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Der obersächsische Kreis.[]

Der OBERSAECHSISCHE KREIS. Nro327.

*) Dieser und der folgende Kreis hat seinen Namen von dem alten deutschen, mächtigen Volke, den Sachsen; obersächsisch heißt er, weil er an dem obern Theile der Elbe, und jener niedersächsisch, weil er an dem untern Theile der Elbe liegt.

Gränzen. Gegen N. die Ostsee; g. O. und S. Preußen, Schlesien, Lausitz, Böhmen und Franken; g. W. der oberrheinische u. niedersächsische Kreis.

Größe: 1950 Quadratmeilen.

Landesbeschaffenheit. Die nördliche Hälfte (welche die brandenburgischen Staaten enthält) ist durchaus eben, in Süden aber sind zahlreiche Gebirge, unter welchen das Erzgebirge, der Thüringer und Böhmische Wald, und ein Distrikt des Harzes sich zum Theil durch ihre Größe und Höhe auszeichnen. Flüße: im Süden die Elbe, die aus Böhmen kommt, u. das Land von Osten nach Nordwesten durchströmt; im Norden die Oder; diese beyden Hauptflüße nehmen (die Werra, einige nördliche Küstenflüße und die Seitenflüße des Mayns ausgenommen) fast alle übrigen Flüße auf. Der südliche Theil ist wärmer, fruchtbarer und stärker bevölkert, als der nördliche, welcher viele sandige Heiden und Moräste enthält. Die meisten Provinzen schicken sich recht gut zum Getreidebau und zur Viehzucht, und die gebirgigen Gegenden haben insbesondere einen Reichthum an Holz und Mineralien, vorzüglich an Silber, Kobalt und Eisen xc.

Sachsen ist ein Hauptsitz der deutschen Kunstfleißes; Manufakturen und Fabriken aller Art sind über das ganze Land verbreitet: daher denn auch der Handel ungemein beträchtlich und einträglich ist.

Die Einwohnerzahl beträgt beynahe 4 Millionen; die Religion ist größtentheils lutherisch, nur im Brandenburgischen u. Anhaltischen, u. in der Grafschaft Hohenstein ist ein ziemlicher Theil reformirt. In Potsdam, Dresden, Leipzig und Stettin haben die Katholiken stillen, in Berlin aber öffentlichen Gottesdienst. Betriebsamkeit, Artigkeit, große Leibe zu Wissenschaften und Künsten sind Hauptzüge im Charakter der Sachsen.

Eintheilung. Dieser Kreis, welcher 20 unmittelbare Stände, und unter diesen 2 Churfürstenthümer, ein Herzogthum, 8 Fürstenthümer, 4 Grafschaften und mehrere Herrschaften enthält, -- wird in den südlichen und nördlichen Theil eingetheilt.

A. Der südliche Theil enthält:
I. Das Churfürstenthum Sachsen.
Das Churfürstenthum ist in 7 Kreise getheilt, zu welchen noch die beyden Stiften Merseburg und Naumburg und das Fürstenthum Querfurt gerechnet werden.
1) Der Meißnische Kreis,
2) Der Churkreis,
3) Der Thüringische Kreis,
4) Der Leipziger Kreis,
5) Der Erzgebirgische Kreis,
6) Der Voigtländische Kreis,
7) Der Neustädtische Kreis,
8) Das Stift Merseburg,
9) Das Stift Naumburg,
10) Das Fürstenthum Querfurt.
II. Die herzoglich sächsischen Lande
enthalten:
1) Das Fürstenthum Weimar, nebst dem Jenaischen Landesantheil
2) Das Fürstenthum Eisenach,
3) Das Fürstenthum Gotha,
4) Das Fürstenthum Altenburg,
5) Das Fürstenthum Coburg
III. Das Fürstenthum Anhalt
IV. Das Fürstenthum Schwarzburg
V. die Grafschaft Mannsfeld
VI. Die Stolbergischen Grafschaften
und zwar
a) die Grafschaft Stolberg
b) Die Grafschaft Wernigerode
VII. Die Grafschaft Hohenstein
VIII. Die Reussischen Herrschaften
IX. Die Schönburgischen Herrschaften
X. Die (ehem.) weltliche Abtey Quedlinburg
XI. Das Stift Walkenried
XI. Das Gebiet und die Stadt Erfurt
XII. Das Eichsfeld (40 Quadratmeilen)
B. Der nördliche Theil.
Der nördliche Theil des obersächsischen Kreises begreift, den schwedischen Antheil von Pommern ausgenommen, durchaus Brandenburgische Staaten, und zwar gehören hieher:
I. Das Churfürstenthum Brandenburg
Eintheilung. Die Mark Brandenburg besteht aus zwey Haupttheilen, der Churmark u. der Neumark.
1) Die Churmark
oder die eigentliche Mark, auf welcher die Churwürde ruht, liegt auf der Westseite der Oder, und wird wieder in 4 Provinzen getheilt.
a) Die Mittelmark
b) Die Altmark,
c) Die Vormark, oder Priegnitz,
d) Die Uckermark,
2) Die Neumark
II. Das Herzogthum Pommern
Eintheilung. Das Land wird durch die Oder, in Vorpommern u. in Hinterpommern getheilt; letzteres ist ganz, und das erste zur Hälfte königl. preussisch, die andere Hälfte von Vorpommern ist der Krone Schweden unterworfen.
1) Das preußische Vor- und Hinterpommern
a) Vorpommern
b) Hinterpommern
2) Das schwedisch Pommern
Es besteht:
a) aus dem festem Lande, und enthält:
b) aus der Insel, oder dem Fürstenthum Rügen


Quellen und Literatur.[]

  • Handbuch der Erdbeschreibung von Europa insbesondere von Deutschland. Nach den neuesten Friedensschlüßen und dem bestätigten Hauptschluße der Reichsdeputation vom 25. Febr. 1803. Für den öffentlichen und Privatgebrauch. von Herrn F. C. Franz, Professor der Geschichte und Geographie am Churfürstlichen Gymnasium zu Stuttgart. Stuttgart, bey Joh. Friedr. Steinkopf, 1804.
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