Passwan-Oglou.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]

PASSEWANDOGLU.

Passwan - Oglou, Pascha von Widdin, wo er um das Jahr 1762 von griechischen Aeltern geboren ist, ein ehrgeitziger unternehmender Mann, empörte sich im Aprill 1797 gegen die Pforte. Er zog damals an der Spitze von 30000 Mann ins Feld, nahm den Titel Osman IV. an und machte seinen Plan bekannt, auf Konstantinopel loszugehen. Er hatte die Feinheit gehabt, die Ueberreste der Armee Kosziuszkos an sich zu ziehen und mit Nutzen alle pohlnischen Offiziers, die gegen die der Türken weit unterrichteter waren, in seiner Armee anzustellen. Im July sammelten die Paschas von Rommelien, Albanien und Bulgarien ihre Truppen, um ihn anzugreifen; allein er schlug alle Korps, die es wagten, sich ihm entgegenzustellen, zurück, leistete selbst der Armee des Großherrn, die ihn nachher in Widdin belagerte, Widerstand, schloß und brach mehrere Verträge mit der Pforte, und behauptete 1799 die Oberherrschaft in seinem Gouvernement, indem er zu gleicher Zeit seinen ehemaligen Souverain und alle angränzenden Paschas zittern machte. Zu Ende 1802 schien er sich mit der Pforte auszusöhnen, übernahm von ihr den Auftrag, die verschiedenen Räuberhorden zu unterdrücken und führte denselben mit vieler Thätigkeit aus. Im May 1803 entzweyte er sich mit ihr von neuem und brachte dem Pascha von Nicopoli, der gegen ihn ausgesandt wurde, eine vollkommene Niederlage bey. Nach diesem Siege schloß er einen neuen Vertrag mit dem Großherrn ab. Er starb den 5. Februar 1807.


Paßwan Olgu.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]
Paßwan Olgu, oder eigentlich Pazzman Ohlu, der Sohn eines Bossi Aga, das heißt Oberhaupt von mehrern grundherrschaftlichen Bezirken, war zu Widdin um das J. 1762 geboren, wo ihn sein Vater in politischen, ökonomischen und militärischen Wissenschaften unterrichten ließ. Mit diesem seinem Vater gerieth er 1785 in Streit, so daß sie gegen einander förmlich mit ihren ausgehobnen Mannschaften Angriffe ausführten, bis sich endlich 1788 die vornehmsten Widdiner ins Mittel legten, und die Einigkeit unter ihnen wieder herstellten. Sie vereinigten nun beide ihre Mannschaft mit einander, behandelten die Stadt Widdin ganz eigenmächtig, vertrieben alle mit Gewalt oder mit List aus der Gegend, bis noch in demselben Jahre der Seraskier Melek Mehmed Bassa mit 12,000 Mann gegen sie beordert wurde. Nach dreimonatlichem Kampfe flüchteten endlich Vater und Sohn mit 600 Mann zu dem Fürsten Mavrojeny in der Wallachei, der sie auch aufnahm, und zu Bir Bassas (Anführern von 1000 Mann) machte. Der Vater, nach Cfernetz versetzt, wurde vom Widdiner Aga angegriffen, gefangen genommen und heimlich hingerichtet; der Sohn, hierüber erbittert, sann auf Rache, ging mit 2000 Mann zusammengebrachter Truppen über die Donau, und im geheimen Einverständniß mit seinen Widdiner Freunden überrumpelte er mit 5000 Mann Widdin, bemächtigte sich der Festungswerke, und zwang den Bassa, seine Mannschaft zu entlassen. So zur Herrschaft über Widdin gelangt, übertrug er nun die Führung der Geschäfte einem Bekir Aga, ging zu dem in Vetislam stehenden Großvezier, Jussuff Bassa, erhielt von diesem noch 6000 Mann, wurde aber bei Morava geschlagen und flüchtete. Nach Widdin zurückgekehrt, lebte er nun bis 1792 in Ruhe, wo er unter andern auch den Bekir Aga, der ihm keine Rechenschaft von den zusammengehäuften Schätzen geben wollte, zusammenhauen ließ. Ein neuer Bassa zu Widdin machte die Pforte näher mit der Macht Paßwan, bei Zeiten davon unterrichtet, sammelte alle seine Kräfte, griff den Bassa an, schlug ihn mitten in der Festung, und zwang ihn, alle Truppen zu entlassen. Einige Zeit darauf, von diesen hinterlistig überfallen, flüchtete er zwar nach einem blutigen Treffen, sammelte aber wieder an 3000 Mann, überrumpelte Widdin, jagte den Bassa aus der Stadt, und besetzte nun Stadt und Festung mit seiner eignen Mannschaft. Als bald darauf die Spaltungen im Divan wegen der Spahis und Janitscharen entstanden, welche der türkische Kaiser abschaffen wollte, benutzte Paswan Oglu diese Stimmung, warf sich zum Vertheidiger der Spahis und Janitscharen auf, und bekam so einen mächtigen Anhang. Trotz der Anerbietungen der Pforte zum Vergleich, vermehrte er seine Truppen immer mehr, nahm (1795) Nikopolis, eroberte mit den alten Janitscharen Belgrad, aus dem sie aber im Juli 1796 wieder vertrieben wurden, und jetzt ließ die Pforte ihre ganze macht gegen ihn aufbieten. Eine Macht von 50,000 Mann versammelte sich um Widdin, Paßwan Oglu hatte deren 30,000, mit welchen er sich sehr stark verschanzte. Nach mehrern Versuchen, die Stadt zu erobern, wurden wieder Vergleichsvorschläge gethan; Paßwan Oglu ging sie anfangs ein, und die großherrlichen Truppen zogen auch wirklich ab, allein jener benutzte nur die Zeit seiner Verstärkung, und rückte 1797 gegen Nikopolis und Adrianopel, die sich ergeben mußten. Eine Armee von 60,000 Mann belagerte nun 1798 Widdin, allein nach vielen andern machte auch Paßwan Oglu im Juni einen so glücklichen Ausfall, daß 6000 von den großherrlichen Truppen blieben, und der Großvezier alles im Stiche ließ. Endlich kam unter Rußlands nachdrücklicher Verwendung ein Vergleich zu Stande, vermöge dessen der Großherr die Janitscharen wieder in ihre vorigen Besitzungen einsetzen, und den Paßwan Oglu als Bassa von drei Roßschweifen in Widdin lassen mußte. Der Tod dieses für die Pforte allerdings bedeutenden Menschen erfolgte zu Widdin am 3ten Februar 1807, nachdem er, wie man sagt, nach mehrern Einfällen ins österreichische Gebiet, den Erzherzog Carl 1802 um Erlaubniß gebeten hatte, sich auf kaiserliches Gebiet begeben und da anbauen zu dürfen, welches ihm aber, so lange er noch von seinem rechtmäßigen Oberherrn als Rebell angesehen würde, abgeschlagen sey. Er war übrigens menschenfreundlich und mitleidig, aber streng in Handhabung der Gerechtigkeit. Für Wittwen und Waisen hatte er mehrere Stiftungen gemacht, und für arme Reisende Wirthshäuser an der Straßen anlegen lassen.


