Im July ging er, so wie Lafayette, nach Paris, und beyde wurden von dem Volke mit Enthusiasm empfangen; die Jakobiner aber vernichteten ohne Mühe ihre Liebe bey dem Volke. Uebrigens führte ihn der schlechte Erfolg seiner Reise nach Paris, wo er seine ganze Volksgunst und den Ruf seiner militärischen Talente verloren hatte, bald wieder in sein Lager zurück. Dümouriez ergriff gierig diese Gelegenheit, einen Nebenbuhler zu stürzen, nach dessen Stelle er trachtete. Luckner wurde im Mitte des Monats August seiner Functionen entlassen und nach Châlons verwiesen, wo er indessen noch den leeren Titel eines Generalissimus, doch ohne irgend eine Gewalt, beybehielt, mit der alleinigen Beschäftigung, die Rekruten zu sammeln, welche man zu Dümouriez Armee gehen ließ. Von dem Konvent erhielt er im Januar 1793 die Erlaubniß, sich zurückzuziehen, wohin es ihm gut dünke. Er wurde in seiner Zurückgezogenheit wirklich ziemlich in Ruhe gelassen, bis zu dem Augenblicke, wo er auf die Auszahlung seiner Pension antrug; da wurde er dem Revolutionsgerichte überliefert, und als ein Staatsverräther zum Tode verurtheilt, weil er dem Feinde mehrere Plätze übergeben habe. Er wurde den 15. Nivose des Jahrs 2, in seinem 72sten Jahre hingerichtet. In seiner Jugend hatte er die persönliche Tapferkeit und Thätigkeit eines Partheygängers an den Tag gelegt und verband damit die geraden Absichten eines rechtlichen Mannes; allein es fehlte ihm an Unterricht, Hülfsmitteln und der Entschlossenheit, die in einem Zeitpunkte der Revolution mehr als Muth und Kenntnisse gilt.


Nicolas Luckner.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Luckner (Nicolas) [2] war zu Cham in Bayern geboren und studirte 1737 zu Passau. Im siebenjährigen Kriege errichtete er ein Corps Husaren für Hannover, an dessen Spitze er überaus tapfer und glücklich focht. Als dieses Corps, dessen ganzes Zutrauen er besaß, nach dem Frieden erlassen wurde, ging er aus Verdruß in französische Dienste, wo er sich nachher so empor schwang, daß ihn Ludwig XVI. zu der Würde eines Marschalls von Frankreich erhob. Seine Bildung hatte nichts Einnehmendes; er war klein von Person und der französischen Sprache nicht recht mächtig, wie er selbst einmal öffentlich in der Nationalversammlung erklärte. Dessen ungeachtet stand er in großer Achtung bei den Soldaten und erwarb sich auch das Zutrauen der Regierung, weil man wußte, daß er für die Ehre der Nation fechte, ohne sich darum zu bekümmern, ob Frankreich von einem Könige regiert, oder in eine Republik umgegossen werde. Eben deswegen achtete man auch wenig auf seine unbedachtsamen Reden, die bald royalistisch bald republikanisch waren, je nachdem sich Luckner in dem Genusse des Weins, an dessen Süßigkeit er viel Behagen fand, übernommen hatte. Weil aber sein hohes Alter zu kühnen Unternehmungen nicht mehr tüchtig schien, so wurde ihm im Anfange des Kriegs 1792 das Commando über die Central-Armee übertragen. An Dumouriez konnte er sich anfänglich nicht recht gewöhnen, wurde zuletzt jedoch mit ihm vertraut. Die Bergpartei verzweifelte endlich an seinem Patriotismus und rief ihn von der Armee zurück. Er schmachtete in einem Kerker und mußte zum Lohn für seine Dienste, die er Frankreich eine lange Reihe von Jahren geleistet hatte, am 4. Jan. 1794 unschuldig die Guillotine besteigen.


Schreiben des Marschalls Luckner über seine Lage.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1792]


[3] Der Marschall Luckner erhielt von einem Freunde aus Wien unter dem 11ten April ein Schreiben, worin ihm gesagt wurde, daß, im Fall er als Feind Deutschland betreten sollte, seine Güter in Holstein in Gefahr seyn würden. Nach den Ausdrücken des Briefs kam dieser Wink von einer sehr vornehmen Person. Der Marschall gab darauf folgende Antwort:

Ich kann nicht voraussehen, welche Absichten Frankreich hat, dem deutschen Reiche den Krieg zu erklären; wie sie aber auch beschaffen seyn mögen, so sind seit beinahe dreißig Jahren, die ich in seinem Dienste verlebt habe, alle Punkte meiner Capitulation genau gehalten worden, und noch kürzlich hat diese großmüthige Nation und ihr König mich zu der höchsten Würde eines |Marschalls von Frankreich und der eines Chefs ihrer Armeen erhoben, so daß ich äußerst unwürdig handeln würde, wenn ich jetzt, wo ich ihr vielleicht nützlich seyn dürfte, das in mich gesetzte Zutrauen veruntreuen könnte. Sagen Sie der Person, (wer sie ist, mag ich nicht wissen) die Ihnen aufgetragen hat, mich an die Gefahr zu erinnern, der meine Besitzungen in Holstein unterworfen seyn dürften, daß ich dergleichen Drohungen gar nicht fürchte.

Jedoch erkläre ich im Fall einer unerwarteten Ungerechtigkeit, daß meine Güter und Besitzungen taxirt, und auf sechs Millionen französische Livres geschätzt sind, und daß ich wohl Mittel finden würde, mich zu rächen und mich völlig zu entschädigen, sobald sich jemand unterstehen sollte, sie im mindesten anzutasten. Mein Plan ist gemacht, aber ihn bekannt zu machen, ist noch nicht Zeit. Ich bin übrigens von der Großmuth und Festigkeit der französischen Nation im voraus versichert, daß sie mich in meinem Plane mit Nachdruck unterstützen wird.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  3. Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts. Herausgegeben von J. W. v. Archenholz. Hamburg 1792.
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