Nil, großer Fluß, in Africa, der in dem Innern von Abyssinien entspringt; wiewohl der eigentliche Ursprung noch jezt nicht zuverlässig bekannt ist.

Der Portugiese, P. Hieronymus Lobo, glaubte ohngefähr in der Mitte des 17ten Jahrhunderts, so wie in unsern Tagen der Schottländer Bruce, die Quellen des Nils in dem Königreich oder der abyssinischen Provinz Gojam entdeckt zu haben, in welcher ein Fluß ist, der von der Einwohnern Abaui, d. i. der Vater der Ströme, genennet wird. Allein es ist wahrscheinlich, daß dieser vielmehr der Astapus der Alten ist, der sich erst mit dem aus südwestlicherer Ferne herfließenden Nil vereinigt.

Nachdem der Nil ein Stück von Abyssinien, Nubien und Egypten durchströmet, mehrere Flüsse aufgenommen, und unterschiedene Wasserfälle erlitten hat, so theilt er sich, nicht weit von Cairo, in 2 große Arme, und diese wieder in kleinere, von welchen aber nur noch einer das mittelländische Meer erreicht. Die beyden äussersten Arme gegen Osten und Westen formiren, mit der nördlichen Küste Aegyptens, die zwischen ihnen ist, ein Dreyeck oder die Figur des griechischen Buchstaben Delta; daher auch dieser Theil von Nieder-Aegypten solchen Namen bekommen hat.

Der Nil hat die Eigenschaft, das er jährlich vom 18ten oder 19ten Junius anfängt, zu steigen; und zwar in der ersten Woche täglich von 2 - 5 und in beyden folgenden von 5 - 10 Zollen. Hernach steigt er unmerklicher, bleibt aber doch immer im Wachsen. Vom 25. Jul. bis den 18. Aug. kommt er ohngefähr auf 16 Dras, oder 24 Pariser Fuß. Alsdann wird der Canal bey Cairo und nach und nach die entferntern Canäle durchstochen, um das Land unter Wasser zu setzen. Im September hat er seine größte Höhe erreicht, und fängt dann allmählich in der nämlichen Zeit an wieder zu sinken, die er zu seinem Wachsthum gebraucht hatte. Auf einer Insel ist ein Mikjas oder Wassermaaßstab, an dem die Höhe beobachtet wird. Wenn er nicht 16 Dras erreicht, so werden die Canäle nicht eröffnet und das Jahr ist äusserst unfruchtbar.

Bey dem Steigen ist das Wasser gelblicht und führt, nach Shaws Angabe, 1/120 schlammigte Materie mit sich. Bey der Ueberschwemmung ist es bald röthlich, bald grün, laxirt, und muß, wenn man es zum Trinken oder zur Bereitung der Speisen gebrauchen will, mit gestossenen bittern Mandeln oder Tropfstein klar gemacht werden.

Die größte Breite des Stroms beträgt bey Kairo 2,000 Fuß; er ist also viel kleiner als die Donau.


Quellen und Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
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