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1806]

[3]

Türkey.

Paßwand Oglu ist von Widdin mit einer beträchtlichen Truppenzahl in die kleine Wallachey eingefallen, und hat in Crajova starke Requisitionen ausgeschrieben.

[1807]

[4]

Oßman Pascha von Widdin, unter dem Nahmen Paßwand Oglu, seit zwölf Jahren durch seine militairischen Talente und seinen unruhigen Unternehmungsgeist, durch den glücklichen Widerstand, den er hinter den Mauern seiner Stadt, den gesammten Streitkräften des ottomannischen Reiches leistete, allgemein bekannt, ist am 5. Febr. gestorben. Die Russen sind dadurch eines bedeutenden Feindes entledigt, der sich zwar nie bestimmt und durch die That gegen sie erklärt, sondern sich bis zu seinem Ableben ruhig innerhalb der Mauern von Widdin gehalten hatte.

[5]
Als Nachfolger des verstorbenen Osmann Pascha, (Paßwand Oglu) in der Statthalterschaft von Widdin, nennet man zwey seiner Hauptleute deren zahlreiche Partheyen einander deshalb bereits in den Haaren liegen. Der eine derselben ist der, durch seine Grausamkeiten in den mit der Pforte und den benachbarten Bassen, von Paßwand Oglu bestandenen Fehden, bekannte Molla, der andere Mehmisch Aga. Kuschanzy Aly war wenige Tage vor Paßwand Oglus Tode, mit seinen Kersalen aus Belgrad, Widdin vorbeygezogen, und hatte den Einlaß gefordert, der ihm, aber abgschlagen wurde.


An der Stelle Paßwand Oglu's ist durch ein Uebereinkommen zwischen den zwey Parthey-Häuptern Molla und Mehmisch-Aga, ein wenig bekannter Janitscharen-Anführer, Rustem-Aga getreten.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  3. Wiener Zeitung. Nro 86. Sonnabend, den 25. October 1806.
  4. Wiener-Zeitung Nro. 16. Mittwoch, den 25. Februar 1807.
  5. Wiener-Zeitung Nro. 18. Mittwoch, den 4. März 1807.
